Clark Ashton Smith

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Rezension zu "Die Stadt der Singenden Flamme" von Clark Ashton Smith

"Die fantastischen Welten des Klarkash-Ton"
Ein LovelyBooks-Nutzervor 3 Jahren

Clark Ashton Smith ist zumindest im deutschen Sprachraum ein etwas in Vergessenheit geratener Autor der Pulp-Ära, den es neu zu entdecken gilt. Smith bildete zusammen mit H.P. Lovecraft und ´Conan´-Autor Robert E. Howard eine Triade, die dem Groschenheftchen ´Weird Tales´ (1923-54) zu seinem legendärem Ruf verhalf. Schön, dass nun der Festa-Verlag mit einer haptisch und visuell ansprechenden Gesamtausgabe von Smiths Stories aufwartet, die zuletzt sechs Bände umfassen soll.

Den Auftakt macht „Die Stadt der Singenden Flamme“ und die titelgebende Erzählung darf gleichzeitig als ein guter Einstieg in Smiths bizarren Kosmos gelten. Sie handelt von einem Schriftsteller, der auf einer einsamen Wanderung zufällig eine Passage entdeckt, die ihn in eine entfernte Dimension entführt. Sogleich zieht ihn die fremdartige Stadt, aus der eine lockende Melodie ertönt, in ihren Bann. Er folgt der Musik und realisiert, dass er offenbar der einzige Mensch hier ist, umgeben von lauter außerirdischen Kreaturen. Sie alle sind Pilger, die der Singenden Flamme huldigen und letztlich ihrem unheimlichen Sog erliegen, nur der Erzähler kommt gerade noch einmal mit dem Schrecken davon. Im Sequel „Jenseits der Singenden Flamme“ geht es dann um einen erneuten Besuch in der Pilgerstadt. Diesmal ist der Erzähler ein Freund des ersten, der dessen zurückgelassenes Tagebuch fand. Doch vieles ist jetzt anders, die Stadt ist scheinbar verlassen und steht unter Beschuss dunkler Mächte, die nur eins im Schilde führen: die Singende Flamme zu vernichten. In letzter Sekunde stürzt sich der Erzähler in die Flamme, bevor diese versiegt, um daraufhin in einer Art Paradies auf seinen alten Freund zu treffen, der ja kurze Zeit zuvor hier ankam. Doch auch die Dimension jenseits der Flamme ist nicht sicher vor dem Ansturm der dunklen Mächte.

Die erste Hälfte des Bandes machen neun Erzählungen aus, die keinem von Smiths thematischen Zyklen zugeordnet werden können. Die Einleitung von Stephen Jones beleuchtet den Menschen hinter den Erzählungen und zeigt die Editionsgeschichte der einzelnen Buchveröffentlichungen Smiths auf, der sich selber besonders als Lyriker sah. Speziell erwähnenswerte Stories sind „Die Schrecken der Venus“, (über eine Venus-Expedition in der Form klassischer Pulp-SF) und „Die Abscheulichkeiten von Yondo“, worin ein von den Folterknechten von Yondo geplagter Häretiker unverhofft seine Freiheit wiedererlangt, nur um in einer verspukten Wüste gleich den nächsten unfassbaren Schrecken in die Arme zu laufen.

Auffallend an Smiths Stil ist seine lyrische Sprache, die in einigen seiner Fantasyerzählungen schon ein wenig barock wirkt und die sicherlich das Markenzeichen dieses Autors darstellt. Ein weiteres Merkmal ist der sardonische Humor oder generell eine ironische Erzählhaltung, die man beispielsweise in Lovecrafts Geschichten (um den direkten Vergleich zu wagen) meist vermisst. Smiths Protagonisten sind Neugierige, die dem Reiz des Exotischen erliegen und durch eigenes Verschulden oder auch durch maßlose Gier ins Verderben laufen, wie etwa der Kaufmann Avoosl Wuthoqquan, der letztlich auf dem Speisezettel des Gottes Tsathoggua landet. Meist sind die Helden in Smiths Geschichten keine Sympathieträger, sondern schlicht Gauner, Maulhelden oder Ketzer, die sich ein François Rabelais nicht besser hätte ausdenken können. Alles in allem eine erfrischende Wiederentdeckung mit einem Hauch ´Dekadenz´.

