Christoph F Lorenz

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Neue Rezensionen zu Christoph F Lorenz

Cover des Buches Im fernen Westen (ISBN: 9783780200891)
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Rezension zu "Im fernen Westen" von Karl May

Erzählungen und Werkgeschichte
Buchgespenstvor 6 Jahren

Im fernen Westen

Der Ich-Erzähler ist auf dem Weg zu einem Treffen mit Winnetou als er beim Brand einer Ölquelle den Jungen Harry, den Sohn Old Firehands, retten kann. Während Harry ihm dafür wenig Dank weiß nimmt Old Firehand den Ich-Erzähler mit zu seiner Jagdniederlassung. Diese wird bereits von feindlichen Ogallallas umschlichen, angeführt von Winnetous und Old Firehands Erzfeind.

Der Fürst der Bleichgesichter

Der dicke Sam trifft mit seinen beiden Trapperfreunden Jim und Tim auf den beraubten deutschen Auswanderer Rothe. Sie beschließen ihm zu helfen sein Eigentum wiederzubekommen und erfahren dabei, dass die Diebe einen Überfall auf die „Taube des Urwalds“ planen. Vom Fürsten der Bleichgesichter und dessen Freund, dem Apatschenhäuptling Starke Hand, unterstützt, reiten sie, um die Taube zu retten.

 

Der Karl-May-Verlag präsentiert im 89. Band seiner Werkausgabe eine Variante der Old Firehand-Erzählung, die May mehrfach umgearbeitet und unter anderem in die Winnetou-Trilogie integriert hat. Deswegen kommt denjenigen, die schon einiges von May kennen, die Geschichte äußerst bekannt vor. Interessant ist hier vor allem das Nachwort, das der Werkgeschichte nachspürt. Für meinen Geschmack wird sich zu sehr auf die Schwächen konzentriert, doch es werden auch andere Aspekte hervorgehoben, so Motive, die sich durch Mays gesamtes Werk ziehen, aber auch Hintergründe zum Schriftstelleralltag, dem May oft unter Zeitdruck gerecht werden musste. Inhaltlich ist die Geschichte trotz allem ein spannendes Abenteuer, das sich sehr gut lesen lässt.

Mit „Der Fürst der Bleichgesichter“ ist man wieder mit dem problematischen Umgang des Karl-May-Verlags mit Mays umstrittenen Kolportageromanen konfrontiert. Hier wird dem Leser ein Abschnitt aus „Deutsche Herzen, deutsche Helden“ geboten. Eine vierseitige Einführung gibt einen groben Überblick wie der nachfolgende Textabschnitt einzuordnen ist und da das Fragment keineswegs in sich geschlossen ist, wird man schließlich noch mit einer halbseitigen, dürftigen Zusammenfassung der nicht mehr abgedruckten Ereignisse abgespeist. Der Lesespaß geht hier gründlich verloren. Die Charaktere sind kaum einzuschätzen, eine Beziehung lässt sich nicht aufbauen. Mag der ganze Kolportageroman auch viele Schwächen haben, von losen Fäden über blasse Charakterzeichnungen und dürftigen bis völlig fehlenden Aufklärungen dem Leser einiges schuldig bleiben, so ist in meinen Augen doch gerade in diesem Textfetzen deutlich, dass die fragmentarische Nachreichung einzelner, nicht vom Verlag umgeschriebener, Abschnitte nicht der richtige Weg ist, um dem Leser ein Bild von Mays umstrittensten Geschichten zu vermitteln. Da kann auch ein Nachwort von 15 Seiten, das sich hauptsächlich auf die Schwächen konzentriert – über die sich der Leser mangels Textkenntnis keine Meinung bilden kann – nichts retten. Die Charaktere bleiben einem fremd, von der bunten, spannenden Abenteuergeschichte, den rasanten Ereignissen, übermenschlichen Heldentaten und humorvollen Szenen, von den Motivationen der Bösen und Guten erfährt man nichts. Es bleibt hier ein Fragment mit einem Indianerüberfall, der durch die fehlende Vorgeschichte ebenfalls seine Motivation einbüßt und Charaktere, deren Rolle im Dunkeln bleibt. Dieser Abschnitt weckt nicht einmal Neugierde auf die ganze Geschichte, da das Nachwort sie bereits schlecht redet und nur noch als literaturwissenschaftlich interessant darstellt.

