Christy Lefteri

 4,5 Sterne bei 96 Bewertungen
Autorenbild von Christy Lefteri (©privat/Quelle: randomhouse)

Lebenslauf

Traumatische Wahrheit und bewegende Fiktion: Christy Lefteri ist in London aufgewachsen, ihre Eltern sind aus Zypern geflohen. Als Kind erlebt sie mit, wie der Krieg im nicht weit entfernten Syrien Leben zerstört und Familien auseinanderreißt. Diese Erinnerungen lassen Lefteri nicht los, und so schreibt sie den Roman »Das Versprechen des Bienenhüters«, um die Eindrücke zu verarbeiten und um auf das Schicksal der Syrer aufmerksam zu machen.

Daneben verbrachte Lefteri bereits einige Zeit als Freiwillie für Unicef und half in Athen in Flüchtlingslagern. Hauptberuflich unterrichtet sie Kreatives Schreiben an der Brunel University.

Alle Bücher von Christy Lefteri

Neue Rezensionen zu Christy Lefteri

Cover des Buches Das Versprechen des Bienenhüters (ISBN: 9783734109546)
buecher_t1nas avatar

Rezension zu "Das Versprechen des Bienenhüters" von Christy Lefteri

buecher_t1na
Flucht vor dem Krieg

Ich habe die Ausgabe von 2019 günstig in einem Laden entdeckt. Mir hat das Cover mit der Biene und den Bienenwaben sehr gut gefallen.

Beim Lesen war das Erste, was mir auffiel, die unterschiedlichen Kapitelüberschriften. Einmal waren das fortlaufende Zahlen (1,2,3...), einmal waren das Worte. Kreativ war, dass das Wort der Überschrift sowohl das letzte Wort des letzten Satzes aus dem Kapitel davor ist, als auch das erste Wort des neuen Kapitels. Anfangs war das für mich sehr verwirrend, jedoch habe ich mir dann auch die Notiz gemacht, dass die Zahlen in der Gegenwart spielen, die Worte für die Vergangenheit sind. Somit gibt es hier auch zwei Erzählstränge (wie einige Kommentare auch schon beschreiben).
Zusätzlich musste ich mir tatsächlich die Notiz machen, wer mit wem verheiratet ist und zu wem welche Kinder gehören. Das war mir am Anfang alles auf einmal reingeworfen.

Das Buch wird aus Nuris Sicht erzählt. In der Vergangenheit in Aleppo war er mit seinem Cousin Mustafa Imker. Die beiden Familien verstanden sich sehr gut, wurden aber schon kurz vor dem Krieg auseinander gerissen. Mustafa flieht bald nach England, Nuri & Afra bleiben vorerst noch in Aleppo, da Afra nicht gehen möchte. Als Nuri dann gedroht wird, entschließt er, dass sie das Land verlassen. Der Strang in der Vergangenheit erzählt nun die Strapazen der Flucht, die Stationen an die sie kommen und die dortigen Begegnungen.
Die Gegenwart berichtet von ihrem Dasein in London, wie sie dort zurecht kommen mit den Folgen des Krieges, und was alles getan werden muss mit den Behörden und Papieren.

Meine Meinung: Ich hatte schon das Buch "As long as the lemon trees grow" gelesen, welches auch während des Krieges in Syrien spielt. Dieses Buch hat mich damals nicht losgelassen und dort habe ich auch mehrmals geweint. Daher hatte ich ähnliche Erwartungen auch an dieses Buch. Ich hatte es gekauft, aber es lag sicher 9-10 Monate in meinem Regal, bis ich mich jetzt dazu aufraffen konnte, es zu lesen. Ganz ehrlich, ich dachte ich werde sicher weinen und wollte daher nichts emotionales lesen. Nun da ich es gelesen habe, nein, es hat mich nicht genauso mitgenommen. Einige Stellen fand ich verwirrend, manches aus Nuris Sicht vielleicht verständlich, aber so richtig warm geworden? Nein, das bin ich mit Nuri nicht. Mir persönlich hat es nichts ausgemacht zu wissen, dass Afra und Nuri in England ankommen und in Sicherheit sein werden. Diese "extra" Spannung mit "werden sie es schaffen? oder doch nicht?" brauchte ich nicht. Aber trotzdem hat mich das Buch nicht wirklich berührt. 

