Christopher Hitchens

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Autor von Der Herr ist kein Hirte, God is Not Great und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Christopher Hitchens

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Der Herr ist kein Hirte

Der Herr ist kein Hirte

 (18)
Erschienen am 06.04.2009
Endlich

Endlich

 (3)
Erschienen am 24.06.2013
The Hitch

The Hitch

 (3)
Erschienen am 03.10.2011
Endlich: Mein Sterben

Endlich: Mein Sterben

 (1)
Erschienen am 24.06.2013
Thomas Paine, Die Rechte des Menschen

Thomas Paine, Die Rechte des Menschen

 (1)
Erschienen am 01.09.2007
God is Not Great

God is Not Great

 (10)
Erschienen am 05.03.2008
Hitch-22

Hitch-22

 (3)
Erschienen am 26.05.2011
Mortality

Mortality

 (3)
Erschienen am 04.09.2012

Neue Rezensionen zu Christopher Hitchens

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Rezension zu "Der Herr ist kein Hirte" von Christopher Hitchens

Bezeichnend, dass sich kein Argument des Autors mit rationalen Argumenten entkräften lässt.
Mario_Veraguthvor 9 Monaten


Hitchens liefert eine schwer in Abrede zu stellende, auf philosophische Aspekte verzichtende Streitschrift gegen den Glauben. Quer durch die Religionsgeschichte zeichnet er ein Bild von Widersprüchen, Machtstreben, Manipulation, Kriegstreiberei und dem latenten Ruf zu Krieg, Völkermord, Intoleranz und Unterdrückung und Misshandlung von Frauen, Andersgläubigen, Ungäubigen und Kindern. Waren diese Themen zu Zeiten der Religionsstifter bei primitiven Analphabeten noch en vogue und ein Frequenzbringer, so hätte man meinen sollen, mit der Vernunft und Aufklärung kehre die Erkenntnis ein. Doch leider weit gefehlt.

Bezüglich der Pflege-, Armenspeisungs- und sonstiger sozialen Aktivitäten von Religionen seit etwas angemerkt. Der Sinn karitativen Handelns und Spendens fußt auf Selbstlosigkeit und der Bereitschaft, ohne Erwartung einer Gegenleistung in Form von Indoktrinationsbereitschaft als Dank für Errettung aus prekären Lagen, Hilfe zu leisten. Rekrutieren sich hingegen aus den, vor Hungertod oder bleibenden körperlichen Schäden bewahrten, Menschen Eiferer und Fundamentalisten, verpufft jegliche gutgemeinte Intention aufgrund des erwünschten und gezielt hervorgerufenen negativen Echos. Sie wird im Gegenteil pervertiert und aus der vermeintlich guten Tat erwächst mehr schlechtes, als wenn sie niemals stattgefunden hätte.

Als einer der Ersten wagt sich der Autor auch an eine Kritik der sakrosankt erklärten Figur Mahatma Gandhis, der Auswirkungen des Buddhismus auf die asiatischen Gesellschaften und der Rolle des Buddhismus im Japan zur Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Zur Veranschaulichung der proportionalen Intoleranzsteigerung pro Gläubigen bezieht sich Hitchens auf die unterschiedlichen Reaktionsmuster von Gläubigen und Atheisten. Ein Jünger jeglicher Couleur wird nicht müde werden, die Religion oder sogar den schlichten Unglauben anderer Menschen zu kritisieren und anzugreifen. Sägt es doch am Fundament seines irrationalen Konstrukts. Eine Messe, Feier oder nur eine unverfängliche Veranstaltung einer anderen Glaubensgemeinschaft zu besuchen kann sich mit zunehmender Radikalität als immer unmöglicher herausstellen. Tolerante, säkulare Gläubige, Atheisten und Agnostiker haben hingegen nicht mit aufgerollten Fußnägeln und innerer Zerrissenheit zu kämpfen, wenn sie Kulthandlungen verschiedenster Religionen und Sekten beiwohnen.

Nebenbei, die staatliche Anerkennung macht den Unterschied zwischen okkultem Ritus und sich im Licht der Legitimität sonnender Religion. Und diese Anerkennung fußt auf simplen Zahlen.

