Christoph Schlingensief So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

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Inhaltsangabe zu „So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!“ von Christoph Schlingensief

Geschenkausgabe im kleinen Format, bedrucktes Ganzleinen mit Lesebändchen. Wie weiterleben, wenn man von einem Moment auf den anderen aus der Lebensbahn geworfen wird, wenn der Tod plötzlich nahe rückt? Christoph Schlingensiefs bewegendes Protokoll einer Selbstbefragung ist ein Geschenk an uns alle, an Kranke wie Gesunde, denen allzu oft die Worte fehlen, wenn Krankheit und Tod in das Leben einbrechen. Eine Kur der Worte gegen das Verstummen – und nicht zuletzt eine Liebeserklärung an die Welt. »Ein schreckliches Buch, ein elendes, ein wahnsinnig trauriges, ein sehr, sehr schönes Buch.« (»Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung«).

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    So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

    freakyricky

    30. June 2014 um 21:47

    Eines mal vorweg - ich mag Erfahrungsberichte nicht besonderes gerne. Ganz anders ist jedoch Schlingensiefs "Tagebuch einer Krebserkrankung" Das Geschriebene stammt aus Tonbandaufzeichnungen, die er fast täglich nach der Diagnose Lungenkrebs (2008) auf Band sprach und somit aufnahm. Das merkt man auch: Schlingensief liest sich wie er sprach: schnell, chaotisch und wahnsinnig ehrlich. Ein Protokoll eines Rastlosen, eines Suchenden - mal will er leben, dann wieder sterben, immer auf der Suche nach Gott, auf der Suche nach Antworten. Warum er, warum jetzt? Er ist wütend, traurig und verzweifelt, aber auch dankbar und demütig. Das Buch nimmt einen mit in das großartige, verwirrende, hochinteressante Innenleben des äußerst begabten, selbstreflektierenden Künstlergenies Christoph Schlingensief, der am Ende den Kampf leider verloren hat, der mit Sicherheit noch so viel zu sagen, zu bewegen und zu leben gehabt hätte.

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  • Rezension zu "So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!" von Christoph Schlingensief

    So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

    Callso

    12. February 2013 um 10:35

    Das ist schon schwierig, ein Buch zu bewerten, dass sich mit Krankheit, Leiden und dem Tod beschäftigt. Kein fiktiver Roman, sondern ein intimer Bericht eines krebskranken Menschen. Zudem der Einblick bzw. das Tagebuch eines „Promis“. All das, was man sonst so über Bücher formuliert (spannend, toll geschrieben, unterhaltsam) kann man sich bei diesem Werk getrost sparen. Ich muss zugeben, dass ich vorher wenig Zugang oder gar ein Anhänger / Bewunderer von Christoph Schlingensief war. Einer der Hauptargumente für den Kauf war tatsächlich der Buchtitel. „So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!“, das finde ich als Aussage (udn Buchtitel) höchst beeindruckend und bezaubernd. Das Tagebuch einer Krebserkrankung hat mich bei meinem Spontankauf dann auch irgendwie angesprochen. Schlingensief ist als Provakateur bekannt, in dem Buch nimmt er freilich eine ganz andere Rolle ein. Hilflos, ängstlich und demütig, so mag man das Gefühlschaos und die Gemütslage während der Erkrankung wohl am besten beschreiben. Es gibt sicherlich Bücher, die bei einer solchen Erkrankung mehr Mut machen (Lance Armstrong fällt mir da ein), aber gut und wichtig ist dieses Buch allemal. Und wenn der Autor auch nur erzählt, wie man sich im Verlauf der Krankheit an Kleinigkeiten erfreuen kann, sei es, dass er es genießt, Händchen zu halten oder ein Stück Pflaumenkuchen zu essen… Das Buch entpuppt sich als schwere Kost, liegt ob der Thematik sehr schwer im Magen. Und ich selbst bin dann wohl doch eher der Romanleser, insofern nur eine recht durchschnittliche Bewertung In einigen Passagen war mir der christliche Bezug, die Gedanken an Kirche und Gott zu ausgeprägt, so dass für mich einige Längen aufkamen. Unterm Strich bleibt die eindrucksvolle Hilflosigkeit und die Ausweglosigkeit einer solchen Erkrankung. Zudem hat es mir den Menschen Christoph Schlingensief - trotz der furchtbaren Krankheit - näher gebracht. Und das auf eine angenehm zurückhaltende und sympathische Art…

