Christoph Biermann

 4 Sterne bei 109 Bewertungen

Lebenslauf von Christoph Biermann

Christoph Biermann, geboren 1960 in Krefeld, lebt in Berlin und arbeitete für die taz, Stern, Die Zeit und war Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung und beim SPIEGEL. Seit 2010 beim Fußballmagazin 11Freunde, inzwischen als Reporter. Biermann gehört seit Jahren zu den profiliertesten Fußballjournalisten Deutschlands und hat zahlreiche Bücher zum Thema Fußball veröffentlicht. »Die Fußball-Matrix« und »Wenn wir vom Fußball träumen« wurden jeweils zum »Fußballbuch des Jahres« gewählt. Zuletzt erschien von ihm »Wir werden ewig leben« (KiWi 1813), 2020. 

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Christoph Biermann

Cover des Buches Deutschland. Ein Sommermärchen (ISBN: 9783462037593)

Deutschland. Ein Sommermärchen

 (37)
Erschienen am 02.10.2006
Cover des Buches Fast alles über Fußball (ISBN: 9783462036398)

Fast alles über Fußball

 (15)
Erschienen am 19.08.2005
Cover des Buches Wie ich einmal vergaß, Schalke zu hassen (ISBN: 9783462319194)

Wie ich einmal vergaß, Schalke zu hassen

 (8)
Erschienen am 07.06.2018
Cover des Buches Die Fußball-Matrix (ISBN: 9783462305012)

Die Fußball-Matrix

 (7)
Erschienen am 18.08.2011
Cover des Buches Wir werden ewig leben (ISBN: 9783462002355)

Wir werden ewig leben

 (6)
Erschienen am 19.08.2021
Cover des Buches Meine Tage als Spitzenreiter (ISBN: 9783895334474)

Meine Tage als Spitzenreiter

 (5)
Erschienen am 05.04.2004

Neue Rezensionen zu Christoph Biermann

Cover des Buches Um jeden Preis (ISBN: 9783462003734)
Joseph_Weisbrods avatar

Rezension zu "Um jeden Preis" von Christoph Biermann

An jedem Sieg klebt ein Preisschild
Joseph_Weisbrodvor 18 Tagen

Am dritten Tag nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges flohen die Brüder Igor und Georgi Surkis in einem gepanzerten Mercedes-Maibach S 650 nach Ungarn – mit 18 Millionen Dollar im Kofferraum. Das Geld stammte von einem Firmenkonto in der Steueroase Virgin Islands, auf das die UEFA zwischen 1916 und 2019 hunderte Millionen für den ukrainischen Fußballverband bestimmte Euro überwiesen hatte. 

Die von dem jungen portugiesischen Whistleblower Rui Pinto veröffentlichten, insgesamt 70 Millionen (!) vertraulichen Dokumente, in denen solche Vorgänge belegt sind, „verschaffen eine klare Sicht auf ein Panoptikum des Irrsinns“, wie der vielfach ausgezeichnete Autor und Journalist Christoph Biermann in seinem neuen Buch „Um jeden Preis – Die wahre Geschichte des modernen Fußballs von 1992 bis heute“ schreibt. Der Basis-Intellektuelle unter den Fußballautoren, in jungen Jahren sozialisiert als treuer Fan von Westfalia Herne und VfL Bochum, schildert die drei Jahrzehnte zwischen der Einführung der Champions League 1992 und der gekauften WM in Katar. Er belegt seine scharfsinnige Bestandsaufnahme mit harten Fakten und Zahlen, ergänzt um skurrile Geschichtchen. 

Wussten Sie, dass die Champions League von zwei deutschen Marketingexperten erfunden wurde? Welche Schlüsselrolle der Adidas-Gründer Patriarch Horst „Adi“ Dassler dabei spielte? Wie die Vermarktungs-Maschinerie durch die privaten Fernsehsender immer mehr auf die kommerzielle Spitze getrieben wurde? RAN an die Fleischtöpfe hieß es ab 1992 nicht nur bei SAT 1 mit dem smarten Moderator Reinhold Beckmann, sondern vor allem durch den Satellitensender von Medienmogul Rupert Murdoch in England. Dort wurde im selben Jahr 1992 die Premier League gegründet. Maßgeblicher Treiber für den globalen Erfolg von Champions League und Premier League war der explodierende TV-Markt mit seinen Milliarden-Einnahmen für die britischen Clubs.   

Zur Kernproblematik der „Kommodizierung“, des „Zur-Ware-Werdens“ des Fußballs zitiert Christoph Biermann das geflügelte Wort des legendären Bundestrainers Sepp Herberger: „Die Leute gehen zum Fußball, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht.“ Das im amerikanischen Profisport längst eingepreiste Grundprinzip des „Uncertain of Outcome“ wird im europäischen Spitzenfußball ad absurdum geführt. 

Der Autor nennt es die „Dominanz der Immergleichen“. So hat der FC Bayern München bekanntlich in diesem Jahr die zehnte Deutsche Meisterschaft in Folge eingetütet. Juventus Turin holte zwischen 2012 und 2021 neunmal, Paris St- Germain siebenmal, Manchester City und der FC Barcelona je fünfmal den nationalen Titel. Auch auf europäischer Ebene waren die immer gleichen Spitzenclubs aus den vier Topnationen England, Spanien, Italien und Deutschland ab der Zeitenwende 1992 spätestens im Viertelfinale weitgehend unter sich. 

Die Erkenntnis, dass die Zuschauer eine hohe Unsicherheit darüber wünschen, wie Spiele und Wettbewerbe ausgehen, eskalierte in der panischen Flucht nach vorne mit dem Ziel einer möglichst elitären Super League mit 18 Clubs auf sportlicher Augenhöhe. Am 18. April 2021 kündigten Topclubs wie Real Madrid, FC Barcelona, FC Liverpool, Manchester City und United, Juventus Turin, AC und Inter Mailand auf ihren Websites an, nicht mehr in der Champions League, sondern in einer eigenen Super League antreten zu wollen – finanziert von der US-Bank JP Morgan Chase mit 3,5 Milliarden US-Dollar. Doch die abgehobenen Vereinsbosse hatten die Rechnung ohne die Anhänger gemacht. Nach spontanen Proststürmen wütender Fans wurde die Super League schon 48 Stunden nach ihrer Ausrufung wieder (vorerst) begraben. 

Christoph Biermann zeichnet anschaulich nach, wie sehr der Profifußball sich von den „normalen“ Fans entfernt und entfremdet hat. Er befwürwortet den „deutschen Sonderweg“ mit bezahlbaren Eintrittspreisen und der 50 + 1-Regel, die „freundliche“ Übernahmen durch Staatsfirmen autokratischer Regimes wie Katar oder Saudi-Arabien ausschließt. Der basisnahe Reporter des Magazins „11 Freunde“ beschreibt aber auch fachkundig die rasante Entwicklung und ungebrochene Faszination des Fußballspiels, seiner Protagonisten, taktischen Systeme und  Verwissenschaftlichung bzw. Digitalisierung seit 1992. Das alles chronologisch ergänzt durch eine Zeittafel (1983 – 2022) am Ende des glänzend geschriebenen Buches. 

Sehr pointiert skizziert Biermann auch die Besonderheiten der Superspieler und so unterschiedlicher Supertrainer (Fußball als Kunstrichtung) wie „Total Football“-Visionär Johan Cruyff, Arsène Wenger, Pep Guardiola, José Mourinho, Carlo Ancelotti, Diego Simeone, Jürgen Klopp und Thomas Tuchel. 

Ganz nebenbei erfahren wir, dass Weltfußballer Robert Lewandowski auf Anraten seines Schlaftrainers in einem komplett abgedunkelten, auf 21 Grad geheizten Raum stets auf der linken Seite schläft, weil er Rechtshänder ist und - mit der Nachspeise zuerst – rückwärts isst. Cristiano Ronaldo hingegen schläft nicht am Stück, sondern fünfmal täglich je 90 Minuten. Wo die Megastars nie schlafen, ist beim astronomischen Einkommen und – am Beispiel der Rekord-Weltfußballer Cristiano „CR 7“ Ronaldo und Lionel „Leo“ Messi  – beim Steuerbetrug im großen Stil. 

Für den britischen Schriftsteller Nick Hornby, der im Schicksalsjahr 1992 den Kultbestseller  „Fever Pitch“ veröffentlichte, ist die Liebe der Fans tragisch, weil sie letztlich immer enttäuscht wird. Im Text zur Hymne der Champions League heißt es in den drei Sprachen der UEFA: „Ils sont les meilleurs. Sie sind die Besten. These are the champions.“ Die vierte Sprache der UEFA und vor allem der FIFA war und ist die universelle Sprache der hemmungslosen Profitmaximierung. Sieben Millarden Euro Erlöse von der aktuellen Skandal-WM lassen katar(rh)isch grüßen!

