Christopher Gerald Robinson

 3.9 Sterne bei 7 Bewertungen

Lebenslauf von Christopher Gerald Robinson

Christopher Robinson hat sowohl an der Boston Universtiy als auch am Hunter College seinen Master gemacht. Nach ersten Veröffentlichungen in literarischen Zeitungen gewann er mehrere literarische Stipendien.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Christopher Gerald Robinson

Cover des Buches Der Krieg der Enzyklopädisten (ISBN: 9783827012166)

Der Krieg der Enzyklopädisten

 (7)
Erschienen am 01.09.2016
Cover des Buches Der Krieg der Enzyklopädisten (ISBN: 9783827078971)

Der Krieg der Enzyklopädisten

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Erschienen am 01.09.2016

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Rezension zu "Der Krieg der Enzyklopädisten" von Christopher Gerald Robinson

Wikipedia als Möglichkeit mit seinem Freund in Kontakt zu bleiben
Buecherspiegelvor 2 Monaten

Eine echte Nikolausüberraschung habe ich für Euch mit dem Buch von Gavin Ford Kovite und Christopher Gerald Robinson mit ihrem Erstlingswerk „Der Krieg der Enzyklopädisten“. Für mich war dieses Geschenk einer Freundin eine wahre Freude. Man merkt den Autoren an, dass sie sich Zeit genommen haben, um ihren Roman zu schreiben. Ganze fünf Jahre brauchten sie, schrieben abwechselnd die Kapitel, jeder hat sein Alter ego mit hinein verwoben. Freunde, Familie und Experten halfen mit, ein regelrechtes Kunstwerk zu schaffen.

Das Wort Krieg bekommt hier in mehrfacher Hinsicht eine Bedeutung. Zunächst einmal erleben wir einen der Freunde, Montauk, in Bagdad. Ein Soldat ist er, mittleren Ranges, muss Männer führen, Entscheidungen treffen, schwitzen, stinken, seine Wut beherrschen. Er ist der Alter ego von Kovite, der in Bagdad zwischen 2004 und 2005 eine Infanterie-Einheit geführt hat.

Der andere Freund ist Corderoy, ein angehender Universitätsprofessor für Literatur, dem allerdings das Geld fürs Studium ausgegangen ist und nun als Testobjekt von fragwürdigen medizinischen Studien zumindest die Miete zahlen will. Er ist im Krieg mit sich selbst, seiner Umwelt, den Frauen und seinem besten Freund Montauk.

Selbstverständlich gibt es sie auch, die Frauen. Da ist zunächst Mani, eine Künstlerin, die mit ihren Eltern dem Krieg in ihrem eigenen Land entflohen ist und sich treiben lässt. Zunächst die Freundin von Corderoy, wird sie zur Kriegsbraut von Montauk. Tricia ist die egozentrische Mitbewohnerin von Corderoy, die unbedingt etwas aus ihrem doch sehr verwöhnten Leben machen möchte und als Kriegsberichterstatterin nach Bagdad möchte. Natürlich trifft sie noch in der Heimat auf Montauk und diesen später wieder im Irak.

Alle vier Protagonisten sind in den Zwanzigern, also keine Teenies mehr und trotzdem noch nicht wirklich angekommen im Leben. Doch mit jedem Schritt, mit jeder Erfahrung reifen sie, zweifeln sie, wird ihnen bewusst: jede Entscheidung die sie treffen hat Konsequenzen. Und: man trifft sich meist mehrmals im Leben.

Warum aber nun dieser Titel? Die beiden Freunde feiern gerne Mottopartys und nennen sich die Enzyklopädisten. Und machen sich zunächst einen Spaß daraus einen Artikel in Wikipedia zu veröffentlichen, den sie beide immer wieder aktualisieren. Denn: prüft ja eh keiner nach, was da so steht. Mit der Zeit, als beide getrennte Wege gehen, dient dieser Artikel als toter Briefkasten. Hier tauschen sie ihre Gefühle und Gedanken aus, ohne Telefon, ohne E-Mail oder sonstige Kommunikationsmittel. Einfach nur genial diese Idee. Immer wieder kann sich die Leserschaft die überarbeiteten Seiten betrachten.

Dem einen Freund begleiten wir bei seinem ergebnislosen Weg aus dem Studium hin zum Versuchskaninchen und seinen Abenteuern mit der Frauenwelt, nebst nicht Anbaggerungsversuchen zu seiner Mitbewohnerin. Dem anderen bei seinem Soldatenleben, seinen Kameraden und den Menschen, die er dort kennenlernt. Dessen Frustration, die Wut, die er nicht ausleben darf, Hitze, Anschläge, Mordopfer, Autobomben; all das bekommen wir eiskalt serviert.