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  • Rezension zu "So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!" von Christoph Schlingensief

    So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

    pat_meeresbrise

    23. June 2012 um 15:59

    Klappentext: "Ich schaue aus dem Fenster und staune, als hätte ich noch nie Sonne und Wolken gesehen" Wie weiterleben, wenn man von einem Moment auf den anderen aus der Lebensbahn geworfen wird, wenn der Tod plötzlich nahe rückt? Christoph Schlingensiefs bewegendes Protokoll einer Selbstbefragung ist ein Geschenk an uns alle. Ich kann dem Klappentext nur zustimmen. Schlingensiefs Gedanken sind natürlich sehr beeinflusst durch die Krankheit und wie es nun einmal leider so ist: wenn man dem Tod ins Auge blicken muss, dann blickt man zurück und überlegt sich, was man doch hätte machen können. Dieser persönliche Einblick in sein Leben und seine Gedankenwelt sind nachvollziehbar und für jeden ein Muss, der sich über den Sinn des Lebens Gedanken macht und sein Leben ändern möchte. Es ist kein Moralapostelbuch, aber für jeden gibt es mindestens einen Gedankenanstoß, der einen zum Nachdenken über sein Leben bringt oder dass eine Passage einem aus dem Herzen spricht. Wer danach nicht mit sich und seinem Leben zufrieden ist und dankbar für die Gesundheit ist, dann weiß ich auch nicht weiter. Mehr persönlichere Gedanken kann man nun wirklich nicht finden. Außerdem muss ich den Schreibstil sehr loben, es ist kein gewöhnliches Tagebuch, sondern es legt einen sehr hohen Stil an den Tag und ist sprachlich modern, aber gleichzeitig eben auch sehr hoch. Nicht einfach niedergeschrieben, sondern schon sich etwas dabei gedacht und es wird sich auch mit den Gedanken auseinandergesetzt und erörtert. Man muss dem nicht zustimmen, aber Offenheit für Gedanken eines Menschen, der dem Tod nahe steht, sollte man haben. Man legt das Buch schon mit Magengrummeln weg. Da dank des Tagebuchcharakters meistens kleine Abschnitte vorhanden sind, kann man es schnell weglegen bzw. auch, wenn man sehr wenig Zeit hat, schnell noch ein paar Seiten lesen. Aber trotzdem ist es kein Buch für zwischendurch (!), denn es wird einen noch nach dem Lesen noch beschäftigen. Außerdem würde ich empfehlen beim Lesen sich Stellen zu markieren, dass man sie wieder nachlesen kann bzw. Gedanken, die einem kommen, sich aufzuschreiben. Sonst vergisst man sie und das wäre wirklich nicht nach dem Sinn des Buches.

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  • Rezension zu "So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!" von Christoph Schlingensief

    So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

    Medienjournal

    26. May 2012 um 20:57

    Ein unvergleichliches, ein einmaliges Leseerlebnis mit einem leider tragischen Ende. Christoph Schlingensief hat in Personalunion des polarisierenden Künstlers, des aktivistischen Provokateurs, der öffentlichen Person und des an Lungenkrebs erkrankten Mannes ein Vermächtnis geschaffen, was hoffentlich noch lange den Gedanken an ihn überdauern lässt. Mit Christoph Schlingensief ist einer der ganz Großen von uns gegangen. Mehr gibt es unter: http://medienjournal-blog.de/2011/06/so-schon-wie-hier-kanns-im-himmel-gar-nicht-sein-buch/

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  • Rezension zu "So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!" von Christoph Schlingensief

    So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

    Toxicity74

    01. December 2011 um 13:45

    Ich fand das Buch von Christoph Schlingensief sowohl schön als auch sehr traurig. Wie oft hört man im Zusammenhang mit einer lebensbedrohlichen Krankheit vom Betroffenen die Aussage " Die Kranheit hat mein Leben und meine Sicht auf das Leben und die Welt verändert". Letztlich dürfte auch das die Essenz aus Schlingensiefs Buch sein, aber seine innere Zerissenheit, sein Pendeln zwischen Pessimismus und Optimismus, sein Hadern und Festhalten zugleich an Gott, Jesus und der Mutter Gottes, das alles macht das Buch so wertvoll. Die Gedanken, die er vor der OP, vor der Chemo, vor einer erneuten Diagnose zu Papier (bzw. auf Band) bringt, haben meiner Meinung nach eine enorme Tiefe und lässt bald ein ganz anderes Bild des Menschen Schlingensief entstehen, als man es aus der oberflächlichen Öffentlichkeit (der Provokant, der Skandalregisseur etc) kennt. Das Buch hat mich nachdenklich gemacht und gibt reichlich Denkanstösse, sein eigenes Leben, dass so kurz sein kann, genauer zu reflektieren. Danke Christoph Schlingensief für dieses Buch, alleine damit haben Sie der Welt etwas Großes hinterlassen!

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  • Rezension zu "So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!" von Christoph Schlingensief

    So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

    Hipster

    26. August 2011 um 04:12

    Christoph Schlingensief erzählt einen Teil seines Lebens. Angefangen am 15. Januar; wo die Angst noch kein Gesicht hat. Über die Tage wo aus Ungewissheit Realität wurde. Bis zu dem erschütternderden Ergebnis der Metastsierung. Teilweise machte es Angst das Buch zu lesen. Man fühlt mit ihm.Obwohl man weiß wie es endete. Man freut sich mit ihm. Wenn er durch die Stadt läuft, Bäume liebkost oder auch wenn er mit seiner späteren Frau Aino Intim wurde. Man ist aber auch den Tränen nah. Wenn er wütend wurde, wenn er selbst weinen musste. Dieses Werk lässt niemanden kalt. Es zeigt die Sicht wie es ist Krebs zu haben, zu kämpfen und trotzdem zu verlieren. Schlingensiefs Tagebuch ist wie eine griechische Tragödie. Möge er in Frieden ruhen!

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  • Rezension zu "So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!" von Christoph Schlingensief

    So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

    Paci

    28. April 2011 um 01:06

    Ich habe gelacht, und ich habe geweint. Um ehrlich zu sein, ich habe mehr geweint, als gelacht. Zum Inhalt: Christoph Schlingensief, der wunderbare Regisseur, der sein Leben lang zu kämpfen hatte und mehr als irgendjemand sonst die Beuy'schen Prinzipien auf seine Kunst und sein Leben anwandte, erzählt die Geschichte seiner Erkrankung, die ihn letztendlich das Leben kosten wird. Er erzählt in seiner Sprache. Oft nicht gerade hohe Literatur, aber immer das pure Gefühl. Dieses Buch bringt einem dem Menschen Christoph Schlingensief sehr nahe. Man sieht seine Abgründe und kann jeden einzelnen davon nachvollziehen. Das Buch endet hoffnungsfroh, so, wie Christoph immer war. Und genau das macht den Leser noch so viel trauriger, als er es angesichts des viel zu frühen Todes sowieso schon war. Ich kann es nicht wirklich in eigene Worte fassen, deswegen: http://www.schlingensief.com/christoph.html

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  • Rezension zu "So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!" von Christoph Schlingensief

