Christopher Isherwood A Single Man

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Inhaltsangabe zu „A Single Man“ von Christopher Isherwood

Ein Tag im November 1962. In einem Vorort von Los Angeles lebt George. Seit Jim, sein Freund, ums Leben gekommen ist, ist ihm "das amerikanische Utopia" die Hölle auf Erden. Mühsam schleppt er sich durch den Tag: Er gibt einen Kurs an der Uni, besucht seine beste Freundin, fährt durch die Gegend - vor allem aber seziert er in einem unaufhaltsamen Gedankenstrom seine Umwelt. Auch dieser Tag scheint vorüberzugehen wie all die anderen zuvor, bis George nachts am Strand einem Studenten begegnet ... Ein zutiefst berührender Roman, der von bitterer Einsamkeit und der Furcht vor dem Anderssein erzählt, dem Scheitern zwischenmenschlicher Kommunikation und einer Gesellschaft, die vor all dem die Augen verschließt. - 2009 kongenial von Tom Ford verfilmt, mit Colin Firth und Julianne Moore.

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    A Single Man

    SitataTirulala

    12. March 2015 um 21:08

    Aber jetzt ist nicht bloß jetzt. Jetzt ist auch ein ganzer Tag später als gestern, ein Jahr später als letztes Jahr. Jedes Jetzt ist mit seinem Datum versehen, das alle vergangenen Jetzt-Momente gegenstandslos macht, bis später oder früher, vielleicht, nein, nicht vielleicht, ganz gewiss: das Ende kommt. Es ist ein Tag, der wie viele andere für George beginnt, seit Jim tot ist. Er steht auf, macht sich fertig, frühstückt und fährt zur Uni, wo er als Literaturprofessor lehrt. Hier ist er ein ganz anderer Mensch als der, der übel gelaunt und zynisch aufgestanden ist, der versucht sich mit genau diesem Zynismus den Schmerz des Verlustes seines Partners und die Isolation durch seine sexuelle Orientierung vom Leib zu halten. Hier setzt er die Maske des Professors auf, für seine Studenten und seine Kollegen, die kaum Einblick in den richtigen George haben. Das hat keiner - bis er spät abends in einer Hafenbar auf Kenny trifft, einen seiner Studenten. Zwischen den beiden entspinnt sich nicht nur eine ungewöhnlich offene Unterhaltung, sondern auch ein Abend, wie er seines gleichen sucht. Bevor ich mich selbst an diese Rezension gesetzt habe, bin ich einige andere zu diesem Buch durchgegangen, weil es mir doch schwer fiel, einen Anfang zu finden, in Worte zu fassen, was mir bei "A single man" eigentlich durch den Kopf gegangen ist. In > dieser < hier habe ich dann eine erstaunlich passende Beschreibung gefunden, die ich einfach kurz umreißen möchte. Die Rezensentin schreibt, dass das Cover das Buch gar nicht besser beschreiben könnte, denn hinter der intellektuellen Brille, der Krawatte und dem peniblen Anzug sei George für seine Mitmenschen im Grunde unsichtbar. Nicht George, der Professor, sondern der echte George. Wir als Leser aber, wir bekommen mit, wie es hinter dieser Maske aussieht. Erleben, wie George sich mühsam aus dem Bett schleppt, seine beste Freundin erst abwimmelt, nur um nach einem langwierigen Arbeitstag doch ihre Lebenskrise zu managen, so wie sie ihn an dem Abend aufgefangen hat, an dem er die Nachricht von Jims tödlichem Unfall erhalten hat, wie er mit spitzer Zunge versucht, seinen Studenten das Thema des Seminars näher zu bringen und wie über all dem doch einfach steht: Jim fehlt. George geht zwar durchs Leben, durch jeden Teil seiner täglichen Routine und seiner Verpflichtungen, aber er hat doch das Gefühl, nicht richtig daran teilzunehmen. Das alles ändert sich erst, als er einen ungewöhnlichen Abend samt jungenhaft-verrücktem Nacktbad in den rauschenden Wellen mit Kenny, einem seiner Studenten verbringt. Isherwood gelingt es auf sehr berührende Art und Weise, Georges Verlust einzufangen, ohne dabei auf überdramatische Art und Weise zu übertreiben. Auch ohne tränenreiche Nervenzusammenbrüche und anklagende Worte über die Ungerechtigkeit und Grausamkeit des Lebens seines Protagonisten fühlt man, was dieser verloren hat. Es sind nicht die ersten Tage und Wochen der überwältigenden Trauer, die hier thematisiert werden. Sondern die kleinen Dinge des Alltags, die an den geliebten Menschen erinnern. Dinge, die man täglich gemeinsam gemacht hat und nun alleine bewältigen muss. Diese kleinen Erinnerungen bringen einen nicht mehr so ins Straucheln und Stolpern wie am Anfang, aber an manchen Tagen sind sie trotzdem schwer zu ertragen. Als jemand, der selbst bereits einen großen Verlust hinter sich hat, wusste ich ganz genau wie George sich fühlt. Und doch wusste Isherwood es zu beschreiben, ohne dass sein Protagonist im Selbstmitleid zergeht. Mich hat Isherwood mit seinem Roman auf jeden Fall erreicht - es war eine kurze, aber sehr schöne Reise mit George, die ich wärmstens weiter empfehlen kann. Von mir gibt es dafür sehr verdiente vier Blümchen. ---------- Rezension hier: http://licentiapoeticae.blogspot.de/2015/03/br-christopher-isherwood-single-man.html

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  • Ein wiederentdeckter Klassiker, noch intensiver als der Film

    A Single Man

    MareikeHerzpotenzial

    20. November 2014 um 15:35

    Kann ein Cover treffender ein Buch beschreiben? Was sieht man hier auf diesem Umschlag? Einen Mann mit Brille und Anzug. Konservativ, die Krawatte und Brille erinnern an die 60er Jahre. Alles ist in Schwarz gehalten und der Hintergrund wirkt eher trist.  Man sieht gleichzeitig aber auch eben keinen Mann, sondern nur seine Kleidung, seine Erscheinung. Und genau darum geht es in diesem Buch: George ist eigentlich unsichtbar. Er ist zwar da, repräsentiert nach Außen einen eleganten, reifen Herren, gebildet und mit Geschmack. Er ist durch und durch distinguierter Brite. Doch was in seinem Inneren vorgeht, bleibt für seine Umgebung verborgen. Dieser Roman, der schon fast eher eine Novelle ist, beschreibt das Leben von George an einem Tag in seinem Leben. Man steht morgens mit ihm auf, betrachtet ihn, wie er versucht die Kraft zum Aufstehen zu finden. Man sieht ihn die Treppe hinuntersteigen, wie sein Blick durch sein kleines, hübsches Haus streift und ihn fast jeder Gegenstand an seine große Liebe Jim erinnert. Jim ist tot und man hat das Gefühl, als ob in Georges Nähe nur eine dumpfe Taubheit zu spüren ist. Als wäre er von einem wattigen Nebel umgeben, der zwar den Schmerz ein wenig dämpft, doch ihn zugleich von seiner Umgebung trennt. Es ist eine Geschichte von Einsamkeit und Sehnsucht. Die Sehnsucht eines 58-jährigen Homosexuellen, der ein auffällig konservatives, strukturiertes Leben führt. Isherwood schafft es, diese Geschichte schlicht, manchmal fast sachlich zu erzählen und vermeidet dabei jede Form von Rührigkeit, Pathos oder Glorifizierung. Er erzählt die Geschichte eines Zurückgebliebenen, der sich jeden einzelnen Tag aufs Neue stellen muss. Der beschauliche Vorort von Los Angeles, die Schnellstraße, die George so zügig zu seinem Arbeitsplatz bringt, selbst sein Büro in der Universität erscheinen wie schöne Kulissen, durch die George automatisiert hindurch schreitet. Es war Jim, der den Kontakt zur Nachbarschaft hergestellt hat und für den er schnell abends von der Arbeit heim kam. Doch ohne ihn erscheinen diese Errungenschaften glanzlos, seine Arbeit reiner Automatismus. Selbst die Art, wie er seine Vorträge führt sind durchzogen von über die Jahre eingeschliffenen Mustern. Dabei ist es interessant, wie es Isherwood gelingt das äußere Geschehen durch Georges Gedankengänge zu kommentieren und ihnen eine neue Ebene zu geben. Wie beiläufig zeigt Isherwood dabei kommunikative Prozesse und tägliche Machtspiele auf, die sich in jedem Gespräch, in jeder Geste zeigen. Doch man merkt auch die Müdigkeit, die der Protagonist empfindet, wenn er das Miteinander der anderen analysiert. Es war der lebhafte, jüngere Jim, sein Gegenpol, der ihn aus seinem täglichen Trott, aus seiner sehr analytischen und kritischen Gedankenwelt herausholen konnte. An manchen Stellen erscheint einem das fast roboterhafte Verhalten Georges etwas befremdlich, doch im nächsten Moment spürt man den Einfluss des verstorbenen Partners in ihm und er stürzt sich jungenhaft in die eisigen Wellen. Dann bricht die ungeheure Sehnsucht nach Leben und der Liebe aus ihm heraus und er gibt seine Fassade einen Moment auf. Es ist dabei nicht verwunderlich, dass er dafür seinen eleganten Anzug achtlos in den Sand wirft und erst dann er selbst wird, erst dann tatsächlich sichtbar wird. Fazit: Die Neuübersetzung dieser zeitlosen und eleganten Geschichte war dringend notwendig, denn dieses Buch sollte auf keinen Fall in Vergessenheit geraten. Isherwood gelingt es den Kern von Sehnsucht und Verlust schnörkellos und zugleich bewegend einzufangen.

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  • Feindseliger Attributionsstil

    A Single Man

    jamal_tuschick

    14. October 2014 um 05:55

    „Der Einzelgänger“ von Christopher Isherwood - Ein perfekter Roman wandert von Verlag zu Verlag Früher Ruhm verträgt sich schlecht mit langem Leben. Die Leuchtspur des jungen Isherwood oszillierte zwischen Wilde und Byron. Der Engländer führte eine nomadische Existenz, bis er sich in den späten 1930er Jahren in Kalifornien niederließ. Den „Einzelgänger“ veröffentlichte er 1964. Tom Ford liefert der jüngsten deutschen Ausgabe das Vorwort. Ford erklärt, warum er ausgerechnet aus „A Single Man“ seinen ersten Film machen wollte, dramatisch rekapituliert er die erste Begegnung: „Ich war gelähmt vor Ehrfurcht“. Am vorläufigen Ende einer längeren Editionsgeschichte erscheint der Roman bei Hoffmann und Campe. Er schildert einen Tag im Jahr 1962. Einen Tag im Leben von George, 58, Brite in Kalifornien/ Invertierter Witwer, wenn auch Witwer nicht nach dem Gesetz und vor den Nachbarn/ Professor am San Tomas State College. Die Kubakrise ist soeben unter Dach und Fach gebracht worden, George lebt in einer Gegend, die er als „Brutplatz“ einer ins bürgerliche Lager gewechselten Bohème beschreibt. Die Nachbarn ersetzten den Gin ihrer lyrischen Phase mit Cola, „dann kam der Nachwuchs, Wurf und Wurf und Wurf“. Isherwood (1904 – 1986) hätte solche Beobachtungen gern in Berlin gemacht, das ist verbürgert. Für den hauptstädtischen Paradebrutplatz (plus abgeräumter Bohème) starb er zu früh. Sein Held beobachtet mit einer Tendenz zur Herabsetzung. George hat etwas vom nölenden Zuschauer. Er lädt sich auf mit einer Mischung aus Gleichgültigkeit und Designerblick. Seine sexuellen Präferenzen isolieren ihn, er wehrt sich gegen die allgemeine Ablehnung seiner Person mit der Ablehnung anderer. George pflegt einen feindseligen Attributionsstil, etwa in der Charakterisierung einer Frau Strunk: „Sie ist geübt in moderner Toleranz, dieser Vernichtungstechnik durch Nachsicht.“ George ist zur falschen Zeit am richtigen Ort (der Schwulenbewegung). Seine Ausschweifungen erinnern an Leopold Blooms Notdurft mit irgendeinem Mangel verbindende Gedankenschleifen - wenn George das Läuten des Telefons vom Klo zieht und er „nur unzureichend abgewischt … mit der Hose um die Knöchel“ das für die Strecke zwischen Korridor und Klo zu kurze Kabel als ein Versagen der Telefongesellschaft bedenkt. George memoriert eine Liebesgeschichte, mit dem im Auto tödlich verunglückten Jim in der anderen Hauptrolle. Gleichzeitig genießt er „Wunder und Segnungen des Freeway-Systems“. George entspannt sich am Steuer, als Fahrzeugführer schwimmt er sich im Hauptstrom. An seinem Arbeitsplatz fühlt sich George „mysteriös und vor allem ausländisch“. Er registriert „aggressiv-virile Lässigkeit“ auf der anderen Seite des Geschehens. Er genießt seine professorale Dominanz auf einer Kriechspur des beobachteten Selbst. Auf dem Campus furzt er ausdauernd in die Leere eines unterbelichteten Tages. Amerika baut Bunker, die Angst vor dem atomaren Armageddon steckt in den Knochen der Nation. George identifiziert die amerikanischen Prinzessinnen aus dem Geldadel der Ostküste als mindere Schwestern. Er analysiert extrem treffend die institutionalisierte Aggressivität der Minderheiten und wird im Gegenzug um Meskalin angehauen. The Beat goes on, Hipster unter sich, Meskalin ist gerade erst illegalisiert worden. George besucht eine dem Tod geweihte Rivalin, die bei Jims Unfall nur kurz mit dem Leben noch davongekommene Doris. Jims postumer Ausflug in die Heterosexualität traktiert ihn mit Ekel. „Ich bin die Frau. Ich bin die Schlampe namens Natur“, das war Doris für George, bevor sie unter die Räder kam. George gefällt sich als „Rommel in Zivil“, Isherwood campiert auf einem Gipfel zwischen den Höhenzügen Idiosynkrasie und Devianz. Das macht dem Autor keiner so gekonnt nach: die gradlinige Betrachtung eines Bekämpften und sich selbst Bekämpfenden, der Heterosexualität für eine Präferenzstörung hält. In der Schule der Außenseiter steht „peripheres Sehen“ auf dem Stundenplan. Der Außenseiter darf niemanden direkt ansehen, will er nicht eine Bestätigung seiner Inferiorität ernten. Sein Blick gleitet wie ein Segelflugzeug durch den Anschein von Indifferenz. George beobachtet das bei Strichern. Sie begegnen ihm auf dem Weg in die Turnhalle. Den Hals als Gegenstand einer Verbesserung hat George längst aufgegeben wie eine unhaltbare Stellung. Das beschreibt den Truthahn-Faltenwurf zwischen einem Knockoutpunkt am Kinn und dem Plateau der Schultern.   Christopher Isherwood, „A Single Man“, Roman, Hoffmann und Campe, 158 Seiten, 18 Euro

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