Das Jahr der Frauen

von Christoph Höhtker 
2,6 Sterne bei14 Bewertungen
Das Jahr der Frauen
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Positiv (3):
F

Eine intelligente, humorvolle und hervorragend geschriebene Kritik an der modernen Gesellschaft

Kritisch (9):
kruemelmonster798s avatar

Schwierige Lektüre; interessante Idee, aber Umsetzung empfand ich ermüdend.

Alle 14 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Das Jahr der Frauen"

Was ist zu tun, wenn man von allem endgültig genug hat, der Therapeut aber dennoch Vorsätze für das neue Jahr hören möchte? Frank Stremmer, Anfang vierzig, ausgebrannter deutscher Expat in Diensten einer illustren internationalen Genfer Organisation, rafft sich zu einem letzten Kraftakt auf: Zwölf Frauen in zwölf Monaten! Ohne Geld, ohne Versprechungen, ohne Perspektiven. Was als Witz, als müde Provokation gegenüber seinem Psychologen beginnt, entwickelt sich schon bald zur fixen Idee. Immer verbissener verfolgt der PR-Mann sein »Projekt«, immer grotesker werden seine Annäherungsversuche. Denn am Ende, so hat Stremmer es sich vorgenommen, soll nichts Geringeres stehen als:
Die Erlösung. Zwölf Frauen in zwölf Monaten bedeuten für ihn die »Legitimation« zum Freitod.

Das Jahr der Frauen, das sind die amüsant-absurden Notate eines Besessenen. Sex als Sterbehilfe, Flirts im Endzeitmodus mit Judith Butler als Stichwortgeberin. Stremmers irrwitzige Jagd durch Online-Portale, Bars und Schlafzimmer endet jedoch nicht im Frieden leerer Schlaftablettenröhrchen, sondern im Chaos, im blutigen Staub eines afrikanischen Bürgerkriegsstaates. – Der finale, frauenlose Akt? Oder gar ein Neubeginn?

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783863371180
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:250 Seiten
Verlag:Weissbooks
Erscheinungsdatum:07.08.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.10.2017 bei steinbach sprechende bücher erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    kruemelmonster798s avatar
    kruemelmonster798vor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Schwierige Lektüre; interessante Idee, aber Umsetzung empfand ich ermüdend.
    Interessante Buchidee....ABER...

    Dieses Buch ist keine einfache Lektüre, es liest sich nicht so einfach nebenbei, schon das kleine Schriftbild und der enge Zeilenabstand fordern beim Lesen.


    Der Aufbau an sich hat mir gut gefallen - durch den Abdruck der E-Mail Kommunikation des Hauptdarstellers Frank Stremmer (auch viel englisch und französisch) bekommt man einen gefühlten realen Einblick in das Privat- und Arbeitsleben.

    Zwischen dem monatlichen Frauen "abarbeiten" und der sehr befremdlichen Arbeitswelt bei einer NGO gibt es leider über die Kapitel viele Wiederholungen, so dass mich das Buch ab etwa der Hälfte streckenweise sehr gelangweilt hat.
    So wirklich eintauchen in die Gefühlswelt Stremmers konnte ich auch nicht, mir war bis zum Schluss nicht klar, warum er nun des Lebens so überdrüssig war.

    Mein Fazit: Die Grundidee das Buches,  Sprachstil und die Mail-Kommunikation fand ich gut, zwischendrin gab es auch immer wieder mal  Passagen,  die mir gefallen haben, z.B. den Freizeitmann.
    Und der Schluss war gelungen!
    Überwiegend fand ich das Buch jedoch wenig abwechslungsreich, voller Wiederholungen und schlichtweg langweilig.

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    Maddinliests avatar
    Maddinliestvor 10 Monaten
    Für mich leider enttäuschend


    Frank Stemmer befindet sich in psychologischer Behandlung und er hat seinen Lebensmut gänzlich verloren. In einer Therapie geht er mit seinem behandelnden Arzt einen Deal ein. Er möchte jeden Monat eine neue Frau erobern. Sollte er dies schaffen, wäre sein Preis der Freitod. Seine anfängliche Fiktion wird zu seinem Lebens-Inhalt und Frank versucht nun auf diesem Wege seine Legitimation zum Ableben zu erhalten. Doch wird er es schaffen, sein Vorhaben auch in die Tat umzusetzen?


