Christoph Reuter

 4.5 Sterne bei 11 Bewertungen
Autor von Die schwarze Macht, Café Bagdad und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Christoph Reuter

Die schwarze Macht

Die schwarze Macht

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Erschienen am 11.10.2016
Café Bagdad

Café Bagdad

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Erschienen am 14.08.2006
Maryam A.: Mein Leben im Kalifat

Maryam A.: Mein Leben im Kalifat

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Erschienen am 16.11.2017
Kunduz, 4. September 2009

Kunduz, 4. September 2009

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Erschienen am 22.04.2010
Die schwarze Macht

Die schwarze Macht

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Erschienen am 01.02.2016
Klangfarbe und Instrumentation

Klangfarbe und Instrumentation

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Erschienen am 01.12.2002
My Life Is a Weapon

My Life Is a Weapon

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Erschienen am 04.04.2006

Neue Rezensionen zu Christoph Reuter

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Rezension zu "Maryam A.: Mein Leben im Kalifat" von Christoph Reuter

Mehr Fragen als Antworten
Thomas_Lawallvor einem Monat

Das Buch hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Es sind die Gründe, die Maryam A. schildert, die sie ihrer Meinung nach den Weg zum "Islamischen Staat" beschreiten ließen. Um das Fazit vorwegzunehmen: Sie haben alle etwas gemeinsam. Man kann sie nicht nachvollziehen.

Schon klar, das die Trennung der Eltern irgendwie Spuren hinterlässt. Wohnungssuche und Probleme mit Partnern sind auch nicht gerade selten. Dazu noch eine gewisse Orientierungslosigkeit und schon landet man in der einen oder anderen Sackgasse. Letztlich sind diese oder ähnliche Lebenskrisen aber kein Grund oder gar eine Rechtfertigung, in einem "Kalifat" zu landen.

Nahezu unglaublich ist ihr im Nachhinein geäußerter Wunsch, jemand hätte sie damals mit erhobenem Zeigefinger von ihrem Vorhaben abbringen können: "Hör mal, das, was du tust oder tun willst, ist falsch!"
Auch sich zu widersprechen scheut sie nicht. Sie befindet sich in einer "ganz persönlichen Hölle der Schuld", denn ohne sie wäre ihr Mann niemals beim IS gelandet. Gleich im nächsten Satz schreibt sie das Gegenteil, denn er wäre auch allein gegangen.

Eigentlich war er gar nicht ihr Mann, denn sie hatten nur "diskret islamisch geheiratet". Verheiratet ist sie eigentlich mit einem Mann aus Afghanistan. Ein Bekannter, den sie in ihrer "Kifferzeit" kennenlernte, bat sie darum, seinen Cousin zu heiraten. Er war "echt süß", jedenfalls auf den ersten Blick. "Also habe ich den geheiratet."

Allein jene Zeilen verführten den Rezensenten fast dazu, die Lektüre abzubrechen, aber eine derartige Lebensgeschichte, wenn sie denn stimmt, bekommt man nicht alle Tage zu lesen. 

Nach der Konvertierung zum Islam und Kontaktaufnahme zur Salafistenszene ging dann die Reise 2014 nach Syrien. Dank gründlicher Vorbereitung in Deutschland wurde man sofort aufgenommen, jedoch nicht unter den in Deutschland versprochenen materiellen Annehmlichkeiten. Der erste Einblick hinter die Kulissen gestaltet sich eher ernüchternd. 

Die Kämpfe sind mehr oder weniger weit entfernt, die Frauen bleiben unter sich und verbringen den Tag mit den ihnen zugeordneten Tätigkeiten im Haushalt und beschäftigen sich mit sinnlosen Chats im Internet. Zudem befinden sie sich in permanentem Alarmzustand, allzeit bereit, wegen den ständig wechselnden Kriegsschauplätzen schnell die Habseligkeiten zu packen, um wieder einmal umzuziehen.

Das ist langweilig wie deprimierend zugleich und spätestens wenn die Männer von ihrem nicht näher beschriebenen, und den Frauen auch gar nicht bekannten, Tagwerk heimkommen und sich lautstark und handgreiflich um ihre Frauen zanken, merkt Maryam A., dass sie wohl irgendwie zur falschen Zeit am falschen Ort ist. 

Christoph Reuter hat mit "Mein Leben im Kalifat" eine erschütternde Innenansicht einer Frau geschrieben, die einen hohen Preis für ihre Orientierungslosigkeit bezahlt hat und immer noch bezahlt. Denn nach ihrer Flucht (2016) aus den vom IS kontrollierten Gebieten sitzt sie offenbar immer noch im Norden Syriens fest, um den Weg über die Türkei zurück nach Deutschland zu organisieren.

Der Journalist und Autor beschreibt die schon fast selbstverständlich wirkende Naivität einer jungen Frau, welche die Grenzen zur Gleichgültigkeit und Dummheit gleich mehrfach überschritten hat. Und aufrichtig wie sie ist, sieht sie es sogar ein. Deshalb möchte sie auch nichts beschönigen, oder entschuldigen, sondern lediglich "erklären". Auch in der sicheren Gewissheit, dass dieses Buch mehr Fragen als Antworten liefern kann.

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S

Rezension zu "Die schwarze Macht" von Christoph Reuter

Die schwarze Macht: Der »Islamische Staat« und die Strategen des Terrors, rezensiert von G.P.
Splashbooksvor 4 Jahren

Es vergeht kaum ein Tag, wo es nicht eine neue Schreckensnachricht aus dem Gebiet gibt, wo der Islamische Staat herrscht. Dieses Gebilde hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einer Terrororganisation ohne Gleichen entwickelt. Doch woher kommt sie? Wie kann es sein, dass sie allen Versuchen, sie auszulöschen, widerstanden hat? Wie ist überhaupt das Alltagsleben in den besetzten Gebieten? Das sind Fragen, die der SPIEGEL-Korrespondent Christoph Reuter versucht in seinem Buch "Die Schwarze Macht: Der 'Islamische Staat' und die Strategien des Terrors" zu beantworten.

Der Autor wurde 1968 geboren. Er studierte Islamwissenschaften und spricht fließend Arabisch. Der war "Journalist des Jahres 2012" und hat für Die Zeit und den Stern geschrieben. Er ist einer der letzten Reporter, die noch aus Syrien und Nordirak berichten.

Vorab macht Christoph Reuter klar, dass er für viele seiner Aussagen keine direkten Quellen hat. Vielmehr verlässt er sich auf die Aussagen von Flüchtlingen, die er interviewt hat. Doch das tut der Aussagekraft seines Buches keinen Abbruch. Denn vieles, was er zu berichten weiß, hat trotzdem Hand und Fuß und weiß zu überzeugen.

In seinem Band versucht er dabei jeden erdenklichen Aspekt bezüglich des "Islamischen Staates" abzudecken. Er beschreibt über mehrere Kapitel hinweg, die diese Organisation entstanden und an die Macht gelangt ist. Ebenso geht er auch auf den Umgang der Medien mit dem "IS" ein und wagt unter anderem auch einen Ausblick auf das, was geschehen könnte.

Rest lesen unter:
http://splashbooks.de/php/rezensionen/rezension/22019/die_schwarze_macht_der_islamische_staat_und_die_strategen_des_terrors

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M

Rezension zu "Die schwarze Macht" von Christoph Reuter

Fundierte Darstellung von Entstehung, Entwicklung und Strategie des IS
michael_lehmann-papevor 4 Jahren

Fundierte Darstellung von Entstehung, Entwicklung und Strategie des IS

„2010 zurückgeworfen auf ein Dasein als Terrorzelle im Untergrund ist dieser „Islamische Staat“, vier Jahre später zurückgekehrt als Inbegriff des globalen Schreckens“.

Dies ist nicht nur eine lapidare Bestandsaufnahme im Buch, sondern trägt den Kern dessen, was Reuter akribisch und fundiert im Buch zusammenträgt in einem Satz in sich.

Der IS ist beileibe nicht nur eine besonders gut organisierte Terrorzelle im Sinne einer Al Quaida, sondern im Kern ein minutiös durchgeplantes „Unternehmen“ mit einer ausgeklügelten Strategie, mit Mitteln, um dies durchzusetzen und, vor allem, mit einer außerordentlichen Skrupellosigkeit versehen, die Kernschritte öffentlichkeitswirksam und auf eine (aus den Augen des Terrors und der Ziele gesehen), „bestmöglichen“ Art und Weise unerbittlich voranzubringen.

Das dabei der Islam selbst (sicher ein wichtiges) nur „ein Instrument“ unter vielen anderen ist
und der „Kalifenstaat“ nicht nur religiöse Gründe hat, sondern auch einer weltlichen Strategie und einem weltlichen Machtanspruch folgt, dies sind einige der Schlüsse, die Reuter in seiner gründlichen Aufarbeitung des IS aufzeigt.

Dennoch aber gilt auch, dass der IS mehr als eine „mafiöse Holding zur Prfitmaximierung im Diesseits“ darstellt.

Vor allem aber gilt: Die Strrategie des IS geht in weiten Teilen durchaus auf, zumindest, was den Zulauf an Jugendlichen aus dem Westen, die Schürung der Angst und die Wirksamkeit der radikalen Brutalität angeht.

Gerade diese Mischung aus apokalyptischen Visionen, (scheinbar) irrationalem Terrorismus, Kartell-ähnliche Organisation, nach vorne getragener religiöser Kompromisslosigkeit und der Bereitschaft, ohne Rücksicht auf Opfer auch in den eigenen Reihen vorzugehen ist es, die Reuter umfassend aufzeigt und vom Beginn des IS an in die Gegenwart detailliert verfolgt.

Von den Ursprüngen als kriminelles Netzwerk ehemaliger Kader Saddamm Husseins und einer Gruppe überzeugter Dschihadisten, getragen von der Überzeugung, die Macht solle bei einem kleinen Kreis der Elite liegen, die keinerlei Rechenschaft schuldig ist. Ein Konglomerat von einem Glauben an die Glorie der arabischen Geschichte und einem Glauben an ein Handeln im großen Plan Gottes. In seinem Wachstum und seiner Rolle erst ermöglicht und sich potenzierend durch den Bürgerkrieg in Syrien befördert.

In der Situation der „völligen Anarchie“, so zeigt Reuter, die ab dem Jahre 2011 sich in den arabischen Kernländern zeigte, ergriff der IS zunächst diskret, dann brutal, immer aber zielgerichtet mehr und mehr an Macht, Fläche und Einfluss. Nach innen wie nach außen „nüchtern berechnend“, wie im Buch fundiert nachzulesen ist.

Mit der Einnahme Mossuls und der damit verbundenen Rückkehr in den Irak machte sich der IS letztlich unabhängig von allen vorher geschmiedeten Allianzen und diskreten Verbindungen und zeigt seitdem sein Gesicht, seine Ziele und seine „Praxis“ offen vor den Augen der Welt.

Konkret verweist Reuter im Kapitel „Nordkorea auf Arabisch“ auf den „Alltag unter dem IS“, auf die Formen der Herrschaft, die brutale Wirklichkeit für die Bevölkerung in den Einflussgebieten und das, leger gesagt, „muntere Wirtschaften“ des IS mit einem teilweise erklecklichen „Bruttosozialprodukt“.

Bedeutsam sind die Schlüsse, die Reuters zieht. Sein Verweisen darauf, wie sehr die Öffentlichkeit (nicht nur im Westen) sich zu stark vom „Eigen-Image“ des IS täuschen lässt und damit das kühle und machtpolitische Kalkül hinter der fanatischen Fassade außer Acht lässt.

„Hochflexibel hat der IS seine Gestalt und seine taktischen Allianzen (je) den Umständen angepasst – und dies kunstvoll verschleiert“. So ist Reuter fest davon überzeugt, dass ein Ende des IS nur „von innen“ kommen kann.

Ein überaus lesenswertes, sehr ausführliches und sehr fundiertes Buch, dass ins Innere des IS führt und klare Ausblicke zu geben vermag auf das, was an Strategie gegen den IS nötig und möglich wäre. 

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