Claudia Piñeiro

 3,9 Sterne bei 72 Bewertungen
Autor von Ganz die Deine, Die Donnerstagswitwen und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Claudia Piñeiro

Claudia Piñeiro, geboren 1960 in Buenos Aires, ist der Shootingstar der argentinischen Literatur. Nach dem Wirtschaftsstudium wandte sie sich dem Schreiben zu, arbeitete als Journalistin, schrieb Theaterstücke, Kinder- und Jugendbücher und führte Regie fürs Fernsehen. Ihre Romane sind auf den Bestsellerlisten zu finden und werden in mehrere Sprachen übersetzt und verfilmt. Für Die Donnerstagswitwen erhielt sie 2005 den Premio Clarín; 2010 wurde sie mit dem LiBeraturpreis ausgezeichnet.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Claudia Piñeiro

Cover des Buches Ganz die Deine (ISBN: 9783293206892)

Ganz die Deine

 (22)
Erschienen am 09.03.2015
Cover des Buches Die Donnerstagswitwen (ISBN: 9783293302716)

Die Donnerstagswitwen

 (17)
Erschienen am 09.11.2015
Cover des Buches Ein wenig Glück (ISBN: 9783293207882)

Ein wenig Glück

 (10)
Erschienen am 19.02.2018
Cover des Buches Elena weiß Bescheid (ISBN: 9783293402720)

Elena weiß Bescheid

 (9)
Erschienen am 09.11.2015
Cover des Buches Der Privatsekretär (ISBN: 9783293208827)

Der Privatsekretär

 (4)
Erschienen am 06.04.2020
Cover des Buches Der Riss (ISBN: 9783293402706)

Der Riss

 (4)
Erschienen am 09.11.2015
Cover des Buches Wer nicht? (ISBN: 9783293005624)

Wer nicht?

 (3)
Erschienen am 14.09.2020
Cover des Buches Betibú (ISBN: 9783293308183)

Betibú

 (3)
Erschienen am 09.11.2015

Neue Rezensionen zu Claudia Piñeiro

Cover des Buches Wer nicht? (ISBN: 9783293005624)Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Wer nicht?" von Claudia Piñeiro

wenn wir plötzlich in einer unerwarteten, unangenehmen Situation stecken ...
Gwhynwhyfarvor 4 Monaten

«Sie wollte, dass er auszieht, sie wollte die Ehe beenden, sie wollte, dass die Kinder heute bei ihm übernachten. Und was will er? Bis gestern hätte er gesagt: zurück nach Hause, zurück zu Silvia, wieder mit den Kindern zusammenleben. Heute Abend ist er sich da nicht so sicher, zum ersten Mal weiß er es nicht so genau.»


Bisher hat Claudia Piñeiro Romane veröffentlicht, die mich allesamt begeistert haben. Crime-Storys, keine Krimis, Romane in hohem literarischen Format. Der «Corriere della Sera» schrieb über sie: «Hitchcock ist eine Frau, und sie lebt in Buenos Aires.». Das finde ich sehr passend, um ihre Romane zu beschreiben. In diesem Band hat sie sechzehn Erzählungen zusammengetragen, sehr unterschiedliche Geschichten, die sie über viele Jahre verteilt geschrieben hat. Wie verhalten wir uns, wenn ein Erlebnis uns den Boden unter den Füßen wegzieht, wenn wir plötzlich in einer unerwarteten, unangenehmen Situation stecken, wenn das Leben eine abrupte Wendung nimmt? Geschichten über Beziehungen, Geheimnisse und unwiderrufliche Entscheidungen, Ereignisse, mit denen man plötzlich konfrontiert wird, Begebenheiten über Menschen, denen das Leben eine Falle stellt.


Es beginnt mit der Geschichte «Bei Papa», die mich sehr berührt hat. Ein Immobilienmakler, geschieden und damit planlos, wohnungslos, übernachtet in leerstehenden Unterkünften seiner Kunden, wechselt ständig unauffällige Liegenschaften, rollt seinen Schlafsack aus. Plötzlich soll er den Geburtstag seines Sohnes feiern, seine Kinder, an denen er sehr hängt, sollen nun doch einmal bei ihm übernachten. Was tun? Eine möblierte Wohnung muss her; und da gibt es ein wundervolles Objekt, dessen Besitzer in London lebt. Dieser Mann wiederum fliegt maximal einmal im Jahr nach Buenos Aires, und tief in seinem Herzen will er die Wohnung gar nicht verkaufen, drum auch der erhöhte Verkaufspreis seit Jahren. Eine plötzliche Hochzeit lässt ihn reisen, und als er die Tür mit seinem Schlüssel öffnet, steht er mitten in einem Kindergeburtstag …