Joseph Weisbrod

Christoph Biermann: Um jeden Preis – Die wahre Geschichte des modernen Fußballs von 1992 bis heute. 256 Seiten. 18 Euro. Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln

 

 

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Cover des Buches Wir werden ewig leben (ISBN: 9783462001112)
varietys avatar

Rezension zu "Wir werden ewig leben" von Christoph Biermann

Toller Insiderbericht
varietyvor 2 Jahren

4++ für diesen umfangreichen, eine ganze Saison umfassenden „Insiderbericht“ über den 1. FC Union Berlin aus Köpenick. Was mir an Biermanns Beschreibungen gefällt, ist sein Engagement in Bezug auf den Fussball und den Klub, das aber nie anbiedernd daherkommt. Er nimmt einen mit auf eine sehr spezielle Reise nach Berlin (und an andere Orte, wo Auswärtsspiele stattfanden) - und dies in der wohl speziellsten (Corona-)Saison, welche die Bundesliga je erlebt hat. Auch Urs Fischer, den Trainer, kann man mit der Lektüre näher kennenlernen. Für Fussballfans und Freunde von „kleineren“ Klubs ein Muss.

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Cover des Buches Wir werden ewig leben (ISBN: 9783462001112)
K

Rezension zu "Wir werden ewig leben" von Christoph Biermann

Der Blickwinkel, auf einen Sport, auf den ich schon lange gewartet habe
Klopfer2601vor 2 Jahren

Klappentext: Bundesliga von innen – in einer Saison, wie es sie niemals gab. Im Mai 2019 gelang dem 1. FC Union Berlin zum ersten Mal in seiner Geschichte der Aufstieg in die Bundesliga, nach einem Jahrzehnt gab es damit wieder einen Verein mit DDR- Geschichte in der höchsten deutschen Spielklasse. So nah wie noch kein Journalist zuvor in Deutschland, begleitete Christoph Biermann den absoluten Außenseiter durch eine Saison, die in der Corona-Krise eine ganz besondere Wendung nahm. Er nahm an Teambesprechungen teil, reiste mit der Mannschaft zu Auswärtsspielen, ins Trainingslager und musste vor den Spielern singen. Biermann feierte sensationelle Siege mit der Mannschaft in der Kabine und erlebte neben den Aufregungen an Spieltagen auch den Leerlauf jenseits davon, die Härten des Konkurrenzkampfs und die Schrecken von Verletzungen. Besser als je zuvor verstand er dadurch, wie Fußballprofis heutzutage leben und wie es dem Trainerteam um den Schweizer Urs Fischer trotz drastischer finanzieller Nachteile gelang, die Mannschaft zu sensationellen Erfolgen zu führen. Biermann reiste aber auch mit Fans und erfuhr eine Verbundenheit zwischen Verein, Mannschaft und Anhängern, wie es sie heute im Profifußball kaum noch gibt. Während der Corona-Pandemie war Union Berlin vor ganz neue Aufgaben gestellt, und Christoph Biermann erlebte in Vorstandssitzungen aus nächster Nähe, wie der Klub geführt wird und wie er mit der Krise umging. Und in all dem entdeckte er ein Erfolgsmodell, bei dem die ostdeutsche Historie eine entscheidende Rolle spielt. Eine Reportage, die nicht nur einen außergewöhnlichen Verein zeigt, sondern den Fußball unserer Tage – in ungewöhnlichen Zeiten.

 

 

Meine Meinung: 

Ich muss gestehen, vor diesem Einzelband habe ich noch kein wirklich Fußball spezifisches Buch gelesen und war deswegen umso erfreuter, als ich dieses Buch hier in den Händen hielt. Jedem Fußballfan ist der Name Union Berlin ein Begriff, gerade weil sie erst letzte Saison aufgestiegen sind und ihr aller erstes Bundesligajahr bestritten haben. Schon seit einigen Jahren ist mir Union vor allem durch die 2 Liga immer wieder über den Weg gelaufen. 

Als ich nun das Cover mit dem Sportfoto des Jahres 2019 sah, wusste ich: Das könnte interessant sein. Diese Vorahnung wurde bestätigt. Es spiegelt die kompletten Emotionen wieder, welche dieses Buch liefern wird.

Christoph Biermann ermöglicht dem Leser einen Einblick, der einmalig in der Fußballgeschichte ist und wahrscheinlich auch bleiben wird. Denn wer begleitet schon einen Bundesligaaufsteiger in seiner allerersten Saison und dann noch in einem solchen Ausmaß. 

Zu Beginn war ich doch eher skeptisch, was den Schreibstil und die Handlung betraf, denn das meiste hatte ich ja schon live im Fernsehen mitverfolgt und dachte eigentlich, ich wüsste bereits das meiste über den Verein und seine Spieler. An den Schreibstil habe ich mich schlussendlich sehr schnell gewöhnt, denn es war mehr eine Art Tages- beziehungsweise Wochenbericht als ein wirkliches Buch. Doch gerade dadurch konnte ich als Leserin gut in die Welt von Union Berlin abtauchen, hatte sogar teilweise das Gefühl, mit dabei gewesen zu sein. Das System, welches Urs Fischer verfolgt, war für mich bisher immer ein Rätsel, doch durch dieses Buch wurde mir bewusst, wie perfekt es zu Union als Mannschaft  passt. Bestimmt werde ich am nächsten Bundesligaspieltag genau auf die angesprochenen Taktiken und Verhaltensweisen achten. Mir sind alle Spieler ein Stück weit ans Herz gewachsen mit ihrer offenen und herzlichen Art schade das nicht mehr alle Spieler bei Union spielen. Christoph Biermann hat mir die Welt von Union eindeutig nähergebracht und ich mit seiner Begeisterung angesteckt. Bemerkenswert fand ich, dass er mit altbekannten Klischees aufgeräumt hat. Jeder hat schon mal gedacht, dass das Leben eines Profifußballers nicht gerade einfach ist. Die physische als auch die psychische Belastung scheint enorm zu sein und belastet nicht nur die Profis, sondern auch die Menschen im Hintergrund. 

Schade ist es, dass die Saison nicht so zu Ende gehen konnte, wie es sollte, doch trotzdem hat Biermann das Gefühl vermittelt, mitten drin gewesen zu sein. 

Die Handlung des Buches konnte er ja schlecht beeinflussen, hat aber aus allen Situationen das beste herausgeholt. Gerade weil es von Anfang an klar war, das Union es nicht gerade einfach haben würde, die Klasse zu halten, ist dieses Buch perfekt situiert und zeigt, wodurch die Mannschaft es geschafft hat: durch Teamgeist.

Spannend fand ich vor allem die Wahrnehmung des Autors von Urs Fischer, dem Betreuerstab, der Truppe und dem Ganzen drum herum. Besonders die Art und Weise, wie Fischer seine Mannschaft einstellt, eine Art Geschichte erschafft, hat mich positiv überrascht. 

Auch die Darstellung der handelnden Menschen hat mich überzeugt. Biermann bemüht sich, die sonst so fernen Stars nahbar darzustellen, was ich mir bei einem Verein wie Union Berlin auch sehr gut vorstellen kann. Es war schön mit zu verfolgen, wie er immer mehr in die Mannschaft integriert wurde. 

Dadurch kamen auch die Emotionen immer besser durch. Je näher Christoph Biermann der Mannschaft  mehr habe ich mit ihnen mitgefühlt. 

Ich habe an vielen Stellen gelacht, an manchen mitgefiebert und wieder an anderen mit ihnen gefeiert. 

 

Insgesamt ist „Wir werden ewig leben“ von Christoph Biermann ein muss für jeden Unionfan und ein schöner Einblick in die Welt des Fußballs für alle anderen. Es lohnt sich wirklich, dieses Buch zu lesen, wenn man genauer hinter die Kulissen blicken und einen grundsoliden Verein kennenlernen möchte. Mir hat es die Authentizität der Verantwortlichen und der Mannschaft angetan, durch die sie nahbar wirken und beweisen, das es doch noch „die“ Fußballromantik gibt. Ein Dank meinerseits geht an Christoph Biermann und Christian Arbeit für die Möglichkeit, die Bundesliga Klicken oder tippen Sie hier, um Text einzugeben. aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Deswegen gebe ich dem Buch gute 4 von 5 Sterne und hoffe Weiteres von Union Berlin zu hören.

 

Cover: 5 / 5 Sterne 

Schreibstil: 4 / 5 Sterne

Handlung: 4 / 5 Sterne

Emotionen: 5 von 5 Sterne

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