Die fragwürdige Publikation des Frühwerks Karl Mays durch den Verlag, der seinen Namen trägt, ärgert mich sehr. Dass ein Verlag es sich herausnimmt, Werke eines Autors umzuschreiben, weil ihm in den Geschichten etwas fehlt, nicht schlüssig erscheint oder gefällt, ist eine Zumutung – für den Leser und den Autor. Damit stellt er sich auf eine Stufe mit den so kritisierten Kolportageverlagen. Münchmeyer verfuhr mit Karl May auf die gleiche Art. Es wird Zeit, dass der Karl-May-Verlag in die Werkausgabe seines Autors die unbearbeiteten Kolportageromane aufnimmt, gerne mit umfangreichen Nachworten und Kommentaren zur Werkgeschichte, und das halbherzige Nachreichen von nicht immer gelungen ausgewählten Fragmenten spart. So kann sich der Leser ein eigenes Bild machen und die in mysteriöses, verruchtes Dunkel gehüllten Frühwerke Mays endlich selbst beurteilen. Bisher bleibt man auf die vorausgewählten, isoliert präsentierten und mal mehr mal weniger einseitig kommentierten Abschnitte beschränkt, die einen auf demselben Kenntnisstand lassen, wie die Öffentlichkeit zur Zeit des Gerichtsprozesse gegen May. Für das 21. Jahrhundert und einem Verlag, der sich dem Autor verschrieben hat, ein unwürdiges Vorgehen.

Der 89. Band lässt mich also wieder mit gemischten Gefühlen zurück. Ich liebe das Werk des Autors. Ich bin begeistert von den Kommentaren zu Werk- und Publikationsgeschichte. Aber ich verachte die Art der Publikation, die gerade hier ein schlechtes Händchen für die Auswahl zeigt. In Band 90 „Verschwörung in Wien“ ist der Abschnitt noch geschickt gewählt; in sich geschlossen und er weckt Interesse am ganzen Werk. Hier bleibt er nichtssagend, reißerisch auf eine Schießerei konzentriert und schließlich irritierend offen an einem völlig neuen Erzählstrang.

Es bleiben 4 Sterne für die tollen Abenteuer und interessanten Nachworte – ein Stern Abzug für die haarsträubende Werkpräsentation.

Cover des Buches Der Bowie-Pater (ISBN: 9783780200846)
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Rezension zu "Der Bowie-Pater" von Karl May

Abenteuer, Spannung und eine Entdeckung des Unbekannten
Buchgespenstvor 8 Jahren

Der Bowie-Pater

Die Westmänner Bill Holmers und Fred entgehen nur knapp einem Überfall durch die Komantschen. Ihre Kameraden sind tot und das hart erarbeitete Gold ist geraubt. Natürlich jagen die beiden den Indianern hinterher. Unterstützung finden sie beim Apatschenhäuptling Rimatta und dem geheimnisvollen Westläufer dem Bowie-Pater. Doch nicht nur das: Fred ist eigentlich auf der Suche nach seinem Bruder. Unverhofft ergeben sich neue Hinweise.

Der Ölprinz

Sam Hawkins und der Erzähler wollen sich nach einem langen Ritt in einem kleinen Store mit Proviant versorgen, doch der Eigentümer, ein Ölprinz, verweigert ihnen die Bedienung. Ihm ist Arrow, der kostbare Hengst des Erzählers, ins Auge gefallen und will diesen nun um jeden Preis haben.

Ein Dichter

Der Dichter Richard Forster rettet dem Westläufer Tim Sutherland im Llano Estacado das Leben. Dieser ist mit seinen Kameraden von Pfahlmännern überfallen worden und als einziger knapp entkommen. Sofort jagen die beiden den Mördern nach.

Vom Tode erstanden

Die Mission Santa Barbara wird in der Zeit des Goldrausches von Fremden besetzt. Ein Bierbrauer, der gleich noch eine Branntweinkneipe eröffnete, zwielichtige Händler und ein ominöser Apotheker. Der Pfarrer hat längst die Flucht ergriffen, doch Karl Werner, der dem Geistlichen als Hausmeister gedient hat, fehlt das Geld, um ebenfalls den unruhigen Ort zu verlassen – so gerne er auch nach Deutschland zurückkehren möchte. Seine hübsche Tochter Anitta könnte im Apotheker eine gute Partie machen. Dieser verspricht zumindest dem Vater all seine Wünsche zu erfüllen, doch Anittas Herz gehört dem mittellosen Eduard…

Jemmys Bärenabenteuer

Hobble Frank, der dicke Jemmy, der lange Davy und Old Shatterhand sitzen abends beim Lagerfeuer zusammen und Jemmy erzählt wie er einst bei einem Bären geschlafen hat.

Tui-Fanua

Der Abenteurer Latréaumont erleidet Schiffbruch bei den Samoa-Inseln. Die Mannschaft kann sich retten, doch sie sitzen auf der unbewohnten Insel fest. Da landen Wilde mit zwei Gefangenen an. Können Latréaumont und die Seeleute die beiden vor dem Kochtopf retten und dadurch auch sich selbst?

Ein Abenteuer auf Ceylon

Charley und Lord Walpole werden auf Ceylon in ein Abenteuer gezogen. Dem Diener des Lords, Walawi, wird die Ehefrau entführt und auf ein chinesisches Handelsschiff verschleppt. Auf der Dampfyacht des Lords nehmen die drei sofort die Verfolgung auf.

Jagd auf wilde Truthühner

kurzer Sachtext

Häuptling Feuerwasser

Eine Episode aus „Der Sohn des Bärenjägers“, die May dafür allerdings umgearbeitet hat.

„Der erste Elk“ und „Der Mistake Canon“

Beides eigentlich Teile von Old Surehand.

„Ein Stücklein vom Alten Dessauer“ und „Der Amsenhändler“

Frühe Anekdoten zum alten Dessauer (Fürst Leopold von Anhalt-Dessau)

Im Seegerkasten

Eine Variante des Brautwerbers, der sich im Uhrenkasten verstecken muss und dabei eine lang verschollene Erbschaft findet.

Die verhängnisvolle Neujahrsnacht

Die beiden verfeindeten Nachtwächterfamilien Bergmann und Grundmann stehen vor einem Problem, denn die beiden Kinder tragen sich mit Heiratsabsichten. Grundmann ist dem nicht abgeneigt, doch Bergmann absolut dagegen. In der Neujahrsnacht kommt es dann zum Showdown.

 

Ein Karl May Buch, das wieder einmal Fragmente zu anderen Texten sowie Vorstufen und frühe Entwürfe enthält. Eine Ausnahme ist der kurze Sachtext.

Die frühen Entwürfe sind für Kenner sehr interessant zu lesen. Man erinnert sich an die Umsetzung in der Hauptgeschichte, erkennt Entwicklungen und findet auch, was aus dem einen oder anderen Grund weggefallen ist.

Mögen die Frühformen eher etwas für Fans und Wissenschaftler sein, so sind doch die in sich geschlossenen Geschichten durchaus für den Freizeitleser spannend. Mays Humoresken wie „Im Seegerkasten“ oder „Die verhängnisvolle Neujahrsnacht“ sind unterhaltsam und witzig.

Die Anekdoten um den alten Dessauer gehören zu meinen liebsten Kurzgeschichten von May. Züge des Dessauers, der als knorriges, polterndes, herzensgutes Original gezeichnet wird, finden sich auch in Mays Gestaltung des alten Blüchers (in „Die Liebe des Ulanen“) und dem Hauptmann von Rodenstein (in „Das Waldröschen“). Der alte Dessauer wird noch ein bisschen modifiziert, da es sich bei seinen Geschichten trotz allem Witz um das brutale Wesen der Kriegswerber handelt. Schließlich spielt es in einer Kriegszeit und sowohl die Männer des Dessauers als auch die des Hannoveraners zwingen die jungen Männer ins Soldatentum – wobei nach ihrer Gesinnung nicht gefragt wird. Diese problematische Seite klingt immer wieder mit an, im Vordergrund stehen aber die skurrilen Züge es Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau und die komische Handlung. Differenzierter und auch mit düsteren Anklängen warten erst die anderen Anekdoten auf, die in Band 42 der gesammelten Werke versammelt sind.

