Claudia Breitsprecher Vor dem Morgen liegt die Nacht

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Inhaltsangabe zu „Vor dem Morgen liegt die Nacht“ von Claudia Breitsprecher

Bei einer Theateraufführung begegnet Nina Althaus, 38jährige West-Berlinerin, unverhofft der mondänen Maria Conti wieder – einer langjährigen Vertrauten aus Kindertagen, die mittlerweile die Achtzig überschritten hat. Maria ist in Begleitung ihrer Nichte, der erfolgreichen Ost-Berliner Schauspielerin Michelle Odebrecht.
Nina und Michelle kommen sich behutsam näher. Doch der Weg zueinander erfordert die Aussöhnung mit der Vergangenheit, die von persönlichen Enttäuschungen und politischen Umbrüchen geprägt ist.

wunderschön geschrieben

— ChiraBrecht

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  • Rezension zu "Vor dem Morgen liegt die Nacht" von Claudia Breitsprecher

    Vor dem Morgen liegt die Nacht

    gottagivethembooks

    24. June 2011 um 14:19

    Ninas Dasein ist von einer Trostlosigkeit, die die Bezeichnung “Leben” fast nicht mehr verdient, als sie unerwartet ihrer Vertrauten aus Kindertagen wiederbegegnet. Was ist vor 25 Jahren zwischen Maria und Nina vorgefallen? Was hat das Mädchen und ihre mütterliche Freundin entzweit? Marias Nichte Michelle versucht die Geschichte der beiden zu ergründen und kommt Nina dabei näher, als es je ihre Absicht war. Kann es eine Aussöhnung geben und gibt es am Ende vielleicht sogar die Chance auf einen Neuanfang? Claudia Breitsprecher hat hier mit ihrem ersten Roman eine totale Punktlandung hingelegt. Gekonnt baut sie einen Plot auf, der gleich mehrere Lebensgeschichten so perfekt miteinander verbindet, dass keine zu kurz kommt und jede wie selbstverständlich ihren Platz in der Handlung findet. Ihre Figuren haben von Anfang an eine Tiefe, die viele andere Autoren auf 1000 Seiten nicht in der Lage sind aufzubauen. Sie hat einen unglaublich guten Blick für Menschen und so ist der Roman fast auch eine ausgereifte Charakterstudie, was ihn aber zu keinem Zeitpunkt langatmig macht. Ganz im Gegenteil. Egal ob die zarten Bande, die sich zwischen Nina und Michelle entspinnen oder das komplizierte Verhältnis zwischen Michelle und ihren Eltern – alles ist 100% stimmig und sofort glaubhaft. Der Ort der Handlung, Berlin, ist so liebevoll beschrieben, dass sich jeder Berliner oder Berlinliebhaber sofort wohl und Zuhause fühlt. Das unglaublich feine Sprachgefühl war es aber in erster Linie das mich von der ersten Seite an begeistert und gefangen genommen hat. Eine schöne Wortwahl und gut durchdachte Formulierungen geben dem Roman einen so wunderbaren Rahmen, dass man ihn gar nicht wieder aus der Hand legen mag. Besser hätte man diese Geschichte nicht erzählen können. Definitiv einer der besten lesbischen Romane, die ich je gelesen habe. Großartig! Zitate: Und sie freute sich auf Berlin, auf die alten Freundinnen und Freunde und auf den Frühling mit blühenden Forsythien und sonnigen Straßencafés. Sie würde eintauchen in das Gewühl der City, die vertrauten Orte besuchen und samstags über einen der quirligen Märkte schlendern und sich am kodderigen Ton ergötzen, mit dem die Menschen einander rüde liebkosten. Wie eine lange vermisste Gefährtin war ihr die Stadt, treu und doch in stetem Wandel, launisch und anspruchsvoll, eine atemberaubende Diva, an der es immer neue Facetten zu entdecken gab. (Seite 17) Glück war zerbrechlich, Liebe gar Wahnsinn. War es nicht leichter, sich in der Monotonie eines vorhersehbaren Alltags einzurichten, als dem Auf und Ab unsteter Gefühle ausgesetzt zu sein und mit der Hoffnung auch immer das bangen durchleiden zu müssen? (Seite 39) Sie war unordentlich und sie war träge, aber was immer auch geschah in ihrem Leben, ein hartnäckiger Rest abscheulicher Manierlichkeit ließ sich nicht vertreiben. (Seite 40) Friedrich war achtzehn, als er mit Pinsel und Farbe Worte des Hasses an die Türen seiner Nachbarn schmierte und ihnen die Scheiben einschlug. Johannes war siebzehn, als er half, die Scherben zusammenzukehren und mit Bürste und Schwamm versuchte, die Schmähungen wieder abzuwaschen und dabei doch begriff, dass seine Mühe vergeblich war, dass die Buchstabend den Putz der Häuserwände längst durchdrungen hatten, in Schichten eingesickert waren, die tiefer lagen und die kein Schwamm und keine Bürste zu erreichen vermochte. (Seite 121/122) Die meisten Menschen sind so verunsichert, dass sie sich mit Statussymbolen eindecken müssen, um ihre Sorgen nicht zu spüren. (Seite 168) Die Menschen interessieren sich nur für das, was Teil ihrer eigenen Erfahrungswelt ist. (Seite 181) Manchmal liegt alles Sein in einem einzigen Augenblick, in einem blühenden Garten außerhalb der Zeit, in dessen sinnlicher Fülle alle Fragen sich auflösen, alle Ängste sich verlieren und alle Sorgen bedeutungslos sind […]. (Seite 205) Vielleicht war das ja immer so. Vielleicht war es stets das Unerwartete und Ungeplante, das aus einem Dasein ein Leben werden ließ. (Seite 240) Wohin war der Mut, von dem jeder ihrer Aufbrüche kündete? Was blieb übrig, wenn die Vasen eingepackt und ihre Bilder von den Wänden genommen waren, wenn der Duft eines Lebens durch geöffnete Fenster entwich? Gab es wirklich nur ein ewiges Jetzt ohne irgendeinen Sinn? (Seite 285) War das Liebe? Oder war es Dummheit? Oder gab es am Ende keinen Unterschied? (Seite 286) http://gottagivethembooks.wordpress.com

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