    Der Inhalt hatte mich neugierig gemacht und es ist für mich immer eine Herausforderung, ein Buch von der Longlist des Deutschen Buchpreises zu lesen. In der Erwartung einer nicht ganz einfachen, aber interessanten Lektüre bin ich in das Buch gestartet. Der an-spruchsvolle Schreibstil wird vom Autor Christoph Höhtker unzweifelhaft geliefert. Stellenweise fiel es mir wirklich schwer, den Text zu lesen und vor allem zu verstehen. Die Message seines Buches ist mir ehrlicherweise bis zum Ende verschlossen geblieben. Sollte es einen Kritik an unserer oberflächlichen und schnelllebigen Zeit sein? Sollte das Frauenbild in unserer heutigen Welt hinterfragt und auf den Prüfstand gestellt werden? Wie auch immer, für mich war es eine Aneinanderreihung flüchtiger erotischer Kontakte, die auf Dauer ein wenig ermüdend wirkten. Dem Hauptprotagonisten Frank Stemmer lagen die Frauen auf jeden fall zu Füßen, egal welche er sich für den jeweiligen Monat ausgeschaut hatte, er landete mit ihr im Bett. Das Finale lies mich dann endgültig ratlos zurück und ich musste mir eingestehen, dass es entweder nicht mein Buch war oder ich es lediglich nicht verstanden habe,


    "Das Jahr der Frauen" ist aus meiner Sicht ein sehr schwieriger und sperriger Roman, der mir einiges an Durchhaltevermögen abverlangt hat. Der Sinn hat sich mir nicht erschlossen, wobei der Schreibstil sehr anspruchsvoll auf mich wirkte. Insgesamt überzeugte mich das Buch nicht, so dass ich auch leider nur zwei von fünf Sternen ver-geben kann.

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    Kaffeetasses avatar
    Kaffeetassevor einem Jahr
    Kurzmeinung: verworren und ohne roten Faden für meinen Geschmack
    verworren und ohne roten Faden für meinen Geschmack

    Der Titel und der Klappentext machten Lust auf das Buch, doch leider wurde ich hier vollkommen enttäuscht.

    Frank Stremmer ist durch mit dem Leben, doch sein Therapeut möchte ihn logischerweise nicht aufgeben. So schlägt Stremmer eine Wette vor: 12 Frauen in einem Jahr und danach die Erlösung- der Tod.

    Klingt nach einer guten Idee, die eine spannende Geschichte verspricht, doch leider war es mir nicht möglich diesem Buch zu folgen. Stremmer ist von der ersten Seite an ein Unsympath, der im Verlauf der Handlung immer frauenverachtender und abstoßender wird. Grundsätzlich hab ich kein Problem mit Antihelden, Unsympathen oder Figuren, mit denen ich mich nicht direkt identifizieren kann, aber in diesem Buch geht es nur um Stremmer, er selbst erzählt auch die Geschichte. So fehlte jegliche Abwechslung und jeglicher menschlicher Ausgleich. Die Frauen werden zur nebensächlichen Verbrauchsware, Geschichten sind zum Teil erfunden und die Arbeitssituation rückt in den Fokus. Stremmer ist ein Mensch, dessen Gedanken schnell abschweifen und so gibt es im Buch immer wieder absurde Nebenwege und Abschweifungen, welche so abrupt beginnen (und auch enden), dass es mir schwer fiel der Handlung zu folgen. Ein roter Faden war für mich schon bald nicht mehr erkennbar und ich fragte mich immer wieder: Was will mir der Autor damit sagen?

    Ja, sprachlich hat der Autor sicherlich etwas drauf, aber die Umsetzung war schwach und verwirrend. Gesellschaftskritik gab es auch, wirkte auf mich aber gewollt-hineingeworfen.  Ebenso die englischen und französischen Abschnitte, welche nicht übersetzt wurden. Dient der Authentizität der Situationen, hätte es aber eigentlich nicht gebraucht.

    Es tut mir wirklich leid, aber mit diesem Buch wurde ich nicht im geringsten warm.

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    Neil Jungs avatar
    Neil Jungvor einem Jahr
    Mutig, witzig, nihilistisch

    Nach dem grossartigen "Alles sehen" gibt's hier wieder mehr Stremmer, Genf, Nihilismus. Frank Stremmer wettet mit seinem bemitleidenswerten Psychotherapeuten Niederegger, dass er sich Ende Jahr umbringen darf, wenn er jeden Monat des Jahrs eine andere Frau hat. Wieder recht mutig von Stremmer, könnte das doch leicht als machoide Männerphantasie missverstanden werden. Aber eigentlich bedeutet es Stremmer gar nichts, wie ihm auch sonst kaum etwas wichtig zu sein scheint. Ich mag Höhtkers Stil, seinen Witz, seine Kompromisslosigkeit; auch wenn die völlige Abwesenheit von Sinn und Verbundenheit zwischendurch auch mal etwas ermüdend sein kann.

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    CanYouSeeMes avatar
    CanYouSeeMevor einem Jahr
    Das Jahr der Frauen

    Was ist zu tun, wenn man von allem endgültig genug hat, der Therapeut aber dennoch Vorsätze für das neue Jahr hören möchte? Frank Stremmer, Anfang vierzig, ausgebrannter deutscher Expat in Diensten einer illustren internationalen Genfer Organisation, rafft sich zu einem letzten Kraftakt auf: Zwölf Frauen in zwölf Monaten! Ohne Geld, ohne Versprechungen, ohne Perspektiven. Was als Witz, als müde Provokation gegenüber seinem Psychologen beginnt, entwickelt sich schon bald zur fixen Idee. Immer verbissener verfolgt der PR-Mann sein »Projekt«, immer grotesker werden seine Annäherungsversuche. Denn am Ende, so hat Stremmer es sich vorgenommen, soll nichts Geringeres stehen als: Die Erlösung. Zwölf Frauen in zwölf Monaten bedeuten für ihn die »Legitimation« zum Freitod.


    Das Konzept des Buches hat mich sehr neugierig gemacht, der Klappentext verspricht einen erfrischenden und interessanten Roman mit ungewöhnlichem Protagonisten. Diesen Erwartungen meinerseits konnte das Buch nicht gerecht werden.
    Frank Stremmer als Protagonist ist eine Wucht, mit der ich zu Beginn des Romans (und auch in der Mitte oder zum Ende hin) nicht gut umgehen konnte. Er ist miesepetrig, scheinbar allem gegenüber negativ eingestellt und hat einen abwertenden Umgang gegenüber seinen Mitmenschen. Zeitweise konnte ich einige Sympathien für ihn aufbringen, die auf der nächsten Seite jedoch wieder zunichte gemacht wurden. Er ist sicher kein Protagonist, mit dem ich mich in irgendeiner Art und Weise identifizieren kann. Hinzu kommt, dass ich oft Probleme hatte seinen Ausführungen zu folgen, seine Gedanken gingen vom Hundertsten ins Tausendste und oftmals musste ich lange Passagen wiederholt lesen um dem Verlauf einigermaßen folgen zu können.
    Diese Abschweifungen sind für mich sehr repräsentativ für das Buch. Es gibt sie oft und ausgiebig und mir scheint, als wäre die eigentliche Story eher eine Abschweifung von den Abschweifungen… Der Schreibstil an sich liest sich gut, man kann einen gewissen Witz erkennen. Der Authentizität halber sind viele Passagen in Englisch gehalten, was das Lesen für mich persönlich nicht erschwert hat. Diese stilistische Nutzung konnte die verquere Handlung jedoch auch nicht mehr ins rechte Licht rücken.
    Die Handlung, sofern ich sie verfolgen konnte, ist eher verworren. Nicht nur durch die Abschweifungen, auch weil der Fokus auf die geplanten 12 Frauen in 1 Monaten von Monat zu Monat mehr verschwindet und auf das Arbeitsleben Stremmers richtet. Ein Arbeitsleben, das unglaublich undurchsichtig und verworren und für mich einfach nur nicht zu überblicken war. Auch das Ende des Buches machte meine Verwirrung komplett.
    Insgesamt lässt mich der Roman sehr ratlos zurück. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ein Schlüsselelement verpasst und die Message einfach nicht verstanden habe. Ich werde aus dem Buch nicht schlau und hatte somit schon nach dem ersten Drittel keinen Spaß mehr bei der Lektüre.

