Lauter gute Absichten

von Christopher Isherwood 
3,0 Sterne bei4 Bewertungen
Lauter gute Absichten
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Marina_Nordbrezes avatar

Kurzweilige Geschichte um einen angry young man, der sich gegen die Familie auflehnt - und an den eigenen Ansprüchen scheitert.

J

Erhellend.

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Inhaltsangabe zu "Lauter gute Absichten"

Zum allerersten Mal auf Deutsch - Christopher Isherwoods Debütroman.
Philipp Lindsay steht sich selbst im Weg. Der junge Mann aus gutem Londoner Hause fühlt sich zu Höherem berufen und scheitert doch ständig an seinen eigenen Ansprüchen und den Erwartungen seiner Familie. Unabhängigkeit sucht er erst als Künstler und dann als Geschäftsmann. Nach Afrika will er reisen und kommt doch nicht weiter als bis in die Arbeiterviertel Londons, wo er schließlich einen Zusammenbruch erleidet.
In seinem ersten, stark autobiographisch geprägten Roman zeichnet Christopher Isherwood das Porträt einer Jugend zwischen den Weltkriegen. Den Werten der Väter, die sich noch ganz dem alten Empire verpflichtet fühlen, weiß diese Generation nichts abzugewinnen, neue Werte aber sind noch nicht gefunden. Auf ergreifende Weise erzählt "Lauter gute Absichten" vom Niedergang der englischen Middle Class und den verzweifelten Versuchen eines jungen Mannes, den sozialen Konventionen einer untergehenden Welt zu entkommen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783455405835
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:208 Seiten
Verlag:Hoffmann und Campe
Erscheinungsdatum:05.10.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Bookster_HROs avatar
    Bookster_HROvor einem Jahr
    Christopher Isherwood | LAUTER GUTE ABSICHTEN

    INHALT: Philip Lindsay weiß nicht so recht, was er mit sich anfangen soll. Er stammt aus guten Verhältnissen und ist finanziell unabhängig – eigentlich sollten ihm alle Türen offen stehen. Doch nichts, was er anpackt, kommt zur Blüte, ständig werden ihm Steine in den Weg gelegt oder er verliert die Motivation, eine Sache bis zum Schluss durchzuziehen. Da ist zum einen sein konservatives Elternhaus, das für seine Ambitionen zum Malen und Dichten nur Spott und Hohn übrig hat. Zum anderen fehlt es ihm an Antrieb, er stochert im Trüben was seine Zukunft angeht und verliert so kostbare Zeit. Seine versnobten Freunde sind ihm dabei auch keine Hilfe. Als er beschließt, der Enge seines Upper-Class-Umfeldes durch eine Reise nach Afrika zu entfliehen kommt es zum Zusammenbruch.

    FORM: Christopher Isherwood (1904-1986) schrieb diesen Erstlingsroman im zarten Alter von einundzwanzig Jahren, was man dem Buch deutlich anmerkt. Der Text ist vielseitig und experimentierfreudig, wirkt aber im Endeffekt überambitioniert. Die Figuren haben zwar Tiefe, die Handlung und die Dialoge aber sind zu wirr und schwer nachzuvollziehen – hier ist mehr gewollt als gekonnt. Zur späteren Größe seiner Hauptwerke LEB WOHL, BERLIN oder A SINGLE MAN fehlen noch einige Meter. Dennoch blitzt hier und da schon der melancholische Witz und der kühle Blick des späteren Isherwood auf, gewillte Leser können also durchaus fündig werden. Ansonsten würde ich sagen, dieses Debüt ist eher etwas für Komplettisten, die keine Lücken im Gesamtwerk dulden … was ich gut verstehen kann.

    FAZIT: Mit Rücksichtnahme auf den etwas geringeren Stellenwert dieses Romans in Isherwoods Werk vergebe ich ruhigen Gewissens drei Sterne. Ein großes Lob will ich dem Verlag Hoffmann & Campe aussprechen, der die Romane nach und nach wieder- oder – wie in diesem Fall – erstververöffentlicht, alle als Hardcover in schönem Design – echte Hingucker im Regal. Ich freue mich auf weitere Ausgaben.

    *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich auf Euren Besuch ***

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    Marina_Nordbrezes avatar
    Marina_Nordbrezevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Kurzweilige Geschichte um einen angry young man, der sich gegen die Familie auflehnt - und an den eigenen Ansprüchen scheitert.
    Der zerrissene angry young man.

    Mit den wunderschönen Bänden von Christopher Isherwood macht mit Hoffmann und Campe seit Jahren froh (hier beispielsweise "Praterveilchen"). Nun ist mit "Lauter gute Absichten" der Debütroman des Autors erschienen und durfte selbstverständlich nicht in meiner Isherwood-Sammlung fehlen.

    Um was geht es?

    Unser Held Philipp Lindsay ist gar kein Held. Er ist ein angry young man, lebt auf kosten seiner Familie, versucht sich als Künster, als Landschaftsmaler und Dichter und endet doch an einem Büro-Schreibtisch. Genervt, entnervt will er aus diesem Korsett ausbrechen – Afrika ruft! Das große Glück ist nur eine Schifffahrt entfernt, endlich flügge werden, endlich der Familie entkommen! Doch Philipp fehlt der Mut und so endet die Geschichte dort, wo sie begonnen hat.

    Anfangs war ich sehr irritiert von "Lauter gute Absichten", weil der Leser direkt in einen Streit zwischen Philipp und seinem Freund Allen geworfen wird. Um was es geht, wo sie überhaupt sind – unwichtig. Was man aber direkt mitbekommt: Zwischen den beiden jungen Männern besteht eine Spannung, die nichts mit dem derzeitigen Streit zu tun hat. Und weil der Autor Christopher Isherwood heißt und weil der Verlag schreibt, dass dieser Roman stark autobiografisch ist, stellt sich direkt die Frage, ob Philipp und Allen möglicherweise schwul sind. Darauf gibt der Roman aber keine Antwort, jedenfalls hab ich keine heraus gelesen. Es ist auch nicht wichtig. Viel interessanter ist das Spannungsverhältnis zwischen Philipp und seiner Familie, die ihn drängt, einem normalen Bürojob nachzugehen anstatt sich in der brotlosen Kunst zu verlieren.

    Ganz besonders Joan, die Schwester von Philipp, ist eine faszinierende Persönlichkeit, die zwischen Loyalität zu ihrem Bruder und Loyalität zu ihrer Mutter schwankt. Zudem hat sie einen Vielleicht-Vielleicht-nicht-Verlobten an der Backe, der ihre Aufmerksamkeit fordert.

    Zerrissenheit – ein Thema, welches sich in wohl allen Werken von Christopher Isherwood findet. Wie findet man seinen Platz in der Gesellschaft, wenn die Gesellschaft doch will, dass man ganz anders ist als man eigentlich sein möchte?

    Mit dem angry young man Philipp ist Isherwood eine weitere interessante Charakterstudie zu dieser Frage gelungen, die mit keinem happy end endet. Aufgrund des sehr holprigen Einstiegs würde ich "Lauter gute Absichten" prinzipiell Isherwood-Fans empfehlen. Neulinge sollten lieber zu "A Single Man" greifen, weil dieses sehr viel runder und gefälliger gestaltet ist. 

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    J
    jamal_tuschickvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Erhellend.
    Zu viel Joyce

    „Lauter gute Absichten“ erschien erstmals 1928. Der vierundzwanzigjährige Autor ist noch vollkommen eingenommen von den Stilfiguren und zugeschnitten nach den Schnittbögen seiner Klasse. Der Sturm gegen die Abrichtung findet im Wasserglas der normativen Kraft des Faktischen statt. Es geht um „Warmwasserverschwendung“, gebadet wird aus Langeweile, leider ist kein Buch zur Hand - um Stachelbeermarmelade und einen Roman, der noch geschrieben werden muss. Ein andauerndes, vom Müßiggang bestimmtes Gespräch treibt die Handlung an. Ein Flieder der Empfindungen flankiert sie. Ständig sitzt man beim Tee und ist „lammfromm“ oder „leicht entmutigt“. Oder man verfällt in „überspanntes Gelächter“.
    Zweifellos wollte Isherwood die Heuchelei seiner Eltern und Lehrer geißeln und die eigene Indolenz nicht verschweigen.
    Der Erzähler geht biografisch im Autor auf. Er variiert den Künstler als jungen Mann. Philip Lindsay absolviert Stationen des britischen Ennuis maskiert und statuarisch. Kein Raum steht einer Blöße zur Verfügung. Der Zwang zur Verstellung führt zur seelischen Erschöpfung. Darüber verbreitet sich Philip so manierlich wie manisch. 1928 begann sein Schöpfer ein Medizin-Studium am Londoner King’s College, das er im Roman vorwegnimmt. In einer Szene grüßt der schneidige Medizinstudent Buck Mulligan (als Philip Lindsay) aus „Ulysses“. Jede Leiche, die zum Sezieren auf den Tisch kommt, „ähnelt … Dante Alighieri“. Das ist schon sehr ausgesucht und zweifellos abgegriffen aus dem Köcher des obsoleten Expressionismus. Benns Schwelgen im Ekel à la Morgue gehört dazu.
    Man erkennt die Zeitgenossenschaft und ihre Bindungen. Isherwood experimentiert mit den Möglichkeiten der Verknappung und der Redundanz. Der Debütant wechselt gelegentlich die Erzählperspektive und schwankt von der dritten zur ersten Person.
    Nach einer Meditation über die Londoner Langeweile, die das Sujet auf allen Ebenen erreicht, verspricht eine koloniale Beschäftigung in Kenia Abwechslung. Ein schnarrender Plantagenjunker rechnet fest mit Philips Einsatz. Das afrikanische Abenteuer fällt aber ins Wasser.
    Isherwood riet dazu, „Lauter gute Absichten“ als „verspäteten viktorianischen Roman“ zu lesen, denn er erinnert an eine Zeit, als Eltern noch mächtige Gegner waren“.
    „Wer Glück hatte, starb im Kampf.“
    Die Besiegten verkümmerten und die Verkümmerten garantierten das System in der nächsten Generation.
    Isherwood sang in den Zwanziger seine Version von „My Generation“*. Später entschuldigte er sich für den Salonsound der ersten Platte und dem zu viel an Joyce im Text. Bei den besten abzuschreiben, ist ein Geniezeichen.
    *„Lauter gute Absichten“ - Christopher Isherwoods erster Roman liegt nun erstmals auf Deutsch vor. Er archiviert die Gepflogenheiten einer Klasse, die ihr Verschwinden vermutlich überlebt hat.

    *People try to put us d-down
    (Talkin' 'bout my generation)
    Just because we get around
    (Talkin' 'bout my generation)
    Things they do look awful c-c-cold
    (Talkin' 'bout my generation)
    I hope I die before I get old


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    ThrillerKoenigs avatar
    ThrillerKoenigvor einem Jahr

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