Claudia Piñeiro

 3.8 Sterne bei 57 Bewertungen
Autor von Ganz die Deine, Die Donnerstagswitwen und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Claudia Piñeiro

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Ganz die Deine

Ganz die Deine

 (18)
Erschienen am 17.07.2009
Die Donnerstagswitwen

Die Donnerstagswitwen

 (15)
Erschienen am 17.02.2012
Elena weiss Bescheid

Elena weiss Bescheid

 (9)
Erschienen am 08.12.2009
Ein wenig Glück

Ein wenig Glück

 (6)
Erschienen am 18.07.2016
Der Riss

Der Riss

 (4)
Erschienen am 20.07.2011
Betibú

Betibú

 (3)
Erschienen am 28.01.2013
Der Privatsekretär

Der Privatsekretär

 (2)
Erschienen am 16.07.2018
Ein Kommunist in Unterhosen

Ein Kommunist in Unterhosen

 (0)
Erschienen am 21.07.2014

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Rezension zu "Der Privatsekretär" von Claudia Piñeiro

Der Herr und sein Knecht
Gulanvor 3 Monaten

Wieder wäre ich am liebsten mit den Fäusten auf ihn losgegangen. Aber damit hätte ich mir keinen Gefallen getan. Das Spiel um die Macht, das zwischen uns ausgetragen wurde,entschied sich auf einem anderen Feld und bei einer anderen, womöglich kaum wahrnehmbaren Gelegenheit. Irgendwann würde es so weit sein, dass er, der Herr, seinem Knecht unterlegen wäre. Aber wie würde ich merken, dass dieser Augenblick gekommen wäre. Nun – er war es, jetzt. (Auszug Seite 211).

Der junge Román Sabaté bewirbt sich mehr durch Zufall für einen Job bei „Pragma“, einer aufstrebenden populistischen Partei in Argentinien. Der Parteichef Fernando Rovira ist ein charismatischer Mann, der nur ein Ziel kennt: Das Präsidentenamt. Román schafft es bis in den innersten Zirkel um Rovira und erkennt irgendwann das Ausmaß der Polittricks, Lügen und Manipulationen. Doch sein Versuch, aus diesem Netz auszubrechen, wird für Román höchstgefährlich.

Der Roman beginnt mit einer Flucht: Román wartet im Busbahnhof auf einen Bus, der ihn aus Buenos Aires herausbringen soll. Aber er tritt die Flucht nicht alleine an: Er hat Joaquín bei sich, Fernando Roviras kleinen Sohn. Die Geschichte wird nun abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven erzählt und mit Rückblicken wird offenbart, wie es so weit kommen konnte.

Román Sabate ist gerade erst nach Buenos Aires gezogen, benötigt dringend Geld, um sich über Wasser zu halten und probiert es einfach mal bei dem Vorstellungsgespräch bei dieser Partei „Pragma“, zu dem ihn sein Zimmergenosse Sebastián Petit mitgeschleppt hat. Anders als sein Kumpel, der Politikwissenschaft studiert, hat Román mit Politik nicht viel am Hut, trotzdem erhält überraschend er den Job und nicht Sebastián (der allerdings später über Román in die Partei kommt). Der Parteichef Fernando Rovira hält von Anfang an große Stücke auf Román, obwohl dieser nicht unbedingt ein politischer Stratege ist. Román wird Privatsekretär und Fitnesstrainer von Rovira und erhält auch Zugang zu dessen Frau und später zu dessen Sohn. Doch nach und nach wird in dieser Geschichte Unglaubliches aufgedröselt, eine Manipulation ungeheuren Ausmaßes, in der Rovira Román verwickelt hat und die diesen schließlich veranlasst, sich Rovira entgegenzustellen. Dabei erhält er Unterstützung durch die Journalistin Valentina Sureda (wegen ihrer asiatischen Augen „China“ genannt), in die sich Román verguckt hat (und umgekehrt). China ist Reporterin eines TV-Senders und schreibt gerade ein Buch, durch das sie Kontakt zu Rovira und Román hat. Dieses Buch (das in Skizzenform auch als Kapitel in diesem Roman vorkommt) handelt vom sogenannten Alsina-Fluch. Ein hartnäckiger Fluch, der von allen Politikern in Argentinien bestritten wird und doch im Verborgenen durch den verbreiteten Aberglauben das Handeln bestimmt. Dieser Fluch besagt, dass es keinem Gouverneur der Provinz Buenos Aires (zu dem die Hauptstadt wegen eines Sonderstatus nicht gehört) gelingt, argentinischer Präsident zu werden. Besondere Bedeutung erlangt dabei die Planstadt und Provinzhauptstadt La Plata, um deren Gründung sich ebenfalls merkwürdige Gerüchte ranken.

