Claudio Magris

 3.8 Sterne bei 23 Bewertungen
Autor von Donau, Ein anderes Meer und weiteren Büchern.

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Verfahren eingestellt

Erscheint am 28.02.2019 als Taschenbuch bei dtv Verlagsgesellschaft.

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Erscheint am 11.03.2019 als Hardcover bei Hanser, Carl.

Alle Bücher von Claudio Magris

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Donau

Donau

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Erschienen am 01.07.2007
Ein anderes Meer

Ein anderes Meer

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Erschienen am 01.09.2009
Blindlings

Blindlings

 (3)
Erschienen am 18.12.2008
Verfahren eingestellt

Verfahren eingestellt

 (2)
Erschienen am 13.03.2017
Ein Nilpferd in Lund

Ein Nilpferd in Lund

 (2)
Erschienen am 04.02.2009
Triest

Triest

 (1)
Erschienen am 01.03.2005
Die Welt

Die Welt

 (1)
Erschienen am 01.03.2004

Neue Rezensionen zu Claudio Magris

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M

Rezension zu "Verfahren eingestellt" von Claudio Magris

Die Schrecken von Gewalt, Krieg und Tod
michael_lehmann-papevor 2 Jahren

Die Schrecken von Gewalt, Krieg und Tod

Schon früh ist die Leidenschaft angelegt, wie eine Prägung aus Kindertagen zieht es sich durch das Leben dieses Mannes.

„Als Kind liebte ich es, mit der kleinen Holzkanone zu schießen. Herrliche Schlachten im kleinen Gartenteich“.

Was nun nicht dazu führte, dass der Mann Berufssoldat wurde, sondern, ganz im Gegenteil, sein Ziel ist es, durch eine „Personalisierung der Gewalt des Krieges“, durch ein Zusammentragen aller möglichen „Kriegsobjekte“, die als Waffen dienten (und die vor allem die Träger der Geschichten jener sind, die sie benutzten) durch Emotionale Abschreckung eines „Kriegsmuseums“ den Frieden zu ermöglichen, fast „herbei zu schreien“.

Was nicht so einfach ist bei begrenzten Mitteln und einer ausgewachsenen Obsession.

„…doch im selben Moment, in dem er sich anschickte, etwas zu verkaufen, wurde er sofort wieder von seinen Furien ergriffen und versuchte, auch zu kaufen – man weiß zwar nicht, von welchem Geld….:“

Und diese Leidenschaft, dieses „Museum“, dass der namenlose Mann erbauen, zeigen, vor Augen führen möchte, ist in der Umsetzung vielfach seiner Assistentin Luisa aufgetragen. Und auch deren Geschichte hat mir dem Krieg zu tun, mit Verfolgung, Gefangenschaft, mit Verrat von „Nachbarn“ an die „neue Macht“. Denn ein jüdischer Strang findet sich in Luisas Familie, der nicht vom Leid verschont blieb. Ebenso, wie die (farbige) Familie ihres Vaters eine „Vorfahren-Geschichte der Sklaverei“ zu erzählen hat.

So entsteht ein Geflecht von Geschichten und Gegenständen in einer ganz eigenen Sprache erzählt, mit einer ganz eigenen, durchaus bedrängenden Atmosphäre versehen, die Magris aus vielfachen Richtungen immer wieder zum Kern der Destruktion des Krieges führt und den Leser auf ebenso vielen Wegen dahin mitnimmt.

Eine Gewalt im Übrigen, deren Spuren der Autor im Buch in vielfacher Form nachgeht und nicht im engeren Sinne beim Krieg dabei haltmacht. Auch in Beziehungen ist in Gewalt zu finden, und das nicht zu knapp, wie Magris im Buch zeigt. In einer dichten, bildkräftigen Sprache, die immer konkret und plastisch das Gemeinte, nicht selten schmerzlich, dem Leser vor Augen führt.

„Diese Fotografie von der Hochzeitsreise…..steht auf dem Nachttisch . das erste Bild beim Aufstehen und das letzte beim Zubettgehen, das verblasste Gesicht der Ehefrau zwischen Schaufel, Spaten und durchlöchertem Helm“.

Ein Roman der vielfachen Stimmen, der beide Seiten der Gewalt und des Krieges aufzeigt, die Opfer, nachdrücklich, aber auch die „Profiteure“ und „Mitläufer“, die gar nicht schnell genug mit dem Finger auf andere zeigen konnten und im einzigen Konzentrationslager Italiens der persönlichen Bereicherung nachgingen.

Nicht einfach zu lesen ist dieser Ausbund an Geschichten, sprachlichen Finessen, bildkräftiger und bildreicher Darstellung, in dem doch jede einzelne Linie und Geschichte auf ihre Art den Leser fesselt und fasziniert. Und immer deutlich zum Tragen kommen lässt, dass jede Form der Gewalt und Gier, der Verblendung und fanatischen Ideologie die Welt nur zu einem „großen Sarg“ machen wird, Wie auch das „ruhige Meer“ doch auch ein „großer Sarg“ im Buch sein kann (und in der Realität ebenso ist).

