Christoph Ransmayr Atlas eines ängstlichen Mannes

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Inhaltsangabe zu „Atlas eines ängstlichen Mannes“ von Christoph Ransmayr

Ein großer erzählter Weltatlas. Christoph Ransmayrs ›Atlas eines ängstlichen Mannes‹ ist eine einzigartige, in siebzig Episoden durch Kontinente, Zeiten und Seelenlandschaften führende Erzählung. 'Ich sah…', so beginnt der Erzähler nach kurzen Atempausen immer wieder und führt sein Publikum an die fernsten und nächsten Orte dieser Erde: In den Schatten der Vulkane Javas, an die Stromschnellen von Mekong und Donau, ins hocharktische Packeis und über die Passhöhen des Himalaya bis zu den entzauberten Inseln der Südsee. Wie Landkarten fügen sich dabei Episode um Episode zu einem Weltbuch, das in Bildern von atemberaubender Schönheit Leben und Sterben, Glück und Schicksal der Menschen kartographiert.

Geschichten vom Reisen, Ankommen, Beobachten - jede für sich ein kleines Juwel!

— Karin_Kehrer

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  • Ich sah....

    Atlas eines ängstlichen Mannes

    rallus

    22. April 2016 um 10:56

    Eine Reise durch die Welt. Die Dinge die man dort sieht, lassen einen erbleichen, erschrecken, erschaudern vor so viel Vielfalt, Gleichgültigkeit und Grausamkeit. Derartige Dinge zu sehen ängstigt den Reisenden, so entsteht der Atlas eines ängstlichen Mannes. Es sind 70 einzelne Reiseberichte, die uns Christoph Ransmayr vorlegt, in Prosa Form, in langsam geschwungener Schrift, nicht das Schriftbild, das natürlich gleich bleibt, nein die Gedanken des Lesers wandern in Wellen gleich durch die Bilder des ängstlichen Mannes. Ransmayr beginnt alle siebzig Bilder mit den beiden Wörtern ‘Ich sah….’ an und fängt die Bilder ein. “Ich sah eine samtschwarze, von unzähligen Lichtpunkten tätowierte Finsternis über mir, ein scheinbar grenzenloses, bis an die fernsten Abgründe des Alls ausgespanntes Firmament, während ich auf dem flachen Boden eines Kahns lag, der unter den Ruderschlägen eines Fährmanns aus dem Volk der Maori durch die Nacht glitt.” Ich sah ist eindrücklich, nicht dass dieses noch einmal gesehen wurde, eine Momentaufnahme des Erlebten, einzig subjektiv, nicht reproduzierbar. Aber mit sehenden Augen durch die Welt zu laufen birgt so viel Möglichkeiten, etwas wahrzunehmen, was dieses Buch nur ansatzweise vermitteln kann. Dabei ist es wichtig, das Ungesehene zu sehen und das ist was Ransmayr uns zeigen will. Ungesehene Dinge machen uns aber auch viel Angst. Diese Angst, vor dieser erbarmungslosen Natur und den Eindrücken, die gesehen werden, diese Unendlichkeit, die nicht zu ertragen ist, diese Angst kann nur teilweise gelindert werden. “Keine Angst, hörte ich sein nachleuchtendes Bild, einen Unsichtbaren, der mich an der Hand nahm, sagen, keine Angst, wir würden der Milchstraße über unseren Köpfen bis an ihr Ende folgen und brauchten dabei selbst einen Sturz nicht zu fürchten. Denn wer in dieser Finsternis stolperte und fiel, käme auf weichem Grund zu liegen, auf stardust, Sternenstaub.” Die Bilder brennen sich einem oft schon nach 2 Sätzen in den Kopf ein, es ist so intensiv beschrieben, dass man als Leser an den Worten klebt, Ransmayr lässt keine Empfindung aus, aber sagt durch das Ungesagte doch so viel mehr. Ein Berg aus Wal schiebt sich einem vor die Augen und auch die Gedanken dazu, die tiefen Träume und unendlichen Spiegel der Seelen, die dies schon sahen, sind in der Beschreibung mit vereint. “Die Riesin sah mich an, nein: streifte mich mit ihrem Blick und änderte dann ihren Kurs um einen Hauch gerade so viel, daß wir einander nicht berührten. Aber obwohl sie mir mit dieser Andeutung einer Seitwärtsbewegung auswich und damit mein Dasein immerhin wahrnahm und anerkannte, glaubte ich in ihrem Blick eine so abgrundtiefe Gleichgültigkeit zu sehen – vergleichbar der eines Berges gegenüber dem, der ihn besteigt, der des Himmels gegenüber dem, der ihn durchfliegt – daß mich ein Gefühl überkam, als müßte ich mich unter diesen Augen ohne den geringsten Rest auflösen, müßte unter diesen Augen verschwinden, so, als hätte ich nie gelebt. Vielleicht war diese Riesin in Schwarz tatsächlich aus ihrer Tiefe zu einem Atlantikschwimmer emporgeschwebt, um ihm eine Ahnung davon zu vermitteln, wie reich, wie vielfältig, unverändert und selbstverständlich die Welt ohne ihn war.” Der Kontrast Mensch, Natur wird in vielen Bildern dargestellt und so ergibt sich auch langsam ein Puzzlestück des Menschen, wie er gewesen ist, warum er so denkt und so geworden ist, welche Träume, welche Sehnsüchte er hat, alles hat seinen Anfang, sein Ende: “Es waren tatsächlich Flügel, die Flügelschläge Tausender und Abertausender Saatkrähen, die an diesem wie an jedem anderen Abend auch ihre Schlafbäume am Steinhof aufsuchten, die ein in Ungnade gefallener Planer vielleicht nicht nur des Schattens und Vogelgesangs wegen, sondern auch in der Absicht gepflanzt hatte, dass aus den Baumkronen Tag für Tag ein Beispiel dafür gegeben werde, wie das ging, wie das aussah: sich nach Belieben von der Erde zu lösen, sich über Dächer und Pavillons und Mauerkronen zu erheben oder auf unverrückbaren Orten unter einem fließenden Himmel nach Belieben auch wieder zu landen, dort zu singen, zu krächzen oder zu verstummen, um erneut aufzufliegen, allein oder inriesigen Schwärmen, und zu flattern oder zu segeln, wohin auch immer, jedenfalls aber auf und davon.” Des öfteren passt das Bild nicht zum selbst erlebten, dann gibt es keinen Zugang zu dem poetischen Werk, doch das wird bei dem einen Leser mehr, bei dem anderen weniger sein. Ich konnte leider nicht in alles eintauchen, vieles war flüssiger, manches hart wie Stein. So müssen die Geschichten öfters gelesen werden, müssen die Wörter die eigenen Widerstände aufweichen, bis man sie versteht und genießen kann. Ein außergewöhnliches Werk, das viel Empathie und eintauchendes Wollen verlangt. Einmal von diesen Wörtern umwoben, verfehlt diese unglaubliche Sprachkunst und poetische Kraft der Bilder ihre Wirkung nicht.

