Christoph Nonn

 4,4 Sterne bei 14 Bewertungen

Lebenslauf

Prof. Dr. Christoph Nonn (geb. 1964 in Leverkusen) studierte Geschichte, Sozialwissenschaften und Anglistik in Trier und Warwick/Großbritannien. Seit 2002 ist er Professor für Neueste Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Christoph Nonn

Cover des Buches 12 Tage und ein halbes Jahrhundert (ISBN: 9783406755699)

12 Tage und ein halbes Jahrhundert

(6)
Erschienen am 17.09.2020
Cover des Buches Das 19. und 20. Jahrhundert (ISBN: 9783825240455)

Das 19. und 20. Jahrhundert

(5)
Erschienen am 22.01.2014
Cover des Buches Das deutsche Kaiserreich (ISBN: 9783406834943)

Das deutsche Kaiserreich

(2)
Erschienen am 27.02.2025
Cover des Buches Geschichte Nordrhein-Westfalens (ISBN: 9783406583438)

Geschichte Nordrhein-Westfalens

(1)
Erschienen am 16.02.2009
Cover des Buches Bismarck (ISBN: 9783406675898)

Bismarck

(0)
Erschienen am 21.01.2015
Cover des Buches Köln in der Weimarer Republik 1918-1933 (ISBN: 9783774304567)

Köln in der Weimarer Republik 1918-1933

(0)
Erschienen am 07.10.2024

Neue Rezensionen zu Christoph Nonn

Cover des Buches 12 Tage und ein halbes Jahrhundert (ISBN: 9783406755699)

Rezension zu "12 Tage und ein halbes Jahrhundert" von Christoph Nonn

Ein LovelyBooks-Nutzer
Lohnens- und lesenswert

Lange bin ich um dieses Buch herumgeschlichen. Die Thematik Deutsches Kaiserreich gehört zu meinen Steckenpferden, allerdings haben mit Preis und Machart (darauf werde ich noch eingehen) zunächst abgeschreckt. Doch irgendwann wurde der "Will-haben-Reflex" größer als die Bedenken. Aber die Entscheidung zum Buchkauf habe ich nicht bereut.

Der an der Düsseldorfer Universität lehrende Christoph Nonn wählt einen ungewöhnlichen Weg, um seinen Lesern die Geschichte des Kaiserreich nahezubringen. Statt einem durchgängig von 1871 bis 1918 reichenden Erzählstrang wählt er einzelne Tage aus diesem Zeitraum aus, beschreibt die Ereignisse, die sich da ereigneten und ordnet diese dann ein. So behandelt er beispielsweise das Thema "Kulturkampf" am Beispiel der Marpinger Marienerscheinungen 1876, die Affäre um den Hauptmann von Köpenick ist Anlass, sich mit dem Thema Militarismus im Kaiserreich auseinanderzusetzen. Man könnte nun das Buch quasi kreuz und quer nach den Themenschwerpunkten lesen, allerdings sollte man besser die Chronologie, die dann irgendwie doch das zweite Ordnungsschema des Buches darstellt, nicht außer Acht lassen, denn gerade sie ermöglicht es dem Leser nachzuvollziehen, welche Transformationen das Kaiserreich im Laufe seiner Zeit gemacht hat. Mehrfach hat man als Leser das Gefühl, dass das Reich, dem in wirtschaftlicher und sozialpolitischer Hinsicht eine Spitzenstellung in Europa zukam, kurz davor war,  in innenpolitischer Hinsicht aufzuholen und vor dem Durchbruch zur konstitutionelllen Monarchie zu stehen (was sicherlich auch die Außenpolitik massiv, und man muss ja wohl sagen positiv beeinflusst hätte), eine Frage, die Nonn dann selbst im drittletzten Kapitel im Zusammenhang mit der "Daily-Telegraph-Affäre" aufgreift, um sie überraschenderweise negativ zu beantworten. Aber seine Argumentation überzeugt. Trotz des Bedeutungsgewinns des demokratisch gewählten Reichstages scheuten die demokratischen Parteien davor zurück, eine durchsetzbare Verfassungsänderung vorzunehmen. Denn dieser Schritt hätte Zusammenarbeit und Kompromisse bedeutet, die Parteien zogen es aber vor, weiterhin Klientelpolitik für ihre jeweiligen Wähler zu betreiben, was sich in Absprachen mit den konservativen Machthabern in der Reichsleitung wesentlich besser erreichen ließ. Wenn also, bildlich gesprochen, die Frucht reif zum Pflücken war, dann fand sich keiner, der es tat. Und so konnten sich die alten Eliten an der Macht halten und einen Kurs steuern, der über den Weg des Ersten Weltkriegs zum Untergang des Kaiserreiches führte und darüber hinaus die Geschichte der folgenden Weimarer Pepublik nachhaltig negativ beeinflusste.

Diese Entwicklungen, zusammengesetzt aus den 12 Tagen, hat der Historiker höchst anregend und damit lesenswert nachgezeichnet, eigentlich ein Muss für jeden, der sich für diese Epoche der deutschen Geschichte interessiert. 

Cover des Buches 12 Tage und ein halbes Jahrhundert (ISBN: 9783406755699)
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Rezension zu "12 Tage und ein halbes Jahrhundert" von Christoph Nonn

wsch
Der Autor schildert weitaus mehr als nur 12 Tage...

