Der Anwalt des Königs

von Christopher J. Sansom 
4,2 Sterne bei85 Bewertungen
Der Anwalt des Königs
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Akanthas avatar

Am Anfang etwas schleppend, doch nach kurzer Zeit nicht mehr aus der Hand zu legen! Ich brauch mehr als 5 Sterne zur Bewertung!

CJCats avatar

Ich habs durch! :-) Also letztendlich hat es mir sehr gut gefallen.Das Verschwörungsthema gegen den König fand ich sehr interessant. Und Mat...

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Inhaltsangabe zu "Der Anwalt des Königs"

Die Rache der Tudors

York, Herbst 1541: Über eine Meile lang ist der königliche Tross, der sich von London aus auf den Weg nach York macht. Heinrich VIII will dem rebellischen Norden Stärke demonstrieren. Mit im Gefolge ist nicht nur seine fünfte Ehefrau Catherine Howard, sondern mehr als dreitausend Menschen, über tausend Soldaten und sämtliche Adligen des Landes.

Auch Rechtsanwalt Matthew Shardlake ist auf einer Mission in York. Er soll nicht nur die Petitionen an den König auswählen, sondern auch einen Gefangenen sicher nach London bringen, damit sich die Folterknechte des Königs eingehend mit ihm beschäftigen können. Doch noch bevor er York verlassen kann, entdeckt er brisante geheime Aufzeichnungen und entgeht nur knapp einem Mordanschlag. Wer trachtet ihm nach dem Leben?

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596175673
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:656 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:01.07.2009

Rezensionen und Bewertungen

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    hankhausers avatar
    hankhauservor 2 Jahren
    Die eigenen Überzeugungen landen auf der Streckbank...

    Diesmal verschlägt es den buckligen Anwalt Matthew Shardlake und seinen Gehilfen Barak in den Norden des Landes, nach York. Dort warten sie auf den Tross des Königs, der sich nach religiösen Unruhen und einem niedergeschlagenen Aufstand mit den Menschen im Norden wieder aussöhnen will. Noch immer glimmen die alten Brandherde und eine kleine Gruppe von Verschwörern hat es sich zur Aufgabe gemacht, den König zu stürzen, in dem sie seinen Anspruch auf den Titel die Grundlage entziehen und für nichtig erklären wollen. Wieder einmal erweist sich C.J. Sansom als genialer Strippenzieher, der gekonnt Geschichte mit Fiktion verwebt, der geschickt falsche Fährten legt und den Leser lange im Dunkeln tappen lässt. Das ist wie immer sehr spannend und auch grausam, zum Beispiel wenn der Leser und die Protagonisten Bekanntschaft mit dem verrufenen Tower in London machen und letztere um ihre Haut und ihr Leben bangen müssen. Wieder einmal versucht Shardlake seinen Wertvorstellungen treu zu bleiben, auch wenn diese in einer Gewaltspirale gefährlich ins Schwanken geraten und auch der Leser fragt sich, ob man sich im Angesicht von Heimtücke und Mord, von Folter und dem Feuertod wohl von Moral und Gewissen verabschieden würde. Und weil mich die Handlung und die Schicksale über das Lesen hinaus beschäftigt haben, war es keine Frage für mich, wieder die vollen fünf Sterne zu vergeben!

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    PMelittaMs avatar
    PMelittaMvor 2 Jahren
    Spannender historischer (Kriminal)Roman mit einem gelungenen Protagonisten

    1541: Im Norden des Landes ist man immer noch unzufrieden mit Heinrich VIII, nicht nur, aber auch wegen seiner Religionspolitik. Der König macht sich daher mit einem riesigen Tross auf die Reise, um sich bei seinen nördlichen Untertanen persönlich blicken zu lassen und deren Unterwerfungsbekundungen entgegen zu nehmen.

    Auch Matthew Shardlake ist mit einbezogen, er soll in York, zusammen mit einem örtlichen Anwalt, die Petitionen sichten und sortieren. Erzbischof Cranmer erteilt ihm einen zusätzlichen Auftrag, er soll dafür sorgen, dass ein wichtiger Gefangener sicher im Londoner Tower ankommt. Vor Ort gerät Shardlake in einen Todesfall. Da immer mehr offenbar wird, dass der Tod fremdverschuldet sein könnte, das aber am Vorabend der Ankunft des Königs gar nicht gut ausschaut, soll möglichst unauffällig ermittelt werden. Auch Shardlake wird in die Ermittlungen miteinbezogen und steckt bald ziemlich in der Klemme.