Fernando Rovira war erfolgreicher Bauunternehmer, bevor er dann in die Politik ging, eine Bürgerbewegung gründete und bei der Wahl des Gouverneurs gewann. Doch Rovira weiß um diesen Fluch, er hat einen umtriebigen Spin-Doctor und eine Mutter, die so etwas wie eine Seherin ist, die ebenfalls darauf hinarbeiten, diesen Fluch zu bezwingen. Und so arbeitet Rovira verbissen auf sein Ziel, das Präsidentenamt, hin und ist sich dabei keiner Täuschung und poltischen Instrumentalisierung zu schade. Sein wichtigstes politisches Projekt aktuell: Die Teilung der Provinz Buenos Aires in zwei neue Provinzen, um damit den Fluch zu brechen.

Sehr faszinierend ist der Einblick in die Mechanismen der Macht, den die Autorin hier bietet. Eine sklavische Unterordnung an Umfragewerte, Meinungsbilder und Statistiken, garniert mit einer großen Portion Aberglaube. Fernando Rovira ist eine dieser skrupellosen, populistischen, aber charismatischen Politaufsteiger, die ohne große eigene Visionen sich allerlei Tricks und Lügen (und Schlimmeres) zu Nutze machen. Dies fällt irgendwann auch Román auf, der dann auf einer Busfahrt ein Aha-Erlebnis hat. Er kommt ins Gespräch mit einer Philosophielehrerin, die ihn auf Hegels Dialektik von Herr und Knecht aufmerksam macht. Obwohl das Verhältnis eindeutig scheint, sich der Knecht untergeordnet hat, ist der Herr in Wirklichkeit ebenfalls von seinem Knecht abhängig.

Autorin Claudia Piñeiro ist eine der erfolgreichsten argentinischen Autoren. Sie schreibt auch Kinder- und Jugendbücher, arbeitet als Regisseurin und beim Theater. Piñeiro ist studierte Wirtschaftswissenschaftlerin und arbeitete vor ihrer schriftstellerischen Karriere als Rechnungsprüferin. Ihr Debütroman „Ganz die Deine“ erschien 2003. Ihre Romane sind zumeist Dramen mit aktuellen gesellschaftlichen Themen, oftmals verpackt in eine Kriminalgeschichte.

Der Privatsekretär ist ein wirklich exzellent komponierter Roman. Die ganzen Perspektivwechsel, Rückblenden und Buchauszüge fügen sich sehr gekonnt zu einer starken Geschichte zusammen. Auch die Figuren überzeugen in ihren jeweiligen Rollen. Was ich bemerkenswert fand: Der Roman zeigt den Niedergang einer demokratischen politischen Kultur und kommt gleichzeitig ohne politische Themen aus. Wofür Rovira und „Pragma“ eigentlich stehen, bleibt völlig offen. Entscheidend ist die entblößende Darstellung und Analyse eines Politikstils der Täuschung und Machtgier ohne Inhalte. Trotz der anspruchsvollen Konzeption des Romans gelingt Claudia Piñeiro auch noch ein gelungener Spannungsbogen. Lediglich das Ende fühlte sich (ohne zu spoilern) relativ unspektakulär an, bietet aber dafür eines der großartigsten Schlussbilder, die ich bisher in einem Thriller gelesen habe. Das Buch ist definitiv ein Highlight in diesem Jahr!

