Claire Keegan

 4,4 Sterne bei 416 Bewertungen
Autor*in von Das dritte Licht, Kleine Dinge wie diese und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Claire Keegan, geboren 1968, wuchs auf einer Farm in der irischen Grafschaft Wicklow auf. Sie hat in New Orleans, Cardiff und Dublin studiert. Bei Steidl sind von der vielfach ausgezeichneten Autorin bereits die Erzählungsbände Wo das Wasser am tiefsten ist und Durch die blauen Felder (in einem Band: Liebe im hohen Gras, 2022) erschienen. Ihre Erzählung Kleine Dinge wie diese (2022) stand auf der Shortlist des Booker Prize.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Claire Keegan

Cover des Buches Das dritte Licht (ISBN: 9783969991992)

Das dritte Licht

(155)
Erschienen am 17.07.2025
Cover des Buches Kleine Dinge wie diese (ISBN: 9783969990650)

Kleine Dinge wie diese

(123)
Erschienen am 21.10.2025
Cover des Buches Reichlich spät (ISBN: 9783969993255)

Reichlich spät

(77)
Erschienen am 16.05.2024
Cover des Buches Wo das Wasser am tiefsten ist (ISBN: 9783865211705)

Wo das Wasser am tiefsten ist

(5)
Erschienen am 01.12.2005
Cover des Buches Durch die blauen Felder (ISBN: 9783293206694)

Durch die blauen Felder

(2)
Erschienen am 23.09.2014
Cover des Buches Das dritte Licht (ISBN: B0BVBLMY99)

Das dritte Licht

(1)
Erschienen am 01.02.2023
Cover des Buches Liebe im hohen Gras (Steidl Pocket) (ISBN: 9783969991220)

Liebe im hohen Gras (Steidl Pocket)

(1)
Erschienen am 10.07.2025
Cover des Buches Liebe im hohen Gras (ISBN: 9783958293731)

Liebe im hohen Gras

(1)
Erschienen am 14.11.2017

Neue Rezensionen zu Claire Keegan

Cover des Buches Das dritte Licht (ISBN: 9783969991992)
P

Rezension zu "Das dritte Licht" von Claire Keegan

Petra_de_Zamagna
eine Novelle, die den Orwell Prize für Politische Belletristik gewann

Es ist die Geschichte eines jungen Mädchens und beschreibt Vernachlässigung, Zuwendung und die transformative Kraft über Liebe. Das von seinen tatsächlichen Eltern vernachlässigte Kind inmitten vieler Geschwister - es gibt aber nur wenig Geld und der Vater ist alkoholkrank und nur in Form der ewigen Trinksucht präsent - wird bei einer erneuten Schwangerschaft der Mutter zu einer verheirateten Cousine der Mutter für ein paar Monate gegeben. Dort erfährt es zum ersten Mal im Leben, was es bedeutet,  gesehen und umsorgt zu werden. Die emotionale Kälte im eigenen Elternhaus wird der Aufmerksamkeit und Fürsorge, satt und sauber gehalten zu werden, gegenübergestellt. Es zeigt sehr schön, wie Kinder in dysfunktionalen Familien oft unsichtbar werden - und wie heilsam es sein kann, wenn jemand sich ihrer annimmt. Schon die berühmte Psychoanalytikerin Alice Miller hat vor vielen Jahren erklärt, wie wichtig es für die Entwicklung von Kindern ist, gerade in desolaten Familienverhältnissen wenigstens eine feste Bezugsperson außerhalb der Familie zu haben, der das Kind vertrauen kann. 

Sehr typisch für die bekannte irische Autorin Claire Keegan ist, was sie nicht sagt - auch die neue Familie hat ein Trauma erlebt, was zwar angedeutet, aber nicht explizit diskutiert wird. Keegan vertraut darauf, dass der Leser zwischen den Zeilen lesen kann und sich die Hintergründe und was sie für die Personen bedeuten selbst zusammenreimen kann. Die Worte sind immer klar wie Quellwasser und jedes Wort zählt. Es werden konkrete Details beschrieben (wie das Handtuch, das ordentlich aufgehängt wird oder ein Glas Milch, das nachgeschenkt wird) und zusammen gibt das ein Bild von Zuwendung. Die Perspektive des Kindes macht die Erzählung besonders eindringlich - das Mädchen registriert alles, versteht aber oft nicht die Bedeutung. Das alles ist fast wie Lyrik in Prosaform.

Das Buch stellt wichtige Fragen: Was bedeutet Familie? Wer hat das Recht, ein Kind zu behalten? Ist biologische Verwandtschaft wichtiger als emotionale Bindung und Fürsorge?

Grosse Literatur braucht nicht viele Worte - das wurde ein weiteres Mal unter Beweis gestellt. Wie man mit wenigen Worten ganze Welten erschaffen kann, ist beeindruckend. Und alles wird einfach erzählt, ohne anklagend oder melodramatisch zu werden. Es zeigt einfach, wie es war - die Kälte, die Angst, die kleinen Gesten der Menschlichkeit inmitten systemischer Grausamkeit.

Später entstand daraus auch ein Film "The quiet girl"  von Caitlín Ciūin, der 2022 erschien und auch bei Oscarpreisverleihung eingereicht wurde und beim europäischen Filmpreis in die Vorauswahl gelangte. Ein wirtschaftlich sehr erfolgreicher Film.  Ich fand ihn allerdings nicht so gut, weil viele Dinge, die im Buch aus der Sicht des Mädchens thematisiert werden, im Film einfach ungesagt bleiben und dadurch entsteht ein bisschen eine bleierne Stille, die schwerer nachzuvollziehen ist, als die ungesagten Worte im Buch.

Cover des Buches Kleine Dinge wie diese (ISBN: 9783969990650)
Pepales avatar

Rezension zu "Kleine Dinge wie diese" von Claire Keegan

Pepale
Mut um hinzusehen

Irland, Winter 1985: In der Kleinstadt New Ross steht ein Kloster, in dem es auch eine Wäscherei gibt. Die Bewohner des Ortes lassen dort ihre Wäsche säubern. Laut Gerücht sollen dort moralisch fragwürdige Mädchen wohnen, die dort Buße tun und von früh bis spät die Schmutzwäsche waschen. Die neugeborenen Babys der Mädchen sollen ins Ausland verkauft werden.


Bill Furlong ist Kohlenhändler. Durch Zufall macht er eines Tages im Kohleschuppen des Klosters eine zutiefst verstörende Entdeckung, die ihn nicht mehr los lässt und in Gewissenskonflikte bringt. Er hat Leid gesehen und kommt nicht mehr zur Ruhe. Seine Töchter besuchen die angesehene Internatsschule und die Nonnen sind einflussreich. Wie soll er sich entscheiden?


Der Schreibstil ist leicht und ich konnte mir alles bildhaft vorstellen. Es handelt sich um eine berührende Geschichte. Der Text macht nachdenklich, wie schnell weggeschaut wird.


Das Buch hat mir gefallen. Der Schreibstil ist flüssig und leicht zu lesen. Ich empfehle diese Lektüre gerne weiter.

Cover des Buches Reichlich spät (ISBN: 9783969993255)
TochterAlices avatar

Rezension zu "Reichlich spät" von Claire Keegan

TochterAlice
Intensiv und raffiniert

Typisch Claire Keegan eben! Mehr noch als üblich gibt es in diesem kurzen Werk am Ende eine überraschende Volte, die die ganze Entwicklung in ein komplett anderes Licht stellt. Diese Autorin versteht es immer wieder, gewisse Abgründe der Gesellschaft, wie sie immer wieder vorkommen, ihren Lesern vor Augen zu führen. Und steht ganz klar auf der Seite der Frauen, auch wenn sie deswegen nicht immer die Männer schlecht dastehen lassen muss.

Eine besondere Autorin - ich genieße wirklich jeden einzelnen, von ihr geschriebenen Satz!

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