Claudia Sammer

 4.6 Sterne bei 5 Bewertungen

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Cover des Buches Ein zögerndes Blau (ISBN:9783992002306)

Ein zögerndes Blau

 (5)
Erschienen am 01.02.2019

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Rezension zu "Ein zögerndes Blau" von Claudia Sammer

Ein Buch, das erst zögernd die wahre Tragweite eines Zufalls auflöst
kupfis_buecherkistevor einem Jahr

In den letzten Wochen ist mir aufgefallen, dass ich in letzter Zeit sehr gerne Bücher lese, bei denen es zwar auch um die Geschichte geht, die transportiert werden soll, jedoch muss in dieser Geschichte nicht passieren, sondern geht es vielmehr um den Erzählstil und wie die Geschichte erzählt wird. „Ein zögerndes Blau“ von Claudia Sammer ist ein sehr gutes Beispiel hierfür.

Leon wird in den Kriegswirren bei der Flucht von seiner Mutter getrennt. Doch damit ist er nicht allein, und er kämpft mit vielen andren kleinen Kindern im Wald ums nackte überleben. Ein kleines Mädchen, das er Teres nennt, folgt ihm auf Schritt und Tritt. Und so werden beide von einer Familie aufgenommen, und groß gezogen. Leon und Teres – durch die Jahre aneinander geknüpft – gründen eine Familie, bekommen Nachwuchs und bauen sich eine Existenz auf. Doch Leon fragt sich, ob dies wirklich alles war? Beide machen sich Gedanken über ihre Identität, wie das Leben ohne den Verlust der Mutter verlaufen wäre. Leon lässt die Frage nach dem „was, wenn?“ nicht in Ruhe, und begibt sich auf die Suche, und findet tatsächlich noch seinen Bruder.

„Ein zögerndes Blau“ ist ein sehr emotionales Buch. Wie erlebt ein Kind die Trennung seiner Mutter? Wie entwickeln sich Menschen weiter ohne die Prägung der eigenen Familie? Wie kann sich ein Leben ändern durch eine Entscheidung oder einen Zufall? Wie hätte es anders ausgesehen?

Diesen Fragen geht Claudia Sammer nach. Und doch kann man sie nicht abschließend beantworten, da jeder Fall doch so anders ist. Während Leon sich zwar ebenso seine Gedanken macht wie Teres, wirkt Leon stärker, und geht dennoch selbstsicherer mit der Situation um. Teres hingegen wirkt unsicher und wird doch durch die Situation schneller aus der Bahn geworfen. Leon ist für sie der Anker, den sie in ihrem Leben benötigt, und Teres bleibt lebenslang emotional verunsichert.

Der Schreibstil von Claudia Sammer ist erzählerisch sehr gut. Die Umgebung und die Protagonisten werden mit Leben eingehaucht. Die Geschichte hängt durchaus nach mit der Frage „was, wenn?“.

Da dieses Buch keine Zeitangaben verwendet, ist nicht ganz klar, in welchem Zeitfenster dieses Buch spielt. Die Geschichte könnte während des ersten, doch auch während des zweiten Weltkrieges begonnen haben. Durch diese fehlenden Zeitangaben fällt es zu Beginn des Buches etwas schwer, die Protagonisten mit den dazugehörigen Zeitfenstern einzuordnen. Erst zögernd finden die einzelnen Puzzleteile zueinander. Ein Buch, was sich lohnt, ein zweites Mal zu lesen.

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Rezension zu "Ein zögerndes Blau" von Claudia Sammer

Kinder leiden am meisten unter den Kriegen der Großmächte
lielo99vor einem Jahr

Das ist ein Romandebüt so ganz nach meinem Geschmack. Ein zögerndes Blau beschreibt das Leben während und nach einem Krieg und das nicht aus der Sicht von Soldaten und Erwachsenen. Nein, hier wird das Schicksal von Kindern zum Thema gemacht und das ist keineswegs der Phantasie der Autorin entsprungen. Damals wie heute werden in den Wirren der Kriege Kinder von ihren Eltern getrennt.


Das Buch Ein zögerndes Blau beginnt mit der Deportation von Menschen, die in einen Wagon gepfercht und am Bestimmungsort getrennt werden. Auch oder vielmehr im Krieg zählen Kinder zu den schwächsten Gliedern einer Gesellschaft. Einmal von der Hand ihrer Mutter oder den Geschwistern getrennt, finden sie nicht zurück und müssen ganz alleine ihren Weg in der Fremde gehen.


Leon und Teres, so heißen die beiden Hauptpersonen. Nach der Trennung von ihren Eltern werden sie von einem Ehepaar aufgenommen, die einen Bauernhof bewirtschaftet. Für die Kinder ist es zwar augenscheinlich ein Glücksgriff, da sie dem Hungertod entrinnen können und ein warmes und trockenes Zuhause haben dürfen. Allerdings sind die Nachkommen der Landwirte keineswegs freundlich und die beiden spüren täglich, dass sie nur geduldet sind.


Die kleine Teres klammert sich an Leon und beide verbindet eine Schicksalsgemeinschaft. Ein zögerndes Blau begleitet sie auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden. Sie erleben eine glückliche Zeit, die durch die Geburt ihrer kleinen Tochter gekrönt wird. Aber ihr Leben hat nicht nur Sonnenseiten und bald zeigt sich, wie sehr die Abhängigkeit Tereses ihrem Mann Leon zusetzt.


Ein zögerndes Blau gefiel mir außerordentlich gut. Die Autorin Claudia Sammer nahm mich an die Hand und zeigte mir, wie gut ich es habe. Wie schrecklich muss es sein, wenn Kinder plötzlich die Hand ihrer Mutter loslassen und danach nichts mehr von ihr hören und sehen. Wenn sie durch die Landschaft irren und auf die Almosen von empathischen Menschen angewiesen sind. Dass diese Situation nicht nur vor vielen Jahren im 2. Weltkrieg stattfand, weiß jeder, der Nachrichten liest oder sieht. Täglich gibt es Berichte über Flüchtende und auch heute sind es die Kinder, welche am meisten darunter leiden.


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Rezension zu "Ein zögerndes Blau" von Claudia Sammer

Heimat, Herkunft, Identität, Verlust durch Krieg
lesefreude_bookvor einem Jahr

Die grundlegenden Themen von „Ein zögerndes Blau“ – Heimat, Herkunft, Identität und Verlust durch Krieg – sind top aktuell. Es kam für mich nie ganz eindeutig heraus, um welchen Krieg es konkret in dem Buch geht, wenngleich ich einen naheliegenden Verdacht habe. Auch ist es nicht eindeutig in welchem europäischen Land die Geschichte überhaupt spielt.

Diese Frage hat mich die ganze Zeit über nicht losgelassen. Klar ist „Ein zögerndes Blau“ so allgemein gültig, dass es eigentlich nicht wichtig ist. Dennoch ergaben sich daraus einige Folgefrage, die eine Unruhe in mir auslösten.

Neben Leon und Teres wird die Geschichte aus der Perspektive vieler weiterer Personen über circa 3 Generationen hinweg erzählt. Dabei werden die Perspektiven nahe zu nach jedem der kurzen Kapiteln gewechselt.

Da nie eindeutig angezeigt wird, wer nun erzählt und da man zu Beginn auch noch gar nicht weiß in welcher Beziehung die Personen zueinander stehen, war es schwer in die Geschichte zu finden. Unterschiedliche Sichtweisen gemischt mit unterschiedlichen Zeiten sind eine Herausforderung für den Leser. Dass die beiden Hauptprotagonisten Leon und Teres neue Namen bekommen und Leonas und Irena werden, macht es für den Leser nicht leichter.

Doch Durchhalten lohnt sich. Denn sobald man sich einen ersten Überblick verschafft hat, kann man sich fallen lassen und dieses bewegende Buch genießen. Das Schicksal der Kinder berührt und „Ein zögerndes Blau“ hallt noch lange nach.

Ich habe mich recht schnell in Claudia Sammers anspruchsvollen, melodiösen Schreibstil verliebt. In ihrem Debütroman erzählt sie eindringlich von der Suche nach dem eigenen Ich und dem kleinen Stückchen vom Glück.

Mit gerade mal 176 Seiten ist „Ein zögerndes Blau“ ein kurzes Büchlein, das ich in nahezu einem Rutsch gelesen habe. Claudia Sammers schaffte es hervorragend ein Ende zu finden. Viel zu oft wirkt das Ende in belletristischen Büchern auf mich zu abrupt. Es gibt keinen Fall zu lösen wie in einem Krimi und auch keine Liebenden, die zu einander finden müssen wie in einem Chick-Lit. Es ist eine Geschichte, wie sie das Leben schreibt. Eine Erzählung die von Höhen oder besser kleinen Hügeln und Tiefen gezeichnet ist.

Die Unruhe die Leon antreibt, die ich beim Lesen so deutlich gespürt habe, legt sich zum Ende hin. Sie wird als Begleiter akzeptiert, angenommen und das Ende des Buches ist die logische Konsequenz daraus.

„Ein zögerndes Blau“ von Claudia Sammer ist eine sprachliche Wohltat für den Leser. Ein emotionaler, wichtiger Roman über zentrale Fragen wie Herkunft, Heimat und Identität.

Doch die Einstiegshürde ist sehr hoch. Viele, schnell wechselnde Perspektiven in unterschiedlichen Zeitebenen sind eine Herausforderung. Ich könnte es nachvollziehen, wenn man das Buch zur Seite legt, bevor es seine volle Magie und Kraft verbreiten kann. Mit einfachen Mitteln, beispielsweise bei jedem Kapitel, anzeigen aus welcher Sicht es geschrieben ist, könnte diese Hürden deutlich sinken.

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