Claire Marin

 3,5 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor*in von Brüche und An seinem Platz sein.

Lebenslauf

Claire Marin, geboren 1974, promovierte an der Universität Paris-Sorbonne und ist Dozentin für Philosophie an den Grandes Écoles in Frankreich und assoziiertes Mitglied der ENS-Ulm. Sie erforscht die Prüfungen, denen wir uns im Leben stellen müssen. Ihr erstes Buch »Brüche« wurde zu einem großen Erfolg bei Kritik und Publikum. Für ihre Arbeit erhielt Claire Marin u. a. den renommierten Prix de Savoirs.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Claire Marin

Cover des Buches Brüche (ISBN: 9783423285018)

Brüche

(2)
Erschienen am 11.09.2025
Cover des Buches An seinem Platz sein (ISBN: 9783150114384)

An seinem Platz sein

(0)
Erschienen am 19.05.2023

Neue Rezensionen zu Claire Marin

Cover des Buches Brüche (ISBN: 9783423285018)
M

Rezension zu "Brüche" von Claire Marin

M.Lehmann-Pape
Vom wichtigen und bewussten Umgang mit Krisen

Gerne würde man es vermeiden. Vermutlich die meisten Menschen. Wenn im Leben Gewissheiten, wichtige Bereiche, enge Beziehungen unter Druck geraten. Allein schon der Tod unerwünschte Trennungen für jeden bereithält, aber auch Pläne scheitern, berufliche Weg abbrechen, Freundschaften, Partnerschaften, familiäre Bindungen breche, sich abwenden, wenn Unglücke und Krankheiten den eigenen Weg plötzlich aus der Bahn werfen. Und vieles mehr, was man im Alltag als Gefahren gerne verdrängt und das einen mehr oder weniger aufgewühlt, teils verzweifelt, in den ersten Augenblicken ohnmächtig und hilflos dem Leben gegenüber „im Regen“ stehen lässt.

 

Wie wenn Porzellan zerbricht, entstehen Risse im Leben. Risse, die einen durchaus auch in Abgründe zu ziehen vermögen. Risse, die vielleicht einfach nicht heilen wollen und die ein Gefühl des Unglücks manchmal allumfassend ins Leben stellen.

 

„Brüche sind Risse“, ein „unkontrolliertes Reißen“, das „nur selten saubere Konturen hinterlässt“.

Und doch sind Brüche so gut wie unvermeidlich. Und, das weist Marin in ruhigem, immer emotional warmem Ton und immer überaus einsichtig vor Augen geführt, in ihrem neuen Werk auf.

Was ein stückweit an die japanische Kunst des „Kintsugi“ erinnert. Da, wo zerbrochenes Porzellan „geheilt“ wird. 

Aber nicht so, dass von den Rissen nichts mehr zu ahnen wäre. Sondern, im Gegenteil, mit klar konturierten, erkennbaren „Narben“ im Porzellan, dass die Brüche und Risse noch betont herausarbeitet. Und dennoch wieder ein voll funktionales Geschirr in den Raum des Lebens stellt.

 

So ist es auch bei den wichtigen, bewegenden Gedanken, die Marin Lesern und Leserinnen zur Verfügung stellt. Risse, Brüche, Abbrüche sind jene Orte im Leben, die stark zur persönlichen Entwicklung beitragen. Die, oft überhaupt erst, notwenige, vielleicht überfällige, Entwicklungen ins Rollen bringen. Mit der Betonung darauf, das ist der rote Faden des Buches, dass es einen gewaltigen Unterschied macht (siehe „Kintsugi“), ob man sich ungestaltet in das Geschehen ergibt, sich wehrt, alle Kraft daransetzt, einen „zerbrochenen Zustand“ ungeschehen zu machen und fast verzweifelt nur den Weg zwanghaft zu verfolgen, dass „alles wieder so wird, wie es war“ und am besten auch keine Spuren der Krisen mehr zu erkennen sind später.

Oder ob, bei aller emotionalen Belastung und teils auch Verzweiflung, die Kraft entsteht, solche „reißenden Lebensmomente“ absolut anzunehmen und sich „neu zu erfinden“. Um später die Brüche und Narben bewusst und sichtbar im eigenen Leben integrieren zu können.

 

„Die Verbindungen zu den anderen und der Welt, die uns umgibt, sind nie so empfindlich wie in dem Moment, da wir sie verlieren, genauer gesagt…..da wir denen, die für uns zählen, entrissen werden“.

 

Und doch gilt, dass Brüche uns existenziell gestalten, vielleicht mehr als alles andere Erleben. Und manchmal „muss man mit etwas brechen, um sich zu retten“.

 

Vor allem ergibt die Lektüre, ob man es gerne annimmt oder mit Widerstand, eines als Gewissheit: Das Leben ist nicht planbar und berechenbar. Gerade existenzielle Wichtigkeiten sind immer auch gefährdet. Und nicht nur der Emotion, auch der Logik erschließen sich die Schlüsse Marins im Lauf der Lektüre. Da Brüche dann „sind“, und da es schlichtweg nicht auszuradieren sein wird, ist es die weitaus konstruktivere Haltung, auch das Schwere als Herausforderung anzugehen und sich dem Geschehen „hinzugeben“ (nicht „zu ergeben“).

 

Dann wird zwar noch lange nicht alles einfach wieder Heil und findet nicht alles ein „Happy End“, aber doch kann dieses zentrale Geschehen im Leben Teil des eigenen Wegs und der eigenen Persönlichkeit werden. Wenn man sich Brüchen und Rissen bewusst stellt.

 

„Schläge einstecken“ ist dabei keine schwache Passivität, sondern eher ein Wissen um Momente, wo es angesagt ist, nicht in Aktionismus auszubrechen, sondern Trauer und Schmerz eben „erdulden“ zu können. 

„Erdulden“  keine Schwäche, viele eher die Stärke, nicht in Panik flüchten zu müssen, wenn eine Krise im Raum steht, sondern auch das schwere einfach aushalten zu können, ohne dass eine Lösung greifbar im Raum stehen würde.

 

Am Ende ist es nicht so, wie es westlich landläufig vorrangig scheint. Dass das Leben sich durch das „Lernen aus Krisen und Fehlern“ ständig zu verbessern hat. Sondern dass das eigene Leben ein nicht immer sicherer Weg ist, dessen Prozess man aber mit Hingabe begleiten, den man auch gestaltenkann, aber in manch wichtigen Momenten auch einfach zu erleiden hat.

 

Ein hochinteressantes, aufrüttelndes und wichtiges Buch, dass für die eigene Weltsicht mehr austrägt, als alle äußeren Wege, in denen sich Menschen zu oft alleine erschöpfen.

Cover des Buches Brüche (ISBN: 9783423285018)
Leseschneckchen555s avatar

Rezension zu "Brüche" von Claire Marin

Leseschneckchen555
Vielleicht war es nicht das richtige Buch für mich, aber ich nehme dennoch etwas daraus mit

Der Klappentext zu diesem Buch hatte mich neugierig gemacht. Durch Brüche im Leben zu sich selbst zu finden und diese positiv zu nutzen, klang für mich sehr reizvoll. Wer möchte nicht aus den großen Veränderungen oder Schicksalsschlägen, die das Leben für uns bereithält, wachsen, statt zu verkümmern? In diesem Buch werden besonders die schwierigsten Situationen unseres Lebens behandelt, wie zum Beispiel der Verlust eines geliebten Menschen, sei es durch Trennung oder durch den Tod. Neuanfänge wie ein Arbeitswechsel, die Geburt eines Kindes oder ein weiterer Lebensabschnitt werden ebenfalls behandelt.

Bevor ich näher auf meinen Leseeindruck eingehe, möchte ich ein paar Zitate der Autorin verwenden, die mir gefallen haben und mich während des Lesens zum Nachdenken anregten.

„Man muss nicht so berühmt sein wie Sartre, um sich wie ein Gefangener der Erwartungen anderer zu fühlen, selbst wenn diese die Folge einer Entscheidung sind, die wir in der Vergangenheit aus freien Stücken getroffen haben.“

„Es geht darum zu erkennen, wer man ist, anderswo und allein. Als ob man bei dieser Abkehr von der Liebe auch etwas über sich selbst lernte.“

„Es ist immer beeindruckend zu sehen, wie das Gesicht manchmal schon ausdrückt, dass man etwas durchgestanden und überstanden hat.“

„Die psychische Erkrankung ist eine Art Flucht vor sich selbst, wenn die eigene Identität unerträglich erscheint und jede Art der Flucht unmöglich ist.“

Vielleicht bin ich mit völlig falschen Erwartungen an dieses Buch gegangen, aber ich musste sehr schnell feststellen, dass ich hier keine leichte Lektüre in den Händen halte. Die Autorin schreibt philosophisch und bedient sich an zahlreichen Zitaten und Quellen berühmter Schriftsteller, Philosophen und Künstler wie zum Beispiel Friedrich Nietzschke, Henri Michaux oder Charles Juliet. Am Ende des Buches befinden sich ganze 21 Seiten Zitatnachweise und Anmerkungen, die im Verlauf des Buches zu finden sind. So kann man sich in etwa vorstellen, wie viele Unterbrechungen es im Lesefluss geben kann, wenn man diese alle nachschlägt. Ich habe sie nicht nachgeschlagen, aber sie haben mich trotzdem irritiert und manchmal in die Irre geführt, so dass ich viele Sätze mehrmals lesen musste, damit ich sie vollständig aufnehmen konnte. Ich möchte hier keineswegs den Schreibstil der Autorin bemängeln, sondern eher den Aufbau des Buches. Mir hätte es gefallen, wenn die Autorin mehr von ihren eigenen Gedanken geteilt hätte. Die vielen Quellen, an denen sie sich bediente, haben für mich nur Unruhe in das Buch gebracht. Dennoch habe ich auch sehr interessante und bemerkenswerte Informationen aus dem Geschriebenen mitnehmen können. Claire Marin ermöglicht mit ihrem Buch unser Verhalten zu spiegeln, gibt Hinweise darauf, warum wir in gewissen Situationen genau so reagieren oder wie wir uns in schwierigen Lebensphasen fühlen. Dem einen mag es die Augen öffnen, dem anderen einen Anreiz geben, sein Verhalten zu überdenken.

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