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    -sabine-s avatar
    -sabine-vor einem Jahr
    Das Jahr der Frauen

    Was war ich neugierig auf dieses Buch, weil ich die Idee der Geschichte wirklcih gut fand – ein verzagter Mittvierziger macht mit seinem Therapeuten einen Deal: 12 Frauen in 12 Monaten, dann darf er sich umbringen. Doch leider hat es an der Umsetzung dieses tollen Plots gehapert – ich fand sie langweilig und überhaupt nicht fesselnd, dazu frauenverachtend und plump.

    Man wird direkt rein geschmissen ins Geschehen, nämlich in den Dialog zwischen Frank und seinem Therapeuten, in dem es um die Wette geht. Und dann beginnt auch schon direkt die Suche nach den Frauen. In 12 Kapiteln begleitet man Frank Stremmer über das Jahr hinweg – ein wahrlich unsympathischer Protagonist, der es einem nicht leicht macht, ihm zu folgen. Wie er über Frauen denkt, mit ihnen schließlich umgeht, aber auch, wie er das Leben und die Menschen im Allgemeinen betrachtet, ist sehr anstrengend. Auch wenn die Geschichte in Ich-Form aus seiner Sicht erzählt wird, konnte ich mich in ihn nicht hineinversetzen. Dazu waren mir seine Gedanken einfach viel zu weitschweifig und seine Gedankensprünge zu groß – da musste ich schon aufpassen, beim Lesen nicht mit meinen eigenen Gedanken abzuschweifen, sondern beim Buch zu bleiben. Immerhin hat der Autor dieses weitschweifige und zerfließende der Gedanken gut einfangen können: Bestehen die (leider nur wenigen) Dialoge eher aus kurzen und belanglosen Sätzen, ist der Schreibstil bei den Gedankengängen genauso wie sie selbst: weitschweifig. Lange, verschachtelte Sätze, die gut und gerne mal eine halbe Seite einnehmen und fehlende Absätze, so dass der durchgehende Text in kleinster Schrift einen zu erschlagen scheint, machen das Lesen sehr anstrengend und für mich auch zur Qual. Anfangs habe ich diesen Stil noch als Mittel gesehen, doch er bleibt das ganze Buch über und nutzt sich dann auch ab. Dazu kommt, dass die Geschichte selbst nicht fesselt, die Frauen nur einen untergeordnete Rolle einnehmen und man nicht viel über sie erfährt – dafür umso mehr von Franks beruflichen Aktionen, die ich aber langweilig fand und mich so auch nicht zu fesseln vermochten. Wissen sollte man zudem, dass es viele englisch- und auch französischsprachige Abschnitte gibt, die nicht übersetzt sind – sollte man also in diesen Sprachen nicht wenigstens Grundkenntnisse haben, wird die Lektüre nochmal mehr anstrengend.

    Ich hatte mir sehr viel versprochen von diesem Buch und wurde leider sehr enttäuscht. Auch das überraschende Ende hat das dann nicht besser gemacht, zumal ich mir nicht sicher bin, ob ich es überhaupt richtig verstanden habe – denn bei mir sind leider sehr viele Fragen offen geblieben. Ich kann diesem Buch leider nur 2 von 5 Sternen geben.

    Mein Fazit
    Ganz anders als erwartet, konnte mich der Autor mit seiner Umsetzung des tollen Plots leider nicht überzeugen – vor allem der weitschweifige Schreibstil mit seinen langen verschachtelten Sätzen hat mir das Lesen sehr schwer gemacht; dazu eine Geschichte mit einem unsympathischen Protagonisten, die mich in keinster Weise fesseln konnte. Schade – ich kann diesem Buch leider nur 2 von 5 Sternen geben.

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    TochterAlices avatar
    TochterAlicevor einem Jahr
    Eine Frau an jedem Finger

    und zwei noch dazu - dieses "Konzept" schlägt Frank Stremmer seinem Therapeuten Niederegger am 4. Januar 2013 für eine Wette vor: Wenn er es schafft, in jedem Monat des Jahres eine Frau rumzukriegen, dann "darf" er sich an dessen Ende umbringen.

    Ein eigenartiger Vorschlag, auf den Niederegger nicht eingeht, den Stremmer jedoch als Projekt sieht, auf das er sich gleich stürzt. Mit mehr oder weniger Erfolg: eine Frau gibt es durchaus in jedem Monat, aber wie nahe ihr Frank tatsächlich kommt, das unterscheidet sich von Mal zu Mal.
     
    Wir begleiten im Laufe der Lektüre also Frank Stremmer durch das gesamte Jahr 2013 und lernen ihn und seine Umgebung dabei kennen. Er outet sich als vielschichtige Persönlichkeit mit Depression, hat seinen Hang zum schwarzen Humor nicht verloren und macht sich auch in dieser seinen persönlich problematischen Situation gern Gedanken um seine Mitmenschen, die er gelegentlich mit fiktiven Biographien versieht.

    Stremmer arbeitet in einer global tätigen NGO, einer nichtstaatlichen Organisation also mit karitativem Charakter, die sein Autor Christoph Höhtker immer wieder aufs Korn nimmt. Da ich diesen Roman jedoch unmittelbar nach "Die Hauptstadt" von Robert Menasse gelesen habe, wo Ähnliches mit der EU geschieht, waren meine Erwartungen wohl ein bisschen zu hoch, ich finde die Darstellung in dieser Hinsicht ein bisschen wirr.

    Wenig stringent sind allerdings auch die anderen Erzählstränge, in denen immer wieder Einschübe vorkommen - E-mails, die Stremmer erhält, Reflexionen vergangener Zeiten, die ihm durch den Kopf gehen.

    Übrigens sind viele der Mails in Englisch, wenige sogar auf Französisch verfaßt und werden nicht im Anhang oder so übersetzt. Ich konnte sie zwar verstehen, aber ich fand das trotzdem störend und empfand sie als Hemmschwelle für Leser, die nicht so global unterwegs sind wie der Autor und sein (Anti)Held. Ein eloquent geschriebener, sprachlich spannender Roman, der mich leider auf anderer Ebene nicht packen konnte.

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    FelixChinaskivor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine intelligente, humorvolle und hervorragend geschriebene Kritik an der modernen Gesellschaft
    Eine intelligente, humorvolle und hervorragend geschriebene Kritik an der modernen Gesellschaft

    Christoph Höhtker hat mit seinem "Jahr der Frauen" einen unterhaltsamen, äußerst lustigen und nicht zuletzt vor allem sprachlich überzeugenden Roman geschrieben. Schon im Prolog wird deutlich, dass der Protagonist Frank Stremmer als Antiheld konzipiert wurde. Er ist ein moderner Antiheld im Zeitalter des Kapitalismus und der Sexualisierung. Diese beiden, die westliche Welt maßgeblich prägenden Begriffe werden im Roman immer wieder auf überspitzte Weise kritisch beäugt, sodass der Text auch als Gesellschaftssatire verstanden werden kann. Dass manch ein Rezensent (sei es auf Presse- oder Kundenebene) dem Roman attestiert, sexistisch zu sein, halte ich für absolut unverständlich. Ein anspruchsvoller und differenzierter Leser käme sicherlich zu einem anderen Urteil.

    Für mich gibt es beim Lesen drei Kriterien, die einen guten Roman ausmachen: der sprachliche Stil sollte mir zusagen, ohne dass das unterhaltende Element auf der Strecke bleibt und hat man Glück, schafft es die Erzählung auch, die aktuelle Gesellschaft widerzuspiegeln bzw. ihre negativen Seiten zu entlarven. All diese Kriterien erfüllt Höhtkers Roman für mich, wobei er mit seinem stetig voranschreitenden Plot und den nur etwa 250 Seiten auch sehr kurzweilig ist.

    Fazit: Ein in meinen Augen absolut zu Recht für den Deutschen Buchpreis nominierter Roman, dem ich gerne fünf Sterne gebe und jedem Freund gesellschaftskritischer Texte weiterempfehle.

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    Aischas avatar
    Aischavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Sprachlich exzellent, leider schwache Umsetzung des Plots mit zu vielen langatmigen Wiederholungen.
    Brillante Idee, leider im Mittelteil sehr langweilig umgesetzt

    Es hätte ein außergewöhnlich guter Roman werden können: Als Idee gleich zu Beginn eine extrem skurrile Wette, die Geschichte verpackt in Höhtkers gleichermaßen moderne wie originelle Sprache - ich freute mich auf ein ungewöhnliches Leseerlebnis.
    Und ich wurde anfangs auch nicht enttäuscht: Protagonist Frank Stremmer, in der PR-Abteilung einer ominösen NGO in Genf tätig, schlägt seinem Therapeuten - gedrängt, aufgrund des bevorstehenden Jahreswechsels sich doch Vorsätze für das kommende neue Jahr zu nehmen - eine unkonventionelle Wette vor: Frank will in den kommenden zwölf Monaten je eine Frau "verbrauchen", sprich: mit ihr Sex haben. Einzige Bedingung: Er darf nicht dafür bezahlen. Schafft er das, darf er sich anschließend umbringen.
    Die ersten Kapitel nehmen rasant an Fahrt auf, die hoffnungslose, düstere Welt, in der sich der depressive Frank eingerichtet hat, wird mit einer gehörigen Portion schwarzen Humors beschrieben. Ein interessanter Kunstgriff ist auch die Fähigkeit, sich zu allen möglichen Menschen um ihn herum Biografien auszudenken.
    Doch leider schafft es Höhtker nicht, mich bis zum Schluss zu fesseln. Zwar fordert die anspruchsvolle Schreibweise die ganze Aufmerksamkeit des Lesers, sonst kann man vor lauter Einschüben, Gedankensprüngen und eingefügten E-Mails schon mal den Faden verlieren. Dennoch habe ich mich ab dem vierten Kapitel (es sind derer zwölf, gemäß der Monate) zunehmend gelangweilt und war nach der Hälfte des Romans froh, dass das Jahr "nur" zwölf Monate hat.
    Die Idee mit der Wette nutzt sich schnell ab, sie trägt keinen ganzen Roman. Über die Nebenfiguren erfahren wir wenig, dieses Wenige wird dafür oft wiederholt, so etwa dass Kollege Wilson fett und abhängig von Psychopharmaka ist. Auch über Frank bleiben viele Fragen offen, für meinen Geschmack zu viel Interpretationsspielraum: Wieso ist er so depressiv, was hat ihn - außer gemeinsamen Drogenkonsums - mit seiner Ex-Freundin verbunden, wieso arbeitet er, der Kommunikation völlig ablehnt, als PRler für eine Organisation, deren Motto lautet "Communicating for a better tomorrow"?
    Als Pluspunkte des Romans verbuche ich die unverhohlene Kritik an manchen undurchsichtigen, selbsternannten Hilfsorganisationen, an der PR-Maschinerie an sich und vor allem das überraschende, offene Ende, das auch durch das gewählte Stilmittel des Gesprächsprotokolls sehr eindringlich nachwirkt.
    Leider tröstet dies nur bedingt über die vielen, langatmigen Wiederholungen hinweg. Es bleibt: Ein außergewöhnlicher, jedoch außergewöhnlich langweiliger Roman, mit dem Höhtker weit hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt. Schade.

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    L
    Lunamoniquevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine wenig sympathische Hauptfigur, zu lange Passagen, kaum Mitreißendes. Leider enttäuschend.
    Das Jahr der Frauen

    Von Autor Christoph Höhtker stammen „Die schreckliche Wirklichkeit des Lebens an meiner Seite“ und „Alles sehen“. In „Das Jahr der Frauen“ hat Frank Stremmer ein neues Ziel vor Augen.

    Frank schlägt seinem Psychotherapeuten Dr. Niederegger eine skurrile Wette vor. Wird er es schaffen, ein Jahr lang jeden Monat eine Frau ins Bett zu kriegen? An gewisse Regeln will er sich halten. Das Unterfangen erweist sich nicht immer als leicht. Wenn Frank gewinnt, ist der Preis hoch.

    Die Geschichte beginnt mit einem Therapeutengespräch und der Wette. Frank hat mit einer  Trennung zu kämpfen. Ist Mari der Grund für die Wette und alles was folgt? Das Lesevergnügen wird durch eine kleine Schrift und lange Passagen eingeschränkt. Es fehlt eine Leerzeile zwischen den Absätzen, die alles übersichtlicher gestaltet hätte. So entsteht der Eindruck, im Endlostext gefangen zu sein. Gut, dass die Kapitel relativ kurz sind. Ermüdungserscheinungen machen sich nicht nur wegen der Gestaltung breit. Die Frauengeschichten wiederholen sich in abgewandelter Form. Wo ist der Kern der Geschichte? Wo bleibt der Sinn? Geht es nur darum, Frank in seinen Phasen zu erleben, wie er Frauen aufreißt, sich den Job so angenehm wie möglich gestaltet? Die Hauptfigur ist alles andere als sympathisch. Der Umgang mit Frauen, die Sehnsucht nach dem Tod. Es kommt wenig Verständnis für ihn auf. Ausgedachte Lebensläufe für Menschen, denen er begegnet und das nie enden wollende Zwiebelkurzgeschichten-Problem lassen ihn nicht interessanter erscheinen. Die Unterhaltungsmittel nutzen sich schnell ab. Was bleibt ist ein verstörender Mensch, der sein Glück nicht findet, Frauen wie Wegwerfware benutzt und sich ständig selbst im Wege steht. Eine große Portion Humor hätte der Geschichte gut getan. Ein paar Pannen und schräge Momente. Einziges Highlight ist Freizeitmann, der immer wieder am selben Ort auftaucht. Die Nebenfigur hätte mehr Gewicht verdient gehabt. Schade, so können nicht einmal Handlungsorte wie Genf und Mallorca helfen, den Unterhaltungswert zu steigern. Steuert Frank auf den Abgrund zu oder kriegt er die Kurve? Die Frage, wie die ganze Sache ausgeht, beschäftigt. Er hat auch gute Momente. Warum spielt seine Arbeit eine so große Rolle? Wird Frank Mari wiedersehen? Das Ende ist völlig anders als erwartet. Zum Schluss kommt Spannung auf. So richtig anpassen an den Rest der Geschichte will sich das Ganze nicht. Die Überraschung ist aber gelungen. Ein gutes Stilmittel ist der Anhang.

    Der Titel lässt Anderes erwarten als den Inhalt. Es ist nicht das Jahr der Frauen, sondern Franks Jahr. Das Cover ist wenig auffällig. Eine größere zersprengte Wassermelone, eine andere Hintergrundfarbe und ein kreativ platzierter Titel, schon wäre das Buch ins Auge gefallen. „Das Jahr der Frauen“ enttäuscht. Es fällt schwer, bis zum Ende durchzuhalten. Zu langatmig und blass, Frank reißt einfach nicht mit. Auch die Frauen sind austauschbar.   

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