    So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

    Stefan_Albus

    Der Tod kann nicht lesen. Sonst, so bin ich mir sicher, hätt' er Christoph Schlingensief noch ein paar Jahre unter uns gelassen. Sicher, über die öffentliche Person Schlingensief kann man streiten. Künstler? Punk? Kind? Choleriker? Blender? Visionär? Ach ja ... Wie so oft, wenn man einen bestimmten Bekanntheitsgrad erreicht hat, ist man letztlich das, was die Leute aus einem machen. Egal - hier, auf diesen 255 Seiten, findet man jedenfalls den Menschen hinter all dem Mediengetöse. Voller Angst und doch voller Kraft, extrem verletzlich und trotzdem - nun ja: inspirierend. Sogar in seinen letzten Monaten noch, sogar dann, wenn er von Angst eigentlich gelähmt ist. Denn Thema des Buchs ist gar nicht mal unbedingt der Tod. Sondern das, was wir ihm täglich abringen sollten. Nicht das Sterben, sondern die Frage, wie wir leben sollten. Sicher: Dieses Buch zu lesen macht keinen Spaß. Es greift einem nach der Kehle. Aber man sollte zumindest versuchen, sich hineinzuwagen. Christoph Schlingensief hat mir jedenfalls noch einmal gezeigt, wie selbstverständlich uns doch Vieles geworden ist, vor dem man doch eigentlich mit offenem Mund stehen sollte. Täglich. Schließlich kann Jeder heute um fünf nach drei vor einen Gurkenlaster laufen. Traurig, wenn dann nur noch der Bestatter helfen kann. Noch trauriger, wenn dann Träume unter die Räder gekommen sind, die man bis zum Gongschlag eigentlich locker hätte realisieren können. Ich muss irgendwann mal an sein Grab fahren.

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  • Rezension zu "So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!" von Christoph Schlingensief

    So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

    Marlischen

    06. February 2011 um 16:47

    Ab dem Zeitpunkt der Diagnose Lungenkrebs hält Christoph Schlingensief seine Gedanken und Gefühle auf Tonband fest. An manchen Tagen strotzt er vor Stärke, an anderen flüchtet er sich in Selbstzweifel und Selbstmordphantasien. Christoph Schlingensiefs Abhandlung über seine Krebserkrankung ist einerseits so erheiternd und doch zu tiefst traurig. Ein Buch über Leiden und Sterben. Keine leichte Kost. Es ist nich einfach sich diesen Dingen zu nähern, obwohl sie Teil unseres Systems, Teil unserer selbst sind. Schlingensief ist es mit seinen Aufzeichnungen gelungen einen ganz unkonventionellen und realistischen Zugang zu diesem Thema zu finden. Wie er mit der Diagnose und sich selbst umgeht ist äußerst faszinierend. Ich habe mit ihm gelacht und mit ihm gelitten. Selten hat mich ein Buch so bewegt. Ich empfehle jedem, es zu lesen, denn schließlich können wir uns dem Sterben nicht entziehen. Ich vergebe hier trotzdem nur vier von fünf Sternen, da mich doch eine Kleinigkeit gestört hat. Auf beinahe jeder Seite stehen Zitate in großer Schrift hervorgehoben mitten auf der Seite. Diese stören den Lesefluss und sind noch dazu unnötig, denn jeder Leser und jede Leserin wird in diesem Buch Worte finden, die ihn/sie persönlich ansprechen. In meinem Fall waren es selten die fett gedruckten Zitate.