Wer in seinem Geschichtsbuch aus der Schulzeit blättert und dabei auf der Seite der Proklamierung des deutschen Kaiserreiches am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles aufschlägt, der wird das Gemälde von Anton von Werner kennen.  Die erste Fassung dieses Historiengemäldes, Öl auf Leinwand mit den beeindruckenden Maßen von 4,34 × 7,32 m hing im Berliner Schloss. Es wurde bei einem der Bombenangriffe auf Berlin während des Zweiten Weltkrieges vernichtet.

Von dem Gemälde existieren drei weitere Fassungen, von Anton von Werner jeweils etwas geändert. Sei es der Blickwinkel, sei es die Aufstellung der anwesenden Personen etc.

Christoph Nonn erzählt hier die ganze Geschichte, wie Anton von Werner überhaupt an diesen Auftrag, die Proklamation des preußische König Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser bildhaft darzustellen. Er berichtet über die Entstehung der weiteren Fassungen des Gemäldes. Also von dieser Phase der deutschen Geschichte weitaus mehr als einen Tag.

 Gleiches gilt für die angebliche Marienerscheinungen, die drei kleine Mädchen zwischen Juli 1876 und September 1877 erlebt haben wollen. Diese Begebenheit schildert der Autor vor dem Hintergrund des Kulturkampfes zwischen dem Deutschen Kaiserreich und der römisch-katholischen Kirche. In dessen Folge es zu Verhaftungen, der Sperrung des Waldes, in dem Maria erschienen sein soll und zur Einweisung der drei Kinder in eine Besserungsanstalt. 

Die Geschichte von Ferdinand August Bebel, einem der Begründer der deutschen Sozialdemokratie, von Theodor Lohmann, der der eigentliche Begründer der Sozialversicherungen war, wird vom Autoren nachvollziehbar geschildert. Wobei auch hier die interessanten, teilweise mit Zitaten unterlegten Formulierungen die Lektüre recht spannend machen. Soweit ich mich entsinne, wurde im Geschichtsunterricht stets behauptet, Otto von Bismarck sei derjenige, der die Sozialversicherungen durchgesetzt habe.

Dem widerspricht das Zitat auf Seite 181: "Ebenfalls 1876 legte er [Th. Lohmann; Anm. WS.] das dicke Brett vor, an dem er seit vier Jahren gewerkelt hatte: eine Novelle der Gewerbeordnung des Norddeutschen Bundes von 1869 mit Geltung für das ganze Reich. Wenn Lohmann gehofft hatte, damit zur Besänftigung des göttlichen Herrn beizutragen, bewirkte er bei seinem weltlichen Herrn [Bismarck; Anm. WS.] das genaue Gegenteil. Der Reichskanzler reagierte äußerst ungehalten. Im Interesse internationaler Konkurrenzfähigkeit könne man die Industrie, in der es seit dem Ende des Gründerbooms ohnehin schon kriselte, doch nicht noch durch staatliche Vorschriften zu Arbeitszeiten oder dem Schutz vor Arbeitsunfällen belasten, meinte Bismarck. Auch einen weiteren Ausbau der Fabrikinspektionen lehnte der Kanzler ab - erst recht, nachdem er als Inhaber einer Papiermühle mit deren Beamten selbst schlechte Erfahrungen gemacht hatte."

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Und auf die Idee kommt, Ähnliches in der Gegenwart zu suchen...

 In diesem Stil geht es durch die weiteren acht Kapitel. Die Zeit der deutschen 'Schutztruppen' in den damaligen westafrikanischen Kolonien mitsamt des ersten von Deutschen begangenen Völkermordes an den Herero. Mit allen damit zusammenhängenden Vorgängen, Absichten, Plänen Bismarcks.

Die Flottenpläne des Admirals Alfred Tirpitz anno 1896 (Stichworte 'Deutscher Flottenverein', deutsche Kolonien, 'Platz an der Sonne', 'Schaumweinsteuer zur Finanzierung der Kaiserlichen Kriegsflotte').

Die Ritualmordgerüchte von Konitz/Westpreußen (Juden hätten Deutsche ermordet).

Die Geschichte von Wilhelm Voigt, besser bekannt als Hauptmann von Köpenick. Mit allem Drum und Dran.

Die von Bernhard von Bülow, dem späteren Reichskanzler, ab 1908 initiierten Verhandlungen und Gesetze.

Und auch noch die Geschichte von und um Charlotte Herder sowie das Kapitel 'Felix Fechenbach macht eine Revolution', November 1918 in München.

 Es ist für mich zwar nicht nachvollziehbar, wie der Autor stellenweise auf Details kommen kann wie zum Beispiels eine genaue Beschreibung des Wetters an diesem oder jenem Tag, wie die eine oder andere handelnde Person geschlafen hätte und so weiter. Derartige Details, und seien sie des Autors Phantasie entsprungen, ermöglichen aber ein flüssiges Lesen der 622 Seiten.

 Was Christoph Nonn an Fakten beschreibt, lässt sich mittels des umfangreichen Anhangs mit Literaturverzeichnis und Anmerkungen, Fundstellenangaben etc. leicht überprüfen.

 Das Buch ermöglicht ein gedankliches Abtauchen in die Zeit, in die gesellschaftlichen Gegebenheiten und Umstände des Deutschen (Kaiser-) Reiches zwischen 1871 und 1918.

 

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