Claus H Drese Nachklänge

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Inhaltsangabe zu „Nachklänge“ von Claus H Drese

Schatten der Vergangenheit nehmen Fleisch und Blut an. Hauptdarsteller dieses Schattentheaters ist der Tod. Alle sind ihm ausgeliefert. Ob sie sich noch so sehr tarnen, spalten, verdoppeln – die Dramaturgie ist vorgezeichnet. Der Tod verleiht ihren Rollen im Leben erst den wahren Sinn. 'Einmal gewesen zu sein ? scheint nicht widerrufbar', heißt es in der Neunten Duineser Elegie Rilkes. Theater dagegen ist widerrufbar. Anekdoten lösen sich auf, das Gelächter des Zufalls verklingt, die Grimassen der Betroffenheit sind bald entlarvt. Große Gebärden, eitle Klänge, fadenscheinige Kostüme. Und doch müssen wir immer wieder in den Spiegel schauen, nach der Wahrheit suchen hinter dem Schein der Masken. Wir brauchen das Theater, aber welches Theater? Verspielen wir nicht unser Spiel? Aus Träumen können Albträume werden. Die Personen, die durch diese Tagträume geistern, haben gelebt; aber nicht so, wie sie hier erscheinen. Sie haben sich verwandelt, vermischt, dramatisiert. Wenn jemand trotzdem ihre Spuren und Konturen erkennen sollte, wird er enttäuscht: die Ähnlichkeit mit realen Personen oder Ereignissen ist rein zufällig. Das ist literarisches Gesetz. Sonst würde die Phantasie darben. Und Phantasie ist das einzige Mittel, mit dem wir unsere grausame Wirklichkeit verändern und verbessern können.

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  • Rezension zu "Nachklänge" von Claus H. Drese

    Nachklänge

    erlemirs

    06. November 2012 um 12:57

    Ich habe das Buch anlässlich einer Präsentation von Claus Helmut Drese im Jahr 2003 gekauft. Es ist mit einer persönlichen Widmung des Autors versehen. Seither ruhte es in meinem Bücherschrank und viel mir zufällig in die Hand und ich erinnerte mich, dass ich das doch lesen wollte. Ich habe es jetzt an wie Tagen ausgelesen und war begeistert von den fünf spannenden Geschichten. Drese verarbeitet Ereignisse der jüngsten Vergangenheit und bringt sie in Verbindung mit Werken der Opernliteratur. Da wird das Verhältnis Israels und der Palästinenser in einen zufälligen Zusammenhang mit Mozarts Idomeneo gebracht und in den Probenwerden immer wieder Bezüge zur aktuellen Situation dargestellt. Der Fall Holländer ist eine spannende Kriminalgeschichte eines erfolgreichen Wagnersängers, der bei einer Vorstellung des Holländers verunfallt und daran stirbt. War es ein Unfall oder Mord? Dieser Frage wird ganz im Stil eines Krimis nachgegangen und schließlich der Mordfall geklärt. Auf dem Weg nach Arkadien schildert Drese die Geschichte eines Aussteigers aus der 68er Generation, der schließlich an sich selbst scheitert und trotz mehrer Interventionen von einer gerade eingegangenen zufälligen losen Freundschaft, keinen Weg zurück findet und aus seiner Einsiedelei spurlos verschwendet. In Doktor Hölderlin zeigt der Autor in ganz wunderbarer Weise die Geschichte einer Begegnung von zwei Männern in der Nazizeit. Dabei spielt die unterschiedliche Interpretation von Hölderlin eine wesentliche Rolle. Dem einen rettet sie das Leben, dem anderen kostet sie das Leben. Schließlich wird im „Kruzifix“ ein weiteres Schicksal aus der Nazizeit in den Mittelpunkt der Erzählung gestellt. Insgesamt war das ganze Buch für mich voller Überraschungen und überaus spannend zu lesen. Drese als Direktor der Wiener Staatsoper und des Opernhauses Zürich zeigt einmal mehr, wie eng die Verbindung eines guten Theatermachers mit dem eines Autors verknüpft sein kann.

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