Ein wichtiger Roman, ein Antikriegsroman, der weit über den engen Begriff eines bewaffneten Konfliktes hinausgeht.

„Müll ins Meer zu kippen ist ein Verbrechen ebenso, Menschen hinein zu werfen, aber der Richter erklärt: Das Verfahren wird eingestellt“. Aber, gut so, nicht in diesem Buch!

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Rezension zu "Verfahren eingestellt" von Claudio Magris

Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf
JulesBarroisvor 2 Jahren

Verfahren eingestellt - Claudio Magris (Autor), Ragni Maria Gschwend (Übersetzer), 400 Seiten, Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (13. März 2017), 25 €, ISBN-13: 978-3446254664

 

Ein großes Buch. Claudio Magris erzählt von der Besessenheit eines Mannes, der seit Jahrzehnten Waffen, Gewehre, Maschinengewehre, Kanonen, Flugzeugen und Militäruniformen sammelt. Dieser Mann, ein Professor, hat wirklich existiert, lebte in den Räumen inmitten seiner gesammelten „Kriegsgegenstände“. Er schlief dort in einem Sarg und starb 1974 bei einem mysteriösen Feuer.

Schauplatz ist Triest. Nicht nur weil der Autor dort geboren wurde und lebte, sondern weil Triest Kulturen und Ethnien auf fatale Weise mischte und auch weil in Triest, das einzige KZ Italiens angesiedelt war, das KZ Risiera (ehemalige Reismühle) im Triester Ortsteil San Sabba. Vor allem macht ihn, diesen Professor etwas für die lokale Gesellschaft gefährlich: er hat in diesem KZ Namen abgeschrieben, die Häftlinge in die bald nach Kriegsende geweißten Zellenwände geritzt hatten – Namen von Vertretern der „guten“ Triestiner Gesellschaft, die im KZ ein und aus gingen, um Geschäfte mit den Deutschen und deren Helfern zu machen. Nach dem Krieg wirtschafteten sie unbehelligt weiter: Die Verfahren gegen die Täter und deren Unterstützer wurden eingestellt.

Der Roman hat zwei Protagonisten: einmal dieser Unbenannte, dieser schon fast peinliche Freak, dieser Erzengel der Gerechtigkeit und der Rache. Dann Luisa, der faszinierende Kontrapunkt. Es ist die junge Frau, die den Auftrag hat, das Projekt des Museums, des größten Museums über das Unrecht des Krieges zu entwickeln. Auch ihre Geschichte ist von weltumspannender Gewalt geprägt: Die Mutter eine Jüdin, die die Verfolgung überlebt hat, der Vater ein afroamerikanischer Schwarzer: „Menschenhandel und Shoah“ vereinen sich in Luisas Genealogie, die exemplarisch ist für Magris‘ Roman, der in assoziativen Schwüngen und novellenartigen Einschüben die These illustriert, dass der Mensch dem Menschen ein Wolf ist.

Das Buch ist einzigartig in seiner Struktur, die ohne Vorbild ist, und es erweckt ständig den Wunsch, am Ende jeder Seite wissen zu wollen, was auf der nächsten Seite passiert. Ein großer Baum mit vielen Verästelungen, eine Art Matrjoschka der Wunder und Bosheiten. In ihrem Bauch, enthüllen sich unzählige Romane, Kurzgeschichten, Geschichten, Erzählungen und Rinnsale. Es ist ein epischer, politischer, religiöser und poetischer Roman, voll von Qual und Schmerz, voll von den Abenteuern des Todes.

Claudio Magris ist ein großer Denker und begnadeter Essayist. Ideenreichtum und Klarheit des Denkens verbinden sich bei ihm mit seinem Hang zur Metaphorik, zu einem fast barock anmutendem Schreibstil. Es entsteht ein Werk, düster wie eine Feuersbrunst.

Die Lektüre ist nicht einfach, vielleicht sogar anstrengend. Und gerade deswegen ist es hohe Literatur, die uns dieser selbstbezügliche Roman bietet.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Hanser Verlages

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/verfahren-eingestellt/978-3-446-25466-4/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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Rezension zu "Ein Nilpferd in Lund" von Claudio Magris

Rezension zu "Ein Nilpferd in Lund" von Claudio Magris
Günter Landsbergervor 8 Jahren

Claudio Magris: „Ein Nilpferd in Lund / Reisebilder“ (Aus dem Italienischen von Karin Krieger), München 2009

Gerne, sehr gerne habe ich dieses unleugbar, aber auf angenehme Weise, anspruchsvolle Buch gelesen. Und - was bei den allermeisten Büchern nicht der Fall sein dürfte - : Jede Z e i l e in diesem immerhin 222 Seiten umfassenden, reichhaltigen und vielfältigen Buch war es wert, gelesen zu werden. Deswegen verträgt, ja verlangt es wie von selbst - abermalige Lektüre. Insgesamt und auch auszugsweise werde ich es ganz sicher mehrmals lesen. Schon jetzt bin ich mit diesem Buch und seinem Wortlaut befreundet. Eigentlich könnte, ja müsste ich das gesamte Buch Wort für Wort zitieren, um es vollends nach meinem Sinn zu würdigen. Ja, ich werde mir jetzt sogar - meinen schwachen Italienischkenntnissen zum Trotz - den italienischen Originaltext besorgen. Der hat nämlich eine andere Überschrift, die anders als im Deutschen zumindest ambivalent auf die immer wieder verhalten aufleuchtende metaphysische Komponente des Buches verweist: „L'infinito viaggiare“. Da führt der dem 15. der 19 Reise(frucht)-Essays entnommene deutsche Gesamttitel „Ein Nilpferd in Lund“ samt Umschlagsphotographie doch etwas in die Irre. Was nicht weiter schlimm ist: Ist es doch ein durch Lektüre aufdeckbares Spiel mit den geweckten, falschen Assoziationen des Lesers. So hat mich die paradoxe (?) Nord-Süd-Verschränkung des Titels an die Nord-Süd-Motivik in Thomas Manns „Tonio Kröger“ erinnert. Gleich war in mir das Bild vom Eisbär und Tiger da, die im Bauch des auf Nordwärtsfahrt in schwere See geratenen Schiffes brüllen und tönen. Im Essay von Claudio Magris ist dann aber alles ganz anders. Man überzeuge sich selber. Ich verrate nichts.
Ob es wohl wie in der deutschen Version im italienischen Untertitel des gesamten Buches eine ähnliche, im Deutschen vor allem von Heinrich Heine her einprägsam bekannt gewordene Gattungsbezeichnung „Reisebilder“ gibt? Meines Wissens ist das deutsche Wort nicht exakt ins Italienische zu übersetzen. Hat das italienische Original also einen anderen Untertitel? Oder wird auf ein Aequivalent des deutschen Untertitels zur gezielten Charakterisierung der Magris'schen Essays als „Reisebilder“ ganz verzichtet? Ebenso möchte ich wissen, welche Essays, die in der deutschen Ausgabe ausgespart worden sind, die italienische außerdem noch enthält. Wirklich viele können es nicht noch sein, denn auch die italienische Ausgabe umfasst kaum mehr als 250 Seiten.
Das Buch berichtet essayistisch (mal länger, mal schlaglichthaft kürzer, aber immer reflektiert und wahrnehmungsstark) von zwischen 1981 und 2004 vorwiegend in Europa (zu einem geringen Teil auch in Asien und Mittelamerika) unternommenen Reisen, ohne auf eine streng chronologische Abfolge der einzelnen Essays Wert zu legen. Der als Vorwort vorangestellte, gewiss recht lange, mir anders als dem SZ-Rezensenten jedoch keineswegs als zu lang erscheinende Einleitungsessay kann auch isoliert gelesen werden und vermittelt aufs Ganze gesehen - vielstrahlig auf das generelle Thema Reisen hin aufgefächert und zugespitzt - das geistige Band zu allen Nachfolgeessays.
Man kann das so anregend geschriebene Buch natürlich auf einen Sitz lesen: Ich dagegen habe die Lektüre bewusst auf vier Tage verteilt, um die einzelnen Reisebilder als mehr oder minder dialektische Bilder jeweils gesondert auf mich wirken zu lassen. Dadurch wurde mir der schmale Band auch im Gedächtnis zu einem Buch der vielen Bücher. Außer dem als Vorwort verwendeten Einleitungsessay (30.06.2005) haben mich folgende Reisebilder besonders beeindruckt: „Auf den Spuren Don Quijotes“ (04.03.2001), „Die Inseln der Seligen“ (09.07.1989), „Der Tanz des Rabbiners“ (18.08.1982) und der auf den Iran bezogene vorletzte Essay „Wasser und Wüste“ (05.-11.09. 2004). Aber eigentlich tue ich den anderen Reisebildern Unrecht, wenn ich einzelne besonders heraushebe. Ohnehin hätten andere Leser... vielleicht ganz andere Prioritäten.
Gelernt habe ich aus diesem, nicht nur literarisch und lebenspraktisch, sondern auch politisch und religiös hellsichtigem Buch en passant auch so einiges: Die Scilly-Inseln als „Inseln der Seligen“ waren mir bislang unbekannt und sind doch offenbar jede Entdeckung wert. Auch die Reisen zu europäischen Minderheiten wie den „Cici und Ciribiri“ (07.11.1995) und in die „Bisiacaria“ (21.09.1997) erschlossen Neuland für mich. Anderes, was ich schon etwas zu kennen meinte, lernte ich von einer neuen Seite her kennen. Drei der Reiseessays führen nämlich in drei Länder des früheren Ostblocks, nach Tschechien, dem gerade auf friedliche Weise die Slowakei abhanden gekommen war („Das Land ohne Namen“, 13.02.1993), nach Polen („Polen schlägt ein neues Kapitel auf“, 09.04.1989) und nach Russland („Auf dem Treppenabsatz von Raskolnikow“, 18.05.1988). Nicht verschweigen will ich zudem, dass auch der letzte Essay des Bandes („Die Grenzen Vietnams“, 14.12.2003) sehr interessant zu lesen war.

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Claudio Magris wurde am 10. April 1939 in Trieste (Italien) geboren.

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