Claudio Magris

 4 Sterne bei 64 Bewertungen
Autor von Zeno Cosini, Ein Mann wird älter und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Claudio Magris

Claudio Magris, geboren 1939 in Triest, ist einer der bedeutendsten Germanisten und Schriftsteller Italiens. Nach seinem Studium in Turin und Freiburg/Breisgau war er bis 2006 als Professor für Deutsche Sprache und Literatur an der Universität Triest tätig. Als Essayist und Kolumnist für die italienische Tageszeitung ›Corriere della Sera‹ äußert er sich immer wieder zu Fragen unserer Zeit. Magris gehört zu den besten Kennern der mitteleuropäischen Literatur. Für sein literarisches Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Manès-Sperber-Preis (1987), den Premio Strega (1997), den Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung (2001), den Prinz-von-Asturien-Preis (2004), den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur (2005) sowie 2008 den Kythera-Preis und den Walter-Hallstein-Preis. 2009 wurde Claudio Magris mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt, 2010 mit dem Europäischen Essay-Preis Charles Veillon ausgezeichnet. 2012 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz, 2015 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Claudio Magris lebt in Triest.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Claudio Magris

Cover des Buches Zeno Cosini (ISBN: 9783499134852)

Zeno Cosini

 (23)
Erschienen am 01.12.1990
Cover des Buches Ein Mann wird älter (ISBN: 9783518013014)

Ein Mann wird älter

 (9)
Erschienen am 06.01.1970
Cover des Buches Ein anderes Meer (ISBN: 9783423138758)

Ein anderes Meer

 (8)
Erschienen am 01.09.2009
Cover des Buches Donau (ISBN: 9783423344180)

Donau

 (7)
Erschienen am 01.07.2007
Cover des Buches Verfahren eingestellt (ISBN: 9783446254664)

Verfahren eingestellt

 (3)
Erschienen am 13.03.2017
Cover des Buches Blindlings (ISBN: 9783423137324)

Blindlings

 (3)
Erschienen am 18.12.2008
Cover des Buches Die Erzählungen 2 (ISBN: 9783498061654)

Die Erzählungen 2

 (3)
Erschienen am 01.03.1984
Cover des Buches Autobiographisches Profil (ISBN: 9783498061814)

Autobiographisches Profil

 (2)
Erschienen am 26.09.1986

Neue Rezensionen zu Claudio Magris

Cover des Buches Verfahren eingestellt (ISBN: 9783446254664)M

Rezension zu "Verfahren eingestellt" von Claudio Magris

Die Schrecken von Gewalt, Krieg und Tod
michael_lehmann-papevor 4 Jahren

Die Schrecken von Gewalt, Krieg und Tod

Schon früh ist die Leidenschaft angelegt, wie eine Prägung aus Kindertagen zieht es sich durch das Leben dieses Mannes.

„Als Kind liebte ich es, mit der kleinen Holzkanone zu schießen. Herrliche Schlachten im kleinen Gartenteich“.

Was nun nicht dazu führte, dass der Mann Berufssoldat wurde, sondern, ganz im Gegenteil, sein Ziel ist es, durch eine „Personalisierung der Gewalt des Krieges“, durch ein Zusammentragen aller möglichen „Kriegsobjekte“, die als Waffen dienten (und die vor allem die Träger der Geschichten jener sind, die sie benutzten) durch Emotionale Abschreckung eines „Kriegsmuseums“ den Frieden zu ermöglichen, fast „herbei zu schreien“.

Was nicht so einfach ist bei begrenzten Mitteln und einer ausgewachsenen Obsession.

„…doch im selben Moment, in dem er sich anschickte, etwas zu verkaufen, wurde er sofort wieder von seinen Furien ergriffen und versuchte, auch zu kaufen – man weiß zwar nicht, von welchem Geld….:“

Und diese Leidenschaft, dieses „Museum“, dass der namenlose Mann erbauen, zeigen, vor Augen führen möchte, ist in der Umsetzung vielfach seiner Assistentin Luisa aufgetragen. Und auch deren Geschichte hat mir dem Krieg zu tun, mit Verfolgung, Gefangenschaft, mit Verrat von „Nachbarn“ an die „neue Macht“. Denn ein jüdischer Strang findet sich in Luisas Familie, der nicht vom Leid verschont blieb. Ebenso, wie die (farbige) Familie ihres Vaters eine „Vorfahren-Geschichte der Sklaverei“ zu erzählen hat.

