Zu Beginn führt das Autorenpaar in das Thema ein, erwähnt beispielsweise, dass Paracelsus als Erster die Dämonologie abgelehnt und dies der Beginn der „humanistischen Wende“ in der Psychatrie war; die zeitliche Einordnung und Weiterentwicklung wird kurz aber ausreichend dargestellt und auch die Überleitung, samt Ansprechen von ICD-10 sowie ICD-11, führt direkt in den Hauptteil des Buches. Eingeteilt nach Kapiteln werden verschiedene Verhaltensauffälligkeiten, die sich in der Bibel finden lassen, erst durchleuchtet, verschiedene ICD, Ausprägungen und Ansätze besprochen und auch der neuen Bezifferung samt Unterschieden zur ICD-10 Aufmerksamkeit gezollt, klare Auffälligkeiten besprochen, wie Impulskontrollstörungen, narzistische und histrionische Charaktere, Paranoide Störungsbilder, Depressionen, Bipolae Störungen und weitere mehr. Jeweils nach diesen Ausführungen folgen im jeweiligen Kapitel Befunde im Alten und auch im Neuen Testament und die Erkenntnis, dass viele der heutigen Auffälligkeiten schon zu jener Zeit vorkamen, die biblischen Autoren diese aber theologisch und nicht psychologisch deuteten, beispielsweise als Zorn oder Strafe Gottes. Die Anzahl der betrachteten Textstellen und somit Beispiels finde ich ausgesprochen hoch gewählt und sehr genau dargestellt und hinterfragt. Trotz vieler, regelmäßiger Kirchbesuche in jungen Jahren, waren mir viele dieser Texte überhaupt nicht bekannt; andere Lesungen scheinen nur in gekürzter Form und Auslassen bestimmter Stellen zu der Zeit genutzt worden zu sein. Mich hat manchesmal bei bekannten Textstellen sehr überrascht, was einfach „unterschlagen“ wurde: viele Vergewaltigungen und MIsshandlungen von Frauen, Inzest, Enthemmung…. Gut, es ist eine andere Zeit und zum Glück dürfen Bibeltexte mittlerweile auch unzensiert und kritisch betrachtet werden. Andere, mir völlig unbekannte Texte, Briefe u.a. waren für mich genauso erschreckend thematisch ähnlich.
Insgesamt fand ich die sachlichen Ausführungen sehr interessant und spannend. Für mich war allerdings nicht der interessante Punkt, wieviele Störungen es damals schon gab, sondern wie verharmlosend offensichtlich durch Vermeiden oder Textkürzungen viele dieser Originaltexte überhaupt nicht korrekt verwendet wurden, sei es in der Lesung, der darauffolgenden Predigt und auch im Religionsunterricht.









