Christoph Schneider Der Warschauer Kniefall

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Inhaltsangabe zu „Der Warschauer Kniefall“ von Christoph Schneider

Der Warschauer Kniefall Willy Brandts gilt als Ikone des öffentlichen Gedächtnisses. Er wurde jedoch erst zu einem solchen Symbol, nachdem das außerordentliche Ereignis von der Presse ex post in ein Geflecht narrativer Figuren eingebettet wurde, deren kultureller Ursprung hauptsächlich in der christlichen Religion zu finden ist. Das Symbol entstand im Text. Der Prozess der Symbolgenerierung beruht damit auf einer Wechselseitigkeit von Performanz und Narrativität, und erst das Ineinandergreifen dieser beiden kommunikativen Ressourcen produzierte das charismatische Identitätszeichen.

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  • Rezension zu "Der Warschauer Kniefall" von Christoph Schneider

    Der Warschauer Kniefall
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    15. March 2011 um 12:14

    Narrative Symbolisierung des historischen Ereignisses Das geschichtsträchtige Symbol des Kniefalls Willy Brandts ist in seiner symbolischen Kraft entstanden aus einer Wechselwirkung zwischen der Handlung Brandts und der Narrativität (vor allem in der Presse). Das ist die Grundthese des Buches, welche im Buch einer Untersuchung unterzogen wird und das ist zugleich das Ergebnis dieser Untersuchung im Rahmen der historischen Kulturwissenschaft. Noch einen Schritt weiter geht der Autor, wenn er konstatiert, dass der Kniefall Brandts zu einer Art christlicher „Kreuzigungsikone“ sich entwickelt hat und nur auf diesem christlich-symbolischen Hintergrund vollständig zu verstehen ist. Eine These, die nach näherer Betrachtung im Buch nicht von der Hand zu weisen ist, vergleicht man hier vor allem die Plastik von Giustis, die Brandt an einem stilisierten Kreuz zeigt und die Einlassungen des Autors in der Interpretation der Plastik. Wie überhaupt die Argumentationskette durch Christoph Schneider äußerst fundiert vorgelegt wird und er im Verlauf des Buches umfassend aufweist, mit welcher Macht die Narration Ereignisse deutet, umdeutet und in größere Zusammenhänge stellt. Natürlich verbleibt als auslösendes Moment immer noch die Kraft der Handlung an sich. Die Wirkungsgeschichte aber und die letztlich verankerte Deutung, die gerade den Kniefall Brandts zu einem der entscheidenden politischen Symbole der jüngeren Vergangenheit gemacht hat, ist im Buch eindeutig der Adaption durch die Presse und der weiterführenden Narration zuzusprechen. Um dies im Blick auf dieses konkrete, historische Ereignis zu verifizieren legt Schneider zunächst eine ausführliche und grundlegende Darstellung des Forschungsstandes in Hinsicht von Transformationen der Identität und des Rituals und der Verbindung zwischen Narration und Symbol vor. Schon diese grundlegenden Einlassungen zur Untersuchung von Symbol, Narration, Transformation, zum Pathos, zur Symbolik der Sprache und vielem mehr bieten einen ganz exzellenten Einblick in den grundlegenden Stand kulturhistorischer Wissenschaft und lohnen das Lesen überaus. Ein Einblick, den Schneider immer wieder mit dem konkreten Ereignis verbindet, bevor der sodann das konkrete Ereignis in drei Entwicklungsebenen untersucht. Zunächst das Ritual und Ereignis als auslösende Kraft als solches, als „Sich-Zeigen des Außer-Ordentlichen“. Erst wenn Außerordentliches einem Ereignis spürbar innewohnt, vollzieht sich ein Folgeschritt, das Ereignis erhält einen nachfolgenden, erweiternden und interpretierenden narrativen Rahmen, im Falle Brandts in der deutschen Presse zunächst. Eine Adaption, die im christlichen Kreuzesverständnis einmündet („Der kniende Kanzler. Vergebung durch Erniedrigung“). Eine narrative Einordnung, die im Jahre 2000 in einem eigenen Denkmal für Brandt und seinen Kniefall mündete und damit zur Ikonisierung führte. Eine Ikonisierung, die Schneider abschließend an oben erwähnter Plastik erläutert. In der Sprache stellt sich das Buch als wissenschaftliches Fachbuch dar und ist dementsprechend nicht einfach zugänglich. In der notwendigen Kleinteiligkeit der Untersuchungen ist der Fokus nicht auf den Kniefall als solchem und seiner historischen Bedeutung gelegt, sondern auf den Nachweis der narrativen Wirkgeschichte bis hin zur Entstehung eines identitätsstiftenden Symbols. Somit wird enttäuscht sein, wer wein weiteres, populär geschriebenes Buch über das Ereignis als solches erwartet. Für den kulturwissenschaftlich Tätigen und Interessierten aber eröffnet sich eine fundierte Arbeit im Blick auf den Prozess der Symbolgenerierung in narrativer Ebene.

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