Christopher Lasch

 4 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Die blinde Elite, Das Zeitalter des Narzißmus und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Christopher Lasch

Das Zeitalter des Narzißmus

Das Zeitalter des Narzißmus

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Erschienen am 01.07.1989
Geborgenheit

Geborgenheit

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Erschienen am 01.12.1988
Plain Style

Plain Style

 (0)
Erschienen am 01.06.2002

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R_Mantheys avatar

Rezension zu "Die blinde Elite" von Christopher Lasch

"Demokratie braucht eine lebendige öffentliche Debatte"
R_Mantheyvor einem Jahr

Angeblich gehört dieses Buch aus dem Jahr 1995 zur Lieblingslektüre des Trump-Strategen Steve Bannon. Davon konnte sein Autor, ein von allen Seiten anerkannter amerikanischer Historiker, nichts ahnen, denn er verstarb noch vor Erscheinen seines letzten Werkes. In der amerikanischen Originalausgabe lautet sein Titel etwas anders, nämlich "The Revolt oft the Elites and the Betrayal of Democracy". Damit bezieht sich Lasch indirekt auf Ortega und dessen 1929 erschienenes Buch "Der Aufstand der Massen". Inzwischen, so Lasch, kann man einen Aufstand der Massen nicht mehr erwarten. Dafür würden nun die Eliten die Gesellschaft mehr oder weniger radikal verändern. Insbesondere sei die Demokratie in Gefahr.

Obwohl sich dieses Buch fast ausschließlich auf die US-Gesellschaft fokussiert und sehr oft die Geschichte des Landes und die verschiedensten US-Autoren reflektiert, bleibt es zumindest am Anfang prophetisch auch für Europa, wo sich zur Zeit seines Erscheinens die Lage noch nicht so deutlich und klar herauskristallisiert hatte, wie das in den USA bereits der Fall war. Nachdem Lasch die katastrophalen Probleme der US-Gesellschaft zu dieser Zeit aufgezählt hat (die sich erstaunlicherweise bis heute erhalten haben), schreibt er: "Niemand hat eine einleuchtende Lösung für diese hartnäckigen Probleme, und in politischen Debatten – oder vielmehr was heute als solche durchgeht – werden sie in aller Regel nicht einmal angesprochen. Über Randprobleme werden heftige ideologische Kämpfe ausgefochten. Die Eliten, die die Probleme definieren, haben den Kontakt mit der Bevölkerung verloren. Der irreale, artifizielle Charakter unserer Politik reflektiert die Isolation dieser Kaste vom gewöhnlichen Leben; damit geht offenbar eine geheime Überzeugung einher, daß die realen Probleme unlösbar seien."

Nach über 20 Jahren treffen diese Aussagen nicht nur immer noch auf die USA zu, sondern nun wohl auch auf Deutschland. Lasch schreibt weiter: "Jene, die sich um Mitgliedschaft in der neuen Geistesaristokratie bemühen, … pflegen Verbindungen mit dem internationalen Markt des schnellen Geldes, des Star-Ruhms, der Mode und der populären Kultur. Es ist die Frage, ob sie sich überhaupt als Amerikaner definieren.“ Diese Leute, so Lasch wissen, dass „ein mobiler Lebensstil der Preis für das Vorankommen ist". Und: "Die neuen Eliten befinden sich im Aufstand gegen … das konservative amerikanische Kleinbürgertum, wie sie es sich vorstellen: technologisch rückständig, politisch reaktionär, repressiv in seiner Sexualmoral, durchschnittlich in seinem Geschmack, blasiert und selbstzufrieden, schäbig und langweilig." Was Lasch als die neue Elite bezeichnet, rekrutiert sich vor allem ab der oberen Mittelschicht. Man würde untereinander heiraten, um so den eigenen finanziellen Status zu verbessern. Die zunehmende Isoliertheit der Eliten würde unter anderem bedeuten, dass politische Ideologien immer weniger Verbindung zu den Interessen der gewöhnlichen Leute hätten. Sie würden nicht in der Realität, sondern in einer Simulation derselben leben.

Diese ausgewählten Zitate unterstreichen eine gewisse Aktualität dieses Buches auch für die gegenwärtigen deutschen Verhältnisse. Dabei täuschen sie allerdings darüber hinweg, dass dieses Buch keineswegs leicht lesbar ist. Vor allem sollte man sich darüber im Klaren sein, dass der Text sich mit den Verhältnisse in den USA befasst und eine gewisse Kenntnis der Kulturgeschichte des Landes voraussetzt, die sich erheblich von der Europas unterscheidet.

Lasch geht es darum, dass die Demokratie, so wie er sie versteht, in Gefahr ist. Dabei stellt er die Abgehobenheit der modernen US-Eliten in einen starken Kontrast zu den Gepflogenheiten früherer Oberschichten, die sich um die Entwicklung ihrer Heimat, insbesondere im Lokalen, verdient gemacht hätten, wofür sich heute kaum noch jemand interessieren würde. Im zweiten Teil ("Der Untergang des demokratischen Diskurses") beklagt der Autor den Niedergang der staatsbürgerlichen Tugenden und den Verlust des Gesprächs unter Bürgern. So recht Lasch bei vielem sicher hat, so kann man allerdings auch den Eindruck einer gewissen Nostalgie gewinnen, die die Vergangenheit zu rosa malt und als einen gewissen Idealzustand definiert. Vielleicht gehört es ja zu den amerikanischen Traditionen, sich im partiellen Gedächtnisschwund beim Thema Demokratie zu üben, wenn es um Rassentrennung und alle damit verbundenen undemokratischen Verirrungen geht.

Stellenweise liest sich das Buch auch wie eine Sammlung von Rezensionen verschiedener sozialphilosophischer Bücher von US-Autoren, die man in Europa nicht unbedingt kennt. Andererseits kann man aus den Kapiteln am Anfang besser verstehen, wieso die westeuropäischen Eliten auf dem besten Wege sind, die Traditionen und Geschichte ihrer jeweiligen Länder zu verraten. Für sie, so erklärt Lasch, sind Nationen und Traditionen unbedeutende Werte, die sie bei ihrem ausgelebten Weltbürgertum stören, in ihren Augen nicht mehr in die Zeit passen und deshalb negativ belegt und abgestoßen werden sollten. Insofern ist dieses über 20 Jahre altes Buch durchaus sehr lehrreich, weil es die Ideologien der modernen, von ihrer Herkunft losgelöst sein wollenden Eliten beschreibt und erklärt.

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Sokratess avatar

Rezension zu "Geborgenheit" von Christopher Lasch

Eine Geschichte der Methoden und Interpretationen
Sokratesvor 5 Jahren

Entgegen dem Titel, entpuppte sich Christopher Lasch's Buch "Geborgenheit. Die Bedrohung der Familie in der modernen Welt" als eine Einführung in die Geschichte der Methoden und Ansätze in der Soziologie/-geschichte der letzten 150 Jahre. Lasch entwirft weniger ein eigenes kulturgeschichtliches Konzept, sondern rekapituliert nur die bereits diskutierten Modelle und Ansätze seit der Mitte des 19. Jh. Das war leider etwas enttäuschend, selbst wenn man optimistisch annimmt, dass sich aus vertretenen Modellen ein Zeitgefühl der jeweiligen Epoche ableiten lässt. Insoweit war das Buch leider nur eine mäßige Informationsquelle.

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