Claudia Breitsprecher

 4.6 Sterne bei 8 Bewertungen
Autorin von Hinter dem Schein die Wahrheit, Auszeit und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Claudia Breitsprecher

Claudia Breitsprecher, Jahrgang 1964, geboren in Dülmen/NRW, aufgewachsen in Berlin, wo sie auch heute noch mit ihrer Frau lebt. Studium der Soziologie, Psychologie und Politik an der Freien Universität Berlin. Abschluss als Diplom-Soziologin, berufliche Tätigkeiten im Bildungs- und Sozialbereich. Erste Kurzprosa-Veröffentlichungen Ende der 90er Jahre, schreibt heute sowohl literarische als auch Sachtexte. 2002 Sachbuchdebüt mit einem Band über Mutter-Tochter-Beziehungen: "Das hab ich von dir" und von "Bringen Sie doch Ihre Freundin mit! Gespräche mit lesbischen Lehrerinnen". 2005 erschien ihr erster Roman "Vor dem Morgen liegt die Nacht" der zweite wird im Herbst 2011 erscheinen. 2007 gewann Claudia Breitsprecher den 3. Preis des 6. Autorinnenforums Berlin-Rheinsberg für die Erzählung »Little Boy«.

Alle Bücher von Claudia Breitsprecher

Vor dem Morgen liegt die Nacht

Vor dem Morgen liegt die Nacht

 (2)
Erschienen am 12.09.2005
Hinter dem Schein die Wahrheit

Hinter dem Schein die Wahrheit

 (2)
Erschienen am 01.03.2017
Bringen Sie doch Ihre Freundin mit!

Bringen Sie doch Ihre Freundin mit!

 (2)
Erschienen am 19.03.2007
Auszeit

Auszeit

 (2)
Erschienen am 29.08.2011

Neue Rezensionen zu Claudia Breitsprecher

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Rezension zu "Hinter dem Schein die Wahrheit" von Claudia Breitsprecher

Wieder so einBuch,bei dem unverhofft alles andere liegen bleibt,weil ich esunbedingt fertiglesenmuss
jessysweltvor 2 Jahren

Zunächst lernen wir Jacob kennen, der von zuhause fortläuft, nachdem er von vermeintlichen Freunden verprügelt wurde. Aber eigentlich geht es um seine Mutter Karin und ihre Freunde, die Generation vor ihm, die Sehnsüchte und Träume hat und mit den Gegebenheiten auf dem Dorf auskommen muss. Karin und Annette, Holger und seine Oma - sie sind es, die wir durch Rückblenden kennen- und liebenlernen. Und durch das Verstehen ihrer Familiengeschichten schließt sich der Kreis um Jacob.

Claudia Breitsprechers Roman "Hinter dem Schein die Wahrheit" hat eine so ganz eigene Spannung. Gleichzeitig besitzt er viel Gefühl und zwischen den Zeilen schwingt jede Menge Leben(serfahrung).
Man kriegt mich ja mit Sätzen wie "Das Herz hörte eben schlecht, wenn es so wild vor sich hin pochte" oder "Schnee von gestern ... aber der Schnee konnte nicht schmelzen, wenn es in der Seele kalt geblieben war" und "Konnten Worte sein wie die Luft zum Atmen und Sätze nähren wie Brot?" - und als Jacob als kleiner Junge begeistert mit Playmobilfiguren spielt und sie als Teenager wieder sucht, erst recht :)

Dennoch ist das Buch keine leichte Kost. Menschen auf dem Dorf, die in ihrer Engstirnigkeit nicht zu überbieten sind, aber auch teilweise überraschen durch ihre Offenheit. Familiengeschichten und das Erleben von Teenagern in zwei Generationen, Freundschaft und Nähe durchziehen Seite um Seite. Eigentlich geht es nur um ein paar Tage, aber die stellen alles auf den Kopf und die Jahre, die vergangen sind und in diesen Tagen wieder an die Oberfläche schwappen, lassen die 244 Seiten rasend schnell vorbeigehen. - "aber ihre Gedanken schwebten hinaus aus dem Stall, hinüber auf die andere Seite der Straße und zurück in der Zeit".