Der ´Hyperborea´-Zyklus: Cthulhu & Co. mal anders

Der zweite Teil des Bandes enthält die gesammelten ´Hyperborea´-Stories in der Reihenfolge ihrer Entstehung. Smiths Hyperborea ist ein fiktiver Kontinent irgendwo auf der nördlichen Erdhalbkugel, der etwa dem heutigen Grönland entspricht. Er ist wie auch das untergegangene Lemurien oder Atlantis in einer mythischen Vorzeit angesiedelt. Smiths ´Mhu Thulan´ ist möglicherweise eine Vermischung der legendären Insel Thule mit dem fiktiven Kontinent Mu im indischen Ozean. Es ist eine Welt die kurz vor der nächsten großen Eiszeit steht, die aber in den äquatornahen Zonen durchaus über bunt-giftige Dschungellandschaften verfügt. Auf Mu Thulan herrscht offiziell der Glaube an die hirschgestaltige Göttin Youndeh, doch immer wieder lodern dunklere Kulte auf um Götter mit vielversprechenden Namen wie Tsathoggua (oder Zhothaqquah, je nach Schreibweise), einem krötenartigen Gott aus grauer Vorzeit, der noch immer angebetet wird und der auch schon durch Lovecrafts Erzählungen geisterte. Weitere Namen sind der von letzterem Autor eingeführte Yok-Zothoth (Yog-Sothoth) oder Ktthulhut (Cthulhu). Im Unterschied zu Lovecrafts fernen Göttern, sind die Götter bei Smith körperlicher, sie warten nicht irgendwo hinter den Sternennebeln oder in den Tiefen des Meeres auf ihre Zeit hienieden, sondern sie sind durchaus anwesend und sorgen ganz real für Angst und Verderben. Allerdings zeichnen sich Smiths Geschichten meist durch leicht parodistische Züge aus, es geht dem Autor weniger um authentische Albtraumgestalten, die durch Risse in unsere Realität hereinsickern (wie das Lovecraft besonders in seinen späten Erzählungen meisterlich vorzeigte), sondern um die Erschaffung farbenreicher und archaischer Welten, die überhaupt im Gegensatz zu unserer erfahrbaren Realität stehen.

Clark Ashton Smith war ein Multitalent: Maler, Dichter, Bildhauer und in allen Bereichen Autodidakt. Er war mit Lovecraft befreundet, mit dem er sich rege über eigene und fremde Weltschöpfungen austauschte, Smith unterschrieb dabei oft augenzwinkernd mit ´Klarkash-Ton´. Dieser und andere Briefwechsel mit diversen Weird Tales-Autoren erlaubten der Literaturforschung später einige interessante Rückschlüsse auf die Menschen hinter den Fiktionen. Daher dürfte der ´Cthulhu-Mythos´ seither nicht mehr nur als ein einsamer Geniestreich Lovecrafts gelten, sondern zu wichtigen Teilen auch als ein Gemeinschaftswerk von einer Handvoll Autoren, deren Ideen sich gegenseitig befruchteten.

Smith blieb allerdings seinem eigenen Stil treu, der sich zum Teil sehr von der Ausdrucksart der anderen Pulp-Autoren abhebt. Er war vielleicht weniger ein Sonderling als Lovecraft, obwohl seine Biografie auch nicht mit Anekdoten geizt: Als Jugendlicher soll er beispielsweise eine Enzyklopädie auswendig gelernt haben, deren Wortschatz zeit seines Lebens in seine Geschichten einfloss. Allerdings war er finanziell nie auf Rosen gebettet und bekam auch keinen familiären und finanziellen Rückhalt wie ihn etwa Lovecraft (zumindest zeitweise) genoss. Smith lebte in Kalifornien in einer einfachen Blockhütte, die sein Vater gezimmert hatte und er kannte durchaus harte körperliche Arbeit, etwa die eines Erntehelfers oder Waldarbeiters. Immer wieder musste er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten. Allein von seinem Schreiben zu leben war ihm nicht möglich, denn die Fantasyliteratur bediente in den Dreißigerjahren noch keine breite Leserschaft. Und sie fand auch kaum Beachtung von Seiten der Literaturkritik, die Pulpliteratur nicht mal mit Samthandschuhen anfasste. Smith musste einige seiner Geschichten mehrfach einreichen, bis sich ein Verleger ´erbarmte´ und sich zu einer Veröffentlichung bereit erklärte. Das will natürlich nichts über die Qualität dieser Stories aussagen, nur eben, dass Fantasyliteratur lange ein Nischendasein führte und eigentlich nur dank Pulpmagazinen konsumiert werden konnte. Die Heftmacher erwogen daher jede Veröffentlichung unter wirtschaftlichen Aspekten. Dass Smiths poetischer Tonfall, der sich deutlich von der üblichen ´Ware´ in diesen Heftchen abhob, den Verlegern oft den Entscheid zu einer Veröffentlichung schwer machte, ist nachvollziehbar.