    Matthew Shardlakes dritter Fall ist mein erster, das macht aber gar nichts, denn auch ohne Vorkenntnisse kann man der Geschichte gut folgen, wobei es aber sicher von Vorteil ist, wenn man wenigstens ein paar geschichtliche Hintergrundkenntnisse hat.

    Der Protagonist war mir vom Fleck weg sehr sympathisch, er ist einer der Buchcharaktere, die ich gerne einmal persönlich kennen lernen würde. Der Autor lässt ihn selbst in Ich-Form erzählen, so dass man nicht nur der Handlung folgt, sondern auch Shardlakes Gedankengänge und Gefühle hautnah miterlebt. Er ist ein schlauer Kopf mit einiger Empathie für seine Mitmenschen, was nicht immer gut für ihn ist. Sein körperlicher Makel, er hat einen Buckel, wird zwar erwähnt, bestimmt aber nicht sein Leben, auch wenn er immer wieder einmal deswegen gedemütigt wird. Freundschaft und Loyalität sind ihm wichtig, ebenso Gerechtigkeit, dafür setzt er sich ein, auch wenn davon jemand profitieren sollte, der ihm nicht so gut gesonnen ist.

    Heinrichs Reise in den Norden nimmt eine wichtige Rolle im Roman ein, ist nicht nur Auslöser der Ereignisse, sondern ist auch nicht unwesentlich in das Geschehen integriert. Durch die bildhafte Beschreibung des Autors, nicht nur der (historischen) Charaktere, sondern auch der (historischen) Ereignisse, wird das Geschehen vor dem inneren Auge des Lesers regelrecht lebendig, man meint nicht nur zuschauen zu können, sondern auch Geräusche und Gerüche wahrzunehmen – man fühlt sich regelrecht mittendrin. Auch sprachlich gefällt mir der Roman sehr gut, die Sprache wirkt der Zeit und den Menschen angepasst. Sehr gut kommt heraus, welch ein logistischer Aufwand die Reise gewesen sein muss. Ein großer Teil der Handlung spielt in York, aber auch die Rückreise nach London und weitere Ereignisse dort werden berichtet.

    Der König kommt bei C. J. Sansom nicht gut weg, es sind schon seine späteren Jahre, er leidet an seiner Beinverletzung, die nicht heilen will, kann kaum noch laufen, ist mehr als griesgrämig und handelt immer willkürlicher. Auch die aktuelle Königin, Catherine Howard, ist handelnder Charakter, ihr Stern ist bereits am Untergehen.

    Dem Autor ist ein spannender und interessanter Roman gelungen, mit Charakteren wie aus dem wahren Leben, allesamt lebendig gezeichnet. Der gewählte historische Abschnitt harmoniert gut mit der Romanhandlung und macht Lust, sich weiter mit den geschichtlichen Hintergründen zu beschäftigen. Der Kriminalfall fügt sich ebenfalls gut in die Handlung ein, die Auflösung ist logisch, und hat mehr als eine Überraschung zu bieten, vor allem eine Szene hat mich regelrecht umgehauen. In den geschichtlichen Anmerkungen des Autors im Anhang erfährt man noch ein bisschen mehr über den historischen Hintergrund.

    Ich fühlt mich mehr als nur unterhalten, fühlt mich, als sei ich mit dabei gewesen und habe eine große Zuneigung zum Protagonisten entwickelt. Ich freue mich auf weitere Romane mit ihm und vergebe sehr gerne volle Punktzahl. Wer historische (Kriminal)Romane mag, sollte bei dieser Buchreihe zugreifen.

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    FabAustens avatar
    FabAustenvor 3 Jahren
    Der Anwalt des Königs

    Der Rechtsanwalt Matthew Shardlake und sein Helfer Jack Barak müssen nach York reisen, wo der königliche Tross Heinrichs VIII. auf seiner Reise durch den Norden Station macht. Dort soll Master Shardlake sich um die Petitionen kümmern, die die Bevölkerung an ihren König richten darf. Außerdem soll er sich für den Gefangenen Broderick Sorge tragen, der als Aufrührer in den Tower nach London gebracht werden soll. Doch kaum in York angekommen, wird der Glaser Oldroyed Opfer eines Unfalls. Oder wünschte jemand ihm den Tod? Abermals sieht sich Shardlake in ein Netz aus Mord und Intrigen hineingezogen, das die höchsten Kreise betrifft.

    Im dritten Band der historischen Krimireihe um den Rechtsgelehrten Shardlake vermischt C.J. Sansom abermals kunstvoll reale und literarische Ereignisse und Personen. Man merkt seinen Werken sehr deutlich einerseits die intensive Recherchearbeit an als auch seine Liebe zum authentischen Detail. Dadurch wird der Leser wirklich auf eine Zeitreise geschickt, wenn er sich auf die ruhige und detailreiche Erzählweise einlassen kann. Hier liegt die absolute Stärke der Reihe, die dadurch ebenfalls sehr lehrreich ist. 

    Die Kriminalfälle geben den Anlass, die damalige politische Welt, die gesellschaftlichen Gegebenheiten und den Alltag kennenzulernen. Wer allerdings Wert auf einen starken Spannungsbogen mit viel Action legt, wird enttäuscht sein. Als wenig versierter Krimileser ist der Fall nicht schnell zu durchschauen. Wer den Roman als reinen Krimi liest und dem es nur um die Lösung des Falles geht, wird sicher manche Länge kritisieren. Liest man ihn eher als geschichtliche Zeitreise, stören die Abzweigungen und Umwege, die der Autor beschreitet, weniger. Shardlake und Barak sind zwei sympathische Charaktere, die zwar manchmal unterschiedlicher Meinung sind, aber dennoch ein eingespieltes Team bilden. Der Anwalt ist umsichtig und verantwortungsbewusst, sein Gehilfe unterstützt ihn tat- und schlagkräftig. Alle Figuren, das heißt auch die weniger wichtigen Personen, werden von Sansom sehr lebensnah gezeichnet. Der Leser lernt ihre positiven und negativen Eigenschaften sowie ihre Beweggründe kennen. 

    Die Sprache ist der Zeit und dem Stand der Figur angepasst, bleibt aber leichtverständlich. Die Übersetzerin Irmgard Gabler ist ihrer Aufgabe wieder einmal mehr als gerecht geworden.

    Alles in allem bietet Der Anwalt des Königs erneut einen faszinierenden Blick auf die englische Geschichte. Der Leser wird geradewegs in die Zeit Heinrichs VIII. Hinein katapultiert und erlebt an der Seite eines sympathischen Gespanns wohldurchdachte Abenteuer.

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    Schokolatinas avatar
    Schokolatinavor 4 Jahren
    Mord und Folter im Tower und anderswo

    Die Zeiten von Heinrich dem VII waren gemächlichere Zeiten. Für den aberwitzigen Zug des königlichen Trosses von London nach York, um die Stadt auf sich einzuschwören, bedarf es vieler Hundert Hände und sehr großes organisatorisches Geschick. Und in dem ganzen Gewimmel, zwischen all diesen unzähligen Leuten wuselt auch noch der Anwalt des Königs herum. Eigentlich damit beschäftigt, die Bittgesuche der Stadtbevölkerung in geschliffenere Worte zu fassen, ist er auch noch damit betaut worden, dafür zur sorgen, dass ein Gefangener die Folterkeller im Londoner Tower tatsächlich auch noch lebend erreicht. 
    In all dieser Hektik und Vorbereitung fällt ein Glaser von der Leiter, wird ein Geheimversteck gefunden, Leute niedergeschlagen, ein Mordanschlag mit einem Bratenspieß verübt und überall ist der Anwalt des Königs dabei, Beobachter, Zeuge oder Opfer. und die Zahl der Verdächtigen wird größer und größer. 
    Und dennoch plätschert die Geschichte so gar nicht rasant dahin, wird dort ein Besuch gemacht, dort im ehemaligen Klosterspeisesaal gegessen, einer blonden Maid der Hof gemacht und auf die Jagd geritten. nur langsam und zögerlich stellt sich bis zum Ende des Buches endlich das eigentliche Problem da. Kuckuckskinder, gehörnte Ehemänner, Bankerte und Ehebruch geben sich ein lustiges Stelldichein. Und bringen den Anwalt des Königs in Bedrängnis bis hin zu  den Folterkellern im Tower und einem überraschenden Ende, wer denn in dem ganze Ränkespiel nun wirklich die Fäden im Hintergrund zieht. 

