Claudia Piñeiro Die Donnerstagswitwen

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Inhaltsangabe zu „Die Donnerstagswitwen“ von Claudia Piñeiro

Fünfzig Kilometer vor den Stadttoren von Buenos Aires lebt hinter hohen Sicherheitszäunen eine kleine elitäre Gemeinschaft. Ihre Sorgen scheinen sich in der Sommerhitze und deren Folgen für den örtlichen Golfplatz zu erschöpfen. Unter der schönen Oberfläche jedoch schwelen Konflikte, die auch vor den Siedlungszäunen nicht haltmachen: Untreue, Alkoholsucht und Ehezwist. Zudem bekommt selbst die privilegierte Gated Community die Auswirkungen der Wirtschaftskrise mit aller Wucht zu spüren. Doch anstatt die Ärmel hochzukrempeln, gehen drei Familienväter einen eigenwilligen Weg, um ihren Lieben den hohen Lebensstandard zu sichern. Dann werden ihre Leichen am Grund des Swimmingpools gefunden …

Ganz nett das Buch.

— katja_heine
katja_heine

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  • Das Leiden der Elite

    Die Donnerstagswitwen
    Liebes_Buch

    Liebes_Buch

    16. January 2014 um 20:12

    "Die Donnerstagswitwen" wurde von Nobelpreisträger Jose Saramago gelobt und gewann den Premio Clarin. In meinen Augen hat das Buch beides: Schwächen und Stärken. Claudia Pineiro widmet sich hier der Beschreibung des Lebens in einer gesicherten Wohnanlage in Argentinien. Hier können sich die Reichen und Erfolgreichen vor den Taugenichtsen der Bevölkerung sicher fühlen. Die Häuser werden bewacht, die Anlage ist abgesperrt. Pineiro entfaltet nun in voller Wucht das Leiden der Erfolgreichen. Zuhause können sie sich nicht völlig entspannen, denn jeder muss sich darstellen, was sollen die Nachbarn denken... Golf, Tennis, die Firma, die Kinder. Sogar die Kindheit der Kinder ist von diesem Leid erfasst: das Leben an Privatschulen ist nicht lustig. Kinder von Risikoeltern landen auf Risikolisten. Das Adoptivkind wird kurzerhand umbenannt, um Chantalismus zu vermeiden. Die Geschlossene Gesellschaft kämpft gegen den Pöbel. Schon der Umgang mit den Bediensteten ist schwierig. Als dann auch noch Juden einziehen, droht der Niedergang. Der droht auch durch die Krise nach 9/11. Was tun, wenn der Erfolg ins Stocken gerät, wenn die Firma abbaut, wo noch eine Nische in den windigen Geschäften finden? Werden diese Familien den Mut finden, sich wieder aus ihrem Ghetto hinauszuwagen? Die Beschreibungen der Familien und des zwanghaften Lebensstils sind hervorragend! Besonderes Highlight: die Rückkehr des hässlichen Dienstmädchens! Nur die Auflösung der Geschichte hat mich nicht überzeugt. Warum sollten Haifische sich plötzlich in Opferlämmchen verwandeln? Immerhin reisst Pineiro das Ruder auf den letzten 6 Seiten noch einmal herum- das gefällt mir besser. In dem Buch gibt es dann auf der letzten Seite etwas, das ich sehr zu schätzen weiss, was aber in Deutschland völlig out ist, fast schon ein No-Go: ein Open End. Und zwar ein sehr gutes, das die eigene Phantasie anregt. Pineiro versteht es, den Druck des Geltungszwanges aufzuzeigen, der Zufriedenheit verhindert. Sogar die Kinder verkommen irgendwie zum Accessoire. Trotzdem hat der Verdruss etwas Faszinierendes, weil er so hübsch aussieht und so elitär auftritt. Wenn schon leiden, dann am oberen Ende der Gesellschaft.

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  • Microkosmos

    Die Donnerstagswitwen
    walli007

    walli007

    10. May 2013 um 09:22

    Eine kleine abgeschlossene Welt ist es, in der sie leben. Die Siedlung in der Nähe von Buenos Aires  ist mit Sicherheitseinrichtungen versehen, sie ist vor äußeren Gefahren geschützt, weshalb man sich drinnen frei bewegen kann. Zunächst eher als Wochenenddomizil genutzt leben nun die meisten Bewohner dauerhaft dort. Nach und nach sind sie zugezogen, die Männer meist im mittleren oder höheren Management, die Frauen mit organisatorischen oder wohltätigen Zwecken befasst. Ein Idyll der Wohlhabenden. Dieses bekommt im Laufe der Zeit allerdings Risse. Denn Mavi, muss als Immobilienmaklerin die Brötchen verdienen, während ihr Mann arbeitslos geworden kaum eine Aussicht auf einen neuen Job hat. Ihr Sohn wird in oder sogar von der Schule als sonderlich abgestempelt, weil er in einem Aufsatz schreibt, ein Nachbar habe vorm Fernseher masturbiert.  Aus verschiedenen Perspektiven geschildert kann man als Leser zunächst daran teilhaben wie diese eingeschworene elitäre Gemeinschaft entsteht, sich sinnvolle oder eigenartige Regeln gibt, um dann mitzubekommen wie ein langsamer, aber stetiger Verfall einsetzt. Männer, die die Arbeit verlieren. Kinder und Jugendliche, die nicht so werden wie gewollt. Frauen, die anfangen zu trinken. Regeln, die keiner mehr einhalten will. Gerade, das was zwischen den Protagonisten unausgesprochen bleibt, Neid, Missgunst, Angst, Herrschsucht, macht das Lesen zu einer Art wiederwilligem Vergnügen. Dem Leser werden die unterschwelligen Strömungen schneller klar als den handelnden Personen und mit einer Art Unwillen dem Unvermeidlichen gegenüber liest man doch immer weiter, bis schließlich alle Vermutungen bestätigt, alle Absichten geklärt und doch letztlich vieles offen bleibt. Von einigen typischen Merkmalen spanischsprachiger Schriftsteller gekennzeichnet, muss man sich erst etwas in das Buch hineinlesen, um dann eine vielschichtige Lektüre genießen zu können.

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  • Rezension zu "Die Donnerstagswitwen" von Claudia Piñeiro

    Die Donnerstagswitwen
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    22. August 2012 um 12:25

    Es geht um die Menschen, die in Altos de la Cascada in ihren Villen mit parkartigen Gärten leben. Die Siedlung ist von einem Maschendrahtzaun umgeben, die Bewohner kennen sich alle und Leute, die von außerhalb in herkommen, müssen sich erst ausweisen. Alle fühlen sich also super sicher. Was jedoch nichts daran ändert, dass hier mit Untreue, Alkoholsucht und anderen geldunabhängigen Problemen zu kämpfen ist. Und die Wirtschaftskrise kann auch nicht von Maschendrahtzäunen oder Sicherheitspersonal draußen gehalten werden. Man sollte sich nicht davon abschrecken lassen, dass in den ersten Kapiteln so viel Personen auftauchen, denn die werden nach und nach genauer vorgestellt, sodass man sie also doch mit der Zeit unterscheiden kann. Besonders spannend fand ich das Buch nicht, aber mich hat es doch interessiert, wie die einzelnen Familien mit ihren Problemen umgehen und ich fand es im Großen und Ganzen eine angenehme Lektüre.

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  • Rezension zu "Die Donnerstagswitwen" von Claudia Piñeiro

    Die Donnerstagswitwen
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    30. December 2010 um 16:14

    Inhalt: Leben in einer Gated Community. Kann es etwas schöneres geben? Nur die Reichen und Schönen haben Zutritt. Und selbstverständlich die Bediensteten. Die Kinder können auf eine Privatschule, die Frauen brauchen sich keine Sorgen um den Haushalt zu machen und die Männer treffen sich jeden Donnerstag zu Spieleabenden, was die Frauen sozusagen zu Donnerstagswitwen macht. Aber unter der schönen Fassade von Altos de la Cascada brodelt es gewaltig. Die Wirtschaftskrise hält auch hier ihren Einzug, Ehebruch wird begangen, das Ganze wird mit Alkohol runtergespült. Doch wenigstens der Schein muss erhalten bleiben und dafür sind die Bewohner bereit über Leichen zu gehen… Meine Meinung: Beginnt man zu lesen ist man direkt mitten im Alltag von Altos de la Cascada und den Familien, die hier leben. Verwirrend ist anfangs der Wechsel der Erzählperspektive in jedem Kapitel, vor allem, da Virginia aus der Ich-Perspektive erzählt, während alle anderen Familien in der 3. Form beschrieben werden, doch daran gewöhnt man sich schnell. Eigentlich macht gerade das das Buch so spannend. Man erhält Einblick in verschiedene Familien der Gated Community und erfährt von deren Problemen und natürlich auch gleichzeitig, was sie alles dafür tun, damit diese nicht an die Oberfläche kommen. Doch ganz schnell wird einem auch klar, dass die Familienprobleme nicht alles sind, was diese Familien belastet, nämlich als 3 der Männer tot im Pool gefunden werden. Man erfährt sehr spät, was es damit nun auf sich hat, es wird langsam von hinten nach vorne aufgefädelt, was den Spannungsbogen gut spannt. Besonders gefallen hat mir auch der Schreibstil der Autorin. Fazit: Ein gesellschaftskritischer Roman mit einer Prise Thriller. Leseempfehlung!

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  • Rezension zu "Die Donnerstagswitwen" von Claudia Piñeiro

    Die Donnerstagswitwen
    schlumeline

    schlumeline

    05. October 2010 um 19:50

    „Wir wollten lieber eine Mauer. Das hält nicht bloß fremde Menschen fern. Wir brauchen auch nicht mehr zu sehen, was draußen los ist.“ „Die Donnerstagswitwen“ leben mit ihren Familien in Altos de la Cascada, einer in sich abgeschlossenen und eingezäunten Siedlung nahe Buenos Aires. Sie sind Donnerstagswitwen, da sich ihre Männer jeden Donnerstag ohne die Frauen treffen und dem Alkohol und Kartenspiel frönen. Eines Tages jedoch sind drei Frauen mehr als nur „Donnerstagswitwen“, denn die Leichen dreier Männer werden auf dem Grund eines Swimmingpools der Siedlung gefunden. An dieser Stelle beginnt die Autorin ihre Geschichte und entführt den Leser in Rückblicken in die Welt einer selbsternannten elitären Gesellschaft wie sie schauerlicher nicht sein könnte. In Altos de la Cascada leben nur besondere Familien, die es sich leisten können in Sicherheit zu leben, Hauspersonal zu beschäftigen und Golf und Tennis zu spielen. Hier dreht sich alles nur um Luxus, Sport, Wirtschaft, den neuesten Klatsch und Tratsch. Frauen müssen hier nicht arbeiten, höchstens zum Vergnügen. Eine Ausnahme bildet Virginia, die als Immobilienmaklerin tätig ist und von deren Einkommen auch ihre Familie abhängig ist, nachdem ihr Mann Ronnie seine Arbeit verloren hat. Durch ihre Tätigkeit jedoch hat Virginia auch Einfluss darauf wer in Altos de la Cascada ein Haus erwerben kann. In der Gemeinschaft ist nämlich nicht jedermann gerne gesehen. Hautfarbe, Religion und andere Kriterien spielen hier durchaus eine Rolle. Hinter der Fassade der einzelnen Familien der Siedlung sieht es meist anders aus als nach außen. Kinder sind nur nötig, weil man sie eben hat, Frauen werden geschlagen, die Sorgen und Nöte der Armen nur beachtet, weil man das eben als Pflicht ansieht. Der Schein trügt und als eine Wirtschaftskrise heraufzieht, geht es auch den Bewohnern des Countrys an die Tasche. Nun gilt es den Schein zu wahren, den Lebensstandard zu halten. Hierfür ist jedes Mittel recht. Man borgt sich untereinander Geld, tätigt Anschaffungen, die man sich eigentlich gar nicht leisten kann, fährt zur Arbeit, obwohl man eigentlich keine mehr hat und vieles mehr. Die Autorin zeichnet hier ein Bild einer Gesellschaft, die nicht bereit ist Abstriche zu machen. Menschen, die in einer Realität weiterleben, die es gar nicht mehr gibt. Die Handlung und der Blick auf die Siedlung werden aus unterschiedlichen Perspektiven beschrieben. Zum einen erzählt Virginia aus ihrer Sicht und zum anderen berichten die Bewohner oder ein Teil der Bewohner des Countrys unter der Bezeichnung „Wir“. Die Erzählung ist detailliert und auf den Punkt gebracht und führt dazu, dass sich in den Augen des Lesers diese Gesellschaft selbst durch ihr Denken und Handeln bloßstellt. Und nach und nach führt die Handlung den Leser des Buches auch wieder zurück an den Anfang und damit zu den drei Leichen im Swimmingpool. Was sich hinter diesen Toten verbirgt ist dann der Gipfel der Oberflächlichkeit. Die „Donnerstagswitwen“ ist ein gesellschaftskritisches Buch, dessen Handlung zwar in Argentinien spielt, sich aber so oder in ähnlicher Form überall in der Welt zutragen könnte. Man mag sich an die Sprichwörter „Hochmut kommt vor dem Fall“ und „ Wenn es dem Esel zu gut geht, geht er aufs Eis“ erinnert fühlen.

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  • Rezension zu "Die Donnerstagswitwen" von Claudia Piñeiro

    Die Donnerstagswitwen
    marimirl

    marimirl

    14. September 2010 um 19:21

    "Die Donnerstagswitwen" spielt in Argentinien, genauer gesagt in Altos de la Cascada. Hier leben etwas reichere Einwohner Argentiniens, welche es bevorzugen abgeschottet und bewacht zu leben. Im County braucht man keine Angst zu haben, denn rund um die Uhren sind Sicherheitsbeamte anwesend. Niemand darf das Gelände ohne Genehmigung betreten. Doch dann werden 3 Leichen in einem Pool gefunden. Was ist hier nur geschehen? Wie vermutlich die meisten Leser erwartete ich einen Krimi, der im Hintergrund etwas auf die Situation in Argentinien eingeht. Doch in der Hinsicht wurde ich enttäuscht. Enttäuscht ist das falsche Wort, weil ich das Buch sehr mochte. Aber es war anders als erwartet. Um einen Krimi handelt es sich bestimmt nicht. Die Aufklärung des Falles spielt in keinster Weise eine große Rolle. Viel mehr geht es um das Leben im County. Es wird erzählt, wie die Leute miteinander umgehen und was ihre Aufgaben sind. Geheimnisse sind hier an der Tagesordnung, denn das wichtigste ist das Ansehen der Bewohner. Mich hat das Leben sehr an Desperate Housewives erinnert. Es hat doch gewisse Ähnlichkeiten. Ich fand das Buch sehr interessant. Vor allem da die Autorin selbst in einem County lebt. Das macht die Erzählungen noch authentischer und glaubwürdiger. Man erfährt viel über das Eheleben, die Kindererziehung und den Alltag dieser Menschen. Einzig störend fand ich, die vielen Sprünge in der Erzählform. Oft wird aus der Sicht Virginias erzählt. Dann aber scheint es plötzlich einen aussenstehenden Erzähler zu geben. Das verwirrt manchmal, aber es ist zum Aushalten. Ein weiteres Problem stellten für mich die vielen Namen dar. Ich konnte mir nicht merken, wer nun mit wem verheiratet ist, und wer wo wann arbeitet oder Golf/Tennis spielt. Aber ich habe ja generell kein großes Talent dafür in Büchern Namen zuordnen zu können. Auf jeden Fall möchte ich das Buch noch im Original auf Spanisch lesen. Die Sprache ist sehr einfach, da meist sehr kurze Sätze verwendet werden. Das habe nicht besonders gerne, aber hier hat es nicht gestört. Ich bin schon neugierig, welche Unterschiede es zwischen der deutschen und der spanischen Version geben wird.

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  • Rezension zu "Die Donnerstagswitwen" von Claudia Piñeiro

    Die Donnerstagswitwen
    lokoschade

    lokoschade

    06. September 2010 um 12:27

    Gebundene Ausgabe: 314 Seiten Verlag: Unionsverlag; Auflage: 1., Aufl. (Juli 2010) Originaltitel: Las viudas de los jueves Preis: € 19,90 Kurzbeschreibung Fünfzig Kilometer vor den Stadttoren von Buenos Aires lebt hinter hohen Sicherheitszäunen eine kleine elitäre Gemeinschaft. Ihre Sorgen scheinen sich in der Sommerhitze und deren Folgen für den örtlichen Golfplatz zu erschöpfen. Unter der schönen Oberfläche jedoch schwelen Konflikte, die auch vor den Siedlungszäunen nicht halt machen: Untreue, Alkoholsucht und Ehezwist. Zudem bekommt selbst die privilegierte Gated Community die Auswirkungen der Wirtschaftskrise mit aller Wucht zu spüren. Doch anstatt die Ärmel hochzukrempeln, gehen drei Familienväter einen eigenwilligen Weg, um ihren Lieben den hohen Lebensstandard zu sichern. Ihre Leichen werden am Grund des Swimmingpools gefunden Die Donnerstagswitwen ist das Porträt einer Gemeinschaft, die über ihre Verhältnisse lebt und tödliche Geheimnisse zu verbergen hat. Der preisgekrönte Bestseller ist bereits in vierzehn Sprachen zu lesen und wurde 2009 von Marcelo Piñeyro fürs Kino verfilmt. Über die Autorin Claudia Piñeiro, Shootingstar der argentinischen Literatur, wurde 1960 in Buenos Aires geboren. Nach dem Wirtschaftsstudium wandte sie sich dem Schreiben zu, arbeitete als Journalistin, schrieb Theaterstücke, Kinder- und Jugendbücher und führte Regie fürs Fernsehen. Meine Meinung: In der Siedlung Altos de la Cascada Country Club lebt eine illustre, priviligierte Gesellschaft. Geschützt durch Zäune, Wachpersonal und andere zweifelhafte Annehmlichkeiten gestalten sie ihr Leben zwischen Golf, Tennis, Wohltätigkeitsveranstaltungen und gemeinsamen Abendessen. Alle sind irgenwie befreundet, wobei dieser Begriff hier so weit gefasst ist, dass er einen letztendlich einengt. Man achtet darauf was der Nachbar macht, andere sorgen dafür das das "Country" unter sich bleibt: "Aber ich habe ja an sich nichs gegen die, mit den Urovichs sind wir schließlich eng befreundet, nur wenn es zu viele werden, also das finden wir nicht so gut, sonst haben wir hier in ein paar Jahren Klein-Jerusalem. Und das vor unserer Haustür." Entgleisungen gibt es keine (zumindest nicht öffentlich) und der Wohlstand der Neunzigerjahre verschafft einem doch immer wieder einen Lustgewinn: "Es gab nichts Schöneres, als die Anzahl der Quadratmeter des eigenen Grundbesitzes mit dem aktuellen Quadratmeterpreis zu multiplizieren - der reinste algorithmische Orgasmus" Dass der Ehemann fremdgeht, darüber sieht man hinweg und sagt auch nichts, schließlich braucht man ja ein neues Scheckheft. Doch was passiert wenn die fetten Jahre vorbei sind? Was geschieht mit Männern die jahrelang für nichts Argumente brauchten, denn sie hatten ja schließlich die Macht, Männer aus den Chefetagen die plötzlich keinen Job mehr haben? Es ist nicht vorstellbar dass die Kinder auf ihre privaten Tennisstunden verzichten, die Ehefrauen auf die wöchentlichen Massagen und Gymnastikstunden. Nicht, wenn sie ihren gewohnten Lebensstil beibehalten wollen. Claudio Pineiro führt den Leser so geschickt durch diesen Roman dass er erkennt was sich da am Horizont auftürmt, dass sich hinter all der glänzenden Fassade und dem zur Schau stellen eines perfekten, glücklichen Familienlebens, Abgründe auftun. Einzig dass der Roman mal aus der Ich-Perspektive und dann wieder aus der personalen Sicht erzählt wird hat mich anfangs irritiert. Aber man gewöhnt sich daran.(dk)

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  • Rezension zu "Die Donnerstagswitwen" von Claudia Piñeiro

    Die Donnerstagswitwen
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    21. August 2010 um 16:27

    Virginia Guevara erlebt einen merkwürdigen Abend, als ihr Mann von seinem allwöchentlichen Besuch bei den Nachbarn zurückkehrt. Ronie ist wortkarg und wirkt völlig abwesend. Doch Virginia kommt nicht mehr dazu, Ronie Fragen zu stellen nach dem offensichtlichen Streit, den Ronie wohl ausgefochten hat. Ihr Mann bricht sich das Bein und alles konzentriert sich nun auf den Notfall. Nach ihrer Rückkehr erfahren die beiden, dass in derelben Nacht drei Nachbarn tödlich verunglückt sind. In Rückblenden erzählt Piñeiro danach, wie die Geschichte in der Gated Community "Altos de la Cascada Country Club" angefangen hat - mal aus der Sicht von Virginia, mal aus der einer Nachbarin. Virginia vermittelt die Immobilien in der Siedlung, ein Job, der sich zufällig ergeben hat und der inzwischen die einzige konstante Geldeinnahmequelle des Paares ist. Zwar können sich nur wohlhabendere Leute ein Haus in La Cascada leisten, doch die Weltwirtschaft strauchelt und zieht eine Menge Bewohner mit sich. So auch bei den Guevaras, die sich zum Beispiel keine Haushaltshilfe mehr leisten können. Andere Familien sparen am Schulgeld, pumpen Nachbarn an oder müssen wegziehen. Wird ein Haus leer, vermittelt Viriginia wieder und sie kennt nicht nur die einzelnen Immobilien bestens, sondern auch ihre Nachbarn. La Cascada, das Paradies: Überall gibt es Pools, die Freizeit gehört Golf und Tennis, man kann jederzeit alleine nachts draußen sein - wenn auch außer den Angestellten niemals jemand zu Fuß laufen würde. Die einzige (und hermetische) Absperrung gibt es zur Außenwelt, innerhalb gibt es bloß blühende Hecken, die je nach geltender Gartenmode gesetzt werden. Bald werden Risse in der heilen Welt erkennbar, die die Bewohner zum Teil geflissentlich übersehen: Handfesten Familienzwist zum Beispiel oder Alkoholismus. Es gibt eine Verwaltung, bei der Anzeigen platziert werden können, doch die "richtige" Polizei sieht man innerhalb der Siedlung nie. Alles wird so diskret und intern geregelt wie nur möglich. Selbst als Leser mit Vorahnungen schlich ich zunächst über die kritischen Momente hinweg. La Cascada ist ruhig und schön und nur langsam braut sich das Gewitter zusammen. Wer nicht wegziehen muss, versucht so lange wie möglich, den Schein zu wahren und die Freunde schauen nicht weg, weil sie den anderen so nehmen mögen wie er ist. In La Cascada wird schlicht eine Traumwelt aufrecht erhalten, weil die Realität irgendwo außerhalb der Mauern stattfindet. Das schaffen die arbeitslosen Männer sogar über Monate hinweg und sie bilden sich ein, von irgendwoher komme schon ein neuer Job geflogen. Die Szenerie, die Piñeiro beschreibt, ist beklemmend und macht mir die Gated Community so richtig madig (vielleicht fehlt auch der Bezug dazu, weil dieses Wohnkonzept hier so fremd ist). Wer meint, dass sich bestimmte Verhaltensmuster vorzugsweise vor den Reichen und Schönen fernhalten, der muss sich von Piñeiro einfach mal nach La Cascada mitnehmen lassen. Am Ende geht der Realitätsverlust bei einigen Einwohnern viel zu weit; das ist freilich tragisch, aber der Magen dreht sich erst um, als mal wieder die Verwaltung das Wort ergreift und die Tragödie nach Manier von La Cascada verarbeiten möchte.

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