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  • Rezension zu "So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!" von Christoph Schlingensief

    So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

    rumble-bee

    Eine Bemerkung muss und möchte ich vorausschicken: Dies ist keine Rezension. Auch wenn das widersinnig klingt. Aber ich wollte einfach meine Gedanken zu diesem Buch abschließend ordnen und in eine lesbare Form bringen, und dafür ist nun mal die Pinnwand letztendlich kein geeigneter Ort. Was nun folgt, ist eine Beschreibung dessen, was dieses Buch in mir ausgelöst hat, was mich noch heute bewegt und verfolgt, und wie ich den Menschen sehe, der dies schrieb. Eine Rezension des Buches ist es deshalb insofern nicht, und kann es auch nicht sein, weil man ein derart persönlich geschildertes Leiden einfach nicht zu bewerten hat! Ich habe irgendwo gelesen, dass selbst die Süddeutsche Zeitung sich geweigert haben soll, das Buch zu rezensieren, mit dem Argument, dafür sei es viel zu persönlich. Das kann ich absolut nachvollziehen! Bevor der Autor dieses Buches, Christoph Schlingensief, schwer erkrankte, ja, bevor er überhaupt dieses Buch schrieb, war er mir als Künstler kein Begriff. Das soll es geben, manche Dinge gehen im Leben einfach an einem vorbei. Allerdings bin ich das ganze letzte Jahr über, nein, eigentlich noch länger, ständig mit Herrn Schlingensief und seiner Krankheit in Kontakt gekommen. Ein guter Brieffreund von mir ist bzw. war ein großer Fan von ihm, und er hat mich lange Zeit hindurch mit allen möglichen und unmöglichen Zeitungsausschnitten, Aphorismen und Meldungen zu und um Christoph Schlingensief versorgt. Mit dem Menschen und seinem Kampf war ich also sehr wohl vertraut. Nur kann ich nicht in dasselbe Horn stoßen wie manche Zeitgenossen, die dieses Buch am "alten", gesunden Schlingensief messen, und die empört reklamieren, dieses Buch sei wieder nur eine neuerliche Vermarktung der "Kunstmaschine Schlingensief". Mein Brieffreund ist sogar so weit gegangen, Ende Oktober, an genau dem Tag der Geburt von Herrn Schlingensief, so eine Art Geburtstags-Essen zu veranstalten, und zwar in Oberhausen, der Geburtsstadt des Künstlers. Wir speisten in einem polnischen Restaurant am Altmarkt, genau gegenüber der Kirche, in der Herr Schlingensief lange Messdiener war. Hinterher besuchten wir noch das Haus seiner Mutter, das direkt um die Ecke liegt - sie wohnt noch dort, der Name steht auf der Klingel. Also Schlingensiefs Elternhaus. später ging es dann auch noch zum Friedhof. Ich kann nur sagen, das war wohl für mich einer der denkwürdigsten Tage meines Lebens,und dadurch ging ich mit völlig anderer Haltung, mit anderen Erwartungen an dieses Buch als jeder "normale" Leser. Mir wurde schmerzlich und ausgesprochen drastisch bewusst, dass dieser Mensch eben nicht mehr lebt, und diese wirklich gefühlte und gewusste Einsicht hatte beim Lesen den Effekt eines Donnerschlages. vom Kloß im Hals bis hin zu einigen Tränen gegen Ende war es dann kein weiter Schritt mehr. Verblüfft hat mich die Tagebuchform, und der durch und durch mündliche Erzählton. Wie es scheint, hat Christoph Schlingensief während der ersten akuten Phase seiner Erkrankung Anfang 2008 einfach sein Diktiergerät besprochen, und ich vermute, dass er von der mündlichen bis zur Buchfassung nicht mehr viel geändert haben wird, vielleicht sogar gar nichts. Und das finde ich dann doch wieder grandios! Sich so auszudrücken, zwar thematisch immer mal wieder hin und her springend, aber von der Ausdrucksfreude und den lebendigen Bildern her immer treffsicher und mitten ins Herz, das beeindruckt mich