Das Grundkonzept der ignoranten Borniertheit metastasiert leider, häufig ausgehend von der Religion, quer durch alle Bevölkerungsschichten und Lebensaspekte. Seien es Politik, Gesellschaftssysteme, Emanzipation, Erziehung, Wirtschaftsmodelle, Wissensbildung oder etliche andere essentielle Aspekte des Lebens, das eingesickerte Gift zeitigt seit Jahrtausenden Wirkung. Und die sieht man allerorts anhand der Gesellschaften, die auf solchen Strukturen und Konzepten errichtet wurden und zu wesentlich größeren Teilen, als ein aufgeklärter Mensch sich eingestehen möchte, noch immer fußen. Eine epigenetische Analyse wäre interessant.

Wobei es im Fall der Religion mittlerweile glücklicherweise salonfähig geworden ist, Kritik und eine eigene Meinung hervorzubringen. Was die Wirtschaftsordnung, Währungs- und Finanzsysteme, die Art der demokratischen Mitbestimmung und den Einfluss von Meinungsmacht, Medien und ungeschriebenen Gesetzen, Lehrmeinungen und unanfechtbaren Dogmen anbelangt, steht die Menschheit vor einer ähnlichen Herausforderung wie zu Beginn der Religionsstiftungen.

Nicht mehr den in Stein gemeißelten, sondern digitalisierten Geboten von Apologeten der politischen und wirtschaftlichen Weltordnung ist Folge zu leisten, was erschreckende Ähnlichkeiten mit religiösem Wahn impliziert. Wenn wirtschafts- und gesellschaftspolitisch Ungläubige als subversive, dem extremen linken Rand zuzuordnende, jegliche empirischen Beweise schuldig bleibende und immer mehr auch gefährliche Elemente gelten. Als Beispiel sei der Versuch angeraten, mit einem Ökonomen, Banker, Unternehmer, Politiker oder Meinungsbildner ein objektives Gespräch über brisante Themen zu führen. Dieselbe Überheblichkeit und Engstirnigkeit wie bei einem verblendeten Gläubigen wird meist automatisiert geliefert werden. Statt in Klöstern und Kirchen wird dem falschen Heiland in Schulen, Universitäten, Parlamenten, Gremien und Think Tanks gehuldigt.

Ungünstigerweise steht die Menschheit erst am Beginn der Herrschaft von Wirtschaftkonglomeraten und wie alle autoritären weltlichen und geistlichen Regime vor ihr strebt sie nach Allmacht. Gerade erst gegen Mitte bis Ende des letzten Jahrtausends etabliert, hat sie eine bisher unbekannte Allianz aus Mammon und strenger Indoktrination erschaffen, die die Welt in einer Weise verändern wird, wie kein autokratisches Regime vor ihr. Und das nach so kurzer Zeit. Wie sich eine solche Entwicklung fortsetzt steht in den Geschichtsbüchern.

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Rezension zu "Der Herr ist kein Hirte" von Christopher Hitchens

Rezension zu "Der Herr ist kein Hirte" von Christopher Hitchens
Mario_Veraguthvor 4 Jahren

Hitchens liefert eine schwer in Abrede zu stellende, auf philosophische Aspekte verzichtende Streitschrift gegen den Glauben. Quer durch die Religionsgeschichte zeichnet er ein Bild von Widersprüchen, Machtstreben, Manipulation, Kriegstreiberei und dem latenten Ruf zu Krieg, Völkermord, Intoleranz und Unterdrückung und Misshandlung von Frauen, Andersgläubigen, Ungäubigen und Kindern. Waren diese Themen zu Zeiten der Religionsstifter bei primitiven Analphabeten noch en vogue und ein Frequenzbringer, so hätte man meinen sollen, mit der Vernunft und Aufklärung kehre die Erkenntnis ein. Doch leider weit gefehlt.

Bezüglich der Pflege-, Armenspeisungs- und sonstiger sozialen Aktivitäten von Religionen seit etwas angemerkt. Der Sinn karitativen Handelns und Spendens fußt auf Selbstlosigkeit und der Bereitschaft, ohne Erwartung einer Gegenleistung in Form von Indoktrinationsbereitschaft als Dank für Errettung aus prekären Lagen, Hilfe zu leisten. Rekrutieren sich hingegen aus den, vor Hungertod oder bleibenden körperlichen Schäden bewahrten, Menschen Eiferer und Fundamentalisten, verpufft jegliche gutgemeinte Intention aufgrund des erwünschten und gezielt hervorgerufenen negativen Echos. Sie wird im Gegenteil pervertiert und aus der vermeintlich guten Tat erwächst mehr schlechtes, als wenn sie niemals stattgefunden hätte.

Als einer der Ersten wagt sich der Autor auch an eine Kritik der sakrosankt erklärten Figur Mahatma Gandhis, der Auswirkungen des Buddhismus auf die asiatischen Gesellschaften und der Rolle des Buddhismus im Japan zur Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Zur Veranschaulichung der proportionalen Intoleranzsteigerung pro Gläubigen bezieht sich Hitchens auf die unterschiedlichen Reaktionsmuster von Gläubigen und Atheisten. Ein Jünger jeglicher Couleur wird nicht müde werden, die Religion oder sogar das schlichte Unglauben anderer Menschen zu kritisieren und anzugreifen. Sägt es doch am Fundament seines irrationalen Konstrukts. Eine Messe, Feier oder nur eine unverfängliche Veranstaltung einer anderen Glaubensgemeinschaft zu besuchen kann sich mit zunehmender Radikalität als immer unmöglicher herausstellen. Tolerante, säkulare Gläubige, Atheisten und Agnostiker haben hingegen nicht mit aufgerollten Fußnägeln und innerer Zerrissenheit zu kämpfen, wenn sie Kulthandlungen verschiedenster Religionen und Sekten beiwohnen. Nebenbei, die staatliche Anerkennung macht den Unterschied zwischen okkultem Ritus und sich im Licht der Legitimität sonnender Religion. Und diese Anerkennung fußt auf simplen Zahlen.

Das Grundkonzept der ignoranten Borniertheit metastasiert leider, häufig ausgehend von der Religion, quer durch alle Bevölkerungsschichten und Lebensaspekte. Seien es Politik, Gesellschaftssysteme, Emanzipation, Erziehung, Wirtschaftsmodelle, Wissensbildung oder etliche andere essentielle Aspekte des Lebens, das eingesickerte Gift zeitigt seit Jahrtausenden Wirkung. Und die sieht man allerorts anhand der Gesellschaften, die auf solchen Strukturen und Konzepten errichtet wurden und zu wesentlich größeren Teilen, als ein aufgeklärter Mensch sich eingestehen möchte, noch immer fußen.

Wobei es im Fall der Religion salonfähig geworden ist, Kritik und eine eigene Meinung hervorzubringen. Was die Wirtschaftsordnung, Währungs- und Finanzsysteme, die Art der demokratischen Mitbestimmung und den Einfluss von Meinungsmacht, Medien und ungeschriebenen Gesetzen, Lehrmeinungen und unanfechtbaren Dogmen anbelangt, steht die Menschheit vor einer ähnlichen Herausforderung wie zu Beginn der Religionsstiftungen.

Nicht mehr den in Stein gemeißelten, sondern digitalisierten Geboten von Apologeten der politischen und wirtschaftlichen Weltordnung ist Folge zu leisten, was erschreckende Ähnlichkeiten mit religiösem Wahn impliziert. Wenn wirtschafts- und gesellschaftspolitisch Ungläubige als subversive, dem extremen linken Rand zuzuordnende, jegliche empirischen Beweise schuldig bleibende und immer mehr auch gefährliche Elemente gelten. Als Beispiel sei der Versuch angeraten, mit einem Ökonomen, Banker, Unternehmer, Politiker oder Meinungsbildner ein objektives Gespräch über brisante Themen zu führen. Dieselbe Überheblichkeit und Engstirnigkeit wie bei einem verblendeten Gläubigen wird meist automatisiert geliefert werden. Statt in Klostern und Kirchen wird dem falschen Heiland in Schulen, Universitäten, Parlamenten, Gremien und Think Tanks gehuldigt.

Ungünstigerweise steht die Menschheit erst am Beginn der Herrschaft von Wirtschaftkonglomeraten und wie alle autoritären weltlichen und geistlichen Regime vor ihr strebt sie nach Allmacht. Gerade erst gegen Mitte bis Ende des letzten Jahrtausends etabliert, hat sie eine bisher unbekannte Allianz aus Mammon und strenger Indoktrination erschaffen, die die Welt in einer Weise verändern wird, wie kein Terrorregime vor ihr. Und das nach so kurzer Zeit. Wie sich eine solche Entwicklung fortsetzt steht in den Geschichtsbüchern.

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Rezension zu "Endlich" von Christopher Hitchens

Der Tod ist eine Grenze, die alles aufhebt, was vorher wichtig schien
WinfriedStanzickvor 5 Jahren

Er war ein kritischer, aufrechter und engagierter Journalist, mutig und unbestechlich. Genauso unbestechlich zeigte er sich 2009  in seinem Buch „Der Herr ist kein  Hirte. Wie Religion die Welt vergiftet“, in dem er klar machte, warum für ihn  nur der Atheismus als Weltanschauung in Frage kommt. Immer im Zusammenhang mit der radikalen und wenig reflektierten Religionskritik von Richard Dawkins erwähnt, erfuhr er dafür auch viel Kritik.

 

Nun hat Christopher Hitchens sein Sterben beschrieben. Ein Sterben ohne Gott und ohne Hoffnung auf Transzendenz oder ein irgendwie vorgestelltes Weiterleben nach dem Tod. Dabei zählt er durchaus viele gläubige Menschen aus unterschiedlichen Religionen zu seinen vielen Freunden, mit denen er auch nach Ausbruch seines Speisenröhrenkrebses spricht.

 

Er denkt in seinem langsamen Sterben mit zunehmend nachlassender Kraft schreibend nach über heilige Schriften und was die über den Tod sagen, über ihm wichtig gewordene Bücher aus der Literaturgeschichte und über Liedtexte. So zitiert er – durchaus beeindruckt - eine Textzeile aus einen Song von Leonard Cohen, ohne näher auf ihn eingehen:

 

„If it be your will,

That I speak no more,

And my voice be still

As it was before …“

 

Hitchens Nachdenken über seinen Tod und sein langsames Sterben erinnert an etliche Berichte anderer Menschen, die in den vergangenen Jahren veröffentlicht wurden, in denen dieses ihr Sterben und ihre Gedanken dabei beschrieben haben. Ich denke dabei besonders an das Buch des Pädagogen Wolfgang Bergmann „Sterben lernen“, das 2011 erschienen ist.

 

Dort schreibt er insgesamt 23 kurze Texte, die sich alle mit dem Sterben auseinandersetzen: "Ich schreibe. Der Tod ist das Nichts, die reine Negation, es ist lächerlich, in ihm nach Sinn zu suchen."
Und er spürt: indem er den Tod so heftig ablehnt, empfängt er die größtmögliche Ermutigung. Obwohl es keine Antworten gibt, auch keine ihn wirklich überzeugenden spirituellen, fragt er weiter, ringt um Worte, die ausdrücken können, was er fühlt und was doch sich dem sprachlichen Verstehen immer wieder entzieht.

Es sind ehrliche, stellenweise harte Worte der Introspektion, die er notiert, Worte die sich dem schnellen Trost entziehen wollen: "Keine Begütigung, keine Beschwichtigung, kein verschwiemelter Trost, das macht alles nur noch dumpfer und leerer." Und in diesem Erkennen des Todes als Erlöschen der Zeit, als Gleichmacher, als dem Gegenprinzip der Liebe, erinnert er sich an Jesu zitternde Knie am Leichnam von Lazarus und an seine Todesangst in der Nacht von Gethsemane.

In dichter Sprache nähert er sich immer mehr seinem Ende, wehrt sich und wird doch mit jedem Eintrag mehr auf eine bewegende und auch dem Leser Trost vermittelnde Weise mit ihm eins. Mechthild von Magdeburg, die "von Liebesgewissheit durchströmten Sätze des Johannes" und der Apostel Paulus sind ihm dabei späte Lehrer, an die er sich erinnert und er fragt sich erstaunt:
"Was ist das für eine Wahrheit, die ich nur zaghaft am Zipfel zu fassen bekomme? Sie ist immer noch da, wie eine unerschütterliche Realität. Ich begreife sie nicht, So wenig wie das Sterben.
Aber sie trägt. Gott trägt sie? Aber wohin?"

 

Der Tod ist eine Grenze, die alles aufhebt, was vorher wichtig schien. Connie Palmen hat in ihren beiden Büchern „I.M.“ und „Logbuch eines unbarmherzigen Jahres“ beschrieben, wie sich das Sterben und der Tod eines geliebten Menschen für den anfühlt, der bleibt und den anderen gehen lassen muss.

 

Ich bin sicher, wir werden in der nächsten Zeit noch mehr Bücher zu diesen Themen sehen, denn mit dem Verlust der auch für gläubige Menschen nicht mehr nachvollziehbaren Jenseitshoffnung tut sich eine Sinnlücke auf, die geschlossen werden muss.

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