Claire-Louise Bennett

 3,4 Sterne bei 27 Bewertungen
Autorin von Teich, Kasse 19 und weiteren Büchern.
Autorenbild von Claire-Louise Bennett (©Conor Hogan)

Lebenslauf

Vom Geheimtipp zum internationalen Erfolg: Die britische Autorin Claire-Louise Bennett hat Literatur und Theaterwissenschaften an der Universität Roehampton studiert. Ihre Kurzgeschichten und Essays wurden in „The Stinging Fly“, „The Penny Dreadful“, „The Moth“, „Colony“, „The Irish Times“, „The White Review“ und „Gorse“ veröffentlicht. 2015 erschien ihr Debütroman „Pond“, der 2018 ins Deutsche übersetzt wurde. „Teich“ erzählt die Geschichte einer Frau, die ihr gesamtes Leben hinter sich gelassen hat, um in ein hundert Jahre altes Steincottage in einem kleinen irischen Küstendorf zu ziehen und fernab von allen Zwängen der Gesellschaft ihre Wahrnehmung zu schärfen und den kleinen Dingen des Lebens Beachtung zu schenken. Die Autorin selbst lebt ebenfalls an einer Küste Irlands, und zwar in Galway.

Alle Bücher von Claire-Louise Bennett

Cover des Buches Teich (ISBN: 9783442772254)

Teich

(18)
Erschienen am 11.07.2022
Cover des Buches Kasse 19 (ISBN: 9783630877112)

Kasse 19

(8)
Erschienen am 15.03.2023

Neue Rezensionen zu Claire-Louise Bennett

Cover des Buches Teich (ISBN: 9783442772254)
Nicolai_Levins avatar

Rezension zu "Teich" von Claire-Louise Bennett

Nicolai_Levin
Der Teich und die Drehknöpfe

(Diese Besprechung bezieht sich auf das englische Original: Pond)

Die Icherzählerin ist eine junge Frau, ich denke, so am Ende ihrer Zwanziger, sie kommt aus England und mietet sich im wilden Westen Irlands ein Cottage, reetgedeckt, Teil einer größeren Anlage, die mal landwirtschaftlich genutzt war und jetzt gebäudeweise vermietet wird. Es liegt weitab vom Schuss und alles ist ein wenig heruntergekommen: Der elektrische Durchlauferhitzer fürs warme Wasser tut’s nur sporadisch, und die Drehknöpfe am Elektroherd zerbröseln einer nach dem anderen, so dass sie den verbliebenen heilen wechselweise auf die Stifte für die Herdplatten stecken muss und nun in Sorge ist, was passieren wird, wenn dieser letzte Drehknopf auch noch den Geist aufgibt, zumal der Herd, wie ihre Recherche ergibt, ein südafrikanisches Fabrikat ist …

Derlei Alltagsbegebenheiten berichtet sie uns, sie schildert vom Leben, vom Lesen, von der Umgebung, von Begegnungen, literarische Einstreusel, ein Hauch Autofiktion. Irgendwie wirkt es seltsam, das in einem Buch zu lesen, das ein Verlag korrigiert und lektoriert, gesetzt, gedruckt und gebunden hat. Ich hätte diese Art Text eher in einem Blog erwartet, einem, das zwischen Alltag und literarischem Anspruch schwingt. Würde ich dem Blog folgen? Eher nicht - auch wenn es gut geschrieben ist, kann es mich irgendwie nicht einsaugen und fesseln. Es ist eine Ansammlung netter Gedanken und Beobachtungen, hübsch formuliert, manchmal mogelt sich sogar ein richtig guter Satz mit Wumms darunter, aber im Ganzen bleibt es doch - jedenfalls für mich - belanglos. 

Cover des Buches Kasse 19 (ISBN: 9783630877112)
Nicolai_Levins avatar

Rezension zu "Kasse 19" von Claire-Louise Bennett

Nicolai_Levin
Virtuoses Barpianogeklimper

In Büchern stehen die interessanten Dinge immer auf den linken Seiten, auf den rechten passiert nicht viel, man ist so versessen aufs Umblättern, dass man die letzten Sätze auf den rechten Seiten ohnehin nur kursorisch liest und eher überfliegt.

Wow! So geht es los, in einem authentischen Erzählstil wie dahingeredet, der sofort in meinem Kopf eine etwas aufgeregte Engländerin auftreten lässt, es könnte Phoebe Dingsbums aus „Fleabag“ sein, das Alter würde vermutlich auch passen, so in etwa.