Holger, der seinen Wunschberuf aufgegeben hat und immer noch bescheiden lebt, sucht sich sein Glück, auch wenn es ihn schon längst gefunden zu haben scheint.
Annette, die inzwischen in der Stadt lebt, hinterfragt in diesen paar Tagen auf dem Dorf sehr reflektiert ihre Beziehung zu Grit - und ihre eigene Rolle in beider Leben.

Karins Leben berührt mich am meisten - sie macht auch von allen die größte Veränderung durch. Sie liebt ihren Mann Pavel, der viel zu selten zuhause ist, aber auch Jacob und letztendlich sich selbst - auch wenn man Letzteres zunächst kaum glauben möchte.
Nach VOR DEM MORGEN LIEGT DIE NACHT und AUSZEIT legt Autorin Claudia Breitsprecher hier eine ganz andere aber ebenso berührende und fesselnde Geschichte vor. Man möchte noch mehr von ihr lesen und hofft, es möge nie aufhören - das Buch, das man gerade vor sich hat und ihre Freude am Schreiben.

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Rezension zu "Auszeit" von Claudia Breitsprecher

Rezension zu "Auszeit" von Claudia Breitsprecher
gottagivethembooksvor 7 Jahren

Nach einem Anschlag auf ihr Leben ist für die Abgeordnete Martina Wernicke nichts mehr wie vorher. Während die äußeren Wunden heilen, bedarf es mehr als einer Operation und Medikamenten um die inneren zu verarbeiten. Um sich die Zeit zu geben, die sie braucht um sich selbst wieder zu finden in dem Chaos, das das Attentat in ihrer Seele hinterlassen hat, zieht sich die engagierte Politikerin aufs Land zurück und versucht, die Ruhe zu genießen. Aber mit der Stille kommen auch die Gedanken an den Angriff und an ihre große Liebe Eleni, die sie vor einiger Zeit verlassen hat. Kann Martina den Weg zurück zu sich selbst finden und gibt es einen Weg, eine große Liebe zu retten?

Wie bereits in ihrem ersten Roman “Vor dem Morgen liegt die Nacht”, hat Claudia Breitsprecher auch in diesem wieder ihr wundervolles Gefühl für Sprache unter Beweis gestellt. Unglaublich schöne Formulierungen, ein zartes Gespür für Stimmungen und Situationen und ein intelligenter Aufbau machen das Lesen ihrer Romane zu einem wahren Vergnügen.

Die Hauptfigur Dr. Martina Wernicke ist sehr realistisch und ihr Zwiespalt glaubwürdig. Die politische Situation des Jahres 2010 ist gut recherchiert und auch Lebens- und Arbeitsumstände einer Abgeordneten sind überzeugend beschrieben. Stellenweise vielleicht sogar zu detailliert, schien mir leider manchmal der politische Hintergrund schwerer zu wiegen als die persönliche Situation der Protagonistin.

Die Gedankengänge, die das Attentat bei Martina auslöst, haben mir gut gefallen. Sie stellt sich selbst und ihre Prioritäten in Frage, denkt viel darüber nach, was einmal ihre Ziele waren und was sie daraus gemacht hat. Das hat mir sehr gefallen, ging mir letztendlich aber dann noch nicht tief genug. Auch das, was sie am Ende daraus macht, was sie für sich aus der Situation herauszieht, blieb mir zu wenig akut Lebensverändernd. Da hätten es durchaus ein paar Seiten mehr sein dürfen, die einfach noch etwas tiefer graben.

Gut fand ich wiederrum, dass die Beziehung zu Eleni nicht von jetzt auf gleich ein schmachtiges Happy End findet, sondern in realistischen Bahnen bleibt.

Nichtsdestoweniger hat mir das Lesen sehr viel Freude gemacht und ich vergebe wirklich gerne vier Sterne, denn ein Roman von Claudia Breitsprecher ist für mich Garant für eine niveauvolle Unterhaltung und dafür, dass man am Ende immer etwas für sich mitnehmen kann.

