Christopher Wilkins

 4.6 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor von Der Zeitmesser.

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Rezension zu "Der Zeitmesser" von Christopher Wilkins

Ohne Erinnerung kann es Zeit nicht geben
Barbara62vor 3 Jahren

"Zeit ist Erinnerung. So einfach ist das. Ohne Erinnerung kann es Zeit nicht geben."

Und eben dieses Erinnerungsvermögen geht der jungen Elisabeth verloren, als sie an Alzheimer erkrankt. Ihr Mann, der Mathematiker und Uhrmacher Robert Garrett, beschließt, ihr durch den Bau einer perfekten Uhr ein Denkmal zu setzen.

Christopher Wilkens verwebt in seinem ersten Roman die Liebes- und Krankheitsgeschichte mit einer Historie der Zeitmessung von den Uhren der Antike bis zur Atomuhr.

Ein spannender und interessanter Roman, der zudem durch seine gelungene Aufmachung besticht.


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Mr. Rails avatar

Rezension zu "Der Zeitmesser" von Christopher Wilkins

Rezension zu "Der Zeitmesser" von Christopher Wilkins
Mr. Railvor 10 Jahren

Ist es möglich, eine Uhr zu bauen, die die Zeit mit abso-luter Genauigkeit misst? Seit er denken kann, sucht der Uhrmacher, Philosoph und Mathematiker Robert Garrett die Antwort auf jene uralte Frage. Als seine über alles geliebte Frau Elizabeth viel zu jung an einer grausamen Krankheit stirbt, die erst das Gedächtnis, dann die Per-sönlichkeit und schließlich den Körper zerstört, beschließt Robert Garrett, ihr durch den Bau der perfekten Uhr ein Denkmal zu setzen. Auf traditionelle Weise will er eine mechanische Uhr herstellen, bei der sich die natürlichen Unregelmäßigkeiten der einzelnen Elemente gegenseitig aufheben sollen, um ein makelloses Instrument zu er-zeugen. Einen Zeitmesser, der gegen jeden Einfluss von Schwerkraft, Magnetismus oder Temperaturschwankung-en immun ist.

Der Zeitmesser ist ein sehr philosophisches Buch, weil der Autor auch über Themen wie den Verlust von Gegen-wart und Vergangenheit, das Vergehen von Zeit und Orientierungslosigkeit reflektiert. Die folgende Passage hat mich seit dem Lesen des Buches nicht mehr losgelassen und hilft mir heute noch, mit Erinnerungen und Bibliotheken besser umzugehen.

"Man stelle sich den Geist als eine Bibliothek vor, in der Bücher (Erinnerungen) auf den Regalen nicht nach Sach-gebieten oder nach einem alphabetischen System geord-net sind, sondern einfach in der Reihenfolge, in der sie angeschafft wurden. Es wäre eine lange und umständ-liche Arbeit, einen bestimmten Band ausfindig zu machen, doch wenn man ihn gefunden hätte, wüßte man wenig-stens, welche Bücher seiner Anschaffung vorausgingen und welche später hinzukamen. Irgendetwas an der Art, wie wir unsere Erfahrungen im Gedächtnis ablegen, muß uns dieses Gefühl für die Reihenfolge geben, dieses grundlegende Bewußtsein von und .
Angenommen, die Benutzerordnung der Bibliothek schriebe vor, daß man ein entnommenes Buch nicht an seinen alten Platz zurückstellen müßte, sondern ganz ans Ende zu den neuesten Bänden, weil es jetzt die neue Ausgabe einer vorangegangenen wäre.
Erinnern wir uns jedes Mal dann, wenn wir eine Erinnerung wieder gefunden haben, an das Erinnern?
Und was wird aus der alten Erinnerung - entsteht jetzt eine Lücke auf dem Regal? Das würde bedeuten, daß jede Erinnerung uns das Gefühl gäbe, das damit zusammenhängende Ereignis hätte gerade erst statt-gefunden. Alle unsere Erinnerungen wären frisch, allein schon durch den Akt des Auffindens. Die Chronologie käme durcheinander, unsere Einschätzung des Vorher und Nachher wäre unzuverlässig, und unser Glaube an die Reihenfolge käme ins Wanken.
Es ist, als schriebe die Benutzungsordnung vor, wenn ein Buch aus dem Regal genommen und studiert worden sei, müsse man es wieder an seinen ursprünglichen Platz tun und dann möglichst getreu neu schreiben und in dieser wieder geschaffenen Form auf das Regal mit den Neu-erwerbungen stellen. Auf diese Weise könnten wir neue Erinnerungen an alte Ereignisse und auch alte Erinner-ungen an alte Ereignisse haben. So kommt es, daß jedes Mal, wenn wir uns an ein Ereignis erinnern oder eine oft erzählte Episode aus unserem Leben noch einmal er-zählen, die erzählerischen Ausschmückungen und die kleinen wuchernden Ungenauigkeiten in die Erinnerung insgesamt einfließen und uns zu den Schöpfern unserer Erinnerungen machen, statt nur zu ihren Speichern. Was den Arbeitsprozeß betrifft, gibt es keinen erkennbaren Unterschied zwischen Erinnerung und Phantasie."
Allein diese Gedankengänge im Kontext des Buches machen das Lesen des "Zeitmessers" zu einem un-vergesslichen Erlebnis - zu einer Erinnerung die immer wieder aus der Bibliothek des Geistes herorgezogen wird um anschließend einen neuen Platz zu finden. Meine Bücher habe ich nach diesem "System" sortiert - nach Lesejahren.

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