Christoph Butterwegge Hartz IV und die Folgen

(2)

Lovelybooks Bewertung

  • 1 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(0)
(1)
(1)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Hartz IV und die Folgen“ von Christoph Butterwegge

Durch die Hartz-Reformen ist Deutschland zu einer anderen Republik geworden. Denn dieses Gesetzespaket hat nicht bloß das Armutsrisiko von (Langzeit-)Arbeitslosen und ihren Familien erhöht, sondern auch einschüchternd und disziplinierend gewirkt. Belegschaften, Betriebsräte und Gewerkschaften wurden unter Druck gesetzt, Lohn- und Gehaltseinbußen sowie schlechtere Arbeitsbedingungen zu akzeptieren. Ein ausufernder Niedriglohnsektor gehörte ebenso zu den Folgen wie gesellschaftliche Entsolidarisierungstendenzen und größere soziale Kälte.§§"Hartz IV" ist europaweit die berühmteste Chiffre für den Abbau sozialer Leistungen und gilt hierzulande als tiefste Zäsur in der Wohlfahrtsstaatsentwicklung nach 1945: Zum ersten Mal wurde damit eine für Millionen Menschen in Deutschland existenziell wichtige Lohnersatzleistung, die Arbeitslosenhilfe, faktisch abgeschafft und durch eine bloße Fürsorgeleistung, das Arbeitslosengeld II, ersetzt. Aber mehr als das: Durch die Agenda 2010 des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, die Hartz-Reformen und besonders das am 1. Januar 2005 in Kraft getretene Vierte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt ist Deutschland zu einer anderen Republik geworden. Denn dieses Gesetzespaket hat nicht bloß das Armutsrisiko von (Langzeit-)Erwerbslosen und ihren Familien spürbar erhöht, sondern auch einschüchternd und disziplinierend auf viele Beschäftigte gewirkt. Ein ausufernder Niedriglohnsektor, der fast ein Viertel aller Beschäftigten umfasste, gehörte ebenso zu den Folgen wie Entdemokratisierungstendenzen und größere soziale Kälte.

Systematischer Überblick und chronologische Darstellung der Hartz-Gesetze sowie der zugehörigen Diskussion und medialen Begleitung.

— Anja_Lev

Stöbern in Sachbuch

Sex Story

Ein tolles informatives Buch

Ginger1986

No Mommy's Perfect

Angenehm witzige Abwechslung vom, hohen Erwartungsdruck geplagten, Alltag einer Mama.

JosefineS

Hygge! Das neue Wohnglück

Ein vor Ideen sprühendes und mit vielen guten Tipps gespicktes Einrichtungsbuch, das Glück und Gemütlichkeit vermittelt. Einfach Hygge

MelaKafer

Atlas der unentdeckten Länder

Humorvolle Lektüre von Orten jenseits der klassischen Reiseziele. Die gute Beobachtungsgabe vom Author gab mir das Gefühl mitgereist zu sein

ScullysHome

Das geflügelte Nilpferd

Mir hat der Read auf jeden Fall sehr gefallen und mir wahnsinnig viel Klarheit und Einsicht gegeben und Handlungsspielraum geschenkt!