Die Texte in dieser Ausgabe wurden alle neu übersetzt und sie wirken im Vergleich zu den früheren Auflagen in der ´Bibliothek des Hauses Usher´ um einiges entstaubter und frischer. Die Erzählungen des eigentümlichen Kaliforniers werden in dieser Hardcoverausgabe bestimmt einige Anhänger dazugewinnen. Darüber hinaus sind die absolut lesenswerten Einleitungen und die editorischen Notizen ein weiterer Pluspunkt. Und zuletzt werden alle, die am Cthulhu-Mythos Geschmack gefunden haben, mit Clark Ashton Smith eine neue Facette desselben entdecken können.

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Elmar Hubers avatar

Rezension zu "Die Grabgewölbe von Yoh-Vombis (H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens)" von Clark Ashton Smith

Die Grabgewölbe von Yoh-Vombis
Elmar Hubervor 4 Jahren

„Ich habe keinen Grund zu der Annahme, dass irgendjemand meiner Geschichte Glauben schenken wird. Und wenn ein anderer sie erzählte, würde ich sie vermutlich ebenso wenig glauben wollen. Dennoch erzähle ich sie nun in der Hoffnung, dass der bloße Akt des Erzählens, das in Worte Fassen dieses makabren Tagtraumabenteuers etwas dazu beiträgt, meinen Geist von der abscheulichen Last zu befreien.“

(Das Gorgonenhaupt)

Die unentdeckte Insel (The uncharted Isle, 1930)

Nach dem Brand des Handelsschiffs, auf dem Mark Irwin als Maat diente, kann er sich in ein Ruderboot retten. Der totalen Entkräftung nahe gelangt er an den Strand einer unbekannten Insel. Zunächst glaubt Irwin sich alleine, entdeckt jedoch bald eine Stadt, deren Bewohner ihn allerdings nicht wahrzunehmen scheinen. Alle Stadtbewohner warten offenbar auf ein Ereignis, das im Zusammenhang mit den Sternbildern steht.

Das Ungeheuer aus der Prophezeiung (The Monster of the Prophecy, 1932)

Der geheimnisvolle Fremde, den Theophilus Alvor an der Brooklyn Bridge kennenlernt, gibt sich ihm schon bald als Vizaphmal vom Planeten Antares zu erkennen. Er macht ihm sogar das Angebot, Alvor mit zurück auf seinen Heimatplanteten zu begleiten. Doch Vizaphmals Angebot ist nicht uneigennützig, denn eine antarische Prophezeiung berichtet von einem mächtigen Zauberer, der einst in Begleitung eines Ungeheuers mit zwei Beinen, zwei Augen und weißer Haut an seiner Seite erscheinen und zum neuen König von Antares ernannt wird.

Der Brief aus Mohaun Los (The Letter from Mohaun Los, 1932)

Das spurlose Verschwinden des exzentrischen Millionärs Domitian Malgraff und seines chinesischen Dieners Li Wong gibt seinen Zeitgenossen und vor allem seiner Verlobten Rätsel auf. Bis ein Jahr darauf ein fremdartiges Gebilde auftaucht, das einen Bericht von Malgraff enthält. Dieser Report beschreibt, wie der Millionär und sein Diener mittels einer Zeitmaschine auf fremde Planeten gereist sind.

Das Gorgonenhaupt (The Gorgon, 1932)  

Eines Tages trifft der Erzähler – ein Connaisseur des Grauens – im neuzeitlichen London einen seltsam altertümlich anmutenden Mann, der ihm ein verlockendes Angebot macht. Mitten in der englischen Hauptstadt, in einem privaten Anwesen, soll sich das Haupt der Medusa befinden und er wäre bereit, ihn dorthin zu führen.

Die Epiphanie des Todes (The Epiphany of Death, 1934)

Obschon Tomeron aufgrund seiner Erscheinung und seiner seltsamen Studien als rechter Sonderling gilt, entwickelt sich zwischen ihm und dem feinsinnigen Theolus eine respektvolle Freundschaft. Eines Abends erbittet Tomeron von seinem Freund einen eigenartigen Gefallen.

Eine nekromantische Geschichte (The necromantic Tale, 1931)

Obwohl er dem englischen Zweig seiner Familie nie nahe stand sieht sich der Australier Sir Roderick Hagdan plötzlich als alleiniger Erbe des dortigen Familienstammsitzes. In der Familienchronik stößt er auf einen Ahnen gleichen Namens, von dem sich allerdings keinerlei Bildnisse im Haus befinden. Erst in einer Geheimkammer findet er ein Bild des Namensvetters, dessen Antlitz eine deutliche Ähnlichkeit zu seinen eigenen Gesichtszügen aufweist.

Die Unsterblichen des Merkur (The Immortals of Mercury, 1932)

Während einer Expedition im Dämmerungsgürtel des Merkur wird der Forscher Cliff Howard von Planetenbewohnern überwältigt und über die glutheiße Sonnenseite des Planeten transportiert, bis hin zu einer unterirdischen Siedlung. Dort leben die Merkurianer, die eine Möglichkeit gefunden haben, die verderbliche Sonneneinstrahlung abzuhalten und so die Unsterblichkeit zu erlangen.

Ein Leichnam zuviel (The supernumerary Corpse, 1932)

Nach zahllosen Kränkungen und uneingelösten Versprechungen, die Früchte seiner Arbeit gerecht zu teilen, beschließt der Chemiker Margrave seinen Arbeitgeber Trilt mit einem selbst entwickelten Gift in seinem Labor zu töten. Als Margrave nach der Tat Trilts Ehefrau anruft, erfährt er, dass dessen Leichnam zu Hause auf dem Sofa sitzt, gestorben an einem Schlaganfall.

Die namenlose Ausgeburt (The nameless Offspring, 1932)

Der Zufall und die Unbilden des Wetters führen Henry Chaldane nach Tremoth Hall, dem Anwesen eines Jugendfreundes seines Vaters. Da erinnert er sich plötzlich wieder an eine seltsame Geschichte aus seinen Kindertagen. Damals wurde Sir John Tremoths Ehefrau in einem Anfall von Starrsucht lebendig begraben. Sir John konnte sie schließlich noch rechtzeitig aus der Gruft retten, doch nur, weil der zugenagelte Sargdeckel bereits geöffnet war. Lady Agathe berichtete danach von einem Wesen, das in den Grabgewölben des Anwesens umgeht und das ihren Sarg geöffnet hat. Und auch Henry Chaldane vernimmt während seines Aufenthalts auf Tremoth Hall merkwürdige Geräusche und unmenschliche Stimmen.

Die Knospen des Grabes (The Seed from the Sepulchre, 1933)

Die beiden Schatzjäger Falmer und Thone sind im Land der Indios unterwegs auf der Suche nach einer sagenhaften Begräbnisstätte, die einen unermesslichen Schatz beherbergen soll. Nachdem Falmer eine Ruine im Alleingang erkundet hat, zeigen sich bei ihm am nächsten Tag Anzeichen einer unbekannten Krankheit. In der Gewissheit, was ihm bevorsteht, erzählt er seinem Begleiter schließlich, was ihm bei seiner Erkundung widerfahren ist.

DER MARS-ZYKLUS:

Die Grabgewölbe von Yoh-Vombis (The Vaults of Yoh-Vombis, 1932)

Acht Männer machen sich auf, die verlassenen Grabgewölbe von Yoh-Vombis auf dem Mars zu erforschen. Tief in den Gewölben werden sie von riesenhaften schneckenartigen Wesen angegriffen, die sich am Kopf ihrer Opfer festsaugen, bis ins Gehirn vordringen und so die Kontrolle über ihr Opfer erlangen.

