Christoph Wenzels neustem Gedichtband in orange-gelbem Gewand musste ich mich langsam nähern, Orte nachschlagen, viele Wörter auch (ups😬). Schließlich bin ich durch das Wort schlacksen (ja mit ck) auch im Wörterbuch der westmünsterländischen Mundart gelandet: nachlässig gehen, latschen.
Okay, aber worum geht es in
landläufiges lexikon
Es ist eine Poesie der Geographie, eine Heimatkunde (kann man das so sagen?), in der Wenzel den ländlichen Raum seiner Kindheit verhandelt. Es geht um Orte abseits des Stroms und des Mainstreams, Namen wie Drensteinfurt, Ahlen, Herbern, Bönen fallen (musste ich ebenfalls nachschlagen🙈, so ist übrigens auch das Foto entstanden, links unter dem Buch ist das Ruhrgebiet). Und um Landschaften, die ins Städtische übergehen: „der kernkraftmeiler aus den untiefen des 20. jahrhunderts", eine „historische landschaft, die heute klingt nach kiebitzen, stau, schafen, sinnbilder der langsamkeit (S.43)“
Immer aber, so scheint es mir, spielen in Wenzels Gedichten die Bewohner dieser Gegend die Hauptrolle. Die Landjugend, die Familien mit ihren verschiedenen Dialekten und Muttersprachen, Saisonkräfte und Touristen, die am Wochenende den Erdbeerhof plündern, die Bürgerinitiative im Kampf gegen die Windkraftanlagen ...
Auch wenn in manchen Gedichten die Trostlosigkeit, das Aussterben der kleinen Läden im Dorfkern und der Dorfgemeinschaft anklingt, so ist es doch ein wohlwollender und freundlicher Blick, den Wenzel auf seine Kindheitsgegend und deren Menschen wirft.
Diese sprachlich verdichteten Texte laden ein, genauer hinzusehen und ein bißchen zu forschen. Und vielleicht mache ich das auch nächstes Mal: Wenn ich nach Köln fahre, biege ich mal nach Drensteinfurt ab und wandere durch die Stadt und an der Werse entlang.




