Die Kostbarkeit des flüchtigen Lebens

von Claudel Philippe 
4,1 Sterne bei23 Bewertungen
Die Kostbarkeit des flüchtigen Lebens
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Binea_Literatwos avatar

Claudel erzählt leise über die Kostbarkeit des Lebens, so poetisch & mit so wenig Handlung, dass wir uns selbst viel Platz geben können.

orfe1975s avatar

Eine wundervolle, poetische Betrachtung des Lebens und wie es durch Kunst und Literatur geprägt wird - Ein Plädoyer für den Genuss des Leben

Alle 23 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Die Kostbarkeit des flüchtigen Lebens"

»Unter all den Nachrichten auf dem Anrufbeantworter fand ich die von Eugène: ›Du wirst lachen‹, sagte er, ›ich habe einen bösen Krebs.‹ Ich habe natürlich nicht gelacht, gebe aber zu, dass ich lächeln musste. Aus Kummer vermutlich. Oder aus Traurigkeit.«

Nachdem er von einer Reise nach Paris zurückgekehrt ist, erfährt der Erzähler, ein fünfzigjähriger Filmemacher, von der Krebserkrankung seines besten Freundes Eugène. Der lebenslustige Filmproduzent, der mit fünf verschiedenen Frauen fünf Kinder hat und alle Bücher, die er liest, verschenkt oder in Cafés liegen lässt, weil er der Ansicht ist, dass »Bücher zirkulieren müssen wie die Welt«, fegt die Krankheit mit einer Handbewegung zur Seite.
Doch bald zeigt sich, dass sein Krebs kein »Amateur« ist, sondern leider ein »Profi«. Der Abschied von Eugène, mit dem er sich zutiefst verbunden fühlt, wird für den Erzähler zum Anlass, über die wichtigen Fragen des Lebens nachzudenken. Er selbst steht gerade an einem Wendepunkt – der freundschaftlich-nostalgischen Trennung von seiner Ex-Frau Florence, die »gern einen Ehemann gehabt hätte und keinen Luftzug«, und der Begegnung mit der jungen Anthropologin Elena, deren Küsse nach Orangen schmecken.

Zwischen zwei außergewöhnlichen Frauen, zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen der Erinnerung an geliebte Gesichter und dem Licht unerwarteter Begegnungen, entspinnt sich eine Geschichte, die wahrhaftig ist und anrührend und an deren Ende das Versprechen des Lebens steht.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783851793796
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:0 Seiten
Verlag:Thiele & Brandstätter Verlag
Erscheinungsdatum:16.08.2017

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,1 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne10
  • 4 Sterne7
  • 3 Sterne5
  • 2 Sterne1
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    clairebs avatar
    clairebvor 3 Monaten
    Eine Geschichte über die großen Themen

    Philippe Claudel hat eine Geschichte über die großen Themen der Menschheit geschrieben - über Freundschaft und Liebe, über das Leben, Krankheit und Tod, über das Älterwerden, Verluste und Abschiede, aber auch über Neuanfänge.
    Die Kostbarkeit des flüchtigen Lebens kommt mit wenig Handlung aus. Vielmehr sind es die Gedanken des Protagonisten, die mich in den Bann gezogen haben.

    Insgesamt ist es eine leise und ruhige Geschichte voller großer Gedanken, die durch die poetische Sprache besticht und die trotz der vielen Melancholie ein gutes Gefühl hinterlässt.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    orfe1975s avatar
    orfe1975vor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Eine wundervolle, poetische Betrachtung des Lebens und wie es durch Kunst und Literatur geprägt wird - Ein Plädoyer für den Genuss des Leben
    Jeder Augenblick ist kostbar

    Cover:

    Die beiden verlassenen Stühle als schönes Symbol der Erinnerung von 2 Freunden, die sich oft im Café getroffen und über Gott und die Welt gesprochen haben. Es passt sehr gut zum Buch: gerade eben noch unterhielt man sich miteinander, dann ist durch den Tod des einen Gesprächspartners schon alles wieder vorbei. Die Farben und die altmodischen Stühle erinnern daran, dass die Protagonisten schon etwas älter sind. Als Hardcover mit Schutzumschlag macht das Buch einen schönen, wertigen Eindruck im Regal.

