Christoph Martin Wieland

 3,7 Sterne bei 34 Bewertungen

Lebenslauf von Christoph Martin Wieland

† 20. Januar 1813 in Weimar

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Neue Rezensionen zu Christoph Martin Wieland

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Rezension zu "Geschichte der Abderiten" von Christoph Martin Wieland

Rezension zu "Geschichte der Abderiten" von Christoph Martin Wieland
Heike110566vor 11 Jahren

Die Polis Abdera in Thrakien hatte schon in der Antike einen besonderen Ruf. Bereits Cicero, römischer Politiker, Redner und Philosoph des 1. Jahrhunderts v. u. Z., äußerte sich über die Bewohner der Stadt als beschränkte Kleinbürger, die Schildbürger ihrer Zeit, auch wenn aus ihrer Stadt hin und wieder ein genialer Kopf wie Demokrit hervorkam.
Christoph Martin Wieland (1733-1813) nutzte die Geschichten um die Abderiten, um seinen Zeitgenossen den Spiegel vorzuhalten. Der Roman erschien 1774. Es ist eine Satire, in der der Autor die aktuellen damaligen Verhältnisse aufs Korn nahm, diese aber in die antike griechische Stadt verlagerte, sodass die Herrschenden keinen Anstoß daran nehmen konnten. Die Leser erkannten aber das, was Wieland auch ausdrücken wollte: Die Absurditäten sind nicht auf Abdera beschränkt, sondern die Nachfahren der Abderiten leben unter uns, überall. - Und ich ergänze: Auch heute sind sie noch nicht ausgestorben. Sie sind in höchsten Ämtern und allerorten. Und man erkennt sie leicht, wenn man diesen köstlichen, humorvollen Roman gelesen hat.
Nur ein paar Schlaglichter aus der "Geschichte der Abderiten" möchte ich hier nennen:
Ich erwähnte ja bereits Demokrit, den Naturforscher und Philosophen, der, nachdem er erwachsen wurde, Abdera verließ und zwanzig Jahre die Welt bereiste. Als er zurückkam , wollten die Abderiten, die fast nie aus ihren Stadtmauern herauskamen und nichts von der Welt kannten, aber dennoch glaubten alles von der Welt zu kennen, natürlich erfahren, was er erlebt und gesehen hat. Demokrit berichtete über alles mögliche, denn er war in vielen Ländern, bis Indien im Osten und Äthiopien im Süden. Aber nichts sagte den Abderiten zu, denn er berichtete nicht von den Phantasiewesen, die sich die Abderiten von der Außenwelt machten. Sie hielten Demokrit für einen Dummkopf und unterstellten ihn irre zu sein. Sie holten sogar den berühmten Arzt Hippokrates nach Abdera, damit dieser die Tollheit des Demokrit bestätige, aber dieser erklärte vor dem Hohen Rat der Stadt, dass Demokrit der einzig normale Mensch in Abdera sei und verordnete jeden Einwohner sieben Pfund Niesewurz, damit das Gehirn mal durchgepustet wird. - Demokrit musste daraufhin zwar nicht in eine dunkle Kammer, ganz Griechenland hätte gelacht, aber es wurde ein Gesetz verabschiedet, dass niemand auf Reisen gehen darf, ohne das ein abderitisch hochgebildeter Einwohner, zu gut Deutsch also ein etwas geistig beschränkter, ihn begleitet und leitet.
Die Abderiten liebten auch die Kunst. Allerdings: ihre Massstäbe waren etwas außergewöhnlich. Bei Komödien gab es getragene Musik als Begleitung, bei Tragödien die ausgelassensten Stücke und Tänze. Auch die Schauspieler waren ganz abderitisch. - Eines Tages führten sie nun das Stück "Andromeda" von Euripides auf. Alles war begeistert, Jubelrufe, Beifall ohne Ende. Nur einer hatte etwas auszusetzen. Ein alter und zudem fremder Mann. Als er gefragt wurde, sagte er, dass die Abderiten offenabr nicht verstanden haben, was der Dichter sagen wollte, denn das was da rüberkam, fand er völlig daneben. Die Abderiten waren sauer über diesen Kunstbanausen. Und sie entschieden den Euripides nach Athen zu schreiben und ihm den Sachverhalt zu erklären und der Alte würde dann schon sehen, wer was von Kunst versteht. - Der Alte teilte ihnen nun mit, dass sie sich die Mühe sparen können, denn: der Alte war Euripides selbst. - Euripides blieb noch etwas in Abdera und inszenierte "Andromeda" so, wie es gedacht war. Eine völlig neue Erfahrung für die Einwohner, denn es war ganz anders als sonst.
Aber wer nun denkt, dass die Abderiten weniger schelmenhaft künftig waren, täuscht sich. - Der Irrsinn geht weiter. ZB mit dem Prozess um des Esels Schatten, der bis vor den Rat der Vierhundert, der höchsten Instanz in Abdera, gelangte und wo es darum ging, ob der Schatten eines Esels mitvermietet ist, wenn man einen Esel mietet oder ob man den Schatten extra mieten muss, gebührenpflichtig versteht sich. - Diese höchst bedeutende Frage spaltete die Stadt, teilte sie in die Partei der Esel und die Partei der Schatten und führte Abdera fast an den Abgrund.
Aber nur fast, denn den Abgrund erreichte die Polis erst durch die Frösche der Latona. Aber die Geschichte verrate ich hier jetzt nicht.
Es ist ein sehr humorvoller Roman und obwohl schon einiges über 200 Jahre alt, von der Intention des Autors her nicht überholt. Rhetorisch ist die Geschichte hervorragend erzählt. Besonders schmunzeln kann man bei den Reden der Sykophanten, der Anwälte, bei dem Prozess um des Esels Schatten.
Ein Roman, den ich nur empfehlen kann.

