Clemens Berger Ein Versprechen von Gegenwart

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Inhaltsangabe zu „Ein Versprechen von Gegenwart“ von Clemens Berger

Lass uns verreisen, sagte er, ans Meer, für eine Nacht. Ich war seit Ewigkeiten nicht am Meer.
Ihn kann so schnell nichts überraschen, denn er arbeitet schon lange als Kellner in einem gehobenen Restaurant. Zu oft hat er die kleinen Gesten für die großen Gefühle seiner Gäste beobachten können: wie die Pärchen sich gegenseitig beeindrucken, wie sie einander umtänzeln, wie sie sich wieder entlieben. Aber dann betreten ein Mann und eine Frau sein Restaurant, für die der Kellner noch keine Worte hat. Und die sein Leben verändern werden.
Sie ist atemberaubend. Aber was heißt das schon? Zehn von neun Männern würden für sie Frau und Besitz aufgeben, ohne mit der Wimper zu zucken. Aber der, mit dem sie jetzt an einem Tisch sitzt, hat nichts Triumphales an sich. Er ist beneidenswert entspannt in seiner Selbstsicherheit: Ich hatte sie. Ihr nicht. Der Kellner beginnt, die Beziehung der beiden zu »lesen«, er dechiffriert die Bruchstücke ihrer Unterhaltung, die er belauscht, er deutet den Schwung ihrer Gesten. An den nur ein wenig verrutschten Kleidungsstücken erkennt er den Sex, von dem sie gerade kommen. Er wird zum Mitwisser ihrer Affäre – und unversehens zum Beteiligten. Clemens Berger entführt uns in einen Zwischenraum der gewöhnlichen Zeit, in die Spanne kurz vor oder kurz nach Mitternacht, wenn mehr möglich ist, als man sich je ausgemalt hatte. Und er erfindet eine ganz eigene, atemberaubend genaue, sinnliche und elegante Sprache für das, was man so leichtfertig Erotik nennt.

Mystisch, faszinierend, mitreißend, erotisch. Und vor allem außergewöhnlich.

— Clari_214

Clemens Berger wirft den Leser in einen vor Erotik prickelnden Wörterfluss. Pures Lustlesen!

— Binea_Literatwo

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    Ein Versprechen von Gegenwart

    Clari_214

    04. September 2014 um 21:01

    Sie kommen kurz vor oder kurz nach Mitternacht, wenn das Lokal sich langsam zu leeren beginnt, und nehmen Platz am immer selben Ecktisch. Bei jedem ihrer unregelmäßig regelmäßigen Besuche bestellt sie Bitter Lemon, er ein Bier und die Filetspitzen. Sie wissen nicht, dass sie beobachtet werden – oder vielleicht wissen sie es, und lassen den Kellner als Dritten an ihrem geheimnisvollen Schauspiel teilhaben. Sie sind für ihn schon längst keine gewöhnlichen Gäste mehr. Er kennt sie alle: die frisch Verliebten und die Entliebten; die, die sich auch nach Jahren immer noch etwas zu sagen haben, die Seitenspringer, die Geheimnisvollen. Doch die beiden sind anders. Aus ihrer Körperhaltung, der Art, wie sie miteinander reden, wie sie einander ansehen, aus den Gesprächsfetzen, die er vernimmt, beginnt er mehr zu verstehen, als jeder von ihnen anfangs ahnt – und wird dadurch bald zum Beteiligten ihrer Geschichte. „Wenn sie an dem Tisch saßen, den ich immer vor mir sehen werde, zumindest so lange, wie ich mich erinnern kann, hatten sie einander nichts zu beweisen, waren ihnen die Rollen, die sie nun spielten, ebenso durchsichtig wie jene, die sie spielten, bevor sie einander auszogen, um in jenem Zustand in das Lokal zu kommen, in dem sie kamen – als wären sie nicht die, für die man sie halten mochte, als wäre da etwas, woran alle glaubten, ohne es zu kennen, das ihnen, durch welchen Zauber immer, bekannt wäre.“ – Die Wortkonstruktionen, die Sätze, die der Autor verwendet, entführen den Leser auf anmutige Weise in eine rätselhafte Welt zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen Transparenz und Undurchschaubarkeit. Der dem Leser dabei eingeräumte Interpretationsspielraum ist weitläufig, aber dennoch gekonnt begrenzt. Dies ermöglicht gleichermaßen eine Einfühlung mit dem Ich-Erzähler sowie die Entfaltung eigener Phantasiestränge, wodurch einer stimmigen, tiefgründigen und sinnlichen Lektüre nichts im Wege steht. 

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  • Pures Lustlesen

    Ein Versprechen von Gegenwart

    Binea_Literatwo

    11. July 2013 um 22:39

    Setzt euch, macht es euch bequem und bestellt euch etwas zu essen und zu trinken und beobachtet das Geschehen um euch, denn jetzt wird es prickelnd. Habt ihr euch in einem Restaurant schon mal beobachtet gefühlt oder habt ihr schon die anderen Gäste um euch beobachtet? Ja? So eine tiefgreifende Beobachtung allerdings, wie sie der Kellner in einem Wiener Restaurant macht, sicher noch nicht. Er trägt den Namen Valentin und ist von ihrer Schönheit geblendet, als er sie zum ersten Mal sieht. Sie, Irina, die Wildkatze. Ihre Begleitung, ein im Gegensatz zu ihr eher unscheinbarer Mann, der Löwe, an ihrer Seite. Valentin kennt die verschiedenen Arten von Pärchen, Verhaltensmuster und Gepflogenheiten. Dieses Pärchen ist anders, es raubt dem Kellner den Atem, sobald es das Lokal betritt. Sie kann er kaum in Worten beschreiben, kein Wort würde ihr gerecht werden. Die Wildkatze verzaubert jeden Mann und jeder Mann würde sie gern an ihrer Seite haben. Wahrlich eine Frau von Frau. Irina. Valentin ist sich sicher, dass dieses Paar kein Paar in der Öffentlichkeit außerhalb des Restaurants ist und er ist sich sicher, dass beide definitiv Sex miteinander haben. Er liest es aus ihren Gesichtern, analysiert die Kleidung, ihre Bewegungen, das ganze Paket namens Wildkatze und Löwe. Die Besuche des Pärchens häufen sich und Valentin kann seine Augen nicht von beiden lassen und lässt sich während ihrer Anwesenheit auch nicht davon ablenken. Er ist umfassend fasziniert und sein Kassenbuch wird voller und voller, denn er hält darin sämtliche Informationen über die beiden fest. Die Besuche werden häufiger und Valentin sehnt sich nach der Zeit kurz vor oder nach Mitternacht. Er nähert sich ihnen aus der Distanz an, da sein Wissen von Besuch zu Besuch größer wird. Valentin selbst nährt sich am Anblick von ihr, dem Verhalten des heimlichen Paares und wird zum Mitwisser eines Geheimnisses, welches beide miteinander teilen. Vor Valentin öffnet sich eine neue Welt, wenn er die Wildkatze und den Löwen sieht und er taucht gern darin… Diesen kleinen aber feinen Roman des österreichischen Schriftstellers Clemens Berger kann ich kaum in empfehlende Worte packen. Ein Werk über einen Meister der Umfeldanalyse, welches so voller prickelnder Erotik und Detailverliebtheit steckt, dass man während des Lesens immer mehr von der Nahrung die Berger streut gesättigt wird. Clemens Berger wirft den Leser in einen regelrechten Wörterfluss der durch und durch prickelt. Ein Roman mit Nachsicht aus der Perspektive des Kellners erzählt, welcher nicht nur auf das Pärchen schaut, sondern immer wieder von seinen Gedanken dazu veranlasst wird, in sein eigenes Liebes- und Beziehungsleben zu blicken. Während er umfangreich das Verhältnis der Wildkatze und des Löwen offen legt und Stein für Stein aufeinandersetzt, traut er sich nach und nach an die bruchstückartige Öffnung seines eigenen Lebens. Wer bisher zu wissen dachte, was Erotik ist, kann dieses Wissen nach diesem Roman vernichten. Clemens Berger definiert Erotik neu und was er schreibt, ist Erotik, facettenreiche Erotik. Auf jeder Seite hätte ich Post'its unterbringen können, solche Zitatefluten strömten mir entgegen. Bergers Worte möchte man am liebsten in sich tief verankern und mit seinen Worten sprechen. Es fällt schwer, Worte für seine Worte zu finden, denn für seine im Roman verwendeten gibt es einfach keine anderen. Als Frau habe ich mich in den Roman verliebt und einem Mann dürfte dies mittels der gewählten Erzählperspektive ebenso leicht fallen. Erotik muss kein Sex sein, aber auch dieser wird in einigen Szenen beschrieben und zwar so treffend, wie alle anderen Szenen zuvor. Am Ende dieser knapp 160 Seiten hängen die Gedanken immer noch im Roman und die Augen öffnen sich weit. Ein erneutes Lesen ist wohl die Krönung des Lesegenusses, denn genau dann werden sich weitere Wortäste finden, die noch tiefere Details ausleuchten und Kleinigkeiten aufsaugen lassen. “Ein Versprechen von Gegenwart” aus dem Hause Luchterhand ist ein Roman voller Nachsicht – und um in Clemens Bergers Worten zu sagen: „der in ein Reich der Lust und Verführung führt, auf einen Spielplatz gegen den Alltag, gegen die Wirklichkeit, gegen ihre Geschichten, in dem alles außer Kraft gesetzt war.“

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  • Die zweite Welt

    Ein Versprechen von Gegenwart

    TomL

    14. June 2013 um 16:50

    Valentin, von dem man annehmen kann, er wäre zwischen Ende zwanzig und Mitte dreißig, führt als angestellter Kellner eine elegante Bar in Wien, und außerdem mit einer Julia eine Beziehung ohne viel Engagement, die er also als gegenwärtig hinnimmt: zeitlich und örtlich vorübergehend präsent. Diese Julia spielt in Clemens Bergers Roman allerdings keine aktive Rolle, wie auch der ich-erzählende Kellner, dessen Name ein einziges Mal genannt wird, in der Hauptsache Beobachter ist; Beobachter vor allem jenes faszinierenden Paars, das eines Abends in der Bar auftaucht, nach Mitternacht, und fortan häufiger kommt, ein-, zweimal pro Woche. Sie ist offenbar wohlhabend und so unfassbar schön, dass "neun von zehn Männern alles Hab und Gut für sie aufgeben würden", er verströmt unprätentiöse Lässigkeit, was Valentin vermuten lässt, es mit einem Schauspieler zu tun zu haben. Sicher ist er sich, dass sie immer nach dem Sex kommen, höchstwahrscheinlich nach betrügerischem Sex, wofür ein Indiz ist, dass er die Frau - sie heißt Irina - eines Tages in der Stadt trifft, mit Ehering am Finger und zehnjährigem Kind an der Hand. Alles andere errät und vermutet der Kellner, der mehr und mehr in den Bann der beiden gerät, über Gesprächsfetzen, die er hört, über Gesten, Kleidung, Attitüde - alles notiert er akribisch auf den hinteren Seiten eines alten Kassabuchs. Die über alle Maßen begehrenswerte Frau und ihr cooler Begleiter, die ein eigentlich nicht zusammenpassendes Paar bilden, verkörpern für Valentin die "zweite Welt", jenes Dasein hinter den Kulissen, die die erste, "richtige" Welt bildet, die ohne jene verruchte, direkte, emotionale, gefährliche zweite nicht existieren könnte und kann. Das recht kurze, wunderbar dichte und im positiven Sinn eigenartige neue Buch des Österreichers, von dem u.a. der hinreißende Roman "Das Streichelinstitut" (2010) stammt, erzählt von Projektion und Wunschdenken, vom Begehren nicht nur sexueller Art, in gewisser Weise sogar von Ständen und Klassen, die längst überwunden sein sollten. Einziger Makel ist der Klappentext, der eine überwiegend erotische Geschichte vorgaukeln will: "Ein Versprechen von Gegenwart" hat seine erotischen Momente und thematisiert Sex, handelt aber nicht überwiegend hiervon. Leseempfehlung!

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