Die Liebe zum Detail, zu der künstlerischen Entwicklung von Mani, und Tricia, der nichts lieber ist, als der Wahrheit auf die Spur zu kommen, das nimmt man den Autoren ab. Der Roman wirkt selbst  wie ein gelungenes Experiment mit seinen Wikipedia-Artikeln und seinen Verhör-Protokollen zu einem Mord in Bagdad. Danach ist man selbst wütend wie Montauk, der erkennen muss, dass er leider so absolut kein Verbrechen aufklären kann.

Viele Fehlentscheidungen gestehen das Autorenteam diesen vier jungen Menschen zu. Wie sie nun, in Zeiten von Fake News und Verschwörungstheorien, wohl agieren würden? Für mich war dieser Roman ein Gewinn; eine perfekte Sozialstudie über junge Menschen nach dem verheerenden Attentat in Amerika. Absolut Empfehlenswert. Erwähnen will ich auch die Übersetzer Gerhard Falkner und Nora Matocza, ebenfalls wie das Autorenteam ein Tandem, das bereits viele Werke gemeinsam übersetzt hat.

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Rezension zu "Der Krieg der Enzyklopädisten" von Christopher Gerald Robinson

Der Krieg der Enzyklopädisten
vormivor 4 Jahren

Es geht eigentlich um drei jungen Menschen, auf dem Weg in ihr Leben.
Wir lernen die drei bei einer Party in Seattle kennen, auf der sie feiern und das Leben genießen.
Doch kurz danach holt sie der Ernst des Lebens ein.
Mani wird am nächsten morgen von einem Auto angefahren und kommt mit mehreren Knochenbrüchen ins Krankenhaus.
Montauk wird mit seiner Einheit der Nationalgarde in den Irak abkommandiert und übernimmt da sogar die Leitung eines Paltoons und damit große Verantwortung.
Einzig Hal bleibt bei seinen üblichen Plänen und beginnt sein Literatur-Studium in Boston.

Sehr viel mehr möchte ich an dieser Stelle zum Inhalt gar nicht verraten.
Denn dieses Buch muss man eigentlich selber lesen und erleben, um sich ein Urteil bilden zu können.
Mein Fall ist es eigentlich nicht wirklich, ich habe mich ein wenig vom Klappentext in die Irre führen lassen.
Und doch hat mir das Buch überraschend gut gefallen, denn besonders die Gegensätze, auch im Erzählstil, zwischen Hal und Montauk haben mich schnell gefesselt.
Ich denke mal, daß sich die beiden Autoren nämlich genau so aufgeteilt haben. Der eine hat die Geschichte um Hal und seine Uni-Erlebnisse geschildert und der andere die Geschehnisse, Anforderungen und Ansprüche von Montauk und seinem Leben bei der Friedens-Mission der US-Amerikaner im Irak 2004.

Wobei mir dieser Teil um Längen besser gefallen hat als die Schilderungen von Hal in Boston, der eher ziel- und planlos dahintreibt.
Wahrscheinlich liegt das eben auch daran, daß sich ein behüteter Europäer wie ich mir gar nicht wirklich vorstellen kann, was es bedeutet an einem Checkpoint zu arbeiten und bei jeder Kontrolle Angst vor einem Selbstmord-Attentäter zu haben.
Alleine der Gegensatz im Leben dieser beiden befreundeten Männer könnte größer kaum sein. Und diese Kluft ist sehr gut rübergekommen.

Leider hat das Buch einige Längen. Manches ist viel zu genau erzählt worden und eher unbedeutende Ereignisse werden in epischer Breite geschildert. Dafür gibt es den 1 Stern Abzug.
Teilweise ist es auch gespickt mit Fremdworten und langen, akademischen Erzählungen. Bei denen ich, die von sich selber denkt, relativ gebildet zu sein, manchmal wenig verstanden hat.
Trotzdem ist es ein Buch das mich als Leser sehr berührt und nachdenklich gemacht hat.
Und von dem ich selber überrascht bin, daß es mich so positiv von sich überzeugen konnte.