«Ihre Großmutter hatte drei Hunde. Und sie benutzte auch eine Nadel, aber keine Plastiktüte, sondern einen der beiden Eimer. Was aus ihrer Schwester rauskam, landete in dem Eimer für die Hühner. Sie hat damals gesehen, wie ihre Großmutter es aus ihrer Schwester rausgeholt hat, deshalb wusste sie auch, wie sie bei ihrer Tochter vorzugehen hatte …»


Während des Flugs stirbt ein Mann am Herzinfarkt. Die Witwe erhält zwei Koffer zugestellt, Reisegepäck ihres Mannes. Aber er reiste doch nur mit einem! Zwei identische Koffer mit fast identischem Inhalt – die Frau erfährt so vom langjährigen Doppelleben ihres Mannes und seiner Zweitfamilie. In einer anderen Geschichte schleicht eine Mutter mit ihren Kindern zum Lachen auf den Dachboden. In «Abfall für die Hühner» dient eine Stricknadel zur Abtreibung, die Geschichte setzt sich mit der illegalen Abtreibung auseinander – Ende Dezember 2020 wurde nach langem Kampf der Frauen ein Gesetz in Argentinien beschlossen, das nun die Abtreibung nun bis zur 14. Woche legalisiert.


Claudia Piñeiro ist präzise in ihrer Beobachtung und wie immer ist ihr schnörkelloser Stil eine Reduzierung auf das Wesentliche. Tiefgründig und einfühlsam berichtet sie von der Menschlichkeit. Was würdest du tun, stellt sich der Leser die Frage in mancher Geschichte. Einige sind skurril und andere spielt das tägliche Leben. Familiengeheimnisse, Hoffnung, Streit, Eifersucht, Liebe und Tod, das Ende ist stets abrupt und mit voller Wucht gesetzt, führt zum zum Weiterdenken. Die Autorin ist Meisterin im Subtext, was sie auch hier wieder beweist, erzählerische Kraft der Spitzenklasse.


Claudia Piñeiro gehört zu den erfolgreichsten Autorinnen Argentiniens. Ihre Bücher sind regelmäßig auf den Bestsellerlisten zu finden und werden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Geboren 1960 in Burzaco, Buenos Aires, studierte sie Wirtschaftswissenschaften. Während zehn Jahren arbeitete sie als Rechnungsprüferin, was sie, wie sie sagt, lehrte, hinter die Fassaden zu blicken. Danach wandte sie sich dem Schreiben zu. Sie arbeitete als Journalistin, schrieb Theaterstücke, Kinder- und Jugendbücher und führte Regie fürs Fernsehen. 2003 erschien Piñeiros erster Roman Ganz die Deine. Ihre Romane sind meist Kriminalromane, aber gehen über das Genre hinaus. Sie hält der Gesellschaft den Spiegel vor und hinterfragt, deckt Abgründe in vermeintlichen Idyllen auf, immer schonungslos, immer humorvoll. »Claudia Piñeiro berührt und schockiert gleichermaßen und trifft wahrscheinlich gerade deshalb den entscheidenden Nerv. Die Wahrheit ist leider nicht immer schön, aber sie ist nun mal Realität.« (Preußische Allgemeine Zeitung) Ihre Romane wurden verfilmt und oft ausgezeichnet, unter anderem 2005 mit dem Premio Clarín für Die Donnerstagswitwen und 2010 mit dem LiBeraturpreis für Elena weiß Bescheid. Claudia Piñeiro ist Mutter von drei Kindern und lebt in Buenos Aires.

https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/wer-nicht-von-claudia-pineiro-rezension.html


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Cover des Buches Wer nicht? (ISBN: 9783293005624)aus-erlesens avatar

Rezension zu "Wer nicht?" von Claudia Piñeiro

Das kleine Gelbe - passt immer!
aus-erlesenvor 8 Monaten

Claudia Piñeiros Werk ist wie ein Sinfonieorchester und ihre Bücher sind wahre Sinfonien der Emotionen. Ein im Bauch grummelnder Bass wie in „Elena weiß Bescheid“. Eine keck trällernde Flöte wie „Betty Boop“ so zauberhaft nahbar macht. Dramatische Hörner, die das Tun und Lassen der „Donnerstagswitwen“ untermalt. Oder verspielte Violinen, die dem Liebeswirrwarr in „Ganz die Deine“ das musikalische Bett bereitet. Jeder Satz ein Paukenschlag! Nun erweitert Claudia Piñeiro ihr Register um den Tango des echten Lebens. 