Fraglich finde ich aber immer noch wie Mays Werk im Rahmen des Karl May Verlages den Lesern zugänglich gemacht wird. Das bezieht sich jetzt auf die namengebende erste Geschichte dieses Bandes „Der Bowie-Pater“. Dieser ist eigentlich Teil des Romans „Die Juweleninsel“, die sicher nicht zu den ausgefeilten Werken Mays gehört, aber trotzdem spannend ist. Vorgeworfen wird May hier, dass er die Geschichte nicht fertig konzipiert und eher nachlässig und desinteressiert zu einem schnellen Ende gebracht hat. Damit bleiben einige Fragen offen, einige Szenen unlogisch und Abschnitte etwas zusammenhanglos. Dies zum Anlass zu nehmen den Roman von fremder Hand zu überarbeiten, Lücken aufzufüllen, anderes umzuschreiben und Szenen – wie die des Bowie-Paters – zu streichen, ist aber in meinen Augen nicht die richtige Art damit umzugehen. Die Geschichte wird nicht logischer, wenn man sie zerstückelt. Die herausgelösten Fragmente später dann nachzureichen ist, trotz einer Erläuterung, nicht dazu angetan, den Roman den Lesern zugänglicher zu machen. Textforschung möchte nun mal nicht jeder betreiben. Außerdem bleiben gerade im Fragment, so unterhaltsam es für sich genommen auch ist, wesentliche Fragen offen. Die Suche nach Freds Bruder endet erst in „Die Juweleninsel“. Die gesamte Grundlage der Handlung wird eigentlich in „Szepter und Hammer“ gelegt, dem ersten Band der „Juweleninsel“-Dilogie. Um diese spannende Episode also richtig würdigen und genießen zu können, müsste man sie also wieder ins Original einfügen. Hier kann ich die Weltbildausgabe oder tredition empfehlen, um sich selbst ein Bild davon zu machen. Es lohnt sich!

Der vorliegende Band aus der Reihe „Gesammelte Werke“ ist trotzdem eine lohnende Lektüre. Die hier abgedruckten Geschichten sind spannend und witzig und fast immer in sich abgeschlossen. Besonders begeistert haben mich die abgedruckten Illustrationen, die Karl May von Verlegern als Inspirationsquelle zugeschickt wurden und die hier bei den entsprechenden Texten stehen.

Sehr schön sind außerdem die kurzen Erläuterungen, die jeder Geschichte beigefügt wurden. Sie ordnen die Texte in das große Werk ein, weisen auf Besonderheiten hin, auf Entstehungsbedingungen und geben Hinweise, warum es zu welchen Bearbeitungsschritten kam. Bei weitem ist es nicht immer eine Entscheidung des Karl May Verlags gewesen, die Texte in verschiedenen Fassungen zu bringen. May selbst war Spezialist darin, „Altbestände“ zu recyceln, umzuschreiben, in neue Zusammenhänge zu bringen oder für Zeitschriften zu einer Einzelepisode zu fassen. Dass er gegen Ende seines Lebens noch einmal daran ging sein Werk neu zu ordnen, „zu bereinigen“ und zu einem großen Gesamtkunstwerk zu gestalten ist ebenfalls kein Geheimnis. Da er darüber verstorben ist und seine zweite Frau diverse Dinge dem Feuer überantwortete, aufgrund des Prozesses und schließlich ihrer fragwürdigen Neigung zum aufkommenden Nationalsozialismus, ist ebenfalls Teil der Forschung und Teil des Mythos. Was May aus seinen Texten machen wollte, was er getan hätte, das werden wir nie wissen. Doch seine Texte haben bis heute nichts an ihrer Lebendigkeit und Farbigkeit verloren. Ungekürzt und unbearbeitet sollte man ohne Vorurteile in seine Geschichten eintauchen können.

Trotz allem gebe ich dem Buch 5 Sterne. Die Bilder und gerade die Erläuterungen, die auch Nichtkennern des Werks weitere Lektürehinweise und Verständnishilfen geben, machen das Buch zu einer tollen Lektüre! Schön, dass der Verlag den treuen Lesern auch die gestrichenen Szenen nicht vorenthalten möchte und sich die Mühe macht, sie mit verständlichen Anmerkungen zu versehen. Schade, dass die Gesammelten Werke sich nicht zu einer historisch-kritischen Ausgabe entwickeln konnten, die dem Leser die Abenteuer von Karl May in ihrer Ursprünglichkeit, Komplexität und auch Problematik nahe gebracht hätte.

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