    Inhalt:

    Der namenlose Ich-Erzähler ist Filmemacher und erhält eines Tage einen Anruf von seinem Freund und lebenslustiger Filmproduzent Eugène: "Du wirst lachen, ich habe einen bösen Krebs." Dies ist Anlass für ihn, sein Leben neu zu überdenken.

    Mein Eindruck:

    "Unser Leben gleicht allem anderen als einer linearen Form. Es erinnert eher an das einzige Exemplar eines Buches, das für manche von uns nur aus wenigen Seiten besteht, sauber und glatt, mit einer braven, fleißigen Schrift bedeckt, für andere aber viele Seiten hat, manche zerrissen, andere mehr oder weniger durchgestrichen, voller Zurücknahmen und Reue. Jede Seite entspricht einem Moment unserer Existenz, besonders der Person, die wir in jenem Moment waren und die wir nun nicht mehr sind, und wir betrachten sie, wenn wir je die Lust oder die Notwendigkeit verspüren, in dem Buch zu blättern, wie einen Fremden, der paradoxerweise zugleich ein Nahestehender ist." (S. 170)

    Mir gefiel das Buch gleich mit dem Einstieg, in dem sich der Erzähler über den Umgang mit dem Tod bei einem Volk auf der Insel Sulawesi auslässt. Der Tod wird zelebriert, die Toten bekommen ein großes Abschlussfest. Besonders berührend war die Schilderung eines Baumes, in dem gestorbene Kinder eingehüllt hineingelegt werden. Sie werden vom Baum umschlossen und wachsen mit ihm weiter. Am Ende dieser Erzählung erhält der Erzähler den traurigen Anruf, der in seinem Leben mehr Veränderung bedeutet, als er zunächst wahr haben will. Eugène war ein Freund, mit dem er über alles Reden konnte und der ihm immer - passend zur Situation - einen passenden Buchtipp geben konnte. In diesem Roman passiert nicht wirklich viel. Es ist ein ruhiges Buch, es wird wenig geredet, aber das ist auch nicht das Entscheidende. Dieses Buch lebt von den poetischen Gedanken, die den Leser durch die Handlung tragen. Es gab kaum ein Kapitel, in dem ich mir nicht mindestens einen Satz als denkwürdiges Zitat unterstrichen habe. Obwohl der Auslöser die tödliche Krankheit seines Freundes ist und es auch einige melancholische Momente gibt, schafft es der Autor, dass man nie deprimiert wird, sondern stets ein gewisser Hoffnungsschimmer über allem steht. Dies ist weniger ein Buch über den Tod als über das Leben: Man soll dankbar sein für jeden Augenblick, das Leben bewusst erleben. Genauso habe ich dieses Buch betont langsam gelesen. Die flüssige Sprache hätte durchaus ein Verschlingen des Romans zur Folge haben können, stattdessen wollte ich die schönen Worte immer wieder nach jedem Kapitel sacken lassen.

    In gleichem Maße, wie das Buch das Leben zelebriert, ist es auch ein Hochgesang auf Literatur und Filme:

    "Ich weiß, dass wir das, was wir sind, in erster Linie unseren Eltern, Lehrern, vielleicht sogar Professoren verdanken, doch ich bin überzeugt, dass wir einen Großteil dessen, was uns berührt und ergreift, Künstlern verdanken - ganz gleich ob sie tot oder lebendig sind - und den Werken, die sie geschaffen haben und die bleiben, der Zeit zum Trotz, die jedes Lächeln, jedes Gesicht und jeden Körper auslöscht." (Eugène zum Erzähler, S. 124)

    Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der Literatur und Filme mag und der das Leben Stück für Stück und Wort für Wort genießen möchte!

    Fazit:

    Eine wundervolle, poetische Betrachtung des Lebens und wie es durch Kunst und Literatur geprägt wird - Ein Plädoyer für den Genuss des Lebens!

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    -sabine-s avatar
    -sabine-vor 8 Monaten
    Die Kostbarkeit des flüchtigen Lebens

    Wer glaubt, in der Geschichte ginge es um die Begleitung des sterbenden Freundes, wie es der Klappentext vermuten lässt, wird wahrscheinlich enttäuscht sein. Vielmehr ist es eine episodenhaft erzählte Geschichte mit verschiedenen Themen – auch der Tod spielt eine Rolle, aber auch Freundschaft, Liebe und das Leben als solches.