Julián ist seit einiger Zeit von Silvia geschieden. Die Kinder Tomás und Anita sind bei ihrer Mutter geblieben. Ein einschneidendes Ereignis, das Julián bis heute nicht verarbeitet hat. In seiner Lethargie hat der Makler sogar vergessen, dass er sich eine neue Wohnung besorgen muss. Die Zeit drängt, denn sein Sohn hat Geburtstag und Sonia hat Julián erlaubt, dass die Kinder bei ihm übernachten dürfen. Es gibt keine Straße, die „bei ihm“ bedeutet. Aber es gibt den Schlüsselkasten im Maklerbüro. 

Auch George Mac Laughlin ist größtenteils Single in Buenos Aires. Als Generaldirektor eines Getreidekonzerns ist die meiste Zeit des Jahres hier, einen immer geringeren Teil im heimatlichen London. Als ihn die Nachricht von der Hochzeit seines Sohnes ereilt, wirbelt das allerlei Staub aus der Vergangenheit auf. Denn Carlos, den George immer noch Charlie nennt, was Carlos maßlos ärgert, ist nicht gut auf seinen Vater zu sprechen. Das Ja-Wort in der Kirche, der Familienersatz im Zuschauerraum geben ihm den Rest. Zum Glück hat er noch eine Wohnung in der Stadt. Die wird ihm Ruhe geben. Doch „bei ihm“ findet gerade eine Geburtstagsparty statt…

Wie ordentlich ihr Fabián doch war. Der Koffer so akkurat gepackt wie eh und je. Alles an seinem Platz, faltenfreie Eleganz. Doch in die Freude an das Vertraute mischt sich ein beklemmendes Gefühl. Denn Fabián ist tot. Im Flugzeug gestorben. Alle Wiederbelebungsversuche waren zwecklos. Und nun stehen vor der Witwe die zwei Koffer ihres Mannes. Abgereist ist er allerdings nur mit einem. Das Zahlenschloss des ersten Koffers lässt sich mühelos öffnen. Der Code ist die Hausnummer, in der sie lange zusammen glücklich lebten. Der Andere hat einen anderen Code. Der Adressanhänger gibt Aufschluss. Genauso penibel gepackt wie der Erste. Es ist Fabiáns Koffer. Doch der gehört zu einer Anderen.

Die hohe Kunst Zeilen epische Geschichten zu erzählen gelingt Claudia Piñeiro mit Bravour. Sie schaut durchs Schlüsselloch ihrer Nachbarn, vernimmt Geräusche und lässt die Phantasie durch ihre Finger strömen. Die Figuren erscheinen nicht wie starre Marionetten, die man an Fäden durchs Leben straucheln lässt. Sie sind echt. Haben ihre eigenen Willen und ein eben solchen starken Charakter. Dass man ab und zu mal auf die Nase fällt, gehört dazu. Sich aufzurappeln, den Staub des Versagens abzuschütteln – dazu gehört Mut und Durchsetzungskraft. Starke Geschichten einer starken Autorin. Wer nicht „Wer nicht“ liest, kommt nicht in den Genuss Besonderes erlebt zu haben.


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Cover des Buches Der Privatsekretär (ISBN: 9783293005341)A

Rezension zu "Der Privatsekretär" von Claudia Piñeiro

ederJeder Mensch schleppt einen Fluch mit sich herum. Oder: Ein unmoralisches Angebot.
Almut_Scheller_Mahmoudvor einem Jahr

Ist es ein Thriller, wie es vom Verlag tituliert wird? Ich würde es nicht so nennen. Zumindest kommt bei mir kein Thrill auf, kein atemloses Lesen mit Beben und Bangen. Aber ein interessiertes Lesen, das mehr die psychologischen Aspekte von Schicksalen, wie sie entstehen, wie sie zueinander geführt werden, sich führen lassen, sowie die unterschiedlichen Charaktere beschreibt und dies ganz im Sinne der Hegel’schen Dialektik von Herr und Knecht.

Es ist ein flüssig geschriebenes Buch, sachlich, mit verschiedenen Erzähl- und Zeitebenen. Alterierend in der Erzählform, Zeitsprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit.  Mittendrin immer wieder ein  „Work in progress“, Notizen einer der Protagonisten zu einer Auftragsarbeit. Über Hexerei, Magie, Zauberei und Flüchen, insbesondere im politischen Rahmen Argentiniens, dem Alsina-Fluch.  .

