Die Architektur der Geschichte: Christoph Manhardt verwebt Präzision mit literarischem Erbe.
Christoph Manhardt, Jahrgang 1969, ist ein Grenzgänger zwischen den Welten. Aufgewachsen in der kaiserzeitlichen Atmosphäre von Baden bei Wien und heute in der Donaumetropole Wien lebend, ist sein Blick geschärft für die haptischen Schichten der Vergangenheit, die unter dem Asphalt der Moderne liegen.
Seine literarische Ambition ist kein Zufallsprodukt, sondern die Fortführung eines tief verwurzelten Familienerbes. Als Urcousin des bedeutenden Triestiner Dichters Theodor Däubler und Nachfahre der schlesischen Lyrikerin Antonie Gaffron-Oberstradam fließt das Gespür für die Macht des Wortes und die Melancholie des Verfalls in seinen Adern. Manhardt versteht das Schreiben als Verpflichtung gegenüber dieser Tradition – eine Suche nach dem präzisen Ausdruck für das Unaussprechliche einer vergangenen Epoche.
Beruflich im Bereich Projektanalyse im Finanzsektor.
Mit seinem Debütroman Die Mitgift des Verfalls positioniert sich Manhardt als neue Stimme für Leser, die die atmosphärische Dichte und das machtpolitische Schachspiel eines Robert Harris oder Ken Follett suchen. Er verzichtet auf moderne Psychologisierungen und lässt stattdessen die physische Unmittelbarkeit der Geschichte sprechen.
Den Ausgleich zur geistigen Arbeit im Archiv findet Manhardt in der körperlichen Herausforderung. Ob im Sattel eines Rennrads auf den Pässen der Umgebung, beim Reiten – das ihm das Verständnis für die Fortbewegung einer längst vergangenen Zeit bewahrt – oder bei ausgedehnten Wanderungen durch die Wiener Hausberge: Es ist der Rhythmus der Bewegung, der seine Gedanken ordnet und die Stoffe für seine nächsten Kapitel reifen lässt. Christoph Manhardt schreibt nicht nur über Geschichte; er spürt ihre Textur und macht sie für seine Leser greifbar.
Hallo liebe Leser!
Mein Debütroman Die Mitgift des Verfalls ist mehr als nur Fiktion, er basiert auf dem echten Geheimnis meiner Ur-Ur-Großmutter Auguste. Es geht um horrenden Waffenschmuggel, k.u.k. Heiratskautionen und eine eiskalte arrangierte Ehe.
Ich liebe es, diese raue, dunkle Epoche wieder zum Leben zu erwecken! Ich freue mich riesig auf den direkten Austausch mit euch, auf künftige Leserunden und natürlich eure ehrlichen Meinungen.
Lasst uns gemeinsam in die dunklen Gassen der Donaumonarchie reisen! ☕🚢 Euer Christoph
Bis 7.5 gib es das Buch als Ebook um 99Cent: Die Mitgift des Verfalls
Ich durfte diese Geschichte Testlesen und wurde sofort hineingezogen in ein Ambiente historischer Gegebenheiten, ausgeschmückt mit genügend Fiktion um ein Mitfiebern und Hineinfühlen zu ermöglichen.
Ein Buch das mit Gerüchen beeindruckt und um 1890 spielt, eine Zeit in der eine ganz andere Vorstellung von Anstand und Ehre existierte als wir es heute gewöhnt sind. Definitiv für Menschen die die Serie „Bridgerton“ mögen, also Geschichten über Gebräuche im höheren gesellschaftlichen Stand dieser Zeit und deren Vorstellungen von Scham und Schamlosigkeit, in der Heirat als Geschäft und Liebe als finanzieller Ruin betrachtet werden, wo Armut als Unehrenhaft galt, als Schande für einen Offizier. Genau dieser arme Offizier und eine reichere Handelskauffrau, Tochter eines in Schwierigkeiten geratenen Handelskaufmann, finden zueinander und stellen sich so mancher Herausforderung, denn es gilt zu überleben innerhalb einer verurteilenden Gesellschaft, die alles als Schwäche auslegen könnte und nur darauf wartet auf den Schwachen herumzutrampeln. Neid, Missgunst und Verachtung sowie Korruption, Machtmissbrauch und Verrat fügen sich zusammen zu einer Liebesgeschichte, die sich über gesellschaftliche Konventionen hinwegsetzt und durchsetzt. Ein erster Band und ein besonderer Auftakt zu einem faszinierenden geschichtlichen Rückblick.
Bei manchen Beschreibungen der Gerüche wurde meine nostalgische Ader gründlich auf die Probe gestellt, es war so lebensecht das mir beim Lesen an manchen Stellen richtig übel wurde, so real erschien mir der Geruch in die Nase zu steigen. Nein, ich glaube zu jener Zeit wollte ich wirklich nicht leben, es reicht mir an einem heißen Tag bei vollem Verkehr eine Fahrt in der U6 ungefähr so und wahrscheinlich schlimmer stank es in jenen früheren Tagen, wo Hygiene noch mit Pfefferminzgeruch verbunden wurde, Jod, Äther und Morphium mehr ein Todesurteil als Heilung war.
In mir weckte es vor allem die Neugierde wie es mit Auguste und Max weitergehen wird. Mir gefällt der spannende, detailreiche, lebendige Schreibstil, der einen direkt eintauchen lässt in das Geschehen und einen die Erfahrung fast schon aufzwingt als wäre man wirklich mitten im Moment. Wer sich zurücksehnt hat hiermit definitiv eine Möglichkeit in diese Zeit einzutauchen, zu erleben wie man von den Vorstellungen der Gesellschaft und einem Bild von Ehre geprägt wurde, wie Leben definiert wurde als weniger bedeutend als die Ehre. Genau wie es wichtiger genommen wurde was andere in der höheren Gesellschaft von einem dachten als was wirklich wahr war, wahr wurde was die Mächtigen behauptet hatten. Faszinierend dramatisch obwohl nur wenig Gewalt tatsächlich stattfindet. Kaum direkte Auseinandersetzungen sondern eine Spannung durch eine Art Bluffen und Pokern.
Diese Geschichte lebt von den Eindrücken, auch von dem Darstellen von einer anderen Art von Familie. Hierzu ein Zitat aus dem Buch: „Sie ist keine Mutter, dachte Auguste. Sie ist das Publikum, vor dem man nicht versagen darf.“ Die gesellschaftliche Stellung wird gerade mit solchen Sätzen herausgehoben, denn sie hatte als Tochter ihrer Familie etwas zu verkörpern, etwas zu präsentieren, jemand zu sein. Darüber wachte die Mutter, sie war nicht darauf aus sie bedingungslos zu lieben. Es ging immer um die Präsentation nach außen, um den Stand aufrechtzuerhalten. Dazu hat Christoph Manhardt eine passende Sprache gefunden, mit dieser ermöglicht er direkt in diese Vorstellungen einzutauchen, sie wie ein Korsette anzulegen und zu begreifen wie einengend diese gelebte Norm sich auf das Leben auswirkte. Wobei Auguste eine kleine Rebellin ist, die sich mehr traut als üblich für eine Frau jener Tage. Mit Max trifft sie auf einen Mann, der das durchaus auch als anziehend begreift, eine Frau, die klug und stark ist.
Beeindruckende Liebesgeschichte, zwischen zwei ebenbürtigen Menschen wobei im Hintergrund für die Leserschaft ist Auguste deutlich die Überlegene zumindest für den Moment als Geheimnis. Sie sind beide in ihrer Entwicklung und es bleibt offen wohin die Reise geht.
Auguste und Max haben sich in mein Herz gestohlen. Was für eine wunderbare Geschichte, wie schön wäre es wenn das meine Vorfahren wären, denn das wirklich besondere ist, das es sich hierbei um Personen handelt, die es einmal wirklich gab, die in eine fiktive Geschichte gesetzt wurden. Auguste und Max, ihre Liebesgeschichte wurde etwas abgewandelt aber sie war wahr. Wie toll ist das? Ich finde das großartig. Was genau fiktiv war und was sich so abgespielt hat? Findet es selbst heraus. Auf nach Triest in die sommerliche Hitze vergangener Tage. Viel Spaß beim Lesen!
Man riecht und spürt förmlich Triest als Stadt samt Umgebung. Christoph Manhardt vermischt Unterschiede sozialer Schichten mit kulturellen Besonderheiten, die nicht nur im historischen Kontext Gültigkeit haben, sondern zum Großteil auch heute in diesen Ausprägungen bestehen.
Viele Elemente daraus werden in meiner historischen Kolumne Verwendung finden.
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