    Der namenlose Ich-Erzähler erfährt von seinem besten Freund, dass er Krebs hat – zunächst scheint die Erkrankung gar nicht bedrohlich, doch trotz Therapie kehrt sie wieder und Eugène stirbt. In Rückblicken erinnert er sich der 50-jährige Filmemacher an seinen besten Freund und fragt sich oft, wie dieser in seiner Situation reagiert hätte – denn auch steht gerade an einem Wendepunkt seines Lebens.

    Es ist vor allem die Sprache, die mich überzeugt hat. Sie ist warmherzig und einfühlsam, voller Poesie und Atmosphäre – auch wenn diese meist melancholisch ist, bleibt am Ende des Buches doch ein gutes Gefühl beim Leser zurück. Es gibt viele gute Gedanken, die mich haben innehalten lassen und viele Passagen, die ich angestrichen habe – ein Buch, dass ich sicherlich noch häufiger in die Hand nehmen werde.

    Ich mochte den Ich-Erzähler. Er ist ein Mensch mit Ecken und Kanten und wirkt so sehr authentisch und glaubhaft – viele seiner Gedanken konnte ich gut nachvollziehen, habe aber auch einige neue Impulse erhalten. Eugène lernt man nur in Rückblicken kennen, hier zeigt er sich aber als intelligenter und lebensfroher Mensch, der sich nicht so leicht unterkriegen lässt und der viele gute Ideen und Gedanken in sich trägt. Trotz seiner Erkrankung ist er immer noch positiv gestimmt – und so ist er in der ganzen eher melancholischen Geschichte fast schon der „Fels in der Brandung“.

    Ich mochte die Stimmung in der Geschichte, die leise und ruhig erzählt wird. Ich habe die Melancholie nicht als bedrückend empfunden, sondern eher als zauberhaft, weil die Sprache voller Poesie, Zärtlichkeit und Gefühl ist. Sicherlich mag das nicht jeder, ich aber habe die Lektüre sehr genossen und gebe 4,5 von 5 Sternen.

    Mein Fazit
    Eine leise und ruhige Geschichte, die vor allem durch die poetische Sprache voller Gefühl und Emotion glänzt und die trotz aller Melancholie doch ein gutes Gefühl hinterlässt. Ich habe die vielen Gedanken über das Leben und die Liebe, über Freundschaft und Tod sehr genossen und gebe 4,5 von 5 Sternen.

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    verruecktnachbuecherns avatar
    verruecktnachbuechernvor 10 Monaten
    Nicht überzeugend

    Der Klappentext klang sehr vielversprechend. Der Protagonist erfährt, dass sein bester Freund an Krebs leidet. Leider ist dieser Krebs doch hartnäckiger, als anfangs gedacht und kurze Zeit später ist sein Freund tot.
    Der Erzähler nimmt diese Wendung in seinem Leben als Anlass sich mit den wirklich wichtigen Fragen des Lebens auseinander zu setzten.

    Das Cover des Buches ist schön und auffällig. Auch der Titel macht Lust das Buch in die Hand zu nehmen und es sich anzugucken.

    Der Einstieg ins Buch ist gelungen. Der Protagonist erzählt von der Totenkultur auf Sulawesi. Der Teil war sehr interessant und bildhaft geschrieben. Es macht richtig Spaß sich mit der dortigen Totenkultur zu beschäftigen und lehrreich ist es auch.

    Leider war es das auch schon mit den mich überzeugenden Kapiteln.
    Der Rest des Buches konnte mich nicht fesseln. Der Protagonist steht zwischen zwei Frauen, seiner Ex-Frau und der Nachbarin.

    Er ist voller Selbstzweifel und das nervte mich beim Lesen. Außerdem verstehe ich seine Beziehung zu seiner neuen Freundin nicht.Er versucht sie die ganze Zeit loszuwerden und dennoch steht am Ende ein richtiges Happy End.
    Ich kann in dem Roman kein großes Ganzes erkennen und das machte es sehr schwer für mich der Geschichte zu folgen.

    Der Roman konnte mich nicht überzeugen und deswegen kann ich ihn nicht weiter empfehlen.

    Kommentieren0
    56
    Teilen
    miau0815s avatar
    miau0815vor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Einfach toll! Rezi folgt so schnell wie möglich.
    Wunderschön

    Dieses kleine Buch habe ich in einer Leserunde gewonnen, vielen Dank dafür!