Zitate:

“Das Glück kommt in der Beobachtung. Dazu müssen wir sehen können. Und zum Sehen braucht es Licht. Außen und innen.” ~Miriam Meckel

Fast wäre mir das Leben aus den Händen gerutscht. Gerade noch habe ich es festgehalten, und so lege ich meine Finger darum und betrachte es. Wie farbig kann es schillern, wenn die Zeit nicht ausgefüllt ist mit Drucksachennummern und Plenarsaalscharmützeln. Ich esse langsamer als sonst und kaue gründlich, schmecke jedem einzelnen Bissen nach. Wie köstlich kann sein, was meine Sinne aufzunehmen vermögen, wenn ich sie lasse. Wie kostbar. (Seite 15)

Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem sich das Innehalten nicht länger vermeiden lässt, und diese Einsicht erleichtert mich auf wundersame Weise. (Seite 16-17)

Ich will mich nicht quälen und nicht hetzen. Ich gebe mich der Langsamkeit hin und lasse mich von Nichtigkeiten fesseln, die ich noch nie wahrgenommen habe; da dreht die Stubenfliege auf dem Rand des benutzten Tellers ihre Runden, ein Traktor knattert durchs Dorf, die Stimme von Edith Piaf erscheint mir wie wütendes Klagen, im ersten, wie begeistertes Entzücken im zweiten Moment. Fernab der Hektik in der Stadt und der Tumulte im Plenarsaal bade ich in dem, was um mich herum geschieht. (Seite 39-40)

Das Paradies ist nicht im Himmel, sondern in den Augenblicken, in denen wir kein Unheil erwarten. Wir wandeln darin in einem Morgen, an dem wir in den Armen der Geliebten erwachen, die noch schläft, der Atem ruhig und gleichmäßig an unserer Schulter kitzelt. Manchmal lässt es sich ahnen, wenn wir an einem Fluss im Gras sitzen, mit Blick auf einen Schleppkahn, der gleichmäßig tuckernd vorüberzieht und Wellen gegen das Ufer treibt. Es berührt uns, wenn die Sonne auf unser Gesicht scheint und neben uns jemand lacht. Oder schweigt. Das Paradies ist nicht dort, wo es laut ist. Es sickert still in unsere Poren wie Honig in den Teig einer Scheibe Toast, und wenn es eingedrungen ist, fühlt es sich an wie stehengebliebene Zeit; Sekunden voller Kraft für ein ganzes Leben […]. (Seite 111-112)

Ich will sie wieder beim Frühstück beobachten, wenn sie noch müde den Kopf in die Hand legt und zusieht, wie der Honig zäh vom Löffel auf ihr Sesambrötchen tropft. Ich will, dass sie wieder den Schaum von ihrer Handfläche in meine Richtung pustet, während wir zusammen in de Badewanne liegen. Ich würde sie bei jeder Radtour die Karte lesen lassen. Es würde mich nie mehr stören, wenn sie uns in die verkehrte Richtung lotst. Entschuldige, soll sie sagen und mich ansehen mit diesem Blick, der voll ist von Gram und Charme und Augenzwinkern. Ich will die richtigen Wege mit ihr nehmen und die falschen, solange es nur wieder gemeinsame Wege sind. (Seite 145)

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Rezension zu "Vor dem Morgen liegt die Nacht" von Claudia Breitsprecher

Rezension zu "Vor dem Morgen liegt die Nacht" von Claudia Breitsprecher
gottagivethembooksvor 7 Jahren

Ninas Dasein ist von einer Trostlosigkeit, die die Bezeichnung “Leben” fast nicht mehr verdient, als sie unerwartet ihrer Vertrauten aus Kindertagen wiederbegegnet. Was ist vor 25 Jahren zwischen Maria und Nina vorgefallen? Was hat das Mädchen und ihre mütterliche Freundin entzweit? Marias Nichte Michelle versucht die Geschichte der beiden zu ergründen und kommt Nina dabei näher, als es je ihre Absicht war. Kann es eine Aussöhnung geben und gibt es am Ende vielleicht sogar die Chance auf einen Neuanfang?

Claudia Breitsprecher hat hier mit ihrem ersten Roman eine totale Punktlandung hingelegt. Gekonnt baut sie einen Plot auf, der gleich mehrere Lebensgeschichten so perfekt miteinander verbindet, dass keine zu kurz kommt und jede wie selbstverständlich ihren Platz in der Handlung findet.

Ihre Figuren haben von Anfang an eine Tiefe, die viele andere Autoren auf 1000 Seiten nicht in der Lage sind aufzubauen. Sie hat einen unglaublich guten Blick für Menschen und so ist der Roman fast auch eine ausgereifte Charakterstudie, was ihn aber zu keinem Zeitpunkt langatmig macht. Ganz im Gegenteil.

Egal ob die zarten Bande, die sich zwischen Nina und Michelle entspinnen oder das komplizierte Verhältnis zwischen Michelle und ihren Eltern – alles ist 100% stimmig und sofort glaubhaft. Der Ort der Handlung, Berlin, ist so liebevoll beschrieben, dass sich jeder Berliner oder Berlinliebhaber sofort wohl und Zuhause fühlt.

Das unglaublich feine Sprachgefühl war es aber in erster Linie das mich von der ersten Seite an begeistert und gefangen genommen hat. Eine schöne Wortwahl und gut durchdachte Formulierungen geben dem Roman einen so wunderbaren Rahmen, dass man ihn gar nicht wieder aus der Hand legen mag.

Besser hätte man diese Geschichte nicht erzählen können. Definitiv einer der besten lesbischen Romane, die ich je gelesen habe. Großartig!

Zitate:

Und sie freute sich auf Berlin, auf die alten Freundinnen und Freunde und auf den Frühling mit blühenden Forsythien und sonnigen Straßencafés. Sie würde eintauchen in das Gewühl der City, die vertrauten Orte besuchen und samstags über einen der quirligen Märkte schlendern und sich am kodderigen Ton ergötzen, mit dem die Menschen einander rüde liebkosten. Wie eine lange vermisste Gefährtin war ihr die Stadt, treu und doch in stetem Wandel, launisch und anspruchsvoll, eine atemberaubende Diva, an der es immer neue Facetten zu entdecken gab. (Seite 17)

Glück war zerbrechlich, Liebe gar Wahnsinn. War es nicht leichter, sich in der Monotonie eines vorhersehbaren Alltags einzurichten, als dem Auf und Ab unsteter Gefühle ausgesetzt zu sein und mit der Hoffnung auch immer das bangen durchleiden zu müssen? (Seite 39)

Sie war unordentlich und sie war träge, aber was immer auch geschah in ihrem Leben, ein hartnäckiger Rest abscheulicher Manierlichkeit ließ sich nicht vertreiben. (Seite 40)

Friedrich war achtzehn, als er mit Pinsel und Farbe Worte des Hasses an die Türen seiner Nachbarn schmierte und ihnen die Scheiben einschlug. Johannes war siebzehn, als er half, die Scherben zusammenzukehren und mit Bürste und Schwamm versuchte, die Schmähungen wieder abzuwaschen und dabei doch begriff, dass seine Mühe vergeblich war, dass die Buchstabend den Putz der Häuserwände längst durchdrungen hatten, in Schichten eingesickert waren, die tiefer lagen und die kein Schwamm und keine Bürste zu erreichen vermochte. (Seite 121/122)

Die meisten Menschen sind so verunsichert, dass sie sich mit Statussymbolen eindecken müssen, um ihre Sorgen nicht zu spüren. (Seite 168)

Die Menschen interessieren sich nur für das, was Teil ihrer eigenen Erfahrungswelt ist. (Seite 181)

Manchmal liegt alles Sein in einem einzigen Augenblick, in einem blühenden Garten außerhalb der Zeit, in dessen sinnlicher Fülle alle Fragen sich auflösen, alle Ängste sich verlieren und alle Sorgen bedeutungslos sind […]. (Seite 205)

Vielleicht war das ja immer so. Vielleicht war es stets das Unerwartete und Ungeplante, das aus einem Dasein ein Leben werden ließ. (Seite 240)

Wohin war der Mut, von dem jeder ihrer Aufbrüche kündete? Was blieb übrig, wenn die Vasen eingepackt und ihre Bilder von den Wänden genommen waren, wenn der Duft eines Lebens durch geöffnete Fenster entwich? Gab es wirklich nur ein ewiges Jetzt ohne irgendeinen Sinn? (Seite 285)

War das Liebe? Oder war es Dummheit? Oder gab es am Ende keinen Unterschied? (Seite 286)

http://gottagivethembooks.wordpress.com

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