JilAimee

Das Mysterium der Tiere

Sehr informativ und interessant

Amber144

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Klare Worte

    Hartz IV und die Folgen

    michael_lehmann-pape

    28. November 2014 um 14:34

    Klare Worte Seit der Entwicklung der Hartz IV Gesetze im Zuge der Agenda 2010 treffen diese Neuordnungen des Arbeitslosengeldes und der Sozialhilfe auch auf vielfachen Widerstand und Kritik. Und Christoph Butterwegge ist eine der prominenten Professoren, die nicht müde werden, die Risiken und Negativentwicklungen nach der Einführung des Reformwerkes mit fundiertem Hintergrund zu benennen. Ein wichtiges Resümee im Übrigen, denn Butterwegge stellt treffend fest, dass hier nicht nur einige Stellschrauben an bestimmten Fördermitteln und Forder-Haltungen „gedreht“ wurden, sondern letztendlich eine „Restrukturierung der Gesellschaft“ von statten ging, in deren Gefolge tradierte Strukturen in Teilen stark bis völlig verändert wurden. Die Deregulierung des Arbeitsmarktes, die Liberalisierung (und teils starke Ausweitung) der Leiharbeit), die hohe Zunahme des Niedriglohnsektors, vielleicht einfach auch das Denken mancher Industrielenker, möglichst kreativ möglichst wenig Lohn zu zahlen und eine Flankierung dieses Denkens durch nun offizielle politische Rahmungen samt der „enger Fassung“ des einzelnen Transferleistungsempfängers mitsamt einer weitreichenden Offenlegung all seiner persönlichen Verhältnisse. So stellt Hartz IV sehr wohl, bei allen auch positiven Entwicklungen (denen sich Butterwegge im Buch weitgehend nicht zuwendet, bzw. Diese anderes deutet als der Chor der Lobsänger der Reform) für den Wirtschaftsstandort Deutschland, eine tiefe Zäsur im Verständnis und der Praxis des gewachsenen Wohlstandsstaates dar und gilt nicht zu Unrecht als eines der bekanntesten Symbole für Sozialabbau in den westlichen Industrieländer. Zwar durchaus mit einer stark ansteigenden Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt, durchaus aber auch mit einem prozentual stark gewachsenen Armutsrisiko von Erwerbslosen und prekär beschäftigten. Zudem kann in den Reformen ebenso die auseinanderdriftende bekannte „Schere“ zwischen reich und arm als strukturell mit angelegt zumindest angedacht werden. Ob es nun wirklich radikal in Richtung einer „sozialen Eiseskälte“ geht, wie Butterwegge formuliert, sei dabei einmal dahingestellt (zeigt aber in der Begrifflichkeit die Denkrichtung Butterwegges von Beginn an klar auf), die problematischen Folgen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt können aber nicht reinweg geleugnet werden und werden von Butterwegge argumentativ fundiert und überzeugend im Buch sachlich aufgeführt. Wobei auch die Betrachtung der Reformen im größeren Zusammenhang der historischen Entwicklung des Sozialstaates von der Weimarer Republik an die Augen des Lesers für eben diesen größeren Zusammenhang und die konkrete historische Einordnung der Hartz IV Gesetzgebung weiten und damit eine fundierte Bewertung ermöglichen. Auch wenn Butterwegge seine Motive klar (und etwas einseitig) positioniert, gar klar zu einem „Opponieren“ aufruft, hindert ihn das nicht, die Fakten sorgsam aufzuarbeiten (Eingliederungsvereinbarung, 1-Euro-Jobber, Sanktionen, die vielfachen Sozialgerichtklagen und anderes mehr). Wie gewohnt allerdings polarisiert Butterwegge stark. „Rigides Armutsregime“, Benennung von „Hauptleidtragenden und Profiteuren“ (bis hin zu einer „neuen Verhöhnung in der Hartz IV Gesellschaft“) oder die Sorge vor einer (noch weitergehenden) Entwicklung in Richtung eines „Fürsorge-, Almosen- und Suppenküchenstaates“. Gesellschaftliche Probleme eines Sozialstaates, die auch durch den „Zerrspiegel“ der Massenmedien nach Butterwegges Einschätzung nicht klar geschärft im Blick der öffentlichen Diskussion stehen. Eine sehr kritische Betrachtung, die auf sorgsam dargelegten Fakten beruht, die eine historische Einordnung vornimmt, die sich häufig auch empört (was sich auch sprachlich in Begriffen wie „Kuhhandel“, „Lohndumping“, „Verschlimmbesserung“ niederschlägt. Ein wenig mehr an Differenzierung wäre wünschenswert gewesen, alleine schon, um nicht zu klare Angriffsflächen im Buch zu bieten. Auf der anderen Seite leistete Butterwegge einen durchaus wichtigen Beitrag im Blick auf den zukünftigen Umgang mit den Reformen, indem er den Finger auf manche weit offen stehende Wunde der Hartz IV Regelungen legt.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks