Cihan Acar

 4,1 Sterne bei 38 Bewertungen
Autor von Hawaii.

Lebenslauf von Cihan Acar

Eine deutsch-türkische Verbindung: Cihan Acar, geboren 1986 in Heilbronn, ist ein deutsch-türkischer Schriftsteller. Er studierte Rechtswissenschaften in Heidelberg und arbeitete nebenbei als Journalist und Autor. 

Sein Debüt gab er mit seinem Sachbuch „111 Gründe, Galatasaray zu lieben“.  Nach einem längeren Aufenthalt in Istanbul, wo er unter anderem für die dpa berichtete, kehrte er nach Heidelberg zurück, um sein Studium abzuschließen. 

Heute lebt der Autor zusammen mit seiner Familie in Heilbronn.

Alle Bücher von Cihan Acar

Cover des Buches Hawaii (ISBN: 9783446265868)

Hawaii

 (38)
Erschienen am 17.02.2020

Neue Rezensionen zu Cihan Acar

Cover des Buches Hawaii (ISBN: 9783446265868)gsts avatar

Rezension zu "Hawaii" von Cihan Acar

Ein heißes Wochenende in Heilbronn
gstvor 14 Tagen

Kemals Traum vom Profifußballer hat sich nach einem Unfall zerschlagen. Seitdem hat er immer wieder Probleme mit seinem Knöchel. Der etwas chaotische junge Mann mit türkischen Wurzeln unterhält sich gern mit seinem demolierten Jaguar, den er sich von seinem ersten Spielergehalt in der Türkei angeschafft hat. Inzwischen lebt er wieder in seinem Geburtsort Heilbronn, wo er ergebnislos nach neuen Perspektiven für sein Leben sucht.


„Warum das Viertel Hawaii heißt, weiß kein Mensch. Manche meinen, die Amis hätten den Namen eingeführt, also die Soldaten, die hier früher stationiert waren. Andere sagen, dass es ironisch gemeint ist, nach dem Motto: Was für eine miese Gegend, sind wir doch mal witzig und benennen sie nach einem Paradies.“ (Seite 38)


Nach dem Besuch einer türkischen Hochzeit läuft Kemal ziellos durch sein Stadtviertel, trifft „Freunde“, sucht nach einer Arbeit und nimmt uns mit in seine Parallelwelt. Er führt uns in den Krieg zwischen verschiedenen Gruppen und lässt uns an der Eskalation teilnehmen.


Erzählen kann er, der Autor. Und Humor beweist er auch. Doch das Thema konnte mich nicht einfangen. Für mich geht es viel zu viel um Äußerlichkeiten. Das Seelenleben findet sehr versteckt statt. Kemal gerät mitten hinein in die Gewalt, die er ablehnt. Er weiß nicht, wo er hingehört. So tritt er, nachdem er uns mit seinem Stadtviertel und seinem Leben vertraut gemacht hat, eine Reise „an einen Ort, an dem ich der sein kann, der ich bin“ an. Ob er den Ort jemals finden wird bleibt offen.




Cihan Acar wurde1986 bei Heilbronn geboren. Nach dem Abitur begann er das Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg. Nebenbei arbeitete er als Journalist und Autor. Er schrieb zwei Sachbücher (eines über Galatasaray, eines über Hip Hop) und berichtete unter anderem für die dpa aus der Türkei. Für seinen Debütroman Hawaii erhielt er 2020 den Literaturpreis der Doppelfeld Stiftung.

Kommentare: 1
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Cover des Buches Hawaii (ISBN: 9783446265868)Matteo_Di_Giulios avatar

Rezension zu "Hawaii" von Cihan Acar

Die Konsequenzen des Misserfolgs
Matteo_Di_Giuliovor einem Jahr

Ein junger Fußballspieler auf dem Sprung zum Erfolg kehrt zurück zur kleinen Heimatstadt, wo er sich neu erfinden muss, nachdem eine schwere Verletzung seine Karriere vorzeitig beendet hat. Der Protagonist des Debüts von Cihan Acar hat, wie derselbe Schriftsteller, einen Migrationshintergrund, welcher schwer wie ein Felsblock ist. Der Stil ist dagegen sehr leicht zu lesen und immer inspiriert. Ein gelungenes Mixen zwischen Tragödie und Humor, welches der Leser auf der Seite fesselt und das immer locker funktioniert, da die Geschehen und insbesondere die Misserfolge des ehemaligen Fußballstars sowohl lustig als auch traurig sind. Schließlich spielt auch eine unglückliche Liebesgeschichte eine große Rolle. Dieser Roman sieht so aus, als ob Cihan Acar immer nur diesen Beruf ausgeübt hätte und ein erfahrener Storyteller wäre. Absolut empfehlenswert, vor allem denen, welche die Romane von Sven Regener oder Thomas Brussig mögen.

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Cover des Buches Hawaii (ISBN: 9783446265868)Buecherschmauss avatar

Rezension zu "Hawaii" von Cihan Acar

Irgendwie dazwischen
Buecherschmausvor 2 Jahren

Hawaii – das klingt nach Südseeparadies, nach Blumenketten, nach gutem Leben. (Wenn auch nur in der Fantasie). Das Hawaii, in das der Protagonist und Ich-Erzähler im Debütroman von Cihan Acar zurückkehrt, hat von dieser Fantasie so gar nichts. Hier, im einstigen Problemviertel Heilbronns, wohnen die sozial schwächsten Einwohner der schwäbischen Stadt. Und auch wenn die Zeiten, als Hawaii angesichts der dort herrschenden Drogenproblematik und der Kriminalität gerne „die Bronx“ von Heilbronn genannt wurde, vorbei zu sein scheint, gilt das Viertel immer noch als unterprivilegiert.

Die Bewohner der schlichten, vierstöckigen Nachkriegsbauten sind multikulturell. Bis zu 90% haben einen sogenannten Migrationshintergrund, über ein Dutzend Nationalitäten sind hier zuhause, die Mieten sind niedrig.

Eher zufällig ist die Familie von Kemal Arslan hier gelandet. Als ihre Wohnung in einem Heilbronner Vorort wegen Eigenbedarfs gekündigt wurde, fand sich auf die Schnelle nichts anderes. Dass das Viertel mitten im Industriegebiet, über das immer wieder eine Schwade Suppengeruch vom nahegelegenen Knorr-Werk wabert, aber keine Endstation sein muss, bewies Kemal. An ihm wurde der Traum vieler kleiner Jungs wahr, er wurde zum gutverdienenden Profifußballer beim türkischen Erstligisten Gaziantepspor. Eine gutaussehende deutsche Freundin aus gehobenem Haus, ein Jaguar, teure Klamotten – plötzlich konnte sich Kemal alles leisten. Die Leute im Viertel und die türkischen Fußballfans lagen ihm zu Füßen.

Durch einen dummen Unfall, selbst verschuldet bei einem Autorennen, zerplatzte dieser Traum aber allzu bald. Ein komplizierter Bruch des Fußes zerstörte Kemals Fußballerkarriere. Und nun kehrt der 21jährige zurück in sein altes Viertel, nach Hawaii.

Hier hat sich einiges geändert. Seine Freundin Sina hat einen neuen Freund und Kemal muss seinen neuen Weg erst finden. An vier heißen Sommertagen begleiten wir Kemal, besuchen mit ihm seinen kaputten Jaguar im Parkhaus, gehen mit ihm zum Vorstellungsgespräch beim zwielichtigen Unternehmer Tayfun, begleiten ihn in Kneipen, Clubs und zur Zockrunde mit seinen alten Freunden Hakan und Emre. So richtig zugehörig fühlt sich Kemal nicht mehr. Seiner genauen Beobachtungsgabe gerade aus dieser Position dazwischen, zwischen Arm und Reich, Migranten und Deutschen, verdanken wir authentische Milieustudien.

Zugleich scheint sich etwas zusammenzubrauen in und um Heilbronn. Eine rechtsextreme Bürgerwehr – HWA – Heilbronn wach auf – macht die Gegend unsicher. Die mafiös agierende Kanka-Bande hält dagegen. Die Aggressivität wächst in den heißen Hundstagen, in denen Cihan Acar sein Hawaii spielen lässt. Der NSU-Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter, die Brandanschläge gegen Asylbewerberheime und der Messerangriff eines Heilbronner Rentners auf Migranten bilden einen Hintergrund für den Alltagsrassismus, der in der Stadt herrscht. Und auch die HWA hat ein reales Vorbild in der 2016 gebildeten Bürgerwehr „Helfende Hand“. Cihan Acar lässt die Konflikte und die Gewalt in Hawaii eskalieren. Das ist glücklicherweise Fiktion.

Das Buch thematisiert den Alltagsrassismus der Provinz, verknüpft ihn mit der Identitätssuche eines jungen Mannes, dem der Lebenstraum vorerst geplatzt ist, und zeichnet ein authentisches und stimmungsvolles Bild des Nebeneinanders von schwäbischer Bevölkerung und türkischer Community. Das liest sich trotz aller Problematiken sehr leicht, sogar amüsant. Hin und wieder streut Cihan Acar Soziolekte ein, ohne dass das gewollt klingt. Das Porträt von Kemal als einem, der überall dazwischen steht, Verbundenheit zu allen Seiten empfindet, zugleich aber auch seinen Platz verloren hat, ist dabei besonders gut gelungen. Kemal lässt sich treiben, wohin, bleibt offen. Aber erst einmal weg.

„Das mit der Reise ohne Ziel stimmt gar nicht. Ich wusste ganz genau, wo ich hinwollte. An einen Ort, an dem ich der sein kann, der ich bin. Nicht Kemal, der Fußballer, nicht Kemal, der Arbeitslose, der Herumtreiber, der Versager, der Verräter, der Verkäufer, der Typ zwischendrin. Sondern einfach nur ich.“

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Gespräche aus der Community

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Die Regeln:

Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an.

Einstieg ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts.

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Letzter Beitrag von  Dajobamavor 2 Jahren

Ertauscht.... Aber mach dir keinen Kopf, ist nicht so schlimm! Kann ich sicher tauschen!

Zum Thema

Cihan Acars brisantes Debüt über Heimatlosigkeit und Toleranz in unserer zerrissenen Gesellschaft ist »ein rauschhafter Trip durch Heilbronn, der den Leser sofort in seinen Bann zieht.« Benedict Wells

Zum Erscheinen von »Hawaii« verlosen wir 30 Exemplare des Buches und sind gespannt auf eure Leseeindrücke und Meinungen. 

Herzlich willkommen zu unserer Buchverlosung zu »Hawaii« von Cihan Acar

Es sind die heißesten Tage im Jahr, Hundstage, die, so glauben manche, schweres Unheil bringen. Kemal Arslan läuft durch Heilbronn, ein Fußballstar, der nach einem Unfall seine Karriere beenden und von vorn anfangen muss. Unbeteiligt steht er auf einer türkischen Hochzeit herum, geht in ein Striplokal und ins Wettbüro, gerät mitten hinein in eine Straßenschlacht zwischen Rechten und Migranten, trifft seine Exfreundin Sina und besucht seine Eltern, die, wie die meisten Türken der Stadt, in Hawaii wohnen, einem Problembezirk mit heruntergekommenen Hochhäusern und rauem Straßenleben, der rein gar nichts mit dem Urlaubsparadies gemeinsam hat. Cihan Acar erzählt von zwei Tagen und drei Nächten eines jungen Mannes, in denen er alle Stadien von Illusion, Sehnsucht und Einsamkeit durchquert. Ein Buch über all die Heimatlosen, Nachtgestalten und Romantiker, die im Dazwischen leben.

Eine Leseprobe findet ihr hier >

Im 5-Fragen-Interview erzählt Cihan Acar mehr über sich und seinen Debütroman >

Und hier könnt ihr die Spotify-Playlist anhören, die er zu seinem Buch erstellt hat >

Wir verlosen 30 Exemplare von »Hawaii« unter allen, die bis zum 26. Februar die folgende Frage beantworten:

»Das mit dem Reisen ohne Ziel stimmte gar nicht. Ich wusste ganz genau, wo ich hinwollte. An einen Ort, an dem ich der sein kann, der ich bin. Nicht Kemal, der Fußballer, nicht Kemal der Arbeitslose, der Herumtreiber, der Versager, der Verräter, der Verkäufer, der Typ zwischendrin. Sondern einfach nur ich. 

So einen Ort muss ich finden. Und wenn es ihn nicht gibt, dann muss ich halt für immer suchen«, heißt es an einer Stelle in Cihan Acars Roman.  

Wo fühlst du dich angenommen und akzeptiert, so wie du bist? Oder bist du auch noch auf der Suche nach einem solchen Ort?  

Allen Teilnehmer*innen wünschen wir viel Glück!

Euer Hanser-Team

186 BeiträgeVerlosung beendet

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