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  • "Ich sah..."

    Atlas eines ängstlichen Mannes

    esmerabelle

    Boris Pasternak soll einst gesagt haben: „Literatur ist die Kunst, Außergewöhnliches an gewöhnlichen Menschen zu entdecken und darüber mit gewöhnlichen Worten Außergewöhnliches zu sagen“. Wenn dem so ist, dann ist Christoph Ransmayer ein Meister seines Faches. In seinem Buch „Atlas eines ängstlichen Mannes“ vereint er 69 Momentaufnahmen seiner Reisen rund um den Erdball und eine, die er von seiner Frau übernommen hat, kleine Szenen, die einen zum Staunen und Nachdenken anregen, die aber jedem von uns tausendfach begegnen können, wenn - ja, wenn wir die Augen für sie öffnen. Die Geschichten scheinen sich oft ohne Zusammenhang aneinanderzureihen und bilden doch eine Einheit, weil sie Aspekte des Großen und Ganzen beschreiben, zu dem jeder Mensch, jedes Tier, jeder Gegenstand unverrückbar gehört. „Ich sah...“, so beginnt jede seiner Geschichten und in der Tat ist Ransmayer einer, der sieht, der beobachtet, der neue Blickwinkel einnimmt und über die Grenzen von Zeit und Raum hinweg seine Umwelt wahr nimmt. Und auch in der Lage ist, dass, was er sieht weiterzugeben und zwar in einer Bildhaftigkeit, die ihresgleichen sucht und Fotografien der Orte, an die er seine Leser entführt, überflüssig macht, so exotisch sie auch sein mögen. Das einzige, was ein Rätsel bleibt, ist der Titel, denn Ängstlichkeit ist nicht das, was man als erstes mit einem Weltreisenden verbindet, der vor keinem noch so entfernten Ort zurückschreckt und sich sowohl der Einsamkeit, als auch dem Fremden stellt. Aber vielleicht hat er dieses Wort ausgewählt, weil er Beobachter bleibt, im Hintergrund, weitestgehend passiv, selbst in Situationen, wo ein anderer womöglich eingegriffen, reagiert hätte. „Atlas eines ängstlichen Mannes“ ist kein Buch, das man einfach zügig durchlesen kann. Es ist eine Sammlung kleiner Edelsteine, die von allen Seiten genau betrachtet werden wollen. Ein Buch, das einen dazu auffordert, die Augen zu öffnen und die Dinge, egal ob sie schön oder hässlich sind, in all ihren Schattierungen und Details wahrzunehmen. Ein Werk, das lehren kann, wieder zu staunen und Wunder zu erkennen.

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  • Atlas eines ängstlichen Mannes

    Atlas eines ängstlichen Mannes

    peter_seda

    25. March 2013 um 21:06

    Das Buch liegt auf meinem Nachtkastl. Und ich ahne, dass es da sehr lange bleiben wird. Ich lese es in kleine Dosen, kleinen Einheiten, selten mehr als eine der Geschichten. Dafür lese ich diese mehrmals hintereinander. Ein Genuss! Dieser Mensch kann so unfassbar schön beschreiben, er vermag es, mich mit wenigen Zeilen an einen anderen Ort der Welt zu verpflanzen. Man riecht, schmeckt, spürt die Gegend, darf ihm dabei wie "live" zuhören/zusehen, wie er diese Geschichten erlebt. Wundervoll! Ein Buch, bei dem man nicht nur literarisches Vergnügen empfindet, man gewinnt an (Lebens-)Erfahrung.

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  • Rezension zu "Atlas eines ängstlichen Mannes" von Christoph Ransmayr

    Atlas eines ängstlichen Mannes

    HeikeG

    07. January 2013 um 18:16

    Am Rande der Wildnis oder: Auf dem kürzesten Weg zu den Sternen . "In Christchurch hatte ein Junge mit dem Revolver seines Vaters einen Freund erschossen. An der Nordküste waren drei Dutzend Grindwale gestrandet und erstickt, und drei von fünf Besatzungsmitgliedern waren ertrunken, nachdem ein Fischkutter in einer Monsterwelle gekentert war. In Afghanistan war Krieg. In einer Kleinstadt des amerikanischen Mittelwestens war ein Schüler Amok gelaufen." Meldungen wie diese geistern tagtäglich durch die Gazetten, beherrschen die Berichterstattungen auf der ganzen Welt. Doch unter ihrer destruktiven Oberfläche sucht sich ein zartes Pflänzchen seinen Weg ins Licht. Es trägt den Namen Hoffnung, erwachsen aus der Schönheit des Augenblicks. Und dies klingt dann so: "...die fernen, lautlos rauschenden Bäume der Donau-Auen, sanft bewegte Kronen riesiger Schwarzpappeln, Silberweiden und Eichen, Wasserwälder, in denen ein Labyrinth von Altarmen der Donau, ausgedehnte Schilfseen und von blühendem Dickicht umschlossene Tümpel das Spiegelbild abendlicher Wolkentürme in den Himmel zurückwarfen." . Beide Textpassagen stammen aus Christoph Ransmayrs "Atlas eines ängstlichen Mannes". Sie stehen bezeichnend für den Stil der siebzig Episoden, die der österreichische Autor in seinem neuen Buch erzählt. Sie nehmen den Leser auf eine Reise quer über den Kontinent mit, von Europa nach Chile, Brasilien, Mexiko und Bolivien, von Nepal über Indien bis nach Sri Lanka, springen über nach Kambodscha, Malaysia, Indonesien und Neuseeland, um sich hernach einen Weg über die Russische Arktis zum nördlichsten Punkt der Erde zu bahnen. Ransmayr berichtet aus Südafrika, Mauritius oder Japan und strandet wie einst die Meuterer der Dreimastbark Bounty im Südpazifik, auf der Insel Pitcairn. Aber es sind keine Reiseberichte der üblichen Art. Sondern allen wohnt ein Erkennungszeichen inne: die Grenze zwischen den Orten der Lebenden und denen der Toten verwischen, deren Welten fließen ineinander. Jede Erzählung handelt zugleich von Trauer und Freude, von Grauen und Schönheit, von Gewalt und Hoffnung. Manchmal trennt diese Gegensätze nur ein kurzer Augenblick, ein anderes Mal liegen Jahre dazwischen. Sicher sein kann man sich jedenfalls nie am eben noch geschilderten "funkelnden Frieden einer Sommernacht, an dieser Windstille, dieser Wärme", da ihnen immerzu etwas Trügerisches, ja Bedrohliches innezuwohnen scheint, deren seismische Wellen zerstören können oder nur ein leichtes, die Gefahr andeutendes Vibrieren zurücklässt..."eine trügerische Ferne". . In seiner unverkennbaren, poetischen, zögernden, zweifelnden und suchenden Sprache verwebt Christoph Ransmayr Erlebnisse aus vierzig Jahren Reiseerfahrung zu einem unglaublich dichten Textgewebe, das letztendlich wie ein Samen als "eine Art Ewigkeit aus den Zweigen auf uns herab"fällt und den Leser in ein Kokon vielfältigster Emotionen einspinnt. Der Autor folgt dabei keinem stringenten Weg, läuft auf keinem geraden Pfad zur Pointe jeder Erzählung. Er nähert sich stets aus zwei Gesichtspunkten seinem Ziel, legt konträre Schichten übereinander, die gegenseitig konkurrieren und findet manchmal sogar Wege zurück in die Vergangenheit, an den Ursprung der Zeit, Wege in die Kindheit. Fernab jeder gewöhnlichen Touristenpfade sieht er Außergewöhnliches, Ungewöhnliche und Faszinierendes, beobachtet Scheues oder entdeckt Verborgenes. Er folgt Flussläufen, Straßen oder klettert auf Berge und Hügel, um die Schönheit unseres Planeten zu entdecken, sich aber auch seiner dunklen Seite zu stellen und um vielleicht so wie Pavlik, ein pensionierter Lehrer aus dem tschechischen Třebič, der Tag um Tag die verfallene Mauer eines ehemaligen jüdischen Friedhofs neu errichtet, "mehr Licht in die Köpfe der nächsten Generation" zu bringen. . In Ransmayrs Weltenatlas taucht man ein und nimmt dabei den Lärm der Oberwelt nur noch gedämpft war. Alle Bilder, die unweigerlich bei der Lektüre dieses großartigen Buches vor dem geistigen Auge entstehen, spiegeln nicht nur die Farben seiner literarischen "Wandgemälde" wider, sondern sie steigen Bild um Bild aus einer imaginären Tiefe empor. Vergleichbar mit einem beeindruckenden Erlebnis, das der Autor bei einer Begegnung mit einer Buckelwalkuh auf den Silverbanks vor der Küste von Haiti und der Dominikanischen Republik hatte: "Vielleicht war diese Riesin in Schwarz tatsächlich aus ihrer Tiefe zu einem Atlantikschwimmer emporgeschwebt, um ihm eine Ahnung davon zu vermitteln, wie reich, wie vielfältig, unverändert und selbstverständlich die Welt ohne ihn war."

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  • Rezension zu "Atlas eines ängstlichen Mannes" von Christoph Ransmayr

    Atlas eines ängstlichen Mannes

    tedesca

    18. December 2012 um 14:53

    Christoph Ransmayr zählt für mich zu den ganz großen Autoren des deutschen Sprachraumes, daher kaufe ich auch jedes seiner Bücher druckfrisch und als gebundene Erstausgabe. In diesem Fall bin ich sogar versucht, mir auch das Hörbuch zu leisten, da Ransmayr es selbst liest, und er gehört zu den (wenigen) Autoren, die wirklich gut lesen können. Er füllt ein ganzes Burgtheater und erhält am (viel zu frühen) Schluss Standing Ovations, das hab ich noch nicht oft bei Lesungen erlebt. Und nun zum Buch selbst: Ransmayr schildert in 70 Episoden Ausschnitte aus seinen zahlreichen Reisen um den Erdball. Wir erleben eine skurrile Passion irgendwo in den USA, begegnen den riesigen Figuren auf den Osterinseln und betrachten einen Käfer, der gerade seine Flügel ausbreitet. Ransmayr schafft es wirklich, auf wenigen Seiten die Geschichte eines ganzen Landes zu erzählen oder einfach nur zu beschreiben, wie eine Katze einen Vogel fängt - in jedem Fall fasziniert mich seine klare schöne Sprache, die immer Emotionen ausdrückt, ohne je emotional zu werden. Als großer Fan des Autors finde ich es natürlich auch besonders schön, hier so viele autobiografische Details zu lesen, die einem den Menschen Christoph Ransmayr noch viel näher bringen. Alles in allem ein grandioses Buch für Leute, die gerne Momentaufnahmen und Kurzgeschichten lesen und ein offenes Auge für die kleinen und großen Wunder dieser Welt haben.

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