Clemens Bomsdorf

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MARCO POLO Reiseführer Schweden
Neu erschienen am 13.08.2018 als Taschenbuch bei MAIRDUMONT.

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Clemens BomsdorfSo werden Sie reich wie Norwegen
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So werden Sie reich wie Norwegen
So werden Sie reich wie Norwegen
 (1)
Erschienen am 01.04.2018
Clemens BomsdorfMARCO POLO Reiseführer Schweden
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Erschienen am 13.08.2018

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Rezension zu "So werden Sie reich wie Norwegen" von Clemens Bomsdorf

"Was ist eigentlich eine Aktie ..."
R_Mantheyvor 6 Monaten

Diese für die Zielgruppe dieses Buches offensichtlich wichtige Frage stellt sich der Autor erst fast in der Mitte seines Textes. Vielleicht kam die Antwort tatsächlich ein wenig spät, denn schließlich ging es schon die ganze Zeit vorher um einen riesigen Fond, der zu 70% aus Aktien besteht. Immerhin weiß man spätestens nach dieser Frage, wo sich das Niveau dieses Textes ansiedelt. Was man hingegen nicht erkennen kann, ist, ob Clemens Bomsdorf tatsächlich ein wenig naiv oder vielleicht doch raffiniert ist.

Seine Ausführungen lassen sich (zugegeben etwas grob) folgendermaßen zusammenfassen: Man spare zunächst eine gewisse Grundsumme an und kaufe dann damit Wertpapiere in einem gewissen Verhältnis zwischen Aktien und Anleihen. Anschließend wird ein monatlich festzulegender Betrag immer wieder nach diesem Prinzip angelegt, und zwar völlig unabhängig von der Marktlage. Da man keine wirkliche Ahnung von den Märkten besitzt, wähle man jeweils einen ETF aus dem im Text aufgeführten. Auf diese Weise kauft man stets einen Gesamtmarkt und ist wegen der breiten Streuung gegen Schwankungen einzelner Aktien angeblich abgesichert. Das Verhältnis zwischen Aktien- und Anleihen-ETFs kann sich ändern. Einzelheiten findet man im Buch. Da die Märkte bisher jährlich im Durchschnitt immer um mehr als 5% gestiegen sind, braucht man kein Risikomanagement. Nach einer gewissen Zeit (10, 20, 30 Jahre) würde man dann je nach Ersteinzahlung und monatlicher Investition den angestrebten Endbetrag erhalten.

Ist doch toll. Oder? Ein etwas besser informierter Leser erkennt leicht, dass es sich bei dieser Strategie um das übliche Aktiensparprogramm von Banken handelt und nur die ausgewählten Produkte und deren Verhältnis eine gewisse Neuigkeit darstellen. Nicht zu vergessen sind natürlich die ethischen Gesichtspunkte, die Bomsdorf von den Norwegern übernommen hat. Damit wird man die Welt verbessern, wenn man daran glaubt oder es fürs eigene gute Gewissen braucht. Hoffentlich wissen das dann auch die ausgewählten ETFs. Neuerdings investiert der norwegische Staatsfond auch in Immobilien. Auch für diese Variante findet man im Buch eine entsprechende Anleitung.

Was hat das nun alles eigentlich mit dem norwegischen Staatsfond zu tun? Nun, man braucht um solche Sparprogramme attraktiv zu machen immer ein ethisch wertvolles Beispiel, das nicht allzu sehr mit bösen Bank- oder Fondmanagern in Verbindung gebracht werden kann. Hier agiert ein Staat mit Prinzipien. Und er macht das ohne jeden Zweifel tatsächlich gut. Die Erträge aus dem norwegischen Ölgeschäft werden weitsichtig und zu erheblichen Teilen in diesem Fond angelegt, der wiederum schon wegen seiner schieren Größe den Gesamtmarkt weltweit abdecken muss. Diese Größe ist es auch, die ihn sowohl zur Passivität als auch zu einem weitgehend defensiven Risikomanagement zwingen. Er kann gar nicht anders, weil alles andere enorme marktbeeinflussende Wirkungen hätte. Dieses Verhalten auf einen Kleinanleger zu übertragen, der ganz anders agieren kann und sollte, ist (freundlich ausgedrückt) mutig.

Übrigens gibt es die von Bomsdorf ständig wie ein Mantra zitierte norwegische Finanzformel nicht wirklich. Tatsächlich handelt es sich dabei lediglich um ein paar allgemeine Prinzipien, die man im Buch nachlesen kann. Der Autor versucht seine Leser mit den niedrigen Zinsen zu motivieren, die Sparen nicht attraktiv machen würden. Dabei tut er so, als ob diese Zinsen so eine Art Naturereignis wären. Doch tatsächlich sind sie nicht Motivation, sondern die Crux bei seiner Variante des Wertpapier-Sparprogramms.