So entsteht ein Geflecht von Geschichten und Gegenständen in einer ganz eigenen Sprache erzählt, mit einer ganz eigenen, durchaus bedrängenden Atmosphäre versehen, die Magris aus vielfachen Richtungen immer wieder zum Kern der Destruktion des Krieges führt und den Leser auf ebenso vielen Wegen dahin mitnimmt.

Eine Gewalt im Übrigen, deren Spuren der Autor im Buch in vielfacher Form nachgeht und nicht im engeren Sinne beim Krieg dabei haltmacht. Auch in Beziehungen ist in Gewalt zu finden, und das nicht zu knapp, wie Magris im Buch zeigt. In einer dichten, bildkräftigen Sprache, die immer konkret und plastisch das Gemeinte, nicht selten schmerzlich, dem Leser vor Augen führt.

„Diese Fotografie von der Hochzeitsreise…..steht auf dem Nachttisch . das erste Bild beim Aufstehen und das letzte beim Zubettgehen, das verblasste Gesicht der Ehefrau zwischen Schaufel, Spaten und durchlöchertem Helm“.

Ein Roman der vielfachen Stimmen, der beide Seiten der Gewalt und des Krieges aufzeigt, die Opfer, nachdrücklich, aber auch die „Profiteure“ und „Mitläufer“, die gar nicht schnell genug mit dem Finger auf andere zeigen konnten und im einzigen Konzentrationslager Italiens der persönlichen Bereicherung nachgingen.

Nicht einfach zu lesen ist dieser Ausbund an Geschichten, sprachlichen Finessen, bildkräftiger und bildreicher Darstellung, in dem doch jede einzelne Linie und Geschichte auf ihre Art den Leser fesselt und fasziniert. Und immer deutlich zum Tragen kommen lässt, dass jede Form der Gewalt und Gier, der Verblendung und fanatischen Ideologie die Welt nur zu einem „großen Sarg“ machen wird, Wie auch das „ruhige Meer“ doch auch ein „großer Sarg“ im Buch sein kann (und in der Realität ebenso ist).

Ein wichtiger Roman, ein Antikriegsroman, der weit über den engen Begriff eines bewaffneten Konfliktes hinausgeht.

„Müll ins Meer zu kippen ist ein Verbrechen ebenso, Menschen hinein zu werfen, aber der Richter erklärt: Das Verfahren wird eingestellt“. Aber, gut so, nicht in diesem Buch!

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Cover des Buches Verfahren eingestellt (ISBN: 9783446254664)JulesBarroiss avatar

Rezension zu "Verfahren eingestellt" von Claudio Magris

Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf
JulesBarroisvor 5 Jahren

Verfahren eingestellt - Claudio Magris (Autor), Ragni Maria Gschwend (Übersetzer), 400 Seiten, Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (13. März 2017), 25 €, ISBN-13: 978-3446254664

 

Ein großes Buch. Claudio Magris erzählt von der Besessenheit eines Mannes, der seit Jahrzehnten Waffen, Gewehre, Maschinengewehre, Kanonen, Flugzeugen und Militäruniformen sammelt. Dieser Mann, ein Professor, hat wirklich existiert, lebte in den Räumen inmitten seiner gesammelten „Kriegsgegenstände“. Er schlief dort in einem Sarg und starb 1974 bei einem mysteriösen Feuer.

Schauplatz ist Triest. Nicht nur weil der Autor dort geboren wurde und lebte, sondern weil Triest Kulturen und Ethnien auf fatale Weise mischte und auch weil in Triest, das einzige KZ Italiens angesiedelt war, das KZ Risiera (ehemalige Reismühle) im Triester Ortsteil San Sabba. Vor allem macht ihn, diesen Professor etwas für die lokale Gesellschaft gefährlich: er hat in diesem KZ Namen abgeschrieben, die Häftlinge in die bald nach Kriegsende geweißten Zellenwände geritzt hatten – Namen von Vertretern der „guten“ Triestiner Gesellschaft, die im KZ ein und aus gingen, um Geschäfte mit den Deutschen und deren Helfern zu machen. Nach dem Krieg wirtschafteten sie unbehelligt weiter: Die Verfahren gegen die Täter und deren Unterstützer wurden eingestellt.

Der Roman hat zwei Protagonisten: einmal dieser Unbenannte, dieser schon fast peinliche Freak, dieser Erzengel der Gerechtigkeit und der Rache. Dann Luisa, der faszinierende Kontrapunkt. Es ist die junge Frau, die den Auftrag hat, das Projekt des Museums, des größten Museums über das Unrecht des Krieges zu entwickeln. Auch ihre Geschichte ist von weltumspannender Gewalt geprägt: Die Mutter eine Jüdin, die die Verfolgung überlebt hat, der Vater ein afroamerikanischer Schwarzer: „Menschenhandel und Shoah“ vereinen sich in Luisas Genealogie, die exemplarisch ist für Magris‘ Roman, der in assoziativen Schwüngen und novellenartigen Einschüben die These illustriert, dass der Mensch dem Menschen ein Wolf ist.

Das Buch ist einzigartig in seiner Struktur, die ohne Vorbild ist, und es erweckt ständig den Wunsch, am Ende jeder Seite wissen zu wollen, was auf der nächsten Seite passiert. Ein großer Baum mit vielen Verästelungen, eine Art Matrjoschka der Wunder und Bosheiten. In ihrem Bauch, enthüllen sich unzählige Romane, Kurzgeschichten, Geschichten, Erzählungen und Rinnsale. Es ist ein epischer, politischer, religiöser und poetischer Roman, voll von Qual und Schmerz, voll von den Abenteuern des Todes.

Claudio Magris ist ein großer Denker und begnadeter Essayist. Ideenreichtum und Klarheit des Denkens verbinden sich bei ihm mit seinem Hang zur Metaphorik, zu einem fast barock anmutendem Schreibstil. Es entsteht ein Werk, düster wie eine Feuersbrunst.

Die Lektüre ist nicht einfach, vielleicht sogar anstrengend. Und gerade deswegen ist es hohe Literatur, die uns dieser selbstbezügliche Roman bietet.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Hanser Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/verfahren-eingestellt/978-3-446-25466-4/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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Cover des Buches Zeno Cosini (ISBN: 9783499134852)Sokratess avatar

Rezension zu "Zeno Cosini" von Claudio Magris

Rezension zu "Zeno Cosini" von Italo Svevo
Sokratesvor 10 Jahren

Es gab bislang selten Romane, die von ihrer ersten Seite an eine unglaublich angenehme Stimmung verbreiteten und den Leser dicht an die Handlung binden. - Zeno Cosini war eine solche positive Überraschung. Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mannes, der auf ganzer Strecke scheitert. Zunächst studiert er mehrere Fächer, ohne eines je zu beenden. Er sinniert über das Rauchen, weiß jedoch dessen Sinn nicht recht einzuschätzen (Kap. III). Genauso "in der Luft hängend" betreibt er den Rest seines Lebens. Es ist immer mehr eine Veranstaltung, die er zwar besucht, an der er jedoch keinen Anteil hat. Sein Vater, ein erfolgreicher Unternehmer, kann den Jungen finanzieren, sodass er zumindest fernab finanzieller Sorgen lebt. - Das Buch bleibt in seinem Grundton gleich. Erfolglos, schließlich sogar eine Psychotherapie in Angriff nehmend, versucht der als Erzähler auftretende Protagonist die eigene Sinn-Leere zu füllen. Es gelingt ihm jedoch nicht. Er scheint unerreichbar für alle Versuche Dritter, ihm zu helfen.
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Das Buch mag den einen langweilen, den anderen berühren; letzteren wohl dann, wenn er sich selbst in einer ähnlichen sinnleeren Lebenssituation befindet. Vielleicht auch in Zeiten des Umbruchs. Italo Svevo hat diesen Roman 1923 geschrieben, er spielt im italienischen Triest. Zum Teil lassen sich autobiographische Züge zum Autor feststellen; zeitgeschichtliche Parallelen ebenso (Quelle: Wikipedia). Insgesamt war ich mehr als positiv überrascht: ein wirklich lesenswerter Roman, aber man sollte sich den richtigen Zeitpunkt ihm Leben für ihn auswählen, denn sonst wird man vielleicht nicht mit dieser gedämpften, tragik-komischen Welt fertig.

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Zusätzliche Informationen

Claudio Magris wurde am 10. April 1939 in Trieste (Italien) geboren.

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