Habe mir hier all die anderen Rezensionen durchgelesen und festgestellt, dass dieses Buch die Leserschaft extrem spaltet und diese im Durchschnitt doch eher "gemütlichere" Krimis erwartet, diesem hier sogar die Gattung in Abrede stellt. Ich verstehe jetzt gut, dass die Verlage sich an solche Geschichten nur selten rantrauen, zumal wenn die Realität von Welt und Gesellschaft darin so deutlich abgebildet und erzählt werden. Wer also einen weiteren Cozy-Krimi sucht, ist mit Commissario Morello ganz schlecht bedient, wer Krimis mit politischem und gesellschaftskritischem Hintergrund sucht - also durchaus in der Tradition von Fruttero und Lucentino oder Petros Markaris - kann voll und ganz in ein spannendes Abenteuer eintauchen.
Wir sind am Ende der Corona-Epidemie. Nachdem Commissario Morello und Ispettrice Sostituta Commissario Anna Klotze einen jungen Flüchtling aus Nigeria nach seinem Sprung aus dem Canale geretttet haben, führen sie die damit verbundenen weiteren Entwicklungen nach Sizilien, wo sie von der Mafia schon erwartet werden - und das nicht freundschaftlich.
Mir hat das Buch gerade als Krimi außerordentlich gefallen: das Setting - Venedig und Sizilien! - und seine Beschreibung lassen wunderbare - ja, trotz der harten Handlung - Urlaubsmomente lebendig werden, die Figuren sind allesamt glaubwürdig gezeichnet und die Sprache ist - und das ist bei den so zuhauf veröffentlichten Urlaubskrimis immer weniger der Fall - angenehm überzeugend, die Dialoge eingeschlossen!
Warum es dann doch keine 5 Sterne von mir gibt? Die Rezepte am Ende des Buches sind, zumal so einfach, wirklich zuviel und stören den Charakter des Buches und die Anlage als demnächst zu verfilmendes Drehbuch war mir auch zu deutlich. Trotzdem ist das Buch ganz bestimmt ein spannendes Lese-Erlebnis und für jeden Krimi-Fan, der die Augen vor der Realität und unseren Verbindungen mit der Welt nicht verschließt, eine Empfehlung!
Claudio Caiolo
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Claudio Caiolo
Der freie Hund
Der Tintenfischer
Falsche Freunde
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Neue Rezensionen zu Claudio Caiolo
Sehr detailliert und spannend erzählt hat dieser Venedig-Krimi alles, was ein guter Krimi enthalten sollte. Commissario Morello, ein Sizilianer in Venedig, wird zusammen mit seinem Team zu einem Mord gerufen. Eine Frau von dem städtischen Reinigungsbetrieb entdeckt den ehemaligen Steuerberater und Finanzspezialisten Paolo Salini tot auf einer Bank sitzend. Nach einer kurzen Untersuchung ist klar, dass der Mann ermordet wurde. Das Team um Morello ermittelt in alle Richtungen und eine Liste an verdächtigen Personen entsteht. Als Morello tief in die High-Society der Stadt ermittelt erfährt er von unglaublichen Plänen. Ein Nachfahre des Dogen von Venedig entwickelt Pläne, die die ganze Stadt verändern werden. Doch hat er etwas mit dem Mord zu tun? Eine spannende Suche nach Tätern beginnt.
