Zitat aus dem Buch Seiten 228/229:
"Du bist nach Cambridge und London gegangen und versteckst dich vor dir selbst. Du hast eine Scheißangst vor dem, was damals passiert ist. .... Deine Mutter, Colin, ist ein böser Mensch. Aber du bist es nicht. Und Danny auch nicht. Ihr habt einfach Pech gehabt. Niemand kann sich seine Eltern aussuchen. Niemand kann sich aussuchen, welche Fähigkeiten er hat und welche nicht. Du Colin, kannst die gleichen Dinge tun, die deine Mutter tun kann." ...
Er war fortgegangen, weil er geflohen war. Er war davongelaufen. Vor seiner Familie. Vor Ravenscraig, vor sich selbst. Mitten hinein ins hektische London-Leben.
"Du hast Angst davor, dass du sein könntest wie sie. (seine Mutter) deswegen bist du nach London abgehauen und deswegen machst du jetzt diesen Blödsinn mit den Modellen" (einen unkreativen schrottjob)
Das Internet und das Mobiltelefon waren ständige treue Begleiter gewesen. Das hatte alles zu seinem London-Leben gehört, bis Livia sein Telefon ins Meer geworfen hatte. ... Er war woanders, in einer anderen Welt, die so verschieden war vom London-Leben, wie irgendwas nur sein konnte. ....
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Ich muss sagen - eine abgefahrene Geschichte, die einen von der ersten bis zur letzten Seite fesselt, auch wenn ich - wenn auch schon etwas nach der Mitte ahnte, was mit Archibald Darcy passiert oder eben nicht passiert war. Gut. Ich hab es genossen dieses Buch zu lesen. Wie man unschwer an den Zitaten oben erkennen kann, hat es mich beeindruckt, aufgerüttelt. Es kam mir bekannt vor....
Die Thematik, aus einem Leben zu flüchten, aus dem Elternhaus, weil es so "schlimme Geschichten" dort gab, aber letztendlich nimmt man seine Geschichte ja mit, egal wie sehr man sich in ein Pseudo-Leben (für Colin Darcy das langweiige Internet-Leben in der Großstadt - für mich das stressige Internetleben in der Großstadt 🙄) flüchtet und ja, sein eigenes Dasein "verbarrikadiert".
Irgendwann kommt eben der Punkt, an dem einen die Vergangenheit ja doch einholt und man sich den Erinnerungen stellen muss, um sie zu überwinden.
Der Autor nutzt wohl zu diesem Zwecke eine Fantasygeschichte. Ich will garnicht so viel darüber sagen - einfach lesen. Richtig gut.
Je mehr man sich mit seinem wahren Selbst auseinandersetzt, desto mehr kann man "das Internet und das Mobiltelefon ins Meer werfen".
Man kann sein Pseudoleben aufgeben und sein wahres Sein und sein wahres Leben leben.
Als ich das Buch zuklappte, dachte ich nur...
Ist die Botschaft etwa, dass man seine Eltern auf den Mond schießen kann, damit man als Kind endlich das Glück leben kann, das man verdient hat?
Will uns der Autor das mitteilen? 🤔
Womöglich eher: FLIEHEN KANNST DU NICHT VOR DEINER VERGANGENHEIT. ABER DU KANNST SIE ERLÖSEN - DICH LÖSEN UND DEIN EIGENES GLÜCK LEBEN.
WIRD DIE BEZIEHUNG ENDGÜLTIG BEENDET, FALLEN PLÖTZLICH AUCH ALLE DAMIT VERBUNDENEN ÄNGSTE, VERZWEIFLUNG, WUT, TRAUER, VIELLEICHT AUCH MANCHE SCHÖNE ERINNERUNG, WEG UND DAS KIND IST FREI. AUCH DAS "PSEUDO-LEBEN", DAS ALS SCHUTZSCHILD DIENTE, FÄLLT AB. WAS BLEIBT IST AUTHENTISCHES SELBST UND LEBEN. SELBSTLIEBE.
Rio Bravo und später dann das London-Leben sind Fantasie/Schutzwelten, in dem das traumatisierte Kind Zuflucht finden und mal durchschnaufen kann. Wenn niemand mehr da ist, der dem Kind bewusst Schaden zufügt (oder ihm nicht beisteht - unterlassene Hilfeleistung), braucht das Kind diese Welten nicht mehr.
Es kann sich sein Leben selbst neu gestalten. Und das ist Glück. Wahres Glück für ein solches Kind.