ungeheuer. Das kann wohl nur ein Künstler. Und noch dazu immer abends noch zu diesem Gerät zu greifen, wenn man doch eigentlich vom Tag mehr als geschafft ist...! Ab und zu scheint schon durch, dass Schlingensief "vorher" wohl ein ziemlicher Egomane gewesen sein muss. Aber: es wird ihm selbst bewusst, er denkt über sich selbst nach, obwohl es ihm ausgesprochen schwer fällt. Er nimmt sich vor, sein Leben zu ändern, oder doch zumindest seine Haltung zum Leben, zu anderen Menschen - und zu sich selbst. Er kennt nun wirklich gar keine Hemmschwelle, was man erzählen kann und was nicht. Das wirkte auf mich teils drastisch, aber machte auch den Eindruck eines durch und durch ehrlichen Menschen auf mich. Er stellt sich in diesen Worten, er stellt sich dem, was passiert, und das ist wiederum ein Zeichen von Mut. Er lässt den Leser teilhaben an nahezu allem, jedem Husten, jedem Ziepen, und noch wesentlich unschöneren Körperfunktionen. Die Schilderung der eigentlichen Behandlung nimmt einen vergleichsweise kleinen Raum ein. Vielleicht liegt das daran, dass er als wohlhabender Künstler eben auch manche Sorgen nicht hatte, denen sich der einfache Krebskranke auf der Straße aber stellen muss. Er konnte unter Kollegen nachfragen, wer der beste Arzt ist, er konnte sich verschiedene Ansätze durch den Kopf gehen lassen. Und er konnte eben auch bestimmen, ich schiebe die Chemo eben noch ein paar Wochen vor mir her, weil ich im Moment Wichtigeres zu tun habe. Den größten Raum nehmen aber definitiv seine Gedanken ein, und die sind praller Schlingensief, dass es einen beim Lesen beinahe umhaut, so wild geht es teilweise da zu. Nach 75 Seiten brauchte ich erstmal eine Pause, weil mir bei diesem intensiven Gedankenkarrussell ein wenig schwindlig wurde. Auch danach konnte ich nur in Häppchen weiterlesen. Das strotzte nur so von Phantasien, Betrachtungen, bei weitem nicht nur über Krebs, nein, auch über Kunst und Leben. Darunter aber immer dieser nahezu verzweifelte Unterton: ich will leben, ich will überleben, und vor allem: ich will, dass etwas von mir bleibt. Nahezu gruselig gegen Ende die Voraussicht des Autors, er werde es wohl etwa noch zwei Jahre machen. Das war eine der Stellen, an denen ich mit den Tränen zu kämpfen hatte! Ich hätte diesen Menschen so gerne kennen gelernt, denn er ist mir gar nicht so unähnlich. Die Zeit schien manchmal gar nicht zu reichen für all seine Ideen, es überschlug sich nur so in seinem Kopf. Kreativität, gepaart mit Wissensdurst und Lebensfreude. Dann wieder das Bedürfnis, allein zu sein, der Absturz in eine mutlose Phase. Genie und Wahnsinn. Ja, all das kenne ich auch! Und auch seine ziemlich kirchenkritische Grundhaltung kann ich gut teilen. Zwar nähert er sich durch das ganze Buch hindurch den drei "Personen" Gott, Jesus und Maria wieder an. Aber was deren "Bodenpersonal" so alles anrichtet, das kann er bei weitem nicht gutheißen. Vor allem nimmt er der Kirche übel, dass sie die Menschen moralisch unter Druck setze. Er wünscht sich für die Zukunft einen befreiteren und lebensfroheren Umgang mit dem Thema Religion, und wer dieses Buch gelesen hat, der kann sich vorstellen, wie das bei Schlingensief ausgesehen hätte... Ach, dieses Buch lässt mich betroffen und auch traurig zurück. Ein Buch ist es ja eigentlich gar nicht, eher ein Zeugnis eines echten, und zwar sterbenden Menschen. Das hat er unterschwellig immer gewusst. Und insofern kann ich eben Menschen nicht verstehen, die Schlingensief vorwerfen, er wolle sich mal wieder selbst vermarkten. Die einzigen, die das Buch kommerzialisieren und zum Produkt machen, sind wir alle - wenn wir es nämlich nur als Buch ansehen.