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Rezension zu "Geschichte des Agathon" von Christoph Martin Wieland

Rezension zu "Geschichte des Agathon" von Christoph Martin Wieland
Steffenvor 11 Jahren

Wielands "Geschichte des Agathon" darf als einer der ersten Bildungromane verstanden werden, in welchem der Autor überzeugend zeigt, wie sich der Mensch im Laufe seines Lebens wandeln kann (und muss), indem er auf seinem Bildungsweg Erfahrungen macht, die ihn prägen und seine Denkweise von Grund auf verändern können. So stößt auch Agathon auf seinem Lebensweg mit etlichen - seinem Gemüt so verschiedenen - Charakteren zusammen, die ihn beeinflussen und ihn zur Reflexion seiner vormaligen Denkweise bringen. Intrigen und die Boshaftigkeit machthungriger Individuen schaffen es sowohl in Athen als auch später in Syracus, den Helden Agathon zum Sturz zu bringen, woraufhin dieser sich Gedanken über seine strengen Prinzipien der Tugend und der Moral macht. Immer wieder wird er durch unglückliche Ereignisse vor den Kopf gestoßen, dass seine gute Art zu denken, seine Einbildungskraft und reine Tugend nicht förderlich für ein glückliches, gelingendes Leben sind. So wandelt er sich, verliert die Tugend zwar nicht ganz, sondern bloß seine Einbildungskraft, sodass sich seine Handlungen vor allem auf Klugheit und planvolles Denken zurückführen lassen . Damit wird er im Laufe des Romans vom schwärmerischen Moralisten zum rational aufgeklärten Weisen.

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Rezension zu "Geschichte des Agathon" von Christoph Martin Wieland

Rezension zu "Geschichte des Agathon" von Christoph Martin Wieland
Dannyvor 12 Jahren

Wer sich die Zeit nimmt und genügen Geduld beweist, wir hier einen faszinierenden Bildungsroman finden. Für Liebhaber des 18. Jahhunderts besonders spannend. Sonst eher nicht zu empfehlen.

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Christoph Martin Wieland wurde am 05. September 1733 in Oberholzheim (Deutschland) geboren.

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