Commissario Morello liebt die Kulinarik und leidet unter sehr starkem Heimweh in seine alten Heimat Sizilien. Dort hat er furchtbares durchlitten und wurde nach Venedig zwangsversetzt. Er versucht seinem Team ein guter Commissario und Chef zu sein, was ihm aber nicht immer zu gelingen vermag. Als interessante Charaktere können seine Kollegin Anna Klotze, sowie Claudio ein ehemaliger Taschendieb genannt werden. Anna ist eine sehr toughe Frau, welche ein großes berufliches Frustpotential vor sich herschiebt. Sie fühlt sich ungerecht behandelt und wäre gerne an Morellos Stelle in der Hierarchie. Ihr Charakter ist überschattet von sonderbaren Vorgängen aus ihrer Vergangenheit. was sie zu einer sehr interessanten Figur in der Story macht. Claudio war früher auf der falschen Seite des Gesetzes hat aber auch durch den persönlichen Draht und Einsatz von Morello den Weg aus der kriminellen Vergangenheit herausgeschafft. Er ist Morello gerade eine moralische Unterstützung, weiß er ihn doch manchmal etwas aus seiner Komfortzone herauszulocken.
Die Geschichte ist in der heutigen Zeit angesiedelt und demnach gut zeitlich einordbar. Sehr gut hat mir der Einbau der technischen Möglichkeiten, einer KI namens Athena gefallen, auch wenn dies vielleicht in dieser Form noch Zukunftsmusik ist. Aber die Idee an sich passte fand ich sehr gut in die Nebengeschichte dieses Falls.
Sehr gut beschreibend mit vereinzelt verschnörkelter Sprache ist der Schreibstil des Autorenduos. Ich konnte mich sehr gut in die Umgebung und unterschiedlichen Handlungsorte innerhalb Venedigs einfinden. Eine Karte, ein Personenverzeichnis sowie zwei Rezepte aus der italienischen Küche sind zusätzliche Besonderheiten in diesem Roman. Auch die Idee aus Venedig ein modernes Disneyland für Superreiche zu machen, fand ich äußerst interessant, aber auch dramatisch.
Ich bin von diesem Fall in seiner ganzen Konzeption und Fülle überwältigt gewesen so, dass ich an diesem Krimi trotz der leichten Science-Fiktion Note keinerlei negative Kritik üben kann. Spannend, unterhaltend und äußerst schön und gut erzählt kann ich diesem Krimi nur allen Leserinnen und Leser sehr empfehlen.
Nachdem mich die ersten beiden Bände der Krimireihe um Inspektor Morello schwer enttäuscht haben, bin ich mit entsprechender Skepsis an den dritten (und bislang letzten) gegangen. Und ich darf sagen: Ich wurde positiv überrascht. „Falsche Freunde“ hebt sich erfreulich von seinen Vorgängern ab. Wolfgang Schorlau und Claudio Caiolo erheben sich in bis dato ungeahnte Höhen und erreichen in ihren besten Momenten fast die Qualität eines mittelprächtigen Brunetti-Romans von Donna Leon.
Ein etwas schrulliger und eigenbrötlerischer Buchhalter und Steuerberater wird frühmorgens auf einer Parkbank erschlagen. Die Ermittlungen führen zu einem Plan, Venedig zu einem Disneyland für Superreiche zu machen. Dieser Plan erscheint mir gar nicht so abwegig, und die ganze Auflösung ist schon okay, der Lokalkolorit passt, die beiden Autoren sind diesmal nicht so spürbar gedrängt davon, ihrem Publikum ihr Faktenwissen auszubreiten, der Erklärbär bleibt diesmal an der kurzen Leine, das tut dem Buch ebenso gut wie die Kocherei, die in dieser Episode ebenfalls deutlich reduziert (Wortspiel beabsichtigt!) wurde.
Im Ganzen also diesmal kein Ärgernis - für eine richtig gute Bewertung klappern mir allerdings immer noch zu viele Implausibilitäten herum, die kriminalistische Vorgehensweise passt nicht zu einem erfahrenen Ermittlerteam, die Bösewichter sind allzu grob geschnitzte Holzköpfe und Knallchargen, und der Kommissar und seine Vorgesetzte leisten sich unprofessionelle bzw. gesetzwidrige Aussetzer, die ich so ohne weiteres nicht kaufen mag. Mit anderen Worten: Ein passabler Krimi mit den gleichen Schwächen wie ihn Dutzende andere auch aufweisen - solides Mittelfeld, kann man lesen.
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