Ungewöhnlich!
Auf fast allen Ebenen. Vom Erzählstil bis hin zu den erzählten Erwignissen.
Mit gut beschriebenen Einblicken in das Leben im Irak, mit allen Ängsten und der Wandlung eines partybegeisterten jungen Mannes zu einem verantwortlich handelnden Nationalgardisten.
Erschreckend auch, wie wenig man sich, hier und auch in Amerika, gedanklich damit auseinandersetzt. Was für ein Leben diese Soldaten führen und was das mit ihnen und ihrer Seele anstellt.
Ein besonderes Buch. Leider nicht ganz einfach zu lesen und auch nicht ganz einfach zu verdauen...

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Rezension zu "Der Krieg der Enzyklopädisten" von Christopher Gerald Robinson

Schwer verdaulich, mehr Arbeit als Amüsement
MissGoldblattvor 4 Jahren

Gewaltig, sprachlich anspruchsvoll und anstrengend zugleich. Der Krieg der Enzyklopädisten von Christopher Gerald Robinson und Gavin Ford Kovite ist schlicht und einfach gesagt schwere Kost. Wer sich auf dieses Monument an literarischem Erguss heranwagt, muss sich auf eine ungewöhnliche Geschichte, aber auch auf eine gewaltige Sprache, verpackt in einigen Schachtelsätzen, gefasst machen. Das Buch ist ein großes Stop-and-Go-Verfahren. Mal ist es unglaublich fesselnd und tiefsinnig, mal reißt es dich an Stellen durch seine Langatmigkeit und Banalität komplett aus dem Kontext.

Doch dadurch sollte man sich nicht direkt abschrecken lassen. Was diese Autoren-Kollaboration zu bieten hat, ist bemerkenswert und nachklingend zugleich. Überraschenderweise lässt sich das Buch trotz seiner anspruchsvollen Sprache, einigen Fremdwörtern und auch der bereits erwähnten Längen, relativ gut und stellenweise sehr flüssig lesen. Auffallend gut fand ich unter anderem, die Leichtigkeit, mit der ich mich immer wieder in die jeweiligen Abschnitte und Kapitel eingefunden habe, obwohl die Geschichte aus gut drei bis vier Perspektiven erzählt wird. Der Krieg der Enzyklopädisten ist nämlich mit seinen 608 Seiten ein mittelschwerer Klopper.

Als Leser erwartet dich keine Geschichte mit einem riesigen Spannungsbogen und atemberaubenden Szenen. Vielmehr sind es die einfachen und eher unscheinbaren Erlebnisse und Schilderungen der Figuren, die dich als Leser beschäftigen. Die dir im Kopf bleiben und auch mal was hinterlassen. Denn so erging es mir. Ich dachte zu Anfang, ich bekomme eine Geschichte von Menschen aufgetischt, die immer irgendwie miteinander agieren. Auf eine einfache und lockere, typisch belletristische Art. Doch stattdessen habe ich kleine Momentaufnahmen aus den Leben dieser Figuren bekommen, die eindrucksvoll, bewegend und auch tragisch sind.

Wir begleiten Corderoy als jungen Akademiker, der irgendwie zwischen diesen anderen intelligenten und kultivierten Studenten als Mensch bestehen, ja, herausragen will; der eigentlich nicht weiß, was er genau machen will, und letztendlich daran scheitert, weil er sich selbst sabotiert und ihn die Eltern finanziell nicht mehr unterstützen können.

Dann ist da Montauk, der eigentlich auf die Elite-Universität schlechthin, Harvard, gehen könnte. Da er sich aber mal als Reservist bei der US Army gemeldet hat, wird sein Vorhaben durchkreuzt. Er wird tatsächlich eingezogen und in den Irak geschickt, wo das Land unter seiner Unsicherheit und keinerlei Struktur leidet. Und sich für ihn, in der Rolle eines Offiziers, die Frage stellt, was und wie und warum das alles passiert. Und was das vor allem mit ihm als Person macht.

Und es gibt noch Mani. Die Freundin, dann Ex-Freundin von Corderoy. Eine junge Künstlerin, die ihren eigenen Weg geht. Denn eigentlich wollen ihre Eltern, dass sie eine akademische Laufbahn einschlägt und das wirtschaftlich und ertragreich am Ende eines Tages sein soll.

Was alle drei schließlich, außer ihrer Freundschaft, gemein haben, ist eine Orientierungslosigkeit, die durch zu viele Möglichkeiten gegeben ist. Alle scheitern sie an den gegebenen Lebensumständen. Eins wurde mir bei dieser Feststellung klar: Du kannst alles sein. Virtuell, wie real. Du kannst eine Maske tragen, aber unter ihr liegt nacktes, rohes Fleisch.