Die junge Dame lässt sich dann über Erinnerungen aus ihrem Leben aus, viel übers Lesen (und die Obsession, die es auslösen kann), einiges übers Schreiben, Männer, die Schule, Crushes, Peinlichkeiten. Das Arbeiten im Supermarkt und der Russe, der ihr an der titelgebenden Kasse 19 seine Ausgabe von „Jenseits von Gut und Böse“ schenkt. Manches bringt Saiten des Verständnisses in mir zum Klingen (etwa ihr Drang, „Room with a View“ sozusagen nachzustellen, auf einer Reise mit Freundinnen in die Toskana), anderes bleibt mir fremd, so ihre Begeisterung für Ann Quin, von der ich nichts kenne und von der ich auch noch nie zuvor gehört habe.

Dazwischen schiebt sie einen ihrer ersten literarischen Versuche, die fantastische Geschichte des Tranquin Superbus, die ein bisschen an Carlos Ruiz Zafón erinnert, auch in ihren Schwächen. Die Listen mit Büchern, die sie gelesen hat - oder zum jeweiligen Zeitpunkt ihres Lebens eben noch nicht - mag einer zutiefst literarischen Existenz angemessen sein, hat aber doch etwas von protzigem Angeben: „Seht nur, wie belesen ich bin“ (denken Sie sich das ‚belesen‘ bitte extra gedehnt und betont).

Es ist streckenweise sehr amüsant, das zu lesen, manchmal auch zwingend und suggestiv, einen förmlich einsaugend, an anderen Stellen lässt es mich völlig kalt und ich finds nervend.

Vor allem aber stört mich, dass es kein Gesamtbild ergibt. Diese Erinnerungsfetzen, die sie scheinbar willkürlich zusammenklaubt und die streckenweise faszinierend sind und sehr kunstvoll in Worte gefasst, ergeben keine Geschichte, kein Großes, Ganzes, und ich erkenne einfach keine Klammer, außer dass es alles mit Claire-Louise Bennett zu tun hat. Da ist keine verlorene Zeit, die gesucht werden muss, da fügt sich keine heroische Schriftstellervita, wo am Ende des Leidens und Suchens ein großes Buch steht, da klimmt auch niemand aus der Gosse des Proletariats durch Lesen und Bildung an die Fleischtöpfe einer gutbürgerlichen Existenz. Es ist eine Momentaufnahme, Stückwerk, es fühlt sich ein bisschen an wie Free Jazz oder freies Improvisieren: Sie klimpert virtuos auf ihrer Klaviatur, lässt Akkorde erklingen, Tastenläufe, die einem den Atem rauben, es klingt gut, aber es ergibt kein richtiges Stück und man möchte ihr zurufen: „Mensch, Mädel, du kannst es doch, du bist eine Meisterin des Pianos, jetzt schreib dir doch mal was Richtiges zusammen, eine Sonate, ein Konzert, mit Sätzen und Thema und Variation und Wechsel nach Moll, und in die Subdominante oder die Septim! Du hast doch bitte mehr drauf als diese Barpianoklimperei!“

Vielleicht macht sie es ja noch …

Cover des Buches Kasse 19 (ISBN: 9783630877112)
X

Rezension zu "Kasse 19" von Claire-Louise Bennett

x_hopewell
Andere autofiktionale Literatur

Das Versprechen, das ich aus Rezensionen las, war, dass Claire-Louise Bennett uns mit »Kasse 19« eine neue, progressive Form der (in einer Sackgasse steckenden) autofiktionalen Literatur vorlegt. Und dieses Versprechen wurde eingelöst. Es ist ein subtiles Werk, skizzenhaft und nicht mit dem dicken Pinsel aufgetragen. Dadurch aber auch anspruchsvoll und kryptisch. Es erzählt die Geschichte der Autorin, vor allem über ihren literarischen Werdegang. Das könnte stinklangweilig sein – wer liest schon gerne eine Abfolge von Buchtiteln?! –, aber Bennett versteht es meisterhaft, ihre literarische Bildung mit ihrem Werdegang zu verknüpfen. Themen sind Bildung, Freundschaft, Loyalität, Alkoholismus, Klassendenken und viele mehr. Durch alle Episoden zieht sich eine feministische Emanzipation von patriarchalen Strukturen, die mir sehr gefallen hat. Bis hin zu einem erschreckend eindringlich beschriebenen Trauma am Ende, das ich aber nicht vorwegnehmen möchte. Das ist schlicht große Literatur!

Ich empfehle das Buch allen Lesenden, die Interesse an anderer autofiktionaler Literatur haben, die über den Massengeschmack hinaus geht.

Gespräche aus der Community

Bisher gibt es noch keine Gespräche aus der Community zum Buch. Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Welche Genres erwarten dich?

Community-Statistik

in 42 Bibliotheken

auf 7 Merkzettel

von 1 Leser*innen aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks