Claudia Rikl

 4,3 Sterne bei 80 Bewertungen
Autorin von Elbland, Das Ende des Schweigens und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Packende Unterhaltung aus Deutschland: Claudia Rikl ist 1972 in Naumburg an der Saale geboren und dort aufgewachsen. Nach ihrem Studium in Jura und Literaturwissenschaften machte sie sich als freie Schriftstellerin selbstständig. Mit „Das Ende des Schweigens“ veröffentlichte sie 2018 ihren Debütroman. Rikl lebt heute gemeinsam mit ihrer Familie in Leipzig.

Alle Bücher von Claudia Rikl

Cover des Buches Elbland (ISBN: 9783550204463)

Elbland

(62)
Erschienen am 12.03.2026
Cover des Buches Das Ende des Schweigens (ISBN: 9783499290688)

Das Ende des Schweigens

(13)
Erschienen am 12.03.2019
Cover des Buches Der stumme Bruder (ISBN: 9783499275050)

Der stumme Bruder

(5)
Erschienen am 21.04.2020

Neue Rezensionen zu Claudia Rikl

Cover des Buches Elbland (ISBN: 9783550204463)
Schnuppes avatar

Rezension zu "Elbland" von Claudia Rikl

Schnuppe
Familientrauma







Die Autorin hat in diesen interessanten Roman Details ihre eigenen Familiengeschichte einfließen lassen. Sie erzählt auf den Zeitebenen 1945, 1987 und heute.


1945 erleben wir die Mutter Irma als Kind. Sie ist in Tschechien in privilegierten Verhältnissen aufgewachsen, das Kriegsende beendet dieses Leben. Die Flucht, das Leben im Lager und die Erlebnisse in einem Kinderheim traumatisierten sie tiefgehend und prägen ihr ganzes weiteres Leben.


1987 ist Irma mit Mann und den Töchtern Nina und Katja aus der DDR zu Besuch in ihrem Geburtsort. Die Kinder sind überrascht, dass sie die Sprache spricht. Hier hätte man in der dysfunktionalen Familie das Gespräch suchen und etwas über die Vergangenheit der Mutter erfahren können. Doch es kommt anders. Katja flieht mit ihrem Freund in den Westen. Die Familie zerfällt.


Der Ehemann erträgt schließlich die Depressionen Irmas nicht mehr und verlässt sie. Nina bleibt zurück, um sich um die Mutter zu kümmern, ausgerechnet sie, die als Kind immer hinter der jüngeren Katja zurücktreten musste.


Als die DDR Geschichte ist, könnte die Familie eigentlich wieder zusammenfinden, aber das geschieht nicht.




In der Gegenwart ist Irma verstorben und der Rest der Familie trifft erstmals wieder aufeinander. Nina, die die Pflege der depressiven Mutter immer als Belastung empfand, verliert ihre Stimme. Als Schauspielerin vor der ersten großen Rolle eine Katastrophe. Sie räumt die Wohnung der Mutter auf, nimmt wieder Kontakt zur Schwester auf und begibt sich nach einigen Fotofunden auf Spurensuche nach Tschechien, wo sie unglaubliches erfährt.




Das Trauma, das Irma als Kind erfahren hat, belastet sie lebenslang, sie gibt es weiter an ihre Kinder und den Ehemann. Gelegenheiten dies aufzuarbeiten und auch den Kindern ihre Geschichte zu erzählen, wurde nie wahrgenommen.


Nina gräbt die tragische Geschichte mit Hilfe einer alten Freundin der Mutter aus. Nebenher nähern sich die Schwestern wieder an.


Ninas unstete Liebesgeschichte und die Unentschlossenheit hinsichtlich einer festen Beziehung fand ich zu ausschweifend erzählt, dies sollte sicher auch den Erfahrungen ihrer Kindheit geschuldet sein.


Ich habe Nina gerne auf ihrem Weg begleitet, es war interessant dabei zu sein, wie sie nach und nach die Geschichte der Mutter herausfindet. Eine tragische und bewegende Familiengeschichte, die aufzeigt wie sehr Schweigen und Traumata auch Mitmenschen belasten und beeinflussen.

















Cover des Buches Elbland (ISBN: 9783550204463)
mimitati_555s avatar

Rezension zu "Elbland" von Claudia Rikl

mimitati_555
Berührende Story

»Sie sammelt Kraft. »Meine Mutter war Sudetendeutsche.« Das Wort klingt trotzig, derb. Nach Draußenstehen, nach Fremdsein.« (Seite 165)

Als Irma stirbt, begibt sich Nina, eine ihrer beiden Töchter, auf Spurensuche, die auch ein bisschen die Suche nach ihr selbst beinhaltet, nachdem sie sich jahrelang verpflichtet gefühlt hat, Irma beizustehen, sodass ihr eigenes Leben auf der Strecke blieb. Zeit ihres Lebens war die Mutter stumm, was ihre Kindheit betrifft, ihre Heimat in Böhmen Nina unbekannt. Wer war die Frau, die zwei Kinder großgezogen hat und ihnen dennoch bis zuletzt fremd geblieben ist?

»Zweiunddreißig Jahre, in denen Nina allein mit einer unlösbaren Aufgabe zurückgeblieben war: dafür zu sorgen, dass Mutti ihr Leben erträgt.« (Seite 37)

Der Autorin Claudia Rikl ist mit dem vorliegenden Buch etwas gelungen, was selten bei mir geschieht. Sie hat es geschafft, die Gefühlslage der Hauptfigur so abzubilden, dass diese auf mich abfärbte. So habe ich zu Beginn des Romans eine Distanz verspürt, die Nina zueigen ist, die anfangs sogar dazu geführt hat, dass ich mich abgekoppelt fühlte, obwohl die Geschichte doch ziemlich emotional ist. Dies war wichtig und richtig, um zu verstehen, wie einschneidend die Kindheit der Mutter war, welche Auswirkungen deren Erlebnisse besonders auf die ältere Tochter hatten, aber natürlich auch die Jüngste.

»Da ist auch eine Traurigkeit, die tiefer ist als die, die sie in den letzten Tagen gespürt hat, größer, monströser. Schmerz, der nicht ihrer ist und doch immer da war, der nie heilen konnte. Der verborgen liegt im tiefen Graben ihrer Vorgeschichte.« (Seite 239)

Erst im weiteren Verlauf wurde ich mit der Erzählung warm, habe zusammen mit Nina das Geheimnis ihrer Mutter gelüftet, erfuhr Fakten und Hintergründe, war bewegt, erschrocken, traurig und wütend, aber oft auch den Tränen nah. Je näher sich Nina der Lösung näherte, desto mehr bewegte mich der Roman, aus Abstand wurde Nähe, mit dem Verstehen kam letztendlich Akzeptanz. Kurz vor dem Finale war ich total aufgelöst, das Ende ließ mich weinend lächeln, nun waren Nina und ich am Ziel. Gerne empfehle ich dieses wunderbare Buch weiter.

Cover des Buches Elbland (ISBN: 9783550204463)
Leseprinzessin59s avatar

Rezension zu "Elbland" von Claudia Rikl

Leseprinzessin59
Vergangenheitsbewältigung

          Es ist März und ich habe mein erstes, persönliches Jahreshighlight gelesen. 

Mit "Elbland" hat Claudia Rikl ein sehr berührendes, gefühlvolles Buch über Familie, Zurückweisung und Schweigen, bzw. "nicht miteinander reden", geschrieben. 

Der Schreibstil liest sich leicht und trotzdem musste ich oft inne halten und das Gelesene "sacken" lassen. 

Es ist die Geschichte von Nina. Als ihre Mutter stirbt, die zeitlebens an Depressionen litt, begibt sie sich auf eine Reise in deren Vergangenheit. 

Der Prolog beginnt mit der Reise nach Böhmen, dem letzten gemeinsamen Familienurlaub mit ihrer Schwester Katja. 

Anschließend wird die Handlung in drei Zeitebenen erzählt. Von 1945 über 1987 bis in die Gegenwart. 

Weil mir der Schreibstil irgendwie bekannt vorkam habe ich etwas "nachgeforscht" und festgestellt, daß Claudia Rikl das Buch "Wellenkinder", welches mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, unter ihrem Pseudonym Liv Marie Bahrow geschrieben hat 

Uneingeschränkte Leseempfehlung 

    

        

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