Das Leben der Familie Beam läuft eigentlich in geregelten Bahnen. Die Mutter ist Hausfrau, kümmert sich um die drei Töchter, der Vater ist Tierarzt mit eigener Praxis. Man lebt in Texas auf einer schönen, großen Farm und ist tiefgläubig. Der sonntägliche Kirchgang ist Pflicht, man engagiert sich in der Gemeinde. Bei Annabel, der fast zehnjährigen Tochter treten plötzlich Darmprobleme auf, sie erbricht und was zuerst wie eine harmlose Magen-Darm-Grippe erscheint, endet in eíner sehr schweren Erkrankung, bei der Annabel künstlich ernährt werden muss, unsägliche Schmerzen leidet und Nahrung nicht mehr verdauen kann. Die Mutter hetzt von einem Arzt zum nächsten, es folgt eine Not-Op des KIndes, doch Annabel wird immer schwächer. Die Mutter wendet sich verzweifelt an einen Spezialisten in Boston, der aber eine lange Warteliste hat. Nur, wenn ein Patient stirbt oder geheilt wird, rutscht der nächste auf die Liste. Doch die Mutter fleht die Arzthelferin an, ist weit gereist mit der Tochter, der Arzt die letzte Hoffnung. Und sie wird drangenommen. Doch nun beginnt für Annabel eine neue Therapie, die ihr aber nicht hilft. Hart gesagt- die Mutter verliert den festen Glauben an Gott, was wohl jedem passieren würde, wenn das eigene Kind so leiden muss und sterben könnte. Annabel kommt nach Hause irgendwann, austherapiert. Die Arztkosten, Reisen, die Therapie- all das hat die Familie finanziell fast ruiniert. Die Mutter will der Tochter noch durch einen Psychologen Kraft geben, als Annabel beim Spielen in einem Baum, in dessen hohlen Stamm fällt. Neun Meter in der Tiefe ist sie bewusstlos und begegnet Gott, der ihr sagt, es werde alles gut. Man rettet das Kind aus dem Stamm und plötzlich ist sie geheilt. Die Ärzte argumentieren, sie könne einen Reiznerv wieder aktiviert haben im Gehirn durch den Sturz- aber die Eltern, das Kind, alle glauben an Gottes Kraft- eben ein Wunder.
Ich bin eher atheistisch veranlagt, da für mich die Menschen mehr zählen als Gott und seltsamerweise widerspricht sich dabei die Geschichte selbst. Annabels Krankheit ist wenig erforscht, man weiß also kaum etwas über Heilung etc., Medikamente werden noch getestet. Jedesmal, wenn es ausweglos erscheint, helfen Menschen, nicht Gott- die Arzthelferin, die den Spezialisten in Boston dazu bewegt die Mutter und ihre kleine Tochter doch reinzunehmen in die Behandlung, der Vater, der mehr arbeitet, sein Motorrad verkauft, um alles zu finanzieren, Freunde, die spontan kommen, wenn Not am Mann ist, eine Kellnerin in Boston, die sich spontan einen Tag freinimmt, um Mutter und Tochter die Stadt zu zeigen, sie abzulenken und so weiter. Da ist keine höhere Macht, sondern reine Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft.
Zudem, wenn Menschen bewusstlos sind oder im Koma liegen, verarbeiten sie meist das, was sie verinnerlicht haben- Annabel den Glauben. Daher sieht sie Gott. Bei noch unerforschten Krankheiten gibt es immer wieder Spontanheilungen, das ist nichts neues.
Mir fehlte aber, wie sehr die Schwestern leiden, denn sie sind plötzlich egal- wie das bei schwerkranken Geschwistern oftmals ist- sie treten in den Hintergrund, die Mutter kümmert sich nur noch um das kranke Kind, was mir dann doch zu egoistisch war. Die anderen brauchten sie auch. Das musste aber alles der Vater, neben seiner Arbeit, noch managen. So ganz ohne bitteren Beigeschmack kommt das Buch nicht aus. Und man muss die Wunderheilung durch Gott schon nüchtern betrachten.
Denn ansonsten würde ich die Autorin gerne einmal eines fragen- er rettet ihre Tochter und ein anderes kleines Mädchen, das Leukämie hat und, daß Annabel von Gott erzählt, ihr eine Kreuzkette schenkt, stirbt? Na, da ist doch der Haken.
Fies war, daß Gemeindemitglieder die Mutter einmal fragen, ob sie wohl gesündigt hat, oder die kleine Annabel, vielleicht auch der Vater, weil das Kind so leiden muss- texanisches Kleinbürgergeisttum, nenne ich das mal. :)