Hören wird überbewertet

von Cindy Klink 
3,0 Sterne bei1 Bewertungen
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Aber trotzdem ...

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Inhaltsangabe zu "Hören wird überbewertet"

Cindy Klink ist seit ihrem dritten Lebensjahr hochgradig schwerhörig und bilingual aufgewachsen – mit Laut- und Gebärdensprache. Heute ist sie eine der bekanntesten YouTuberinnen mit ihrem Kanal Musik in Gebärdensprache. Hier erzählt sie ihre Geschichte.

"Ich kann nicht zeichnen, jedenfalls nicht mit Farben, weil ich einfach nicht begabt bin. Aber ich nehme die Musik und jede freie Minute meiner Freizeit und male Euch ein Bild mit Gefühlen und Händen."

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783947380107
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:96 Seiten
Verlag:Hirnkost
Erscheinungsdatum:01.08.2018

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    EvyHearts avatar
    EvyHeartvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Aber trotzdem ...
    Aber trotzdem ... (Rezi-Ex.)

    Ich habe dieses Buch als Rezi-Exemplar angefordert, weil ich die tolle Artikel-Serie einer sehbehinderten Buchbloggerin gelesen habe und dachte, dass das Buch ähnlich sympatisch und aufklärend wird. Leider nicht. Es handelt sich um die Biografie einer 20-jährigen, schwerhörigen Youtuberin, die u.a. Songs in Gebärdensprache zeigt und eine Einführung in die Sprache gibt. Für mich hat das Buch starke Schwächen in der Struktur und es verallgemeinert oft. Ich fand zur Erzählerin keinen Zugang. Und ohne ein bisschen Vorwissen wäre ich aufgeschmissen.

    Inhalt


    Cindy Klink hat, ursprünglich auf Facebook, Videos hochgeladen, in denen sie Lieder gebärdet. Derzeit hat sie auf Youtube ca. 517 000 Aufrufe und rund 6700 Follower. Da sie dort nur wenig private Videos zeigt, stellt das Buch eine gute Ergänzung dar. Der Text erzählt sehr grob von ihrer Kindheit, stärker von ihrer Jugend, die von Mobbing geprägt ist, hin zum Wendepunkt mit der Musik und einem Auftritt. Später erzählt sie von ihren Hobbys und zeigt Vorurteile. Einen kurzen Abschnitt zum Identitätskonflikt, weil sie weder der hörenden, noch der tauben Gemeinschaft angehört, fand ich gut.

    Inhalt im Groben und Kritik


    Ich habe das Buch inhaltlich in folgende Abschnitt unterteilt:

    1. Kindheit und Jugend: Dieser Abschnitt ist der erste Berührungspunkt mit der Erzählerin - und das Potential wird verschenkt. Denn so witzig die Anekdote ist, dass sie das erste Mädchen innerhalb der jungenreichen Familie ist - man erfährt zu spät, dass auch Cindys Eltern gehörlos sind. Außerdem bekommt der Leser keine Vorstellung davon, wieviel bzw. wie die Erzählerin hört. Ich finde das wichtig, damit ich mir die Figur vorstellen kann. Damit ich emotional mitgehen kann. Stattdessen erfahren wir von zahlreichen Mobbingattacken und einem weiteren unschönen Erlebnis. Traurig und beklemmend. Irritiert hat mich, dass nichts über die Familie erzählt wird. Denn auch wenn man sich in solchen Situationen allein fühlt, bleiben die Eltern wichtige Bezugspunkte.

    Erst im zweiten Abschnitt erfährt man, dass die Mutter unterstützt und immer für sie da war, dass sie zur Therapie ging (wegen des Mobbings?), Freunde hat und Beziehungen führte. Besonders dieser Weg wäre interessant gewesen, aber es fehlt vieles. Dass man nicht sein Privatleben vor 500 000 Menschen darlegen will, verstehe ich. Aber es wirkt, als wäre die Erzählerin vom traurigen Kind zum super-mutigen Teenager binnen weniger Seiten geworden.

    2. Die Songs:
    Hier wird anhand von Songs erzählt, wie Cindy stärker wurde und sich alles entwickelte. Dieser Abschnitt hat mir sehr gut gefallen, weil sie Songs eine Chronologie erschaffen, in die ich mich gut lesen konnte. Vielleicht, weil es vordergründig um Musik geht und was sie einem bedeutet. Und erst an zweiter Stelle die Lebensabschnitte, die sie begleiteten.

    3. Ausbildung und Allgemeines: Nach der Schule beginnt Cindy eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte, muss aber die Berufsschule wechseln, weil sie auf einer "normalen" Schule trotz Dolmeterschin wenig versteht. Hier zeigt sich, dass Inklusion manchmal nicht funktioniert, was ich interessant fand. Später gibt es bekannte oder unbekannte Irrtümer über gehörlose Menschen. Manche Leute finden sowas witzig, mich hat hier aber der sehr negative Tonfall gestört. Außerdem wird ausführlich erzählt, welche Hobbys Cindy hat. Und am Ende gibt es versöhnliche Worte und Verhaltenstipps. Ein paar.

    Ich denke, hier wurde mehrere Ansätze verfolgt, aber nicht konsequent durchgezogen.

    Und mir fehlte Cindys Erfahrung mit Social Media. Und ein allgemeiner Abschnitt darüber, wie unsere Welt auf Gehörlose einstellt ist bzw. welche Hilfsmittel sie nutzen. Wie leben Gehörlose und Schwerhörige in Deutschland, welche Möglichkeiten haben sie?

    Schreibstil und Tonfall


    Der Stil selbst ist so, wie ich ihn von meiner Jugend kenne: Manchmal gerafft, selten bildlich, eininges Umgangssprachliches in der Grammatik, aber meistens in Ordnung. An einigen Stellen gefühlvoll. Nicht meins, aber passend für eine Autobiografie.

    Der Tonfall ist relativ einseitig, was zu einer Autobiografie passt, aber ... leider setzt die Erzählerin genau das um, was sie kritisiert: Sie unterstellt ihren Mitmenschen Vorurteile und dass die meisten nicht auf sie zugehen wollen. So wird zum Beispiel der Irrtum aufgegriffen, dass Gehörlose nicht Autofahren können - garniert mit "Ich weiß nicht, wie oft ich diesen dummen Satz gehört habe." (S. 77) Für mich ist das eine verständliche Frage. Denn als "Normalhörende" weiß ich nicht, welche Hilfsmittel Gehörlosen zur Verfügung stehen und dass das Gesetz das erlaubt.

    Ein weiteres Beispiel ist der Inklusions-Version an der Berufsschule: Cindy ärgert sich, weil ihre Mitschüler reden, Lärm machen oder sich die Hand vor den Mund halten, wenn sie reden. Sodass auch die Dolmeterscherin nichts versteht. Ich verstehe das. Aber als Hörende ist es schwer, sich darauf einzustellen. Besonders in einer Umbruch-Situation wie der Ausbildung, in der alles aufregend ist. Immer darauf zu achten, dass die Lippen gut sichtbar sind, das stelle ich mir schwer vor.

    Anderseits wird nicht zwischen Individuum und System unterschieden. Was kann der Einzelne tun und was müssen Staat/Kommunen usw. tun?

    Ich habe im Buch selten ein Aufeinanderzugehen gespürt.


    Versöhnliches (?) Fazit


    Ich finde es toll, dass es Youtuber und Blogger wie Cindy gibt, die Menschen das Thema Behinderung näher bringen. Mir zeigt das vor allem, dass Menschen mit Behinderung darauf eingestellt sind und nicht ständig auf Hilfe angewiesen sind. Dass es völlig in Ordnung ist, sie als Menschen zu sehen und keine Angst zu haben, dass man etwas falsch machen könnte. Cindy hat viel Schlechtes erlebt und sehr viel Gutes für sich und andere getan. Ich finde sie auch auf ihrem Kanal sympatisch und gut verständlich.

    Aber als Buch funktioniert das für mich nicht. Es fehlen grundsätzliche Fakten für das Verständnis und die Struktur ist verworren. Am besten wäre es gewesen, man hätte Cindy nur über ihre Lieder sprechen lassen. Vielleicht ist es für eine Autobiografie mit 20 einfach zu früh?


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