Kommentare: 3
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aus-erlesens avatar

Rezension zu "Der Privatsekretär" von Claudia Piñeiro

Ein Hoch auf den Mut
aus-erlesenvor 5 Monaten

Das Leben meint es endlich mal so richtig gut mit Román Sabaté. Anfang Zwanzig und schon einen Job in Aussicht, der langfristig erscheint und in dem er was bewirken kann. Sebastian hat ihn mehr oder weniger dazu gedrängt sich bei der neuen Partei Pragma zu bewerben. Román hat Glück und ergattert den begehrten Job als privater Fitnesstrainer von Fernando Rovirá. Sebastian geht erstmal leer aus. 
Fernando Rovira ist die charismatische Exzellenz, die erst als Gouverneur der Provinz Buenos Aires diese spalten, und dann Argentinien als Präsident einen will. Und sein privater Fitnesstrainer ist in Wahrheit der privateste Privatsekretär, den man haben kann. Román war geschickt beim Einstellungsgespräch. Seine Antworten, die nicht immer zu hundert Prozent der Wahrheit entsprachen, trafen genau den Nerv der Partei. So funktioniert Politik…
Die Jahr vergehen, Fernando Rovira ist fit wie eh und je … doch an seiner Seite ist kein Román Sabaté mehr zu sehen. Der hat sich abgesetzt. Mit im „Gepäck“: Joaquín, der Sohn des ehrgeizigen Politikers. Die Pläne Buenos Aires zu teilen, spalten die politischen Lager entzwei. Wie es geplant war. Doch so einiges andere mehr war nicht geplant. Die Journalistin Valentina Sureda schreibt gerade an einem Buch. Und Román Sabaté hilft ihr dabei. Auch auf seiner Flucht. Ob der Mord an Fernando Roviras Frau Lucrecia Bonara geplant war, lässt sich vorerst nicht feststellen. Genauso wie die rätselhafte Flucht von Román Sabaté. 
In Rückblenden und aus der persönlichen Sicht der Akteure zeichnet Claudia Piñeiro ein verlogenes Bild der Macht. Das Román nicht wegen seiner Fähigkeiten den lukrativen Job bei Pragma bekommen hat, ist dem Leser als auch ihm selbst klar. Er hat schließlich geschummelt. Doch was prädestinierte ihn dermaßen für die kommenden Aufgaben? Auf seinem Roadtrip durch die Weiten Argentiniens kommen Román und Leser einem Geheimnis (was heißt einem? Dutzenden von Geheimnissen) auf die Spur. 
Nach der Lektüre des Privatsekretärs muss man erstmal durchschnaufen. Obwohl auch reale Lenker Argentiniens wie Carlos Menem oder Néstor Kirchner erwähnt werden, ist die Geschichte komplett fiktional. Nur am Glauben mangelt es. In Zeiten, in denen Populisten ihre kruden Gedanken fast schon schuldlos, immer jedoch sorglos in die Welt posaunen dürfen, kommt ein Roman wie „Der Privatsekretär“ wie gerufen. Freimaurersymbolik, falsche Rücksichtnahme auf die Meinung der Massen, Manipulation selbiger und eine gehörige Portion Machteifer vermischt Claudia Piñeiro zu einem Skandal, der einem die Nachrichten bis zu einem gewissen Teil mit anderen Augen sehen lässt. Kuhäugiges Hinterhertraben wird unvermeidlich radikalem Nachhaken weichen müssen. Der wichtigste Thriller dieses Jahrzehnts!

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tinstamps avatar

Rezension zu "Ein wenig Glück" von Claudia Piñeiro

Bleibt im Gedächtnis!
tinstampvor einem Jahr

Bewertung: 4 1/2 Sterne

Schon aus dem Klappentext wird ersichtlich, dass diese Geschichte nicht unbedingt leichte Kost ist. Die Handlung rief bei mir viele Empfindungen hervor: Entsetzen, Schmerz, Trauer, Wut, Mitgefühl und Verständnis.
Und dies alles auf nur 224 Seiten, für die man sich allerdings Zeit nehmen sollte. Der Leser spürt die Intensivität der Geschichte, die die Autorin in einfachen und klaren Sätzen erzählt. Weit ab von Kitsch und Gefühlshudelei, denn es geht um Schuld und Vergebung.

Mary, die eigentlich Marilé heißt, kehrt nach zwanzig Jahren in ihre alte Heimat Argentinien zurück. Ihre Aufgabe ist es für das Garlic Institut in Boston, wo sie und ihr kürzlich verstorbener Mann Robert tätig waren, die Anträge anderer Schulen zu sichten und diese vor Ort zu evaluieren. Ihr Auftrag führt sie just an ihr ehemaliges College, das St. Peters. Vor Ort soll sie herauszufinden, ob es alle Aufgaben einer Eliteschule gerecht wird. Dabei kehrt sie an den Ort zurück, den sie vor zwanzig Jahren verlassen hat und nie mehr aufsuchen wollte.

In immer wiederkehrenden Rückblenden erzählt uns Marilé nach und nach ihre Lebensgeschichte. Diese beginnt mit ihrem Job als Lehrerin, ihrer Heirat mit Mariano, einen Arzt. Dieser kommt aus einer reichen und angesehenen Familie. Seine Vater besitzt eine eigene Klinik. Ein wunderschönes Eigenheim und ein Sohn vervollkommen das Glück, wie es scheint. Doch ein unbedachter Augenblick verändert Marilés Leben für immer...
Die Menschen um sie herum verurteilen die junge Mutter. Aus der plötzlich angesehenen Arztfrau wird eine unerwünschte Ehefrau, eine Geächtete, eine Mörderin. Die Vorurteile und die verbalen Übergriffe nehmen zu und erinnern immer mehr an eine Hexenjagd im Mittelalter. Die Schuldgefühle werden immer stärker, als sich auch die eigene Familie von ihr abwendet, um den guten Ruf zu wahren. Daraufhin entschließt sich Marilé zu gehen und ihr altes Leben hinter sich zu lassen, bevor sie endgültig zerbricht. Sie steigt in das nächste Flugzeug und landet schlussendlich in den Staaten. Noch am Flughafen hilft ihr ein Mann, der ihr fortan ihre Stütze wird und ihr dabei hilft zu überleben. Sie schneidet sich die Haare ab, färbt sie rot und trägt färbige Kontaktlinsen. Aus Marilé wird Mary...

"Das alles hat nicht einmal eine Minute gedauert. Und trotzdem braucht man viele Wörter, um solch eine Minute zu erzählen, oder auch nur eine Sekunde, einen Moment, einen winzigen, kaum messbaren Bruchteil der Zeit."

Der Leser erlebt die wenigen Minuten, die Marilés Leben von einem Augenblick auf den anderen für immer verändern, in wiederkehrenden Abständen, in einer Art Endlosschleife. Dabei wird der Text immer länger und offenbart Stück für Stück, wie es zum Unglück kam und wie Maria diese endlosen Minuten empfand. Dieses außergwöhnliche Stilmittel wird als eine Art "Einschub" zwischen den Rückblenden und der gegenwärtigen Geschichte eingebunden. Dies wirkt sehr eindringlich und geht langsam, aber zielsicher mitten ins Herz.

Schreibstil:
Die Autorin hat einen klaren und präzisen Schreibstil. Mit wenigen Worten vermag sie die Gefühle und Gedanken der Protagonistin wiederzugeben.
Der Roman ist in der Ich-Form verfasst und in drei Teile gegliedert. Der erste Teil heißt "Logbuch mit Unterbrechungen: Zurückkommen" und erzählt aus der Gegenwart, Teil zwei nennt sich "Die Freundlichkeit von Fremden" und hier erzählt Piñeiro größtenteils aus der Vergangenheit. Dieser Abschnitt ist sehr emotional und der Beste des Buches. Das letzte Drittel "Boston" erzählt von der Rückkehr in die Staaten, der als eine Art Abschluss gedacht ist.
Claudia Piñeiro wechselt dabei regelmäßig zwischen den Zeiten und verschiedenen Schreibstilen hin und her.


Fazit:
Ein ergreifender Roman über Schuld und Vergebung und wie ein einziger Augenblick ein Leben zerstören kann. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und definitiv im Gedächtnis bleibt!

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