Christoph Marx Pelze, Gold und Weihwasser

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Inhaltsangabe zu „Pelze, Gold und Weihwasser“ von Christoph Marx

Kannibalen oder doch nur „Wilde“? Nicht nur die Europäer stellten sich diese Frage, als sie auf den fernen Kontinenten Afrika und Nordamerika ihren Schiffen entstiegen und zum ersten Mal mit den dort lebenden Menschen in Kontakt traten. Auch die Bewohner der fremden Länder befürchteten beim Anblick der europäischen Eindringlinge das Schlimmste, fanden deren Nahrungsgewohnheiten abstoßend, die Kleidung sonderbar. Am Beispiel von Indianervölkern in Nordamerika und Königreichen im südlichen Afrika erzählt Christoph Marx sehr eindrucksvoll die Geschichte der Begegnungen mit anderen Kulturen, die bestimmt war von Eroberung, Handel und Mission. Die rein europäische Perspektive lässt er hinter sich, und geht dabei in allen Facetten auf die wechselseitige Wahrnehmung der unterschiedlichen Kulturen ein.

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  • Rezension zu "Pelze, Gold und Weihwasser" von Christoph Marx

    Pelze, Gold und Weihwasser

    wolfschwerdt

    18. May 2010 um 15:50

    Nicht China, Indien oder Südamerika sind Schauplätze der in „Pelze, Gold und Weihwasser“ beschriebenen Begegnungen zwischen Europäischen Händlern und Missionaren mit fremden Kulturen. Der Autor Christoph Marx hat sich vielmehr das uns diesbezüglich unbekanntere Afrika und Nordamerika für seine „erzählte Geschichte“ ausgewählt. Aus gutem Grund führt Marx seine Leser auf den Schiffen der Portugiesen zunächst nach Südostafrika, an die von den arabisch- afrikanischen Swahili bewohnte Küste in deren Hinterland jedoch mächtige afrikanische Reiche und Herrscher nicht nur den Handel, sondern auch die Swahili und später die Portugiesen kontrollieren. Trotz der Tatsache, dass es den Portugiesen Anfang des 16. Jahrhunderts binnen kürzester Zeit gelungen war, mit ihren kanonenbewehrten Karavellen gewaltsam den arabischen Seehandel des indischen Ozeans unter ihre Kontrolle zu bringen. Im Handel mit den innerafrikanischen Reichen jedoch waren die sonst so stolzen Eroberer gezwungen, sich den afrikanischen Chiefs und Königen zu unterwerfen, um als Handelspartner akzeptiert zu werden. Detailliert und lebendig beschreibt Marx die komplexen Gesellschafts- Herrschafts- und Regierungsstrukturen, der afrikanischen Kulturen, die sich von den uns aber auch den europäischen Händlern vertrauten staatlichen Organisationsformen so grundlegend unterschieden. Während wir heute –auch durch Bücher wie „Pelze, Gold und Weihwasser“- die Möglichkeit haben, die fremdartigen Kulturen unvoreingenommen zu betrachten, waren die Europäer in ihren ideologischen und religiösen Vorstellungen gefangen, was zum einen immer wieder zu folgenreichen Un- oder Missverständnissen, zum anderen aber auch zur missionarischen Erfolglosigkeit führte. Beim Zusammentreffen der nordamerikanischen Indianer mit den britischen und französischen Händlern und Missionaren, die von der amerikanischen Ostküste aus operierten –die zweite exemplarische Station des Autors- dominierten wiederum die Einheimischen den lukrativen Handel. Auch die militärische Rivalität zwischen Franzosen und Briten auf dem Territorium der indianischen Nationen, wussten die Kriegserprobten Ackerbauern mit den matrilinearen und egalitären Gesellschaftsstrukturen für sich auszunutzen. Trotzdem zerstörten am Ende die von den Europäern eingeschleppten Krankheiten, die die indigene Bevölkerung drastisch reduzierte, und erst in diesem Zusammenhang mögliche missionarische Erfolge, im 18. Jahrhundert die gesellschaftlichen Grundlagen der indianischen Völker. Mit der dritten Station kehrt der Autor nach Afrika zurück, diesmal in den Süden. Hier beschreibt der Autor wie sehr sich das von den Europäern im 19 Jahrhundert propagandistisch gezeichnete Bild der afrikanischen despotischen und tyrannischen Herrscher von der gesellschaftlichen Realität der faszinierenden und komplexen südafrikanischen Clanstrukturen mit einer eigenen, fremdartigen aber in sich durchaus schlüssigen Symbolsprache unterscheidet. Das vierte und letzte Beispiel für die Begegnung einander fremder Welten führt schließlich an die Nordwestküste Amerikas und beschreibt den spannenden Prozess, wie aus einem Indianerland British Columbia wurde. Die Entwicklung erscheint hier zunächst wie ein Beispiel erfolgreicher gegenseitiger kultureller Integration. Siedler und Missionare jedoch setzten diesem interessanten Experiment der Geschichte ein beinahe unerwartetes Ende. Marx gelingt es, durch lebendige Darstellung, Einfügen zeitgenössischer Zitate und kurze aber knackige Basisinformationen die fremdartigen gesellschaftlichen Beziehungsgeflechte der exemplarischen „schwarzen und roten“ Kulturen und deren Symbolsprachen ebenso Verständlich zu machen, wie die innere Logik der gegenseitigen Missverständnisse. Klar wird aber auch, dass es wohl kaum eine Kultur gibt, die es nicht wert wäre, dass man sich mit ihr ernsthaft und unvoreingenommen auseinandersetzt. Wichtiger noch aber ist die Botschaft des Autors: Afrikaner und Nordamerikaner waren weder wehrlose Opfer europäischer Raffinesse und Ruchlosigkeit noch blutrünstige Primitive. Sie waren bewusst und rational handelnde, kulturell und intellektuell ebenbürtige Subjekte der Geschichte.

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