In „Meine Seele fliegt“ erzählt die Segelfliegerin Claudia Silberborth Anekdoten aus ihrem Fliegerleben – von der Ausbildung, ihrem ersten Alleinflug, Erfahrungen mit Wetter und Vögeln, Menschen auf dem Flugplatz und in der Flugplatzkneipe, von Windenfahrern und Lepos. Ein Kapitel widmet sich dem Thema Sicherheit beim Fliegen, in einem weiteren Abschnitt erzählt sie von ausgewählten Pionieren der Luftfahrt, darunter Otto Lilienthal oder Elly Beinhorn*, sowie von ihren Eindrücken von Flugplätzen und -häfen wie Berlin-Tempelhof oder Laucha.
Aufgelockert werden die Geschichten durch Illustrationen von Netta Canfi, einer israelischen Segelfliegerin und Illustratorin.
Der Schreibstil Silberborths hat mir im Großen und Ganzen gut gefallen – vor allem bei der Geschichte über den Flugplatz in Laucha. Allerdings habe ich mich mitunter gefragt, welche Zielgruppe hier eigentlich angesprochen wird. Für erfahrene Flieger mag das ein oder andere trivial sein. Menschen wiederum, die nicht dem Fliegervirus verfallen sind – die sogenannten Fußgänger – werden manchmal fast etwas abfällig dargestellt (etwa, wenn sie bei schönstem Wetter – wie sie denken – für einen Gastflug zum Flugplatz kommen und dann erbost seien, wenn sie in Ermangelung von Thermik nur eine kurze Platzrunde fliegen konnten).
Silberborth selbst schreibt, ihr Buch sei „ein humorvolles Buch für Menschen, die das Segelfliegen bereits als ihre Leidenschaft entdeckt haben, und für diejenigen, die noch auf der Suche sind nach der Erfüllung ihrer Sehnsucht nach Freiheit und Selbstverwirklichung“.
Die meisten Geschichten sind sehr persönlich – bis auf die Erzählungen zu den Luftfahrtpionier:innen vielleicht – und geben einen guten Einblick in die Art und Weise, wie die Autorin mit dem Segelfliegen in Berührung gekommen ist. Mein Weg war ein ganz anderer und meine persönlichen Erfahrungen auch. Daher bin ich an einigen Stellen darüber gestolpert, wenn Rituale so dargestellt wurden, als sei es auf allen anderen Flugplätzen exakt genauso – was nicht der Fall ist.
Fazit
Insgesamt sind die kurzen Geschichten nett zu lesen und man fühlt die Leidenschaft der Autorin. Ob sich ein „Fußgänger“ nach der Lektüre allerdings sofort zum nächsten Schnupperlehrgang anmeldet, wage ich zu bezweifeln – denn ich spürte beim Lesen mitunter ein gewisses Unverständnis Menschen gegenüber, deren Leidenschaft nicht „zwischen zwei Flügeln“ liegt.


