Claudia Breitsprecher Auszeit

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Inhaltsangabe zu „Auszeit“ von Claudia Breitsprecher

Mit knapper Not überlebt die engagierte Bundestagsabgeordnete Dr. Martina Wernicke ein Attentat. Nach ihrer Genesung erholt sie sich im Wochenendhaus einer Mitstreiterin von dem Schock und auch von dem intrigenreichen Spiel um Macht, das ihr Leben seit Jahren bestimmt. Sie genießt den Frühling in der märkischen Landschaft und versucht zugleich, die wachsenden Zweifel am Sinn ihrer Arbeit und die Sehnsucht nach ihrer Ex-Geliebten Eleni zu ergründen. Bald lernt sie das junge Paar von nebenan kennen: Laura und Stefan Vogel halten sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und erwarten ihr erstes Kind. Als rechtsextreme Schläger im Dorf auftauchen, ist für Martina die Zeit der Besinnung vorbei. Sie erkennt, dass sie kämpfen will – für ihre Nachbarn, für ihre Überzeugungen und für eine zweite Chance mit der Frau, die sie liebt. Von Claudia Breitsprecher liegen bereits der Roman "Vor dem Morgen liegt die Nacht", der Band '›Bringen Sie doch Ihre Freundin mit!ï – Gespräche mit lesbischen Lehrerinnen' und die Erzählung ›Ende der Schonfrist‹ in 'Fein & gemein - Rachegeschichten' vor.

empfehlenswert - sehr gute Einblicke in das Parteienleben und eine gute Darstellung der Ängste einer Frau, die angegriffen wurde

— ChiraBrecht
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    Auszeit
    gottagivethembooks

    gottagivethembooks

    19. September 2011 um 10:59

    Nach einem Anschlag auf ihr Leben ist für die Abgeordnete Martina Wernicke nichts mehr wie vorher. Während die äußeren Wunden heilen, bedarf es mehr als einer Operation und Medikamenten um die inneren zu verarbeiten. Um sich die Zeit zu geben, die sie braucht um sich selbst wieder zu finden in dem Chaos, das das Attentat in ihrer Seele hinterlassen hat, zieht sich die engagierte Politikerin aufs Land zurück und versucht, die Ruhe zu genießen. Aber mit der Stille kommen auch die Gedanken an den Angriff und an ihre große Liebe Eleni, die sie vor einiger Zeit verlassen hat. Kann Martina den Weg zurück zu sich selbst finden und gibt es einen Weg, eine große Liebe zu retten? Wie bereits in ihrem ersten Roman “Vor dem Morgen liegt die Nacht”, hat Claudia Breitsprecher auch in diesem wieder ihr wundervolles Gefühl für Sprache unter Beweis gestellt. Unglaublich schöne Formulierungen, ein zartes Gespür für Stimmungen und Situationen und ein intelligenter Aufbau machen das Lesen ihrer Romane zu einem wahren Vergnügen. Die Hauptfigur Dr. Martina Wernicke ist sehr realistisch und ihr Zwiespalt glaubwürdig. Die politische Situation des Jahres 2010 ist gut recherchiert und auch Lebens- und Arbeitsumstände einer Abgeordneten sind überzeugend beschrieben. Stellenweise vielleicht sogar zu detailliert, schien mir leider manchmal der politische Hintergrund schwerer zu wiegen als die persönliche Situation der Protagonistin. Die Gedankengänge, die das Attentat bei Martina auslöst, haben mir gut gefallen. Sie stellt sich selbst und ihre Prioritäten in Frage, denkt viel darüber nach, was einmal ihre Ziele waren und was sie daraus gemacht hat. Das hat mir sehr gefallen, ging mir letztendlich aber dann noch nicht tief genug. Auch das, was sie am Ende daraus macht, was sie für sich aus der Situation herauszieht, blieb mir zu wenig akut Lebensverändernd. Da hätten es durchaus ein paar Seiten mehr sein dürfen, die einfach noch etwas tiefer graben. Gut fand ich wiederrum, dass die Beziehung zu Eleni nicht von jetzt auf gleich ein schmachtiges Happy End findet, sondern in realistischen Bahnen bleibt. Nichtsdestoweniger hat mir das Lesen sehr viel Freude gemacht und ich vergebe wirklich gerne vier Sterne, denn ein Roman von Claudia Breitsprecher ist für mich Garant für eine niveauvolle Unterhaltung und dafür, dass man am Ende immer etwas für sich mitnehmen kann. Zitate: “Das Glück kommt in der Beobachtung. Dazu müssen wir sehen können. Und zum Sehen braucht es Licht. Außen und innen.” ~Miriam Meckel Fast wäre mir das Leben aus den Händen gerutscht. Gerade noch habe ich es festgehalten, und so lege ich meine Finger darum und betrachte es. Wie farbig kann es schillern, wenn die Zeit nicht ausgefüllt ist mit Drucksachennummern und Plenarsaalscharmützeln. Ich esse langsamer als sonst und kaue gründlich, schmecke jedem einzelnen Bissen nach. Wie köstlich kann sein, was meine Sinne aufzunehmen vermögen, wenn ich sie lasse. Wie kostbar. (Seite 15) Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem sich das Innehalten nicht länger vermeiden lässt, und diese Einsicht erleichtert mich auf wundersame Weise. (Seite 16-17) Ich will mich nicht quälen und nicht hetzen. Ich gebe mich der Langsamkeit hin und lasse mich von Nichtigkeiten fesseln, die ich noch nie wahrgenommen habe; da dreht die Stubenfliege auf dem Rand des benutzten Tellers ihre Runden, ein Traktor knattert durchs Dorf, die Stimme von Edith Piaf erscheint mir wie wütendes Klagen, im ersten, wie begeistertes Entzücken im zweiten Moment. Fernab der Hektik in der Stadt und der Tumulte im Plenarsaal bade ich in dem, was um mich herum geschieht. (Seite 39-40) Das Paradies ist nicht im Himmel, sondern in den Augenblicken, in denen wir kein Unheil erwarten. Wir wandeln darin in einem Morgen, an dem wir in den Armen der Geliebten erwachen, die noch schläft, der Atem ruhig und gleichmäßig an unserer Schulter kitzelt. Manchmal lässt es sich ahnen, wenn wir an einem Fluss im Gras sitzen, mit Blick auf einen Schleppkahn, der gleichmäßig tuckernd vorüberzieht und Wellen gegen das Ufer treibt. Es berührt uns, wenn die Sonne auf unser Gesicht scheint und neben uns jemand lacht. Oder schweigt. Das Paradies ist nicht dort, wo es laut ist. Es sickert still in unsere Poren wie Honig in den Teig einer Scheibe Toast, und wenn es eingedrungen ist, fühlt es sich an wie stehengebliebene Zeit; Sekunden voller Kraft für ein ganzes Leben […]. (Seite 111-112) Ich will sie wieder beim Frühstück beobachten, wenn sie noch müde den Kopf in die Hand legt und zusieht, wie der Honig zäh vom Löffel auf ihr Sesambrötchen tropft. Ich will, dass sie wieder den Schaum von ihrer Handfläche in meine Richtung pustet, während wir zusammen in de Badewanne liegen. Ich würde sie bei jeder Radtour die Karte lesen lassen. Es würde mich nie mehr stören, wenn sie uns in die verkehrte Richtung lotst. Entschuldige, soll sie sagen und mich ansehen mit diesem Blick, der voll ist von Gram und Charme und Augenzwinkern. Ich will die richtigen Wege mit ihr nehmen und die falschen, solange es nur wieder gemeinsame Wege sind. (Seite 145)

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