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  • Rezension zu "So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!" von Christoph Schlingensief

    So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    04. December 2010 um 21:24

    Eigentlich kenne ich das Werk Christoph Schlingensief bisher gar nicht, aber ich habe die Kontroversen mitbekommen, die er auslöste. Wenn jemand, der die Öffentlichkeit derart spaltet, dann plötzlich schwer erkrankt, ist das für seine Anhänger, aber auch für seine Widersacher Grund für vielfältige Mutmaßungen. Bei diesem Buch kommt das „enfant terrible“ selbst zu Wort und wirkt dabei sehr menschlich: er denkt Dinge, die jeden beschäftigen, der den Tod nicht aus seinem Leben verdrängt. Und er offenbart Ängste, die man nachvollziehen kann. Am Ende fiel es mir schwerer, die Todesgedanken und den Abschied zu verdauen. Wäre das Ende in die Länge gezogen worden, hätte ich es sicher abgebrochen... Alles in Allem ein empfehlenswertes Buch.

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    So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

    Moni 3007

    20. November 2010 um 23:37

    Im Januar 2008 wird bei Christoph Schlingensief Lungenkrebs diagnostiziert. Ein Lungenflügel wird entfernt, Chemotherapie und Bestrahlungen folgen, die Prognose ist ungewiss - ein Albtraum für Christoph Schlingensief. Das war ein sehr großer Schlag für ihn und er hadert sehr mit seinem Schicksal. Doch schon wenige Tage nach der schrecklichen Diagnose beginnt er zu sprechen, mit sich selbst, mit Freunden, mit seinem toten Vater, mit Gott - fast immer eingeschaltet sein Diktiergerät, das diese sehr berührenden und bewegenden Gespräche aufzeichnet. Mal wütend und trotzig, mal traurig, mal voller Hoffnung und mal verzweifelt. Er hat ganz ehrlich sehr mir seinem Schicksal gehadert und laut seinem Buch hat er sehr oft geweint. Ich habe das Buch innerhalb von 2 Tagen durchgelesen. Ich konnte das Buch, nach dem Lesen nicht so einfach aus der Hand legen. Ich habe mir noch sehr lange Gedanken über den Tod und das Leben gemacht. Er hat die Gespräche wirklich so aufgezeichnet, wie es ihm in den Kopf kam. Das finde ich gerade das Geniale an dem Buch. Im übrigen kann ich nur der Rezi. der Elke Heidenreich zu diesem Buch beipflichten. Im August 2010 starb er an seiner Krankheit. Zuvor hatte er seine Freundin geheiratet, die immer voll und ganz zu ihm stand. Eines der bewegendsten Krebsbücher, das ich gelesen habe. Für mich ist es außerdem ein trauriges, berührendes, schönes Buch, das man nicht so schnell vergisst.

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  • Rezension zu "So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!" von Christoph Schlingensief

    So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Christoph Schlingensief nimmt uns mit auf die wohl kraftraubenste Reise seines Lebens. Er gewährt uns einen Einblick in seine schwankende Gefühlswelt und zeigt uns, dass Mitleid so gar nichts für ihn ist.
    Das Buch nimmt mit, berührt und erfreut.
    Mögest du in Frieden ruhen, Christoph Schlingensief!

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  • Rezension zu "So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!" von Christoph Schlingensief

    So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

    Buecherwurm1973

    13. September 2010 um 09:17

    Christoph Schlingensief gilt als Provokateur, obwohl er eigentlich nicht will. Er sicher etwas skurill in seiner künstlerischen Ausdrucksweise. Im Januar 2008 wird sein bisheriges Leben auf den Kopf gestellt. Die Ärzte stellen die Diagnose Lungenkrebs. In diesem Buch hält er alle seine Gedanken, sein Gefühlschaos, sein Hoffen und Bangen, seine Zerrissenheit über den weiteren Behandlungsvorgang fest. Man lernt einen sensiblen und empfindsamen Christoph Schlingensief kennen. Er will nicht er nicht sterben und gibt sich kämpferisch. Umso trauriger ist es, dass er diesen Kampf verloren hat und am 21. August 2010 verstorben ist.

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  • Rezension zu "So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!" von Christoph Schlingensief

    So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    09. August 2010 um 13:07

    Schlingensief ist immer gut oder scheiße. Zumindest sagen das alle. Mittelmäßig geht überhaupt nicht, den Krawall fand man entweder geil oder zum kotzen. Und man will es gar nicht leugnen: Von ikonenhafter Heldenverehrung bis tiefer Verachtung reicht die Gefühlspalette, mit der ich dem Kerl begegnet bin. Abhängig davon wie man sich dem Theater gegenüber verhielt, konnte man sagen: Das ist dilettantischer Unsinn, oder: Das ist dilettantische Genialität. Oder man konnte einfach nichts sagen, aber da hat es Schlingensief einem immer schwer gemacht, schließlich rannte er immer mit dem Mikro herum, forderte Vollhaftung für alles und alle, zerrte Behinderte, Obdachlose und Asylanten auf die Bühne und schrie: Seht her, die gibt es auch noch, die Minderheit ist die Mehrheit und so weiter. Dann ging das Kritikergelaber los: Profilneurotischer Trashkasper, König der Narren, wildgewordener Theaterschamane, grenzenlos lustiger Komiker, Avantgardist und Revolutionär. Wer Schlingensiefs Filme gesehen hat und die unweigerliche Kinokritiker-kurz-vorm-abschließenden-Cafebesuch-Frage gestellt bekommt: "Und, wie fandste?", konnte nur mit einem herzzerreißenden: "Sag mal, bist du eigentlich total bescheuert, mir so eine Frage zu stellen?" reagieren und wütend davongehen. Verständnis war nämlich schon von Anfang an nicht zu erwarten, und wer Schlingensief festnageln wollte, bekam es immer faustdick durch die Hintertür präsentiert. Für einen Politiker viel zu theatralisch und verworren, für einen Theateravantgardisten viel zu konkret mit dem Hiesigen und Gegenwärtigen beschäftigt. Die Nummer Schlingensief hatte soviele Zahlen, dass es nicht wunderte, wenn zwischendurch als Ergebnis mal nur die Null stand. Der Grenzgänger Schlingensief, der immer zwischen Kunst/Politik, Kunst/Fernsehen, Kunst/Sozialpädagogik und Kunst/Irgendwas anderes lavierte, um die Grenzen immer mehr aufzuweichen und dann doch wieder zu bestätigen, zieht daher den letzten konsequenten Schritt, indem er Kunst und Leben nicht mehr trennt und wohl auch nie trennen konnte. Was natürlich vollendeter Quatsch ist, denn morgens auf der Toilette ist die Kunst selten anwesend, genauso wenig wie die Politik, die Wirtschaft oder der Sport. Was Christoph Schlingensief aber aus seiner tödlichen Krankheit macht, eine One-Man-Performance, die an den letzten Fragen rührt, ein riesiger Bottich aus Biographien, Interviews, Opernaufführungen ("Mea Culpa") und Theaterinszenierungen ("Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir"), hinterlässt einen im besten Sinne sprachlos. Kein Wunder, dass die SZ die Segel strich und klarstellte, dass man derart Privates nicht rezensieren könnte. Und dass ist dann vielleicht ein großer Sieg, mal alle zum Verstummen bringen. Diese Rezension zerstört sich daher von selbst. Sie ist vollkommen belanglos und gemessen an der Wucht des "späten" Schlingensiefs nur eine jämmerliche Randnotiz in einem Bücherforum.

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