Christoph Türcke

 4 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor*in von Lehrerdämmerung, Beck'sche Reihe / Hyperaktiv! und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Christoph Türcke ist Professor em. für Philosophie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Christoph Türcke

Cover des Buches Lehrerdämmerung (ISBN: 9783406794148)

Lehrerdämmerung

(2)
Erschienen am 23.11.2023
Cover des Buches Beck'sche Reihe / Hyperaktiv! (ISBN: 9783406630446)

Beck'sche Reihe / Hyperaktiv!

(2)
Erschienen am 16.07.2012
Cover des Buches Natur und Gender (ISBN: 9783406757297)

Natur und Gender

(1)
Erschienen am 20.01.2021
Cover des Buches Der tolle Mensch (ISBN: 9783866744134)

Der tolle Mensch

(1)
Erschienen am 19.08.2014
Cover des Buches Blasphemie: Essay (ISBN: B0767K42YV)

Blasphemie: Essay

(0)
Erschienen am 30.09.2017
Cover des Buches Jesu Traum (ISBN: 9783987370502)

Jesu Traum

(0)
Erschienen am 01.07.2025

Neue Rezensionen zu Christoph Türcke

Cover des Buches Natur und Gender (ISBN: 9783406757297)
B

Rezension zu "Natur und Gender" von Christoph Türcke

belanahermine
Wie kann/darf/soll der Mensch mit der Natur umgehen?

Inhalt

Nach einer Einleitung ist das Buch in zwei Teile gegliedert: "Natur" und "Gender". Der erste Teil setzt sich damit auseinander, wie wir Natur wahrnehmen und in unserer Wahrnehmung konstruieren. Der zweite Teil setzt sich dann mit unterschiedlichen Aspekten von "Gender" auseinander und bildet damit ein breites Spektrum der aktuellen Diskussionen ab.

107 Anmerkungen stehen als Fußnoten direkt im Text. Am Ende des Buches finden sich 9 Seiten Literaturhinweise zum Weiterlesen.

Subjektive Eindrücke

Christoph Türcke ist Philosoph und einen entsprechend zu lesenden Text hat man in diesem Buch zu erwarten. Es ist also kein Buch, das man abends bei Kerzenschein in einer gemütlichen Ecke lesen kann. Etwas geistige Anstrengung ist durchaus nötig, um alle Inhalte angemessen aufnehmen und verarbeiten zu können.

Auch wenn die beiden Teile "Natur" und "Gender" seitenmäßig nahezu gleich lang ausfallen, fühlte sich für mich der Teil zur Natur übergewichtet an. Mein Hauptinteresse galt dem zweiten Teil, obwohl man diesen ohne den ersten Teil wohl nicht wirklich hätte nachvollziehen können.

Herr Türcke geht sehr wertschätzend mit Menschen unterschiedlichster geschlechtlicher Selbstwahrnehmung um, er spricht sich aber dagegen aus, dass wir schon wieder anfangen, Schubladen zu konstruieren und Menschen dort einzusortieren.

In diesem Zusammenhang stellt das Buch unter Anderem die Frage, ob alle möglichen Eingriffe in die Natur auch sinnvoll sind. Eine solche Frage muss in einer demokratischen Gesellschaft durchaus gestellt werden dürfen, ohne dass der Fragesteller direkt als ...feindlich diffamiert wird, wie in einigen Rezensionen zu diesem Buch geschehen. Feindbilder helfen niemandem. Das Buch ist eher ein Beitrag zu einer sachlichen Auseinandersetzung mit einem hoch emotional aufgeladenen Thema.

Fazit

Kann, soll, darf, muss der Mensch die Natur nach seinem Willen und Können gestalten, um-/verformen, konstruieren?

Weitere Rezensionen von mir gibt es unter https://belanahermine.wordpress.com/category/rezension/

Cover des Buches Lehrerdämmerung (ISBN: 9783406688829)
W

Rezension zu "Lehrerdämmerung" von Christoph Türcke

WinfriedStanzick
Rückbesinnung tut not auf das, was „Lehren“ eigentlich ist



„Es geht um weit mehr als einen Schulstreit. Mit der Rolle der Lehrer stehen zugleich entscheidende politische Grundeinstellungen zur Debatte“, schriebt der emeritierte Philosophieprofessor Christoph Türcke am Ende seiner wichtigen Streitschrift. „Man kann das Wort „Lehrerdämmerung“ depressiv verstehen: Lehrer erübrigen sich; Lernbegleiter genügen. Man kann es aber auch hoffnungsvoll lesen: Den Lehrern dämmert, dass sie sich das nicht gefallen lassen müssen. Wenn sie für den Erhalt und das Ethos ihre Berufes wirklich kämpfen, werden sie eine Orientierungsdebatte auslösen, die an die Grundfesten der neoliberalen Welt rüttelt.“


Große Worte nach einer vernichtenden Kritik der sogenannten neuen Lernkultur in unseren Schulen. An vielen Beispielen beschreibt Türcke die einer neoliberalen Ideologie angelehnte Reduktion der Schule und deren Lerninhalte auf reine Sach- und Fachkompetenzen. Persönlichkeitsentwicklung und Charakterbildung, Kritikfähigkeit und politisches (Selbst)bewusstein, musische Neigungen und künstlerisches Ausdruck, all das soll in der schönen neuen Lernwelt der Arbeitsblätter und Lernbegleiter keinen Platz und Ort mehr haben. Junge Menschen werden, lediglich auf ihre Kompetenzen reduziert, angesehen wie Maschinen. Und die Lehrer werden ihrer Würde beraubt, wenn man sie nur noch als „Kompetenzbeschaffungsgehilfen“ definiert.

Türckes Buch ist an flammender Aufruf an alle Lehrer, sich diese Selbstdegradierung und  -abschaffung nicht mehr länger bieten zu lassen.

Rückbesinnung tut not auf das, was „Lehren“ eigentlich ist. Ich wünsche dem Buch und seinem Geist eine starke Verbreitung innerhalb der Lehrerschaft und der Kultusbürokratie.




Cover des Buches Beck'sche Reihe / Hyperaktiv! (ISBN: 9783406630446)
W

Rezension zu "Beck'sche Reihe / Hyperaktiv!" von Christoph Türcke

WinfriedStanzick
Rezension zu "Hyperaktiv!" von Christoph Türcke

Immer wenn ich in der Vergangenheit hörte und las von Kindern, deren Verhalten unter der Diagnose ADS oder ADHS qualifiziert wurde und die mit dem Medikament Ritalin ruhig gestellt bzw. für eine für das Verfolgen eines Schulunterrichts nötige Weise fit gemacht wurden, beschlich mich das Gefühl, dass es sich hier nicht um eine Krankheit handelte, auch wenn das die betroffenen Eltern ebenfalls beruhigte. Immer hatte ich den Verdacht, dass es in der frühen Kindheit und der Familiengeschichte dieser Kinder Entwicklungen gegeben haben musste, die zu diesem immer weiter um sich greifenden Phänomen geführt haben.

Der Philosoph Christoph Türcke, der schon in seinem 2002 erschienenen Buch „Erregte Gesellschaft. Philosophie der Sensation“ diesem Phänomen als gesellschaftlicher Frage auf der Spur war, hat nun in einem kleinen Buch eine „Kritik der Aufmerksamkeitskultur“ vorgelegt, in dem er zunächst evolutionstheoretisch der Bedeutung von Ritualen für die menschlichen Kultur und die Lebens- und Kontingenzbewältigung des Individuums nachgeht, und dann entwicklungspsychologische Erkenntnisse über die ersten Lebensmonate eines Kindes , insbesondere über die sogenannte „Neunmonatsrevolution“, wenn das kindliche Gehirn zu seiner vollen Zahl von Gehirnzellen gelangt ist, beschreibt.