    der Spannungsbogen ist nicht hoch und steil, eher gemütlich und gelassen, und dennoch zieht einen die Beschreibung des Lebens zur Zeit von Heinrich VIII. in den Bann. 
    gut geschrieben, flüssig zu lesen, ein schönes buntes Bild der Zeit und der Gefahren. 

    nettes Buch, auch wenn es einen nicht gerade vor atemloser Spannung vergehen lässt ;-) 

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    Aleshaneevor 6 Jahren
    Rezension zu "Der Anwalt des Königs" von Christopher J. Sansom

    Der dritte Band um den buckligen Anwalt Matthew Shardlake und seinem Gehilfen Jack Barak
    Einfach genial!

    Zur Handlung:

    England, 1546
    Mit dem Auftrag, sich um die niederen Petitionen des einfachen Volkes zu kümmern, wird Shardlake in den Norden nach York geschickt. Dort soll er sich auch um die Gesundheit eines Verschwörers kümmern, der im Gefängnis auf seine Überführung in den Tower nach London wartet. Zur gleichen Zeit ist der Tross des Königs, Heinrich VIII., unterwegs nach York, um die dortigen Stadtväter ihm ihre Königstreue schwören zu lassen, da es dort vor einigen Jahren Aufstände gab.

    Natürlich fällt dem eigensinnigen Shardlake wortwörtlich ein Mord vor die Füße: in Gestalt des Glasers Oldroyd, der im Augenblick des Todes mit seinen letzten Worten den guten Shardlake in die Intrigen der Verschwörer gegen den König involviert. Natürlich lässt sich der Anwalt durch seine Neugier immer tiefer in die Machenschaften der Aufrührer ziehen und dass sich derweil sein Gehilfe Barak scheints zum ersten Mal verliebt – ausgerechnet in eine Magd der Königin – macht die ganze Angelegenheit nicht einfacher.
    Nicht nur Richard Rich ist dieses Mal ein nicht zu unterschätzender Gegenspieler, denn nicht nur einmal muss Shardlake einem Anschlag auf sein Leben entgehen. Trotzdem lässt ihn seine Wissbegier keine Ruhe, als dass er schließlich auf die Spur der Unruhestifter kommt.

    Meine Meinung:

    Nachdem C. J. Sansom im 2. Teil etwas nachgelassen hatte, holt er hier wieder richtig auf. Die dichte Atmosphäre, die gut recherchierten Eindrücke des alten London, York und die Umständen des damaligen Lebens ziehen einen total in den Bann – ebenso, wie die Verwicklungen, in die sich Shardlake und sein Gehilfe verstricken.
    Die Handlung ist gut konstruiert aufgebaut, man kommt schnell rein (schöner ist es natürlich, wenn man die beiden ersten Teile kennt) und ist mitten im pulsierenden Leben auf Englands Straßen. Die Charaktere sind allesamt gut durchdacht, haben Persönlichkeit und sind bis zu einem reizvollen Grad undurchschaubar.

    Es ist natürlich kein spannungsgeladenes Actionabenteuer, gerade deshalb passt es so gut in die damalige Zeit. Die Ermittlungen sind mühselig und die Knüppel, welche die höher gestellten Adligen Shardlake zwischen die Beine werfen, sind nicht einfach zu umgehen. Trotzdem schafft er es in seiner hartnäckigen Neugier, Licht in die seltsamen Vorgänge zu bringen: den todbringenden „Sturz“ des Glasers Oldroyd, die daraufhin gefundene, geheimnisvolle Schatulle, den Gefangenen im Tower, der unter Shardlakes Obhut steht, den Angriffen auf ihn selbst und natürlich die Verschwörungstheorie der Rebellen.

    Genial, wie Sansom hier durch die vielseitigen Wirren zur Aufklärung führt, in dieser düsteren und dennoch lebhaften Epoche. Die vielschichtig gestreuten Hinweise regen zum Nachdenken an und die gespannte Erwartung wird am Schluss geschickt aufgelöst.
    Insgesamt ein sehr gelungenes Werk, ich bin echt begeistert!

    © Aleshanee
    blog4aleshanee.blogspot.de

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    Stirbelwurms avatar
    Stirbelwurmvor 6 Jahren
    Rezension zu "Der Anwalt des Königs" von Christopher J. Sansom

    Ein glänzend erzählter historischer Kriminalroman aus der Ära von Heinrich VIII., der die Gerüche und Geräusche dieser Zeit wieder aufleben lässt...

    Als der alte Glaser Oldroyd vor den Augen von Matthew Shardlake, Anwalt von König Heinrich VIII., von einem Kirchengerüst in die Tiefe stürzt, ahnt Shardlake noch nicht, wie brisant die Botschaft ist, die der alte Mann ihm noch mit seinen letzten Atemzügen übermitteln kann. War der Sturz etwa kein Unfall? Welches Geheimnis bewahrte er? Hängt es mit dem geheimnisvollen Kästchen und den Dokumenten zusammen, die Shaldrake und sein Gehilfe Barak in Oldroyds Wohnung finden? Seine Recherchen bringen den Anwalt des Königs in höchste Lebensgefahr...

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    Stefan83s avatar
    Stefan83vor 7 Jahren
    Die Saat des Zweifels

    Mit "Der Anwalt des Königs", dem dritten Band aus der Reihe um Matthew Shardlake, ist Christopher J. Sansom wieder ein authentischer Historienkrimi gelungen, der den Beweis antritt, dass genaue geschichtliche Recherchen dem Aufbau eines spannenden historischen Romans nicht im Wege stehen müssen. Im Gegenteil: Es ist gerade Sansoms Blick für das kleine Detail, welcher hier überzeugt und den Leser einmal mehr geistig in das England des 16. Jahrhunderts katapultiert. In einer Zeit in der "Wanderhuren", "Seidenweberinnen" und "Lebküchnerinnen" das Genre beherrschen, besinnt sich der Autor auf die Ursprünge dieser Literaturgattung und damit auf die Wiedererweckung einer längst vergangenen Zeit. Dafür bedarf es keiner zurechtgezimmerten Liebesgeschichten oder Actioneinlagen. Vielmehr zieht die Handlung ihre Sogkraft aus den realen Geschehnissen der Geschichte, die Sansom als Fundament nutzt, um darauf seinen Plot aufzubauen. Dieser sei hier schnell angerissen:

    England im Jahres des Herrn 1541. Matthew Shardlake hat sich nach dem Sturz und der Hinrichtung seines Dienstherrn Thomas Cromwell vor einem Jahr weitestgehend aus dem politischen Geschehen zurückgezogen. Gemeinsam mit seinem neuen Gehilfen Jack Barak bearbeitet er die Fälle seiner Kanzlei, versucht er beharrlich alles dafür zu tun, dem Recht zum Sieg zu verhelfen, ohne dabei abermals ins Visier der Mächtigen zu geraten. Ein Versuch der schnell scheitert, denn als sein eigener Vater urplötzlich stirbt und zu Grabe getragen werden muss, erreicht ihn eine Nachricht von Erzbischof Cranmer. Shardlake, der sich einen weiteren Feind am Hofe nicht leisten kann und zudem dringend Geld benötigt, folgt dessen Ruf und nimmt widerwillig einen neuen Auftrag an:

    Heinrich VIII., König von England, plant seit längerem eine Reise in den Norden seines Reiches, um diesen nach der Niederschlagung des "Pilgrimage of Grace" wieder für sich einzunehmen. Es will der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen, weshalb in jeder Stadt Klagen gegen die örtlichen Behörden vorgebracht werden dürfen. Shardlake soll nun als einer der Anwälte des Königs im Tross mitreiten und in York eine Vorauswahl der zu verhandelnden Fälle treffen. Gleichzeitig ist es seine Pflicht den Aufständischen Sir Edward Broderick von dort sicher nach London zu überführen, wo ihm unter der Folter alle Geheimnisse entlockt werden sollen. Eine auf den ersten Blick einfache Aufgabe, die sich erheblich kompliziert, als Shardlake Zeuge eines Mordes wird und sein Blick auf einen Stapel geheimnisvoller Dokumente fällt. Diese ziehen Heinrichs königliche Abstammung stark in Zweifel und scheinen der Gipfel einer Verschwörung zu sein, welche das Ziel hat, den Souverän vom Thron zu stürzen. Während die Grenzen zwischen Freund und Feind verschwimmen, gerät Shardlake aufgrund seines Wissens in höchste Lebensgefahr...