Die Hauptprotagonisten sind Román Sabaté und seine Freundin Valentina Sureda, genannt China, sein politisch engagierter Onkel Adolfo, sein Freund Sebastién. Und deren Gegenspieler: Fernando Roviro, der politische Aufsteiger mit einer fast klassischen Karriere (vom Bauunternehmer zum angestrebten Gouverneursposten in der Hoffnung,  später zum Präsidenten der Republik aufzusteigen), seine Frau Lucrezia Bonara, das Kind Joaquín und die Statisten, die in einer politischen Melange nicht fehlen dürfen: sein Berater und Kampagnen-Stylist Arturo Sylvestre und Vargas für die handfesten Drecksarbeiten. Auch die Mutter von Fernando Roviro spielt eine Rolle, eine esoterische, die von Anfang an ihre Finger im Spiel hat und die versucht, mit Energietransfers und Aura-Arbeit ihren Sohn zu unterstützen. 


Alles beginnt mit Sebastiéns Bitte, dass Román ihn zu einer Art Assessment Center der Partei Pragma begleitet, wo er seine Bewerbung abgeben möchte. Román füllt aus Übermut ebenfalls ein Formular aus und schreibt unter andere Fähigkeiten und Talente: Möbelschreiner, Chauffeur und Fitnesstrainer. Viel mehr hat der junge Mann aus der Provinz nicht vorzuweisen. Zu seinem und zu Sebastiéns Erstaunen bekommt er den Posten und wird Privatsekretär des aufsteigenden Sterns am Polithimmel., Fernando Rovira. Er wird zum unerlässlichen Intimus und Schatten Fernandos, dessen ehrgeizige Pläne der Gouverneursposten einer geteilten Provinz sind: die Provinz Buenos Aires soll in zwei Gourvernate aufgeteilt werden. Denn er kennt den „Fluch von Alsina“, der Auswirkungen auf alle bisherigen Amtsinhaber hatte: niemand ist Präsident des Landes geworden, wenn er zuvor Gouverneur der gesamten Provinz Buenos Aires war. Deshalb die angestrebte Teilung. 

Rovira ist nach aussen hin ein Mann mit weißer Weste, ein Mann mit Charisma und dem Slogan „Damit es wieder aufwärts geht – packen wir es an“. Slogans und Aussagen, wie sie heute und überall in der Politik verwendet werden, von Menschen, die beseelt und besessen sind von Machthunger und von Perversitäten, die das doppelte Spiel lieben, die uns ihr Pokerface zeigen. 

Wir erfahren also viel über das Innenleben der Politik, der Politiker und ihrer Entourage,. Wir erfahren von mancherlei Gründen, warum ein Mensch in der Politik landet: „Zu Recht. Aus Versehen. Aus Nach-lässigkeit. Weil man nicht Nein sagen kann. Weil man zur rechten Zeit am rechten Ort war oder zur falschen Zeit am falschen Ort. Weil man von irgendwas leben muss“.  

Welche dieser Gründe betreffen wohl unsere westlichen Politiker, die die Standarten von Werten und Menschenrechten vollmundig hochhalten? 

Wir erleben aber im Roman auch Loyalität, Freundschaft und wahre Liebe.  Und das ist immerhin ein Hoffnungsschimmer.

Wir erfahren einiges über Politiker wie Raúl Alfonsín, dem ersten demokratischen Präsidenten nach der argentinischen Militärdiktatur und der für Románs Onkel Adolfo immer noch ein menschliches und politisches Vorbild ist, an dem Nachfolger gemessen werden.

Wir erfahren viel über die Stadt La Plata, die „Schicksalsstadt“ in diesem Roman: eine Stadt, die streng symmetrisch geplant und angelegt wurde, nach freimaurerischen Ideen und Prinzipien. Bei der feierlichen Grundsteinlegung gab es  Turbulenzen, die in dem Fluch der Stadt La Plata kulminierten. Und dieser Grundstein von La Plata wird das Schlusssymbol, in einem unerwarteten, nie erdachten Akt. Der Akt eines unschuldigen Kindes. Ein Kind, unbelastet von allen Intrigen und Machtsspielen und  historischen Bezügen, ist der Held einer ganz neuen Geschichte.
Mehr sei nicht verraten.

Ich habe dieses Buch, das die Psyche der verschiedenen Akteure gut ausleuchtet und durch den realen Bezug auf politische Ereignisse der Vergangenheit sehr informativ ist,  mit großem Interesse gelesen. Bringt es uns den südlichen Teil des amerikanischen Kontinents ein wenig näher und lässt durchaus auch rückwirkende und vorgreifende eigene Gedanken zu unserer heutigen Situation in Europa zu. 




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