Christoph Hein Horns Ende

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Inhaltsangabe zu „Horns Ende“ von Christoph Hein

<p>Thomas war damals noch fast ein Kind, aber an die Ereignisse im verschlafenen Bad Guldenberg, während des Sommers 1957, erinnert er sich genau: wie er sich bei den Zigeunern verdingte und dafür von seinem Vater, dem Apotheker, bestraft wurde und wie er seine erste, schüchterne Liebe zu Elske erlebte. Aber auch andere erinnern sich: Bürgermeister Kruschkatz, Dr. Spodeck, der alteingesessene Arzt, und die sanfte Krämersfrau Gertrude Fischlinger. Und da ist auch Marlene, die nur durch den Opfertd ihrer Mutter den faschistischen Terror überlebt hat. Sie alle tragen ihren Teil bei zur Erinnerung an jenen Sommer, als Zigeuner ihr Lager mitten in der Stadt aufschlugen, als eine Untersuchungskommission vom Bezirk kam und Horn sich das Leben nahm.<br />»Ein meisterhafter Roman«, urteilte Hans Ulrich Probst in seiner Laudatio zum Solothurner Literaturpreis 2000, »den ich für eines der wichtigsten Bücher aus 40 Jahren DDR-Literatur überhaupt halte.«</p>

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  • Rezension zu "Horns Ende" von Christoph Hein

    Horns Ende
    Heike110566

    Heike110566

    01. January 2012 um 11:14

    Wir schreiben das Jahr 1957. Der im Ort als Einzelgänger bekannte Herr Horn wird von dem Jugendlichen Paul Fischlinger erhängt an einem Baum in einem Waldstück bei Bad Guldenberg (unweit Leipzig) gefunden. Er hat Selbstmord begangen. Aber warum? Genau diese Frage steht im Mittelpunkt des eindrucksvollen Romans von Christoph Hein, der 1985 im Aufbau Verlag der DDR erschien. Auch wenn sich obiger Rezensionseinstieg wie für einen Krimi liest, ist dieses Buch absolut nicht diesem Genre zuzurechnen. Das es Selbstmord war, steht außer Frage. Aber auch ein Selbstmord geschieht in einem Kontext und dieser Kontext steht im Mittelpunkt des Romansgeschehens. Dazu greift Hein zu einem besonderen erzählerischen Mittel: er lässt Einwohner von Bad Guldenberg, die mit Herrn Horn auf die verschiedenste Weise verbunden waren, ihre Erinnerungen an Herrn Horn und den Sommer 1957, der inzwischen schon viele Jahre zurückliegt, erzählen. Da die erzählenden Personen die unterschiedlichsten Positionen im Umfeld von Herrn Horn aufwiesen, haben sie auch die unterschiedlichsten Blickwinkel auf Horn. Und obwohl keiner Herr Horn umgebracht hat, haben sie doch alle ihren Anteil am Tod des Mannes. Es ist ein Rpman über das kleinbürgerliche, spießige und von Vorurteilen behaftete Dasein und Denken, das auch in der DDR weit verbreitet war und das Menschen eben auch in die Enge treiben konnte und in einigen Situationen dann auch zur Notbremse Selbstmord als Ultima Ratio greifen ließ. Und es ist ein Roman, der zeigt, dass Erinnerung niemals etwas historisch rekonstruieren kann, sondern nur eine Variante der Vergangenheit, geprägt von den jeweiligen Prämissen, konstruiert. Jede erinnerte Vergangenheit ist letztlich nur eine Version der Vergangenheit. Und dies an jedem Punkt. Denn egal, ob wir nur eine individuelle Erinnerung nehmen oder ob wir zwanzig oder wieviele auch immer nehmen und dazu noch Dokumente und andere objektive Quellenmaterialien, niemals, absolut niemals, haben wir das totale und vollständige Wissen über alle Aspekte einer bestimmten Situation. Und so bleibt auch hier letztlich offen, warum Horn tatsächlich Selbstmord beging. Der Text besteht eigentlich nur aus wörtlicher Rede. Jeweils in der Ich-Form erzählen die Personen in jeweils eigenständigen Unterabschnitten der Kapitel ihre Erinnerungen an das Jahr, in dem Herr Horn Selbstmord beging. Christoph Hein gelingt es dabei herausragend gut für jeden Erzähler einen individuellen Sprachstil zu entwickeln, der dessen Bildungsniveau und sozialen Standort in der Gesellschaft entspricht. Vorangestellt ist jedem Kapitel ein Dialog zwischen dem toten Herrn Horn und Thomas, dem Sohn des Apothekers. Thomas wird dabei von dem toten Herrn Horn angetrieben sich zu erinnern. Dabei polemisieren auch immer wieder zum Thema Erinnerung und Wahrheit. Auch wenn Thomas nur eine der Schlüsselfiguren ist, also nicht die Schlüsselfigur an sich, so ist dieser Dialog der umspannende Bogen und Überleitung für die einzelnen Phasen der Erinnerungsarbeit um den Tod von Horn.

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  • Rezension zu "Horns Ende" von Christoph Hein

    Horns Ende
    alma

    alma

    14. May 2007 um 11:56

    Hein macht es niemandem leicht, nicht sich, nicht seinen Protagonistinnen uns schon gleich gar nicht. Ich bin jung, zur Wende war ich 6, vom Zusammenbruch habe ich nichts mitbekommen, Nazideutschland sagt mir was aus den Erzählungen meiner Ur-Oma, die war dabei, hat sogar ein bisschen mitgemacht - nicht wie die schlimmen, nee, das nicht, aber sie hat schon auch die Frontsoldaten mitversorgt und ohne solche is ja nich Krieg. Ich war also nicht dabei, hab keine Ahnung, wirklich nicht, wer passt im Geschichtsunterricht denn auf, wenns um Eiserne Vorhänge (was soll das sein) und Denunziation (bitte wer) geht? Ich war da schlecht. Gut also, dass es Hein gibt, der mir und Euch das erklären kann - der zwar nicht dicht an dicht uns mit Fakten überhäuft und einen omnipotent historisch gebildetetn Leser zurücklässt, aber wenigstens ein Gefühl vermittelt, ein schlechtes, ein abstoßendes - gut dass ich nicht dabei wir. Herr Horn bringt sich selber um, zu Glück erst, nachdem ein System ihn längst getötet hatte - so müssen wir nicht um ihn trauern, sondern dürfen böse auf die sein, die sich mit Schuld beladen haben - wenn das man ginge. Denn die Beladenen sind es, die noch am leben sind, die weiter tragen müssen, was als Zustand und moralisch untragbar war. 5 Bürger des Städchens Guldenburg erzählen und im Rückblick ihre Sicht der Dinge - jeder in einer anderen Beziehung zu Horn stehend, jeder mit ganz anderem Hintergrund und intellektuellen Horizont ausgerüstet machen sie sich ihre Reime und kommen nur all zu oft ins Stottern. Horn ist tot, die DDR auch - Geschichte bleibt über und keiner lernt was draus - das macht das Buch erst so ganz traurig, für mich. Ich hätte gerne mehr verstanden, mehr versteckte Hinweise gefunden, mich mehr im Vokabular zu Hause gefühlt, weniger übersehen weil die richtige Brille eben bei einem Kind der 80er Jahre fehlt - wir haben ja Nickel gegen Plaste getauscht. Verstörend, traurig, schön gemalt, vielleicht einmal wieder.

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