Genauso nackt und roh hat sich das Buch manchmal gelesen. Ohne Frage, es hat mir mit seiner Sprache und seiner Tragweite durch gewisse Szenen und Stilmittel ungemein imponiert. Die Dialoge und die Erläuterung der Gefühle in den Protagonisten selbst und zwischen einander ist unglaublich stark. So waren die Szenen im Irak, dank Gavin Ford Kovite, unglaublich authentisch und in der Formulierung zum Teil so drastisch, dass ich auch mal schlucken musste. Hier wird einfach deutlich, dass da ein Ex-Soldat tatsächlich passierte Dinge in diese fiktive Geschichte einfließen lässt. Und so fern all die Geschehnisse oftmals scheinen, das hat sie mir, auch wenn die Handlung im Zeitraum von 2004 – 2005 spielt, enorm verdeutlicht und so viel näher für mich als Person gebracht.

Und auch die Geschehnisse um Mani und Corderoy, die auf den ersten Blick eine sehr merkwürdige und doch besondere Beziehung verbindet, sind nicht frei von Tiefgang. Hier spiegeln sich ungemein viele Ängste aus der jungen Generation wider. Man versucht so gut es geht, eine Berufung zu finden, die nicht nur einen gewissen Lebensstandard sichert, sondern die gleichzeitig gesellschaftlich nachhaltig ist und einen selbst verwirklicht. Mit etwas Glück stehen die eigenen Eltern und der Rest der Sippschaft noch hinter einem und klopfen dir die Schulter wund. Aber gleichzeitig möchte man mit dieser Unsicherheit nicht allein dastehen. Man sucht nach jemanden, der einem diese Angst nimmt. In den man sich zur Not verlieren kann. Das kann durch eine Beziehung geschehen, oder wie hier oftmals eher unbewusst, aber dennoch dominant vertreten, durch Sex. Mit anderen oder mit sich selbst.

Wer weiß nicht, dass all das zugleich utopisch ist? Meistens geht man als junger Mensch Kompromisse ein. Manchmal macht man sogar gar nichts von alledem und schämt sich einfach dafür, weil alle anderen das hinbekommen und du eben nicht.

Der Krieg der Enzyklopädisten zeugt unter anderem von diesem Phänomen.

Und so gut ich es auch an vielen Stellen fand, so großartig ich die unterschwelligen Gedankenanstöße auch mag. Sie sind nicht offensichtlich. Man muss sie sich erarbeiten. Dieses Buch ist tatsächlich Arbeit. Denn es verfolgt, meiner Meinung nach, keinen großes Ziel. Keinen Höhepunkt. Es plätschert storytechnisch bei allen dreien ein wenig vor sich hin. Aber das ist nichts, was jeden begeistert. Vor allem nicht mit der Herausforderung an Sprache und Verständnis, die sich in den vielen Schachtelsätzen wiederfindet. Ehrlich gesagt, finde ich es auch zum Teil pseudo-philosophisch und übertrieben gewichtig geschrieben.

Wenn man sich das Nachwort der Autoren durchliest und vor allem Christopher Gerald Robinsons Ausführungen, bekomme ich im Nachhinein das Gefühl, dass der Kerl literarisch einfach nur mal dick auftragen wollte.

Was mich am Ende aber letztendlich am meisten stört, ist, dass ich den großen Sinn, das Motiv, hinter der diesem Buch bis heute nicht verstehe. Es erschließt sich mir nicht. Es gibt wie gesagt, einige Stärken. Aber genauso viele Schwächen. Und das große Fragezeichen, warum wir ausgerechnet diesen Figuren über die Schulter schauen, wird nicht kleiner. Es fühlt sich auch nicht an, als wäre da, trotz der Gemeinsamkeiten, trotz der Freundschaft, irgendeine Sache, die ich als Leser verstehen müsste. Es macht einfach nicht „Klick“. Viele Schilderungen und Ansätze, und das Buch selbst, führen einfach ins Leere. Wirklich sehr schade in Anbetracht dessen, was da sicher möglich gewesen wäre.


Fazit

Der Krieg der Enzyklopädisten war bzw. ist einfach sehr schwer zu greifen. Ich kann nur erahnen, was der Sinn dieses Buches ist, hoffen, dass ich es auf meine eigene Art richtig interpretierte. Aber genau aus diesem Grund, kann ich dieses Buch nur sehr vorsichtig und unter großem Vorbehalt empfehlen. Denn ein einfaches Buch ist es nicht. Leicht ebenso wenig. Und wer Mühe und Scheu hat, sich durch ein Buch von solcher Komplexität an Sprache zu kämpfen, ist nicht der richtige Kandidat.

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