Das Jahr der Katze

von Christoph Peters 
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Das Jahr der Katze
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Zu empfehlen für alle, die Freude an brillant erzählter und gleichzeitig hochspannender Literatur haben!

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Den Geheimnissen Japans auf der Spur - Christoph Peters schickt eine Berlinerin nach Tokio, wo auch noch mit Schwertern gekämpft wird.

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Inhaltsangabe zu "Das Jahr der Katze"

Ein ungewöhnlicher Thriller in der Tradition eines Cormac McCarthy oder Quentin Tarantino und das faszinierende Panorama einer bizarren japanischen Unterwelt, die noch immer die Traditionen der Samurai-Zeit beschwört, auch wenn ihre goldene Zeit längst der Vergangenheit angehört.
Früher verstand sie sich als eine ehrenwerte Gesellschaft. Heute ist japanische Yakuza zunehmend eine Organisation gewöhnlicher Krimineller, verwickelt in Drogenhandel und schmutzige Immobiliendeals. Staat und Polizei haben die jahrhundertelange Toleranz und Koexistenz aufgekündigt und der Yakuza den Kampf angesagt. Da kommt es äußerst ungelegen, dass Fumio Onishi bei einer Aktion im Auftrag der Yakuza in Berlin eigenmächtig übers Ziel hinausgeschossen ist. Auf der Flucht vor den deutschen Behörden hat Onishi sich zwar mit seiner deutschen Freundin Nikola nach Tokio absetzen können. Doch hier erwartet der Yakuza-Boss Takeda ein unmissverständliches Opfer von ihm...
Hat Christoph Peters in seinen Romanen "Mitsukos Restaurant" und "Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln" die helle, ebenso faszinierende wie manchmal skurrile Seite der Kultur Japans beleuchtet, taucht er nach "Der Arm des Kraken" auch in seinem zweiten Roman um Fumio Onishi ein in die Abgründe des Reichs der aufgehenden Sonne - in einen zutiefst widersprüchlichen Kosmos voll rätselhafter Traditionen zwischen höchster Eleganz und Kultiviertheit einerseits und blinder Grausamkeit und fragwürdigen Atavismen andererseits, in eine Unterwelt, die ebenso geprägt ist von dem alten Ethos der Samurai wie von irritierenden Werten, fremdartigen Ritualen und verstörender Gewalt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783630874760
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:352 Seiten
Verlag:Luchterhand
Erscheinungsdatum:03.09.2018

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    jamal_tuschickvor einem Monat
    Kurzmeinung: Den Geheimnissen Japans auf der Spur - Christoph Peters schickt eine Berlinerin nach Tokio, wo auch noch mit Schwertern gekämpft wird.
    In der Sitzhölle

    Man streitet darüber, wie groß der Anteil des Bushido am Karate ist. Der japanische Kriegerkodex (Kodex der Bushi/Dienenden aka Samurai) kultivierte vom Mittelalter bis zur Neuzeit eine privilegierte Art der Begegnung armierter und mehrfach Bewaffneter. Ein Kampf ohne (den Körper verlängernde) Waffen rangierte in diesem System auf dem Siechfeld einer Randsportart. Jiu-Jitsu bot Lösungen nach einer Entwaffnung.

    Natürlich setzten japanische Ritter notfalls Hände & Füße offensiv und defensiv ein. Doch hatte das entsprechende Training keine Priorität. Wo aber der Kampf nur mit den Waffen des Körpers sowie mit Haushaltsgegenständen als oppositionelle Reaktion auf feudale Verachtung des Bäurischen geübt wurde, ergab sich ein anderes Bild. Die Leute auf Okinawa durften keine Waffen tragen. Sie modifizierten und verhärteten vor allem das Gong-fu der chinesischen Nachbarn und nannten das hybride Format Okinawa-Te. In den Kodifikationen des Okinawa-Te im 19. Jahrhundert liegt der Ursprung des Karate.

    Karate als Straßenkunst

    Vom Karate als Straßenkunst der Yakuza erzählt Christoph Peters in seinem Roman „Das Jahr der Katze“. Die Yakuza bildet keine Cosa Nostra, wie der Autor treffend feststellt. Vielmehr dient sie in einem Kastensystem der nationalen Selbstverteidigung unter den Flaggen der Ultranationalisten. Das Fußvolk rekrutiert sich aus den Verworfenen und ethnisch Versprengten. Die Bosse sind Verschwiegene des Establishments. Kuromaku nennt man einen wie Herrn Okabe. Der Herr zieht die Fäden im Hintergrund und erscheint als graue Eminenz sowohl im Verhältnis zur Regierung als auch in der Unterwelt. Er ist ein Dreh- und Angelpunkt im Management der XXXII. Olympiade, die vom 24. Juli bis zum 9. August 2020 in Tokio stattfinden - und bis dahin von einem mörderischen Verteilungskampf auf allen gesellschaftlichen Ebenen beflügelt werden wird.

    Wirtschaft ist Krieg und Karate die Schrumpfform einer Kriegskunst. We are warriors on the budo path (Ōyama Masutatsu). Schon Ende der Sechzigerjahre verdrängte Japan die Bundesrepublik von Platz drei der wirtschaftlich stärksten Nationen. Nur hundert Jahre zuvor hatten Samurai mit dem Schwert nicht anders als im Mittelalter für ein Land ohne Dampfmaschinen gefochten. Es gab kein hochseetaugliches Schiff, keine Eisenbahn und keine Universität in Japan.

    Die Hauptinsel ist kleiner als Frankreich und nur ein Drittel der Fläche bietet sich einer Nutzung an. Vierundfünfzig Vulkane bedrohen die Bevölkerung. Siebentausend Erdbeben werden im Jahr registriert. Bodenschätze sind rar.

    Okabe steht in der Tradition des Politgangsters Kodama Yoshio (1911 - 1984). Bereits als Zwölfjähriger schlug Kodama Yoshio Gewerkschaftler zusammen. Er lernte Karate von Chibana Chōshin und akklimatisierte sich politisch in einem Milieu der Geheimlogen, die Japan als imperiale Macht mit einem Anspruch auf Ostasien begriffen. Er gehörte zu Gen’yōsha und Kenkoku-kai. In beiden Clubs plante man blutige Ernten in China und Korea.

    „Ergreife des Feindes Schwert, kehre es um, und erschlage ihn damit.“ Takuan Shuho

    Kodama Yoshio verfasste Heimatlyrik und patriotische Streitschriften, die von Kaiser Hirohito nicht ignoriert wurden. Er war der Mann aus dem Volk, das Salz der Erde, vielseitig verwendbar im Spektrum zwischen Mord und Totschlag. Er koordinierte die Niederschlagung des antijapanischen Widerstands in der Mandschurei und stellte eine eigene Miliz auf. Er war ein Freund von Ōnishi Takijirō, der das Kamikaze-Konzept bis zu Einsatzreife entwickelte. Er verband die Yakuza mit den Triaden und trieb sich als Spion herum. Er marodierte mit seiner Miliz in besetzten Gebieten. Die Niederlage Japans erlebte er im Rang eines Konteradmirals. Er verzichtete auf rituellen Selbstmord und stieg in die demokratische Politik ein. Zwanzig Jahre festigte er die Beziehungen der Regierung zu den Yakuza in Absprachen mit der CIA.

    Kriegerwallfahrt

    Keine Ahnung hat Nikola von diesem Typus eines Konsolidierungsexperten. Die in Tokio gestrandete Deutsche kennt nur das Berliner Graubrot des Offensichtlichen, die ungeschickten Manöver der Einfältigen, die nichts wissen (wollen) vom buddhistischen Gebirge des Seins.

    „Im Zen wird nichts beschönigt, nichts verklärt, nichts verleugnet, und für Angst gibt es keinen Platz.“

    Selbst Nikolas Liebhaber, ein begabter Killer mit der opaken Aura des kompletten Einzelgängers, beweist mehr Takt als die Deutsche. Die expansive Auslegung eines Auftrags im Zuge einer Kriegerwallfahrt hat Onishi in Schwierigkeiten gebracht. Ein versoffener Abteilungsleiter der Yakuza verlangt erst einen halben Finger und dann den Tod als Entschuldigung. Oyabun (Boss/Pate) Takeda sitzt selbst auf einem absteigenden Ast. Ihm dient Meister Harada als Ratgeber und Seelenführer. Der Schwertkampf- und Karatelehrer fällt nun gemeinsam mit Onishi in Ungnade. Die Helden überstehen ein paar Angriffe, bevor sie die Initiative übernehmen. Sie halten ihre Form mit einer Spielart des intensiven Sitzens –Zazen.

    Für die Männer um Harada behält Gültigkeit, was ein chinesischer Mönch im 17. Jahrhundert am Vorabend seiner Erleuchtung unter einer Birke murmelte. Nachahmung erscheint ihnen erstrebenswerter als Originalität. Sie rücken von Überkommenem auch dann nicht ab, wenn es keine Lösungen mehr bietet. In einer Tradition zu stehen, ist für sie das Höchste.

    Kritische Äußerungen sind das Letzte. Gegessen wird, was in den Napf kommt. Nikola läuft dagegen Sturm.

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    fridaPs avatar
    fridaPvor 16 Tagen
    Kurzmeinung: Zu empfehlen für alle, die Freude an brillant erzählter und gleichzeitig hochspannender Literatur haben!
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