    Einmal mehr dient uns der bucklige, prinzipientreue Anwalt Shardlake als Fernrohr in eine lang zurückliegende Vergangenheit, in welcher Englands Thron von allen Seiten bedroht wurde. Der Norden war immer noch alles andere als königstreu und ein erneuter Aufstand stets zu befürchten. Sansom gelingt es hervorragend diese angespannte Stimmung auf Papier zu bringen und das Leben in dem gewaltigen Tross zu schildern, der über Wochen durchs Land zog und als "Great Progress" in die Geschichte einging. Das hat natürlich auch Nachteile: Die vielen Charaktere, potenziellen Verdächtigen und Nebendarsteller machen den Handlungsaufbau sehr komplex und nicht selten droht man in diesem Gewitter von Namen und Titeln den roten Faden zu verlieren. Sansom fordert hier ein hohes Maß an Aufmerksamkeit vom Leser, braucht diese Weitschweifigkeit aber auch um die gewollte Atmosphäre herüberzubringen. Und nach Teil eins und zwei hat man sich mittlerweile nicht nur daran gewöhnt. Auch die Hauptfiguren, um die im Buch gleich an mehreren Stellen gebangt werden muss, sind nun ans Herz gewachsen.

    Das die als zentrales Motiv gewählte Blaybourne-Geschichte tatsächlich auf Fakten beruht, sorgt zudem für eine gewisse Faszination, kann jedoch nicht kompensieren, dass Sansom bei der Verschleierung des eigentlichen Täters diesmal kein gutes Händchen hat. Selbst Gelegenheitsleser sollten die Identität ziemlich früh entschlüsselt haben, was der einzige, aber große Kritikpunkt ist, dem Lesevergnügen aber im Ganzen keinen Abbruch tut.

    Insgesamt ist "Der Anwalt der Königs" der bisher beste Band der laufenden Reihe, welche mit "Pforte der Verdammnis" begann und im Mai 2010 mit "Das Buch des Teufels" fortgesetzt wird. Eine Empfehlung für alle Geschichtsinteressierten Leseratten und ein Schmöker, den man trotz gewisser Längen nur ungern aus der Hand legt.

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    _xmgta_s avatar
    _xmgta_vor 7 Jahren
    Rezension zu "Der Anwalt des Königs" von Christopher J. Sansom

    Am Anfang war ich skeptisch, was diesen Kriminalroman angeht. Die Hauptperson war mir unsymphatisch und die Namen der eingeführten Personen verwirrten mich.
    Dadurch war der Beginn des Buches ziemlich mühsam zu lesen, doch wenn man sich mal in der Welt des Autors eingefunden hat und sich an die Sprache und Schreibweise gewöhnt hat, wird man immer mehr eingesogen in die faszinierende Geschichte im mittelalterlichen England.
    Der Todesfall und die Verschwörung ziehen den Leser in ihren Bann und man befindet sich mittendrin in den Geräuschen, Gerüchen und der Atmosphäre dieser Zeit.
    Insgesamt gesehen ein spannendes und gutes Buch.
    PS: Ich lege euch das Nachwort zu Herzen, wo man den historischen Kern des Romans kennenlernt und vor allem die Anmerkungen über die Thronfolge sind sehr interessant.

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    Nmayes avatar
    Nmayevor 8 Jahren
    Rezension zu "Der Anwalt des Königs" von Christopher J. Sansom

    Muhahahaa,
    Die Reihe um Matthew Shardlake sind meine absoluten Lieblingsbücher und innerhalb der Reihe ist -Der Anwalt des Königs- mein Favorit, obwohl auch die anderen der Reihe angehörigen Bücher allesamt Klasse sind. Sansom entführt den Leser sofort nach England ins 16. Jahrhundert.

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    DerVorlesers avatar
    DerVorleservor 8 Jahren
    Rezension zu "Der Anwalt des Königs" von Christopher J. Sansom

    Ich muss sagen, ich bin eigentlich kein großer krimi-leser!, aber Der Anwalt des Königs hat mich eines besseren belehrt!!. Wen man interesse für Geschichte und Spannung hat, ist man mit diesem Buch das zur Zeit Heinrichs des 8 im alten England spielt, sehr gut versorgt!!.

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