Wenn nun in diesen ersten Lebensmonaten die Aufmerksamkeit der Eltern für ihr Kind immer wieder gestört wird durch die mikroelektronische Reizkultur, wenn nebenher der Fernseher läuft, telefoniert wird, oder E-Mails gescheckt werden, dann kommt es zu einem für Entwicklung des Kindes verhängnisvollen introitus interruptus.
„Statt dass lebendige Personen ihre Aufmerksamkeit für etwas teilen, teilt sich dann nämlich die Aufmerksamkeit zwischen lebendigen Personen und Bildmaschinen. Das Kind erlebt den Bildschirm zwar noch nicht als den Aufmerksamkeitsfänger, der er für die Großen ist; es kann mit dem Geflimmer und den Geräuschen dazu nicht viel anfangen. Aber es erlebt, wie der Bildschirm die Aufmerksamkeit seiner Bezugsperson absorbiert, wie die elterliche Zuwendung unter den Aufmerksamkeitsansprüchen, die diese Kulisse permanent erhebt, flach und unwirklich wird. Die Mutter (oder ihr Vertreter) mag viel beim Kind sein, es ansprechen und auf alles Mögliche hinweisen, aber wenn daneben etwas flimmert und dudelt, was das gemeinsame Aufmerken auf Dinge und das Verweilen bei ihnen ständig durchkreuzt, weil der Blick der Mutter zwischen Kind und Bildschirm hin- und herwandert, ihre Worte von der Geräuschkulisse überlagert werden, dann werden die ersten zarten Fäden der qualitativ neuen Gemeinschaft, die das Kind spinnt, ständig wieder gekappt.“

Der Bildschirm tritt zwischen Mutter und Kind. Dazu kommen noch die unsäglichen Handys und I-Pods, an denen man erwachsene Menschen allenthalben herumspielen sieht, obwohl sie gerade im Gespräch mit jemandem sind.

Die Menschen, so sagt Türcke, leiden unter einer konzentrierter Zerstreuung, die er als Kulturstörung bezeichnet. Die Menschen sind ständig zwanghaft damit beschäftigt, sich zu zerstreuen, was nicht zur Entspannung führt, sondern zum Stress.

Für die kleinen Kinder nun hat diese fehlende Aufmerksamkeit eine geradezu diabolische Langzeitwirkung. Später werden sie dann nur mit einem Mittel ruhig – entweder Ritalin oder der Bildschirm. Wenn die Gehirne der kleinen Kinder durch eine ständige Reitflut genötigt werden, dauernd etwas Neues aufzubauen, schlägt ein solcher Aufbau irgendwann um in die Destruktivität.

Diese Menschen, irgendwann erwachsen geworden, haben nie die Fähigkeit entwickelt, bei einem Sachverhalt zu bleiben, sie können keine klaren Gedanken mehr fassen. Auch ihre Einbildungskraft, die Fähigkeit innere Bilder zu erzeugen (z. b. auch in Träumen) schwindet, und das beeinträchtigt die Fähigkeit der Menschen zu nachhaltiger Erfahrung.

In einem zweiten Teil des Buches beschreibt Türcke, wie er mit einem neuen kanonübergreifenden Schulfach mit dem Arbeitstitel „Ritualkunde“ diesen Entwicklungen, deren Peak er noch lange nicht erreicht sieht, etwas entgegensetzen will.

Was Türcke nicht beschreibt, weil er wohl keinen Einfluss darauf hat, will ich hier aber deutlich sagen:
Schon lange bevor die Kinder in die Schule kommen, müssen werdende Eltern und Eltern von kleinen Kindern meiner Meinung nach fasten. Damit meine ich: keinen laufenden Fernseher oder PC, während das Kind wach ist. Kein angeschaltetes Handy und kein Herumspielen mit Mails oder ähnlichem, während man im Kontakt mit seinem Kind ist. Und immer wieder: ungestörtes, entspanntes Vorlesen, Reden, Spielen. Wenn ich das Handy am Ohr habe, bin ich nicht im Kontakt mit meinem Kind.

Die permanente Erreichbarkeit, das permanente Online-Sein, dieser unsägliche Druck, den die elektronischen Medien ausüben – wir müssen uns um unserer Kinder willen davon befreien. Das ist wahrer und zeitgemäßer Widerstand gegen eine Entwicklung, die die über Jahrtausende gewachsenen Grundlagen unserer Kultur zu zerstören droht.

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