Claire-Louise Bennett

 3.6 Sterne bei 10 Bewertungen
Autorin von Teich.
Claire-Louise Bennett

Lebenslauf von Claire-Louise Bennett

Vom Geheimtipp zum internationalen Erfolg: Die britische Autorin Claire-Louise Bennett hat Literatur und Theaterwissenschaften an der Universität Roehampton studiert. Ihre Kurzgeschichten und Essays wurden in „The Stinging Fly“, „The Penny Dreadful“, „The Moth“, „Colony“, „The Irish Times“, „The White Review“ und „Gorse“ veröffentlicht. 2015 erschien ihr Debütroman „Pond“, der 2018 ins Deutsche übersetzt wurde. „Teich“ erzählt die Geschichte einer Frau, die ihr gesamtes Leben hinter sich gelassen hat, um in ein hundert Jahre altes Steincottage in einem kleinen irischen Küstendorf zu ziehen und fernab von allen Zwängen der Gesellschaft ihre Wahrnehmung zu schärfen und den kleinen Dingen des Lebens Beachtung zu schenken. Die Autorin selbst lebt ebenfalls an einer Küste Irlands, und zwar in Galway.

Alle Bücher von Claire-Louise Bennett

Teich

Teich

 (10)
Erschienen am 23.04.2018

Neue Rezensionen zu Claire-Louise Bennett

Neu

Rezension zu "Teich" von Claire-Louise Bennett

"Imaginäres Anderswo"
Thomas_Lawallvor 14 Tagen

Irische Westküste. In einem Cottage lebt eine junge Frau. Claire-Louise Bennett beobachtet sie und schreibt alles auf. "Alles" im wahrsten Sinne des Wortes. Sie sieht durch die Augen ihrer Protagonistin, sieht und fühlt die Welt, wie sie es vielleicht auch selbst tut.

Es ist so, als ob die junge Frau jeden Moment ihrer Existenz bewusst wahrnimmt. Das eröffnet eine Menge Möglichkeiten. Die Momente, die sie sammelt, werden somit an der Flucht gehindert. Gerne bleiben sie, wie zur Belohnung, noch eine Weile bei ihr. Wie jene, welche in dem verwilderten Garten an ihrem Haus entstehen. Blumenpracht und stolze Bäume, bewohnt von Lebewesen ohne Zahl. "Alle hatten so viel zu tun."  

Sie betrachtet die Dinge, wie andere es nicht sehen können oder auch gar nicht wollen. Zwangsweise kommt es nicht selten vor, dass man sich ihr gegenüber Hinweise erlaubt, sich doch "ein wenig mehr Zurückhaltung aufzuerlegen". Sie gibt es ja zu, wenn sie sich die Fähigkeit wünscht, "nicht alles Gesagte sofort auf die Goldwaage zu legen". Sie schafft es aber nicht, weil sie es nicht kann. Es gibt sie nicht, die "mannsgroßen Filter", die sie beispielsweise von ihrem "kritischen Desinteresse", was Männer betrifft, abhalten. 

Die Autorin zeichnet ein Versteckspiel der Worte und deren Bedeutung. Profane Dinge, wie alle möglichen Hausarbeiten bis hin zum Fegen des Bodens, werden bis ins Detail ausgeführt. Die Gründe für jene Handlungen werden vordergründig geschildert, und doch sind sie zumeist aus bestimmten, tiefer liegenden Beweggründen entstanden oder versuchen solche abzudecken und zu kaschieren. Es kann so sein, aber auch anders. Ambivalenz hinter jeder Ecke.

Das ist in etwa so, wie Claire-Louise Bennett ebenso ständige wie auffallende Wiederholungen einsetzt, wobei, neben "genau" oder "streng genommen", "ehrlich gesagt" eine führende Rolle spielt. Das kann - ehrlich gesagt - ganz schön auf den Zeiger gehen. Fünfzig mal. Ein Stilmittel sicherlich, die Ursache und Wirkung schön durcheinanderbringen können. Paradox: Oft kann man ihr nicht folgen, jedoch ablassen ebenfalls nicht.

Wie in literarischen Verwirrspielen fast üblich, verstecken sich bedeutungsschwangere Deutungen der Welt und ihrer Funktionen im endlosen Gestrüpp, wuchernde, als Banalitäten getarnte Hinweise, Wegtafeln und Einsichten, und sie tun es in diesem Fall sehr gründlich. Man könnte auch unterstellen, dass jene Frau ein traumatisierendes Erlebnis zu verarbeiten sucht oder schlicht und einfach krank ist. Oder sie sitzt einfach da und denkt nach. Eine eigentliche Handlung erübrigt sich hierbei. Herrlich, wie man dies drehen und wenden kann.

Erstaunlich die Gedankenwelten. Wer keine Lust mehr am Leben findet, hat "die Magie des Todes verspielt". Unverzeihlich ist es, einen Hund namens Luchs für eine Katze gehalten zu haben. Abhandlungen über Füller, einen alten Küchenherd und seine Bedienung, den "elenden Prozess des Suppe-Essens", oder einen Tumult, wo man "Schicksale verrührt und die Sterblichkeit beschmutzt." 

Vielleicht sucht die Autorin auch nach Worten, die es noch gar nicht gibt. "Genau genommen" (auch gerne wiederholt) schreibt sie gar nicht in ihrer Muttersprache. Welche die ist, gilt es aber noch herauszufinden. Somit wäre die Ausführung von "Teich" als eine Art Behelf anzusehen. Sie räumt aber ein, dass es möglicherweise bei diesem "Provisorium" bleiben wird, da sie befürchtet, dass sich ihre Muttersprache womöglich gar nicht sprechen, geschweige denn aufschreiben lässt. Doch es könnte ja sein, dass sie irgendwo "leise Gestalt annimmt". 

Es wird also, je nach Sichtweise und Standpunkt der Leser, sehr spannend oder noch langweiliger werden, Claire-Louise Bennett weiterhin zu begleiten, denn "Teich" kann das letzte Wort nicht bleiben. In welcher Angelegenheit auch immer. Oder - ehrlich gesagt - auch keiner. Egal. Hauptsache der gewaltige Interpretationsspielraum bleibt bestehen. Wer es mag. Schließlich geht es doch stets um ein "imaginäres Anderswo".

Kommentieren0
0
Teilen

Rezension zu "Teich" von Claire-Louise Bennett

Teich - ein Gedankenstrom
JoBerlinvor 4 Monaten

Mit ihrem ersten Roman „Teich“ ist Claire-Louise Bennett ein großer internationaler Erfolg gelungen, das kommt nicht so häufig vor, das wird gefeiert und alle wichtigen book reviews von New York bis Paris sind sich hier einig: „a fine literary talent“, „une l’orinalité surprenante“ .

Worum geht es in diesem außergewöhnlichen Buch? Eine junge Frau mietet ein Cottage und berichtet von ihrem neuen Leben in einem irischen Dorf. 

Hier erwarten uns nun keine Tipps zur Gartengestaltung oder verklärende Naturschilderungen. Wir erfahren vielmehr von den technischen Tücken eines alten Herdes, der Gerümpelansammlung im Schuppen , den Nachbarn, der Vermieterin. Diesen Alltäglichkeiten wird nun durch eine Art assoziativem Gedankenfluss die Banalität genommen, sie erscheinen – real-träumerisch versponnen - in einem ganz neuen Gewand. Stilistisch ist das toll und wirkt sehr jung, sehr anders und Herzen fliegen , man spürt das förmlich , dieser charmant-intelligenten Autorin nur so zu. 

Liest man das Buch jedoch in einem Stück - ich rate davon ab – scheint durch das Junge, Frische, ganz leicht und nur ein bißchen, eine recht wohlbekannte kokett-naive Mädchenmasche.

Kommentare: 1
6
Teilen

Rezension zu "Teich" von Claire-Louise Bennett

Einfach nur ein großartig anderes Debüt
buchstabensammlerinvor 7 Monaten


Rund ums Buch:
Titel: Teich
Autorin: Claire-Louise Bennett
Seiten: 217
Verlag: Luchterhand
Buch: Gebundenes Buch
Erscheinungstag: 23.04.2018
ISBN: 978-3-630-87556-9
Preis: 20,00 €

Cover/Titel:
Was für ein schönes, schlichtes Cover in gelb und blau.
Ein Stuhl, Schatten... nicht wirklich erkennbar. Aber ansprechend und doch so unbedeutend, da nichts aussagend.

Inhalt:
Der Alltag einer jungen Frau, die allein in einem Cottage an Irlands Westküste lebt, wird in diesem Buch in 20 unabhängig voneinander lebenden Geschichten dargestellt

Meine Meinung:
Eine großartige Sprache hat mich sofort in den Bann dieses Buches gezogen. Obwohl man nicht wirklich weiß, ob die Autorin ihre eigene Geschichte erzählt oder Fiktion auf Papier bringt, so wird der Leser sofort durch die ausschweifend dargestellten und umfassend beschriebenen Kleinigkeiten der einzelnen Geschichten abgeholt. Es ist erstaunlich, wie intensiv diese Frau, fern ab der Zivilisation lebt und somit das Gefühl für das Wesentliche entwickelt und sich auch mal auf einer Seite über Tomatenmark auslässt.
Die Beschreibungen der Sinne machen das Buch so ansprechend und es fällt auf, dass die Autorin ein Naturmensch sein muss. Beispielsweise, wenn sie sich unter einen Baum legt und einfach lauscht. Dies ist so intensiv geschrieben:
„Ich hörte den Käfer, der mir über die Stirn kroch, immer am Haaransatz entlang. Ich hörte eine Spinne, die sich durchs Gras der Decke näherte. Ich hörte zwei zankende Blaumeisen, die oben in den Zweigen schaukelten. Ich hörte eine Ringeltaube, deren Flügel auf die Äste der in Efeu gehüllten Birke eindroschen, und Stare auf den hohen Stromleitungen, und noch weiter drüben hörte ich Möwen und Mauersegler. Und jedes Geräusch war eine Sprosse einer Leiter, auf der ich immer weiter aufwärts stieg. Auf diese Weise gelangte ich in große Höhen, ich kletterte an den Wolken vorbei einer vogelhaften Ausgelassenheit entgegen, und dann gab es nichts mehr als Fortwährendes Licht und blaue Weiten.“ Seite 35

Die Einsamkeit macht die junge Frau zu einer einfühlsamen und doch verletzlichen Person, die sich trotz alledem nach Menschen sehnt, denn immer mal wieder besucht sie ihre Nachbarn oder macht ein Gartenfest... und gleichzeitig überlegt sie, beispielsweise im Kapitel „Kontrollknöpfe“, ob ihr defekter Herd dazu geeignet ist, sich umzubringen. Nur leider ist es ein Elektroherd...

Fazit:
Das Buch ist keine in sich geschlossene Geschichte, es ist vielmehr ein Gedankenkarussell einer nicht einzuordnenden Protagonistin, die einen in Höhen und Tiefen ihrer Gefühlswelt eintauchen lässt und somit auch hin- und her gerissen das Buch bis zum Ende verschlingen lässt. Es ist einfach ein großartiges Debüt. 

Kommentieren0
7
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 14 Bibliotheken

auf 3 Wunschlisten

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks