Claudie Gallay Seule Venise

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Inhaltsangabe zu „Seule Venise“ von Claudie Gallay

Petite pliure sur le dos de couverture; le reste comme neuf. prix en conséquence

Melancholisch-poetische Winterimpressionen aus Venedig fernab aller bekannten Klischees.

— Barbara62
Barbara62
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  • Venedig abseits aller Klischees

    Seule Venise
    Barbara62

    Barbara62

    04. October 2016 um 19:37

    Claudie Gallays Roman Les déferlantes aus dem Jahr 2008, der 2010 auf Deutsch unter dem Titel Die Brandungswelle erschien, stand damals nicht nur monatelang auf der französischen Bestsellerliste, sondern war auch für mich eine ganz große Entdeckung. Mehr noch als die Handlung hat mich damals die Beschreibung der Natur, der Vogelwelt und des Meeres, die die eigentlichen Protagonisten sind, begeistert. Bei ihrem bereits 2004 erschienenen Roman Seule Venise habe ich mich nun an das französische Original herangetraut und war überrascht, wie gut es sich lesen ließ. Auch hier steht eigentlich nicht eine Person im Mittelpunkt, sondern vielmehr die Stadt Venedig, und das zu einer Jahreszeit, in der keines der üblichen Klischees zutrifft, man kaum Touristen trifft und das Wetter mehr als unwirtlich ist: im Winter. Von ihrem Lebenspartner verlassen, flüchtet die tief verwundete Ich-Erzählerin mittleren Alters Hals über Kopf in diese Stadt, mit der wir eher die Liebe als den Liebeskummer, eher die Sonne und Wärme als Regen, Nebel und Kälte verbinden. Zufällig ist dieses Ziel, ohne Plan kommt sie dort an, und wir begleiten sie auf ihren scheinbar endlosen Spaziergängen durch das menschenleere, ungemütliche und doch so faszinierende Venedig, in dem eine heiße Schokolade oder die Katzen eine übergroße Bedeutung bekommen können. Wir werden Zeugen ihrer Gedanken und ihrer tiefen Verzweiflung, aber auch des ganz langsam wiedererwachenden Lebenswillens und ihrer wenigen Außenkontakte zu den anderen Gästen ihrer kleinen Pension und einem Buchhändler. Passend zu ihren trüben Gedanken und zur Stimmung in der feuchten Stadt ist der Stil stakkatohaft-abgerissen und die Sätze sind sehr kurz, teilweise unvollständig, oft lakonisch, immer sehr präzise und distanziert. Wer bereit ist, sich von Claudie Gallay, die für mich zu den großen französischen Autorinnen der Gegenwart gehört, in ein anderes Venedig und in eine düster-melancholische, ganz besondere Stimmung versetzen zu lassen, wem die Atmosphäre auch einmal wichtiger sein kann als die Handlung, dem wird dieser außergewöhnliche, merkwürdig intensive kleine Roman bestimmt genauso gut gefallen wie mir.

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