    Ich habe das Lesen sehr genossen und bin begeistert davon wie Philippe Claudel aus dem Leben erzählt.
    Denn mehr tut er hier nicht, es gibt keinen großen aufregenden Plott oder eine spannende Geschichte. Es geht einfach um das Leben und was es mit uns macht, manchmal.

    Der Protagonist (wird nicht namentlich genannt, in meinem Kopf ist es Philippe selbst) erfährt von der Krebskrankheit seines besten Freundes und wird dadurch aus der Bahn geworfen. Nicht stark, jedoch beginnt er über das Leben, die Krankheit, den Tod und das Älterwerden nachzudenken. All das tut er auf eine sehr philosophische Weise, die mir unglaublich gut gefallen hat.

    Zwischendurch mag er etwas unfair und herzlos erscheinen, wie er sich gegenüber seiner Freundin und ExFrau verhält. Eigentlich ist er aber nur etwas verloren zwischen dem Heute und dem Morgen.

    Die Geschichte ist voll von Liebe und Freundschaft und auf welche Arten beides vorkommen, bleiben oder auch verschwinden kann.

    Ich bin begeistert !

    Kommentieren0
    6
    Teilen
    fasersprosses avatar
    fasersprossevor 10 Monaten
    Weiterbestehen durch die Liebe

    Zurück von einer Reise hört der Ich-Erzähler seinen Anrufbeantworter ab und erfährt so, dass sein Freund an Krebs erkrankt ist. Die Realität ist plötzlich eine andere. 

    Philippe Claudel hat eine Geschichte geschrieben über Krankheit, Tod, Trauer, über das älter werden, über den Körper, über die Zeit, die Freundschaft, die Frauen, die Liebe und über die wunderbare Schönheit des Lebens. Nach der schockierenden Nachricht fällt der Ich-Erzähler aus seiner Zeit. Er wird von einem Handelnden zu einem Beobachtenden. Mit einer tiefgründigen Offenheit beschreibt Claudel mit Sätzen, die so schön sind, dass man sie in einer Schatztruhe bewahren will, die Auflösung der Unanfechtbarkeit. Er zeigt die bittere Verwirrung darüber wie man ins Leere greift, weil mehr verschwindet wenn ein Mensch stirbt. Und er nimmt uns mit in das Geheimnis des Weiterlebens. 

    Zeitsprünge brechen die Atmosphäre an passenden Stellen auf. Je nach Situation ist sie melancholisch, realistisch, unsicher, ängstlich, doch immer von Liebe erfüllt.

    Ich konnte mich sehr gut in die Geschichte einfühlen. Die Reaktionen der Protagonisten und die Art des Verweilens in der Entscheidungsunfähigkeit des Ich-Erzählers fand ich auf fast zärtliche Weise unprätentiös herausgearbeitet.

    Der zauberhafte letzte Satz hat diese wunderbare Geschichte zur glanzvollen Vollendung gebracht.

    Kommentieren0
    51
    Teilen
    pardens avatar
    pardenvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Buch der leisen Töne und der großen Gedanken - Tod und Leben, zwei Pole unseres Daseins, verpackt in einen wundervollen Roman...
    Tod und Leben...

    TOD UND LEBEN...

    Nachdem er von einer Reise nach Paris zurückgekehrt ist, erfährt der Erzähler, ein fünfzigjähriger Filmemacher, von der Krebserkrankung seines besten Freundes Eugène. Der lebenslustige Filmproduzent, der mit fünf verschiedenen Frauen fünf Kinder hat und alle Bücher, die er liest, verschenkt oder in Cafés liegen lässt, weil er der Ansicht ist, dass "Bücher zirkulieren müssen wie die Welt", fegt die Krankheit mit einer Handbewegung zur Seite. Doch bald zeigt sich, dass sein Krebs kein "Amateur" ist, sondern leider ein "Profi". Der Abschied von Eugène, mit dem er sich zutiefst verbunden fühlt, wird für den Erzähler zum Anlass, über die wichtigen Fragen des Lebens nachzudenken.


    "Unter all den Nachrichten auf dem Anrufbeantworter fand ich die von Eugène: ›Du wirst lachen‹, sagte er, ›ich habe einen bösen Krebs.‹ Ich habe natürlich nicht gelacht, gebe aber zu, dass ich lächeln musste. Aus Kummer vermutlich. Oder aus Traurigkeit." (S. 13 f.)


    Zugegeben, dieser Roman ist anders, als ich es zunächst erwartet hatte. Nach dem Klappentext vermutete ich, etwas über die monatelange Begleitung Eugènes bis zu dessen Tod zu lesen, doch erweist sich dieser Tod hier nur als Stein des Anstoßes. Des Anstoßes zu einer tiefsinnigen Gedankenreise des bis zum Schluss namenlosen Erzählers - mit Einblicken in sein Leben, sein Schaffen, seine Gefühlswelt. Ähnlich wie Filmeinblendungen reihen sich auch hier einzelne Szenen aneinander, oft ohne einen direkten Bezug zueinander, aber aufgereiht wie Perlen auf einer kostbaren Kette doch ein großes Ganzes ergebend.


    "Wann werden wir schwer krank? Wenn alles gut geht oder wenn es schlecht läuft? In der Monotonie der immer gleichen Tage? Oder bei Deregulierung, wenn das immer gleiche Alltägliche durchbrochen wird? Brechen Krankheiten (...) aus, weil bisher unbekannte Umstände eintreten, die uns aus dem Gleichgewicht bringen? Oder wegen eines unausgesprochenenen Wunsches, dass etwas geschehen möge?" (S. 46)


    Ein melancholischer Ton durchzieht die Erzählung, und doch wird sie nicht von Schwermut beherrscht. Nicht die eine Krankheit, der eine Tod, die eine Betroffenheit steht hier im Mittelpunkt. Sondern die Summe der bisherigen Erlebnisse des Erzählers mit dem Tod und darüber hinaus auch zahlreiche philosophische Passagen, die Fragen beinhalten, die ich mir auch schon gestellt habe. Eine sensible und außergewöhnliche Auseinandersetzung mit dem Thema Tod, die viele verschiedene Aspekte beleuchtet - und gleichzeitig damit auch das Leben.


    "Viele Gesichter kannte ich nicht. Auf Beerdigungen ist mir oft schon aufgefallen, dass der Verstorbene mehrere unterschiedliche Leben geführt hat, die ihren Lauf genommen haben, ohne jemals miteinander in Berührung zu kommen. Manchmal glaubt man, der Einzige zu sein, der jemanden trifft, mit ihm Zeit verbringt, ihn kennt. Sein Tod jedoch konfrontiert uns mit der Vielseitigkeit dieser Person." (S. 105 f.)


    Philippe Claudel, selbst Jahrgang 1962, ist etwa im selben Alter wie der namenlose Erzähler, und neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller ist er ebenso wie der Hauptcharakter des Romans auch Filmregisseur. Mehrfach tauchte daher beim Lesen die Frage auf, wie viele autobiografische Anteile hier eingeflossen sind. Vermutlich kann jeder beim Lesen etwas anderes für sich aus dem Roman ziehen - und je nach Lebensabschnitt hätte ich diese Lektüre vermutlich auch anders empfunden. Da ich in einem ähnlichen Alter bin wie der Erzähler, hat mich vieles von dem berührt, was hier an Gedanken angestoßen wird, und in vielen Passagen habe ich mich wiedergefunden. Das macht den Roman für mich zu etwas ganz Besonderem.

    Ein Buch der leisen Töne und der großen Gedanken - Tod und Leben, zwei Pole unseres Daseins, verpackt in einen wundervollen Roman...


    © Parden

    Kommentare: 6
    19
    Teilen
    Gwennileins avatar
    Gwennileinvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Wundervolle Gedankenwelt
    Wundervolle Gedankenwelt

    Bereits der Einstieg ins Buch ist toll. Ich mag die Sprache und auch den Inhalt des Geschriebenen.Das Denken und Handeln des Protagonisten ist mir sehr sympathisch. Ich liebe die leichte Melancholie des Buches und die philosophischen Gedanken darin. Das Buch umschwebt ein kleiner Zauber, das Tabuthema Tod wird nicht verschwiegen, sondern bekommt seinen Platz im Leben, eher tröstend, als beängstigend. Die Worte sind so voller Zärtlichkeit und Gefühl. Die beschriebenen Szenen so wunderbar erzählt, dass ich stumm nicke oder wirklich berührt bin. Die bildhaften Darstellungen der Lebenssituationen zaubern mich an deren Orte. Ich liebe die Empfindungen des Protagonisten, so ehrlich und so empfindsam. Ich hätte immer weiter lesen können, auch das Ende passt wunderbar ins Bild. Ein vollkommen befriedendes Buch und damit eine klare Leseempfehlung!