Cover des Buches Die Nacht der Zugvögel (ISBN: 9783809027522)
Nadys avatar

Rezension zu "Die Nacht der Zugvögel" von Christy Lefteri

Nady
Bewegender Roman

Meine Meinung:

Gleich zu beginn meiner Rezension möchte ich sagen, dass ich anfangs wirklich Schwierigkeiten hatte, mit diesem doch recht ungewöhnlichen Schreibstil der Autorin klarzukommen.
Nisha, die aus Sri Lanka stammt, möchte ihrer kleinen Tochter ein besseres Leben ermöglichen. Aus diesem Grund verlässt sie ihre Heimat und ihr Kind, um in Zypern eine Stelle als Haus- und Kindermädchen zu beginnen. Das Geld, das sie dort verdient schickt sie in ihre Heimat, um ihre Mutter und Kumari zu unterstützen.
Nisha kümmert sich rührend um Aliki, der Tochter ihrer Herrin, die von ihrer eigenen Mutter Petra nicht die Liebe bekommt, welches einem Kind zustehen sollte. Nisha kümmert sich um alles, was im Haus ansteht, und schon bald ist sie für Petra unersetzlich. Doch diese ist sich dessen nicht bewusst, nimmt es als selbstverständlich hin, da Nisha genau für diese Aufgaben bezahlt wird.
Was Nisha an ihrem einzigen freien Tag unternimmt, interessiert sie eigentlich nicht. So bemerkt sie auch nicht, dass Nisha sich heimlich mit ihrem Untermieter Yiannis trifft.  Bis Nisha eines Tages von ihrem Ausflug nicht mehr zurückkommt. Erst dann beginnt Petra über ihre Angestellte und der Vertrauensperson ihrer Tochter nachzudenken.

Nachdem ich den Klappentext dieses Buches gelesen hatte, war ich sehr gespannt auf dessen Umsetzung.
Christy Lefteri hat einen sehr ausschweifenden und poetischen Schreibstil, so dass ich mich zwischendurch erwischte, wie ich so manche Passagen übersprungen habe. Passagen, die meines Erachtens mit der eigentlichen Story nichts zu tun hatten. Dies hat mich sehr im Lesefluss gestört, obwohl ich Nishas, Petras und Yiannis Kapitel überaus interessant fand und auch gerne gelesen habe.
 Die Autorin möchte mit ihrem Buch auf Rassismus hinweisen und einem mitgeben, dass doch alle Menschen gleich sind.

Von mir bekommt der Roman 3 von 5 Sterne, weil mir der Hintergrund dieser Geschichte sehr gut gefallen hat. Lediglich die vielen, doch sehr ausschweifenden Seiten, lassen mich diese Entscheidung treffen.

Cover des Buches Die Nacht der Zugvögel (ISBN: 9783809027522)
schnaeppchenjaegerins avatar

Rezension zu "Die Nacht der Zugvögel" von Christy Lefteri

schnaeppchenjaegerin
Eine melancholische Geschichte über eine Frau, die verschwindet und erst dadurch sichtbar wird.

Nisha ist vor zehn Jahren von Sri Lanka nach Zypern eingewandert, um dort als Hausangestellte zu arbeiten und ihre Familie fern in der Heimat finanziell zu versorgen. Liebevoll kümmert sie sich neben der Hausarbeit um die zehnjährige Tochter Aliki ihrer Arbeitgeberin Petra. Diese ist seit dem Tod ihres Mannes alleinerziehende Mutter und hat sich aufgrund ihrer eigenen Kummers nie Gedanken um die Herkunft und Nöte ihrer treuen Angestellten gemacht.

Nisha pflegte lose Kontakte zu anderen Fremdarbeiterinnen und unterhielt heimlich eine Liebesbeziehung zu Petras Mieter Yiannis.

Als Nisha an einem Sonntagabend spurlos verschwindet, ihrer Wertgegenstände aber in ihrem Zimmer verblieben sind, macht sich Petra erstmals Sorgen um ihre Angestellte und versucht herauszufinden, was mit Nisha geschehen ist, während die Polizei kein Interesse daran hat, die Vermisste zu finden.

"Die Nacht der Zugvögel" versetzt einen durch die intensiven Beschreibungen des Lebens auf der Insel anschaulich nach Zypern und legt den Fokus dabei eindringlich auf die Situation der ausländischen Hilfsarbeiterinnen, die überwiegend aus Osteuropa und Asien stammen und unter zum Teil widrigen Bedingungen niedere Arbeiten verrichten. Verschuldet bei Agenturen, die die Arbeitsstellen vermitteln, haben sie kaum die Möglichkeit wieder zu gehen oder sich ein eigenes Leben aufzubauen, da sie ihren Lohn zur Unterstützung ihrer Familien in die Heimat senden.

Nisha geht es bei Petra vergleichsweise gut. Sie kümmert sich um Aliki wie um ihr eigenes Kind und kann den Kontakt zu ihrer 12-jährigen Tochter nur per Videotelefonie halten. Ihr Verschwinden gibt Rätsel auf, denn aufgrund ihrer zurückgelassenen Andenken ist anzunehmen, dass Nisha nicht freiwillig gegangen ist.

Geschildert aus den Perspektiven von Petra und Yiannis begleitet man Petra auf ihrer fast schon verzweifelten Suche nach Nisha und erfährt in Rückblenden mehr über Nisha als Person, die sich ihrem heimlichen Geliebten Yiannis anvertraut hat.

Es ist eine einfühlsame Geschichte über Verlust, Liebe, Heimat, Freiheit und Verantwortung, die den Schwächsten in der Gesellschaft eine Stimme gibt. Fremdarbeiterinnen, die abhängig von ihren Arbeitgebern in den zyprischen Haushalten mehr oder weniger gut behandelt werden, sind gesichtslos, austauschbar und mehr Vieh oder ein nützliches Utensil als ein Mensch mit Seele und Verstand. Auch Petra merkt erst beim Verschwinden ihrer Angestellten, was sie an ihr hatte und wie wenig sie doch über sie wusste, obwohl beide als Witwen und Mutter einer Tochter sogar entscheidenden Gemeinsamkeiten hatten.

Nishas Schicksal steht beispielhaft für das Verschwinden mehrerer Hausangestellter auf Zypern, durch die sich Christy Lefteri zu ihrem Roman "Die Nacht der Zugvögel" inspirieren ließ. Behutsam, mit großer Herzenswärme und einer poetischen Schreibweise wird eine melancholische Geschichte erzählt, die Geduld erfordert, eindringlich die Gefühle der Hauptfiguren beschreibt und weniger den Fokus auf eine spannungsgeladene Suche nach der Vermissten rückt. Ein krasser Gegensatz ist dabei die Schilderung der Wilderei der Zugvögel, die auf ihrem Flug über Zypern abgefangen, getötet und zum Verzehr verkauft werden, was den Anschein erweckt über Jahrzehnte zurückversetzt zu werden, was genauso überholt erscheint wie die Situation der eingewanderten Arbeiterinnen.

Die Geschichte setzt ein Zeichen gegen Rassismus und für Menschlichkeit animiert dazu, hinzusehen, zuzuhören, alle Menschen gleichwertig zu behandeln und den Mut zu haben, Missstände anzuzeigen und aufzuklären.

Gespräche aus der Community

Flüchtlinge mussten auf der Suche nach einem besseren Leben für sich und ihre Familien ihre Heimat verlassen. Was dabei häufig vergessen wird: Flüchtlinge sind Menschen wie du und ich. Auch sie haben ein ganz normales Leben vor der Flucht geführt. Ein normales Leben mit Alltag, Träumen und Sorgen. Daran möchte uns Christy Lefteri mit ihrem Buch "Das Versprechen des Bienenhüters" erinnern.

936 BeiträgeVerlosung beendet
Bianca_1645s avatar
Letzter Beitrag von  Bianca_1645

Dieses Buch regt zum Nachdenken an, Da ich es immer in größeren Zeit Abständen gelesen habe werde ich es noch mal in Ruhe lesen. Das Schicksal von Nuri und Afra hat mich sehr bewegt. Leid und Kraft liegen hier nicht beieinander.

Zusätzliche Informationen

Christy Lefteri im Netz:

Welche Genres erwarten dich?

Community-Statistik

120 Bibliotheken

23 Merkzettel

3 Leser*innen

Listen mit der Autorin

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks