politik digital

von Christoph Bieber 
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politik digital
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Inhaltsangabe zu "politik digital"

Sie twittern aus dem Bundestag, ändern ihren Beziehungsstatus bei Facebook, produzieren Video-Podcasts und laden ihre Reden auf YouTube hoch – das Web 2.0 hat längst auch die als altmodisch geltenden Volksvertreter erreicht. In Zeiten überalterter Mitgliederparteien, sinkender Wahlbeteiligung und eines dauerhaft schlechten öffentlichen Ansehens blicken Politiker und Parteien immer sehnsuchtsvoller auf das Internet und hoffen auf digitale Impulse für Öffentlichkeit und Demokratie.
Und tatsächlich geben die vergangenen zwei Jahre durchaus Anlass zur Hoffnung: Mit der durch eine beispiellose Internet-Kampagne vorbereiteten Wahl von Barack Obama zum US-Präsidenten im November 2008 schwappte die zweite Welle der Online-Euphorie rechtzeitig zum Superwahljahr 2009 nach Deutschland herüber. Im Fahrwasser eines spektakulären Feldzuges gegen ein seltsames Instrument namens Internetsperren formierte sich mit der Piratenpartei eine neue politische Gruppierung, die im Vorfeld der Bundestagswahl sämtliche Register politischer Online-Kommunikation zog und damit maßgeblich zur Etablierung eines neuen Politikfeldes beigetragen hat. Seitdem spielen 'Digitale Bürgerrechte' endlich eine Rolle im öffentlichen Diskurs und über diesen Umweg haben auch die etablierten Parteien neuen Anschluss an das Internet gefunden.
Doch natürlich ist das Web 2.0 nicht nur ein Lebensraum für eine runderneuerte, bürger- und beteiligungsorientierte Politik. Der öffentliche Diskurs muss sich in einer immer stärker fragmentierten medialen Umwelt behaupten, die rasante Veränderung der Konstellationen politischen Handelns erfordert oftmals radikales Umdenken und den Bruch mit alten Traditionen. Die 'digitale Herausforderung' zeigt sich am deutlichsten bei Fragen zur Zukunft von Parteien und Wahlen – haben die großen Mitgliederorganisationen in Zeiten von Echtzeitkommunikation und der flexiblen Organisation des Kommunikations-Alltags überhaupt noch eine Zukunft? Sind Urne und Stimmzettel attraktive Mitmach-Angebote für die Eingeborenen des digitalen Zeitalters? Kann eine kollektiv verbindliche Entscheidungsfindung unter den Bedingungen zersplitterter Öffentlichkeiten, dem long tail der Politik, noch funktionieren?
Das Buch spannt einen Bogen zwischen alten und neuen Medien, zwischen Alter und Neuer Welt – in diesen Arenen des Wandels könnte tatsächlich eine produktive Zukunft für politische Prozesse, Inhalte und Strukturen liegen. Dies bleibt die durchgängige Perspektive der nachfolgenden Überlegungen und davon handelt dieses Buch: das Internet verändert unser Handeln – und nicht nur unser Denken.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783981068580
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:130 Seiten
Verlag:Blumenkamp Verlag
Erscheinungsdatum:01.10.2010

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