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    emma_vandertheques avatar
    emma_vanderthequevor 10 Monaten
    Nachdenklich, philosophisch, eine Bewältigung des (eigenen) Lebens und der Vergänglichkeit des Seins

    Der Tod trifft einen meist unerwartet, auch wenn man weiß, dass er irgendwann kommt – wenn er es ernst meint nehmen es trotzdem die meisten persönlich.

    Auch der Protagonist dieses Buches scheint sehr erstaunt darüber, dass sein bester Freund, allen guten Wünschen zum Trotz, den Krebs nicht überlebt hat. Ohne Verbitterung aber mit viel Gespür für die Eigenarten des Lebens und des Sterbens versucht er hinter die „Philosophie“ des Sterbens zu kommen und so den Verlust für sich zu verarbeiten.

    Ausgehend von der schweren Krebserkrankung und dem unausweichlichen Tod seines engsten Vertrauten und langjährigen Weggefährten lässt er Episoden seines Lebens nochmal Revue passieren, erinnert sich an die Momente, in denen er dem Tod begegnet ist und ihm nahestehende Personen entrissen wurden, er lässt sich treiben im Leben und gibt sich diesem schlussendlich willenlos hin.  

    Eine sprachlich sehr schöne Reise in die Gedankenwelt eines „Stehengelassenen“.

    Kommentieren0
    6
    Teilen
    AnjaKoenigs avatar
    AnjaKoenigvor 10 Monaten
    anders

    ein interessantes buch, allerdings schon anders als erwartet. der schreibstil und die Tiefgründigkeit haben ein eigenes gefühl bei mir hinterlassen. einerseits hat es mir sehr gut gefallen, andererseits - ein wenig mehr Handlung wäre für mich wünschenswert gewesen, so war ich ein paar mal leicht verwirrt. dennoch hab ich viel nachgedacht über diverse Aspekte und Szenen, die teilweise beeindruckend waren und mich angesprochen haben, in anderen teilen nicht ganz so sehr.

    Kommentieren0
    28
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu
    ThieleVerlags avatar
    Nachdem er von einer Reise nach Paris zurückgekehrt ist, erfährt der Erzähler von der Krebserkrankung seines besten Freundes Eugène. Der lebenslustige Filmproduzent, der mit fünf verschiedenen Frauen fünf Kinder hat und alle Bücher, die er liest, verschenkt oder in Cafés liegenlässt, weil er der Ansicht ist, dass »Bücher zirkulieren müssen wie die Welt«, fegt die Krankheit mit einer Handbewegung zur Seite. Doch bald zeigt sich, dass sein Krebs kein »Amateur« ist, sondern leider ein »Profi«.


    Der Abschied von seinem Freund wird für den Erzähler der Anlass, über die wichtigsten Fragen des Lebens nachzudenken. Er selbst steht nach der Trennung von seiner Frau, die wieder geheiratet hat, und der beginnenden Liebe zu der jungen Kroatin Elena, deren Küsse nach Orangen schmecken, an einem Wendepunkt.


    Wir verlosen 20 Exemplare dieses anrührenden Buches! Schreibt uns einfach, welches Buch Ihr - ganz im Sinne Eugènes - verschenken oder im Café liegen lassen würdet, damit jeder daran teilhaben kann!
    Zur Buchverlosung

    Weitere Informationen zum Buch

    Pressestimmen

    "Ein zartes Buch über schwere Themen wie Tod und Krankheit - mit dem sanftem Trost, den uns die Literatur geben kann. Und einem Ende, das leuchtend ist und dem Leben zugewandt."
    (Elke Heidenreich)

    »Man sollte ein gutes Glas Wein beim Lesen trinken und dankbar sein für jeden Tag, an dem es hell wird und die Bäume rauschen und wir wieder eintauchen können in Bücher wie dieses.«
    (Elke Heidenreich)

    »Ein Buch für den melancholischen Herbst, aber eines, das nicht klein und grau macht, sondern eher tröstet und uns wieder an all die Schönheit des Lebens erinnert.«
    (Elke Heidenreich)

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks