Claire Messud

 3,7 Sterne bei 41 Bewertungen
Autorin von Das brennende Mädchen, Des Kaisers Kinder und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Claire Messud

Erzählungen aus den USA von heute: Die Autorin Claire Messud wurde 1966 im US-Bundesstaat Connecticut als Tochter einer Kanadierin und eines Franzosen geboren und wuchs in den USA, Kanada und Australien auf. Sie studierte u. a. an den beiden renommierten Universitäten Yale und Cambridge, ehe sie sich der Schriftstellerei zuwandte. Schon ihr Debütroman „When the world was steady“ wurde 1995 für den PEN/Faulkner Award dominiert. In Ihrem zweiten Buch „The Last Life“ verarbeitete Claire Messud 1999 die Erfahrungen ihrer französisch-algerischen Familie. Es erschien 2001 in Deutschland unter dem Titel „Und dazwischen das Meer“. Durchbruch mit 9/11: Die größte Katastrophe auf US-amerikanischem Boden der letzten Jahrzehnte verhalf Claire Messud zu ihrem literarischen Durchbruch: Der 2006 veröffentlichte Roman „The Emperor's Children“ (dt.: „Des Kaisers Kinder“, 2007) erzählt von drei Freunden in Manhattan im Herbst 2001 vor und nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center. Er wurde zum Bestseller und war für den Man Booker Prize nominiert. 2018 legte sie ihren Roman „The Burning Girl“ (dt.: „Das brennende Mädchen“, 2018) vor, das faszinierende Portrait einer Frauenfreundschaft. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit hält Claire Messud Vorlesungen in Creative Writing. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in den USA.

Alle Bücher von Claire Messud

Cover des Buches Das brennende Mädchen (ISBN: 9783455008876)

Das brennende Mädchen

 (21)
Erschienen am 01.04.2021
Cover des Buches Des Kaisers Kinder (ISBN: 9783442739288)

Des Kaisers Kinder

 (7)
Erschienen am 14.04.2009
Cover des Buches Wunderland (ISBN: 9783455006148)

Wunderland

 (4)
Erschienen am 01.04.2021
Cover des Buches Und dazwischen das Meer (ISBN: 9783426625231)

Und dazwischen das Meer

 (5)
Erschienen am 01.11.2004
Cover des Buches Des Kaisers Kinder (ISBN: 9783455005585)

Des Kaisers Kinder

 (2)
Erschienen am 05.02.2019
Cover des Buches Des Kaisers Kinder (ISBN: 9783455006063)

Des Kaisers Kinder

 (0)
Erschienen am 05.02.2019
Cover des Buches Familie Jäger (ISBN: 9783421056818)

Familie Jäger

 (0)
Erschienen am 10.02.2004
Cover des Buches Wunderland (ISBN: B08MHY9HWF)

Wunderland

 (0)
Erschienen am 01.04.2021

Neue Rezensionen zu Claire Messud

Cover des Buches Das brennende Mädchen (ISBN: 9783455003925)leseleas avatar

Rezension zu "Das brennende Mädchen" von Claire Messud

Im Schatten
leseleavor 9 Monaten

Das Ende einer Freundschaft kann so schmerzen wie das Ende einer Liebe. Vielleicht sogar noch mehr, wenn es eine Freundschaf ist, wie sie die beiden Mädchen Juju und Cassie erlebt haben. Seit dem Kindertagen unzertrennlich verbringen sie in den kommenden Jahren ihren kompletten Alltag miteinander: Ob Einschulung, große Ferien, erste Schwärmereien, Trauer um Verlorenes, sie teilen alles miteinander und fühlen sich, obwohl äußerlich und innerlich so unterschiedlich – Juju ist groß, brünett und nachdenklich; Cassie ist zierlich-klein, weißblond und draufgängerisch-furchtlos –, wie Schwestern. Sie kennen die Gedanken der anderen, noch bevor diese sie für sich selber formuliert und wissen, wie die andere fühlt, auch wenn sie einem Ereignis nicht beiwohnen. Die Freundschaft scheint für die Ewigkeit bestimmt – nur um dann am Wechsel auf die Mittelschule und an der beginnenden Pubertät zu scheitern. Juju feiert akademische Erfolge, Cassie geht auf Partys. Es gibt keinen Streit, keinen lauten Knall, aber eben auch kein klärendes Gespräch. Still und leise geht ein Riss durch ihr Freundschaftsband, das schließlich den Veränderungen nicht mehr standhalten kann und endgültig reißt.

Claire Messud hat mit Das brennende Mädchen einen atmosphärischen und lebensnahen Roman über eine besondere Mädchenfreundschaft geschrieben, die den Eintritt ins Erwachsenenalter nicht überlebt. Atmosphärisch, da sie besonders im ersten Teil versteht, diesen einen besonderen Sommer der Jugend heraufzubeschwören, den ein jeder doch von uns erlebt hat und an den er noch heute gerne mit wohliger Nostalgie zurückdenkt. Lebensnah, weil sie in ihrem Roman auf Tragik oder einen großen Konflikt verzichtet und stattdessen erzählt, wie Beziehungen scheitern: Menschen verändern sich, entwickeln sich weiter und voneinander weg, lassen die Sprachlosigkeit größer werden, verharren aufgrund eines ungewollten Egoismus in ihrer Sichtweise und schaffen es nicht mehr, die Perspektive des Gegenübers einzunehmen. Dies gilt nicht nur für zwölfjährige Mädchen, sondern betrifft auch die Freundschaften, die wir als Erwachsene führen. Messuds Roman ist in seiner Beschreibung der Entfremdung zeitlos und generationenübergreifend. 

Formal und stilistisch überzeugt Messud nicht nur mit ihrer unaufgeregten Sprache, sondern auch mit der Installation von Juju als Erzählerin. Gerade weil sie es nicht schafft, Cassie zu Rede zu stellen und im Dialog über ihre Freundschaft zu verhandeln, steigert sie sich in den knapp 250 Seiten in einen beinahe manisch wirkenden Monolog hinein. In der versteiften Einsicht verharrt, ihre beste Freundin doch in- und auswendig zu kennen, versucht sie durch das Umwälzen ihrer Gedanken zu ergründen, was schief gelaufen ist, und Puzzleteile zusammenzusetzen, um das Bild vollständig zu erfassen. Doch wählt sie die richtigen Teile? Geht in Cassies Zuhause, das sie als Halbwaise mit ihrer Mutter teilt wirklich etwas vor? Ist der neue Freund der Mutter eine Bedrohung oder greift sie hier nur auf das Motiv des bösen Stiefvaters zurück? Ihre Zweifel und Ängste wecken bei der Lektüre Beklemmungen und erzeugen eine unterschwellige Spannung. Eine eindeutige Antwort – so viel sei gesagt – erfährt man als Leser:in nicht, doch damit ist der Roman nur einmal mehr an der Wirklichkeit: Nicht immer erfahren wir im Leben, was sich wirklich zugetragen hat. Oft genug werden wir mit unserer Fantasie alleine gelassen und erzählen uns deshalb Geschichten, die uns helfen sollen, einen Sinn im Verlust zu finden.

Messuds Das brennende Mädchen hat mich mit seiner generellen Themenwahl und besonders mit der Art, wie im Roman über das Geschichtenerzählen und das Verhältnis von Wahrheit und Fiktion verhandelt wurde, überzeugt. Immer wieder musste ich bei der Lektüre innehalten und über das Gelesene nachdenken, was dabei half über den manchmal langatmigen, im dritten und letzten Teil auch überzogenen Plot hinwegzusehen. Emotional hat mich der Roman, auch wenn ich Jujus Situation wirklich nur allzu gut selber kenne, kaum mitgenommen, dafür mein Hirn aber immer wieder angeregt. Ich vergebe 4 Sterne und werde schauen, ob nicht weitere Bücher von Messud in mein Regal einziehen werden.

Kommentare: 9
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Cover des Buches Wunderland (ISBN: 9783455006148)culejules avatar

Rezension zu "Wunderland" von Claire Messud

Eine anbahnende Katastrophe , brilliant beschrieben
culejulevor einem Jahr

Leben Sie das Leben, das Sie sich wünschen? 

Nora Eldridge ist 37 Jahre alt, eine beliebet Grundschullehrerin und zufrieden mit ihrer kleinen bescheidenen Welt. Eines Tages kommt der Junge Reza, den Nora sofort in ihr Herz schließt, neu in ihre Klasse. Durch einen tragischen Umstand lernt Nora die Eltern von Reaz kennen und ihr Leben gerät von da an mächtig ins Wanken. 

Reza's Mutter Sirena ist eine erfolgreiche italienische Künstlerin, Reza's Vater Skandar ein angesehener libanesischer Wissenschaftler, der nun als Gastprofessor in Cambridge arbeitet. 

Auf ihre Weise verliebt sich Nora in Reza, Sirena und Skandar und erschafft durch ihr eigenes Gedankenkonstrukt ein Wunderland, welches eher durch eine tiefe Abhängigkeit gekennzeichnet ist. Nora's intime Fantasien entwickeln sich nach und nach zu purem Wahnsinn.

Erst durch einen Schlüsselmoment und das in meinen Augen gut gewählte Ende beginnt Nora ihr Verhalten zu hinterfragen.

Ein Buch mit einer fesselnden Geschichte, das aus dem amerikanischen Englisch von Monika Baark übersetzt wurde. 

Eine empfehlenswerte Lektüre über die Einsamkeit, Sehnsucht, Liebe und des Verrats.



Kommentare: 6
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Cover des Buches Wunderland (ISBN: 9783455006148)KateRapps avatar

Rezension zu "Wunderland" von Claire Messud

Sehen und Gesehenwerden
KateRappvor einem Jahr

Dieses Buch ist komplizierte Liebesgeschichte und Psychothriller in einem und ich konnte mich kaum davon trennen: Die Lehrerin und Hobby-Künstlerin Nora Eldridge führt ein unspektakulären Leben, bis der kleine Reza in ihre Klasse und damit seine Familie in ihr Leben tritt. Seine Mutter Sirena ist eine bekannte italienischstämmische  Künstlerin und sein Vater ein Geschichtsprofessor mit libanesischen Wurzeln. 

Nora ist fasziniert von ihnen, verliebt sich in die ganze Familie und erfährt eine für sie ungewohnte Art von Aufmerksamkeit und Wertschätzung, die sie in eine verwirrende Art innerer Abhängigkeit stürzt.

Sirena ist Video- und Installations-Künstlerin und arbeitet in einem gemeinsamen Atelier mit Nora an ihrem Kunstwerk „Wunderland“. Es geht ihr um die verschieden Lesarten dieses Wunderlandes und um das Gesehenwerden und wie uns das Gesehenwerden verändert. Dies trifft auch auf Nora zu, die zum ersten Mal in ihrem Leben das Gefühl hat, wirklich gesehen zu werden. Sie ist von einer großen Sehnsucht erfüllt, die sie nur stillen kann, wenn sie Rezas Babysitter spielt, Sirena assistiert oder mit ihrem Mann spazieren geht.

„...Wenn du die Frau von oben bist, dich niemals - wirklich niemals, verstehen Sie - als einsam, verlassen, oder, Gott bewahre, als bedürftig zu betrachten. Es gehört sich nicht. Es darf nicht sein. Es kann nicht sein. Es ist das Ende.“

Nora baut sich in Gedanken ein eigenes Wunderland, in dem sie den freundlichen Worten der Freunde tiefere und intime Bedeutung zuschreibt. Sie fühlt sich von einem lebensverändernden Glück erfüllt, das sich, weil sie ihren Fantasien selbst nicht traut, anfühlt wie Wahnsinn. 

„Alles was ich mit Sicherheit wissen konnte, war, dass es falsch gewesen war, mir auch nur irgendeiner Sache sicher zu sein.“

Doch sie lebt nicht wirklich selbst, sondern sieht Sirenas Leben und Erfolg von außen zu, während sie ihr eigenes, wildes Verlangen unterdrückt, es in ihrer eigenen Kunst, wie die Leben depressiver Künstlerinnen, in kleine Schachteln steckt.

„Bei Gott, ich fühlte, fühlte und fühlte.“

Gekonnt spielt die Autorin mit der unterschwelligen Erwartung, diese Frau von oben, die auf der ersten Buchseite bereits vehement bestreitet, so verrückt zu sein wie Brontés Frau vom Dachboden, könnte sich zu einer unbedachten, überraschenden, irrwitzigen oder irrsinnigen Tat hinreißen lassen.

Ein fesselndes Buch über Einsamkeit, Sehnsucht, Liebe, Demütigung und Verrat.

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Zusätzliche Informationen

Claire Messud wurde am 08. Oktober 1966 in Greenwich (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

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