Der Herrscher der Tiefe (The Dweller in the Gulf, 1933)

Drei Abenteurer werden bei ihrer Goldsuche auf dem Mars von einem Sandsturm überrascht. Sie müssen sich in eine Höhle retten, die sich als Eingang einer gewaltigen unterirdischen Felsengrotte erweist. Sie folgen einem Weg in die Tiefe, wo sie sie schließlich auf eine Schar blinder Höhlenbewohner und deren Herrscher treffen.

Vulthoom (Vulthoom, 1935)

Obwohl Bob Haines und Paul Chandler sitzen aus unterschiedlichen Gründen auf dem Mars fest. Beide verbindet jedoch ihr Interesse am Geheimnisvollen und Fremdartigen. So machen sie aus ihrem unfreiwilligen Aufenthalt eine Tugend und gehen gemeinsam ihrem außergewöhnlichen Hobby nach, das sie eines Abends tief unter die Marsoberfläche zu einem Marsgott namens Vulthoom führt. Dieser bietet den Freunden gewaltigen Reichtum an, wenn sie ihm helfen, den Mars zu verlassen und zur Erde zu gelangen. Die Männer lehnen ab und so setzt Vulthoom sine Gefangenen einer Droge aus, die Halluzinationen verursacht und ihren Widerstand brechen soll.

„Bis jetzt hatte ich geglaubt, der Gott bestehe aus Holz oder Stein – doch jetzt, in einem Aufblitzen aus Schrecknis und Bestürzung, fragte ich mich, ob dies womöglich ein Irrtum war. Denn die schrägen Augen öffneten sich weit und blinzelten hinab auf das Kind. Die langen Arme, die in Fingern mit Messerkrallen endeten, erhoben sich langsam und griffen nach vorn. Reißzähne spitz wie Pfeile manifestierten sich im bestialischen Grinsen der vorgebeugten Fratze!“

(Die unentdeckte Insel)

MEINUNG

Mit DIE GRABGEWÖLBE VON YOH-VOMBIS liegt der zweite Band von Clark Ashton Smiths Gesammelten Erzählungen im Festa Verlag vor. Musste man bisher mit den Suhrkamp- und Moewig-Taschenbüchern vorlieb nehmen, ist mit den Sammlungen des Leipziger Verlages (nach dem Einzelband NECROPOLIS) endlich eine bibliophile Reihenaufbereitung von Smiths Werken in Deutscher Sprache verfügbar.

Gemeinsam mit H. P. Lovecraft und Robert E. Howard gehörte C. A. Smith seinerzeit zum Triumvirat der klassischen Weird Tales und nicht Wenigen gilt Smith in Sachen Atmosphäre und Ausdruck selbst Lovecraft überlegen.

Schon in der ersten Geschichte DIE UNENTDECKTE INSEL fällt der übertrieben poetische Stil und die großzügige Verwendung von Superlativen und Übersteigerungen auf, mit dem Smith seinen Erzählungen eine erstaunlich plastische Atmosphäre gibt. Ein Merkmal, das Phantastikspezi Rein A. Zondergeld veranlasste, Smiths Prosa der Dekadenzdichtung zuzuordnen. In der Beschreibung der namensgebenden Insel heißt es beispielsweise: „Zudem war der Himmel unnatürlich überhellt von einer blendenden Weißglut. Ein Bann beständigen Schweigens lastete auf allem. Ich hörte nie auch nur das geringste Rascheln des Laubes oder das Glucksen des Wassers. Die gesamte Landschaft lag wie ein gewaltiges Trugbild unglaublicher Reiche abseits von Zeit und Raum vor meinen Augen.“ Schon dieser Ausschnitt zeigt deutlich, dass Smith – stark beeinflusst von beispielsweise den Märchen aus 1001 Nacht – zu Überschwang und Schwulst neigt. Jedoch setzt er diese Neigung stets schwärmerisch und ohne jedes martialische oder markige Gehabe ein, was seinen Geschichten eine durchgehend traumhafte Atmosphäre verleiht. Einen großen Verdienst am Erhalt dieser Stimmung haben natürlich die Übersetzer, allen voran der deutsche Phantastikautor Malte S. Sembten, der als einer der besten seines Fachs gilt und der den größten Teil der hier enthaltenen Geschichten ins Deutsche übertragen hat.

Grob lassen sich die Geschichten in DIE GRABGEWÖLBE VON YOH-VOMBIS in zwei Kategorien einteilen. Einerseits diejenigen, die in der „Realität“ verwurzelt sind und während ihres Verlaufs ins Phantastische abdriften (z.B. DAS GORGONENHAUPT), andererseits jene, die schon durch die Ausgangssituation der Science-Fiction/Fantasy zuzuordnen sind, etwa durch die Ansiedlung der Handlung auf einem fremden Planeten (z.B. der Mars-Zyklus). Ganz nebenbei deckt Smith dabei noch einen Logikfehler in H.G. Wells DIE ZEITMASCHINE auf, nämlich dass der Standpunkt einer Zeitmaschine auf der Erde keinesfalls absolut ist und sich während einer Reise durch die Zeit auch die Erde weiterbewegt, ergo sich der Zeitreisende bei seiner „Ankunft“ sehr wahrscheinlich im leeren Weltraum wieder findet. Dem gegenüber schert sich Smith in seinem Science-Fiction-Erzählungen nicht um wissenschaftliche Korrektheit. Dort bewegen sich die Erdenmenschen ohne jegliche technischen Hilfsmittel auf fremden Planeten und interagieren und kommunizieren wie selbstverständlich mit den „Einheimischen“.

Wie schon bei den Bänden der Lovecraft-Werkausgabe geht der Festa-Verlag nicht chronologisch vor, sondern bietet ein breites, thematisches Spektrum seines Schaffens aus der Zeit von 1930 – 1935. Komplett ist jedoch Smiths sogenannter „Mars-Zyklus“ – bestehend aus DIE GRABGEWÖLBE VON YOH-VOMBIS, DER HERRSCHER DER TIEFE und VULTHOOM – enthalten, der zusätzlich mit einem Vorwortartikel von Will Murray eingeleitet wird.

Abgerundet wird die Sammlung von E. Hoffmann Prices Bericht ERINNERUNGEN AN KLARKASH-TON, in dem er seine Freundschaft mit Smith und eine Reihe gegenseitiger Besuche von 1934 bis zu dessen Tod 1955 auf sehr persönliche Art Revue passieren lässt. Zusätzlich enthält DIE GRABGEWÖLBE VON YOH-VOMBIS noch einen höchst informativen Sekundärteil. Die ausführlichen Anmerkungen von Scott Connors und Ron Hilgers zu jeder Geschichte klären über die Entstehung auf und dokumentieren die Änderungen, die Clark Ashton Smith aufgezwungen bekam. Diese musste der Autor wohl oder übel umsetzen um seine Geschichte zur Veröffentlichung zu bringen. Da Smith zeitlebens unter massiven finanziellen Problemen litt, war er auf das Honorar als Existenzgrundlage angewiesen.

Wie gewohnt ist die Festa-Hardcoverausgabe was Präsentation und Verarbeitung angeht über jede Kritik erhaben. Erstklassige Verarbeitung, wertiges Papier, gefälliger Satz, der Schutzumschlag in Lederoptik und ein Lesebändchen machen das Buch zum hochwertigen Sammlerstück.

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thomas_backuss avatar

Rezension zu "Die Stadt der Singenden Flamme" von Clark Ashton Smith

Rezension zu "Die Stadt der Singenden Flamme" von Clark Ashton Smith
thomas_backusvor 7 Jahren

Die Stärke von Smith liegt eindeutig in seinen Beschreibungen. Mit menschlichen Worten kann er absolut fremdartige Landschaften, Wesen und Begebenheiten schildern. So dass man die Textstellen manchmal zweimal lesen muss, um sie mit den eigenen unzureichenden Sinnen zu verstehen. Das ist ganz großes Kino, aber anstrengend.

Die komplette Rezension:
http://www.fictionfantasy.de/backuscas1

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