Die Niedrigzinsen sind die letzte Patrone der Zentralbanken und Ausdruck einer völlig durchgeknallten Voodoo-Ökonomie, die das bevorstehende Desaster aufhalten sollen, es aber nicht verhindern werden. Die westlichen Industriestaaten sind hoffnungslos überschuldet und stehen eigentlich mehr oder weniger vor einem Staatsbankrott. Um den zu verhindern, müssen ständig über riesige Programme Staats- und andere Anleihen von den Zentralbanken aufgekauft werden. Auf diese Weise hält man die Kurse dieser Anleihen hoch, was die Zinsen unten hält. Um diese Kaufprogramme aufrechterhalten zu können, braucht man Geld, das man aus dem Nichts erschafft. Dieses Geld schwirrt zunächst im Finanzsektor umher, denn von dort werden schließlich die Anleihen aufgekauft. Da es kaum noch Zinsen gibt, kommt es zu einem Anlagenotstand. Das Geld fließt deshalb vor allem in den Rohstoff- und Aktiensektor, was wiederum dort steigende Kurse zur Folge hat. Wenn man bereits das Ansteigen der Geldmenge sinnvollerweise als Inflation bezeichnet, dann sieht man in diesen Bereichen die ersten (globalen) Auswirkungen.

Der Autor dieses Buches sieht das alles nicht oder will es nicht sehen. Vielmehr tut er so, als ob die Entwicklung der Aktien- und Anleihenmärkte immer fröhlich so weiter gehen wird, wie in den letzten 50 Jahren. Doch inzwischen hat sich global eine Situation entwickelt, die es so noch nie gab. Vielleicht lohnt ein Blick nach Japan. Hätte man dort vor 20 Jahren mit einem auf Japan begrenzten Programm nach Blomsdorfs Vorschlag angefangen, säße man immer noch auf Verlusten. Nun werden die Anhänger der unsinnigen (weil durch die letzte Finanzkrise widerlegten) modernen Portfolio-Theorie gleich aufschreien und erregt auf die Notwendigkeit einer breiten Diversifizierung hinweisen. Was damals auf Japan beschränkt galt, hat man heute global. Da nützt dann auch eine Diversifizierung nichts mehr. Das ist der Sinn dieses japanischen Beispiels.

Um es kurz zu machen: Was Blomsdorf empfiehlt, kann erfolgreich sein, wenn die jetzige Entwicklung auf den Finanzmärkten noch eine Weile so weiter läuft. Diese Methode allerdings ohne ein Risikomanagement zu empfehlen, erscheint hingegen zwar konsequent, wenn man über den Optimismus oder die Naivität des Autors verfügt, jedoch ist sie eher zweifelhaft, wenn man die Entwicklungen der letzten Jahre analysiert.

Wie man ein solches Buch bewerten soll, ist mir hingegen schleierhaft. Auf der einen Seite kann es unter der Voraussetzung, dass alles schön so weiter geht wie bisher, für die anvisierte Zielgruppe eher ahnungsloser Aktiensparer durchaus sinnvoll sein. Ihnen jedoch das vorhandene globale Risiko zu verschweigen, passt zwar ins naive Konzept, ist jedoch schon aus ethischen Gründen nicht korrekt. Den Norweger-Fond als Vehikel für allseits bekannte Aktien-Sparprogramme zu benutzen und daraus ein Buch zu machen, halte ich darüber hinaus für recht clever. Die Norweger werden nicht vorher erklären, was sie machen, weshalb höchstens ihre Prinzipien hilfreich sein können. Diese sind jedoch am Ende bis auf die Gewichtungen zwischen Aktien und Anleihen nicht wirklich relevant, wenn man sowieso wie die Norweger den jeweiligen Gesamtmarkt kauft.

Sieht man sich übrigens die vom Autor favorisierten ETFs beispielsweise für Aktien etwas genauer an, was nicht ganz so einfach ist, weil die meisten Börsenanalyseprogramme mit der Wertpapierkennummer arbeiten und nicht mit der ewig langen ISIN, dann stellt man fest, dass einige von ihnen kaum gehandelt werden. Merkwürdig ist aber vor allem, dass der Autor nun plötzlich seine Leser entscheiden lässt, wie sie ihr Portfolio aufbauen, denn nur einer dieser ETFs ahmt einen weltweiten Index nach. Das wiederum ist recht inkonsequent, zumal, man sich doch detaillierter informieren sollte, wenn man einen ETF eines kleineren Marktes ins Depot nimmt. Gleich am Anfang seines Buches befand der Autor jedoch, dass seinen Lesern solche Analysen erspart werden sollten. Das kann man sich allerdings nur leisten, wenn ein ETF einen allgemein akzeptierten großen Index nachbildet.

Man kann dem Buch je